Streit um DVD-Erbe

Nackte Blu-ray Discs mit 50 GByte attackieren HD-DVDs

Trends & News | News

Der Kampf um die DVD-Nachfolge geht in die nächste Runde: Während die Blu-ray Disc mit höheren Speicherkapazitäten und neuartigen Schutzschichten aufrüstet, sucht die HD-DVD nach Rückendeckung aus Hollywood und setzt auf billige Massenproduktion.

Die Blu-ray Disc Founders haben den japanischen Medien-Hersteller TDK als jüngstes Mitglied in ihren Zirkel aufgenommen. TDK hat eine neuartige Schutzschicht entwickelt, die die Produktion von Blu-ray Discs (BD) ohne schützende Cartridge ermöglicht. Durch das neue Hard-Coating seien die BDs gar kratz- und schmutzunempfindlicher als DVDs.

Die neue TDK-Beschichtung besteht aus einem 98 µm dicken Cover-Layer und einem 2 µm dicken Hardcoat, die beide flüssig im Spin-coating-Verfahren aufgetragen werden. Bisher waren dazu teure Klebefolien nötig, die in Handarbeit laminiert wurden. Laut TDK ist der automatische Produktionsprozess einsatzbereit, sodass die Massenproduktion jederzeit beginnen könnte. Vor allem die sehr an niedrigen Produktionskosten des möglichen DVD-Nachfolgers interessierte Filmindustrie begrüßte die neue Beschichtungstechnik. Sony präsentierte bereits ein Prototyp-Laufwerk, das auf die bisherige Cartridge verzichtet.

Unklar ist bisher, ob alle drei Blu-ray-Formate (BD-ROM, BD-R und BD-RE) als nackte Discs zu kaufen sein werden. Eventuell verbleibt die wiederbeschreibbare BD-RE in der Cartridge. Für die hiesige Einführung der BD peilen viele Hersteller die Fußball-WM 2006 an, da die Spiele in Europa erstmals in HDTV übertragen werden und DVD-Videorecorder dafür nicht die nötige Aufzeichnungskapazität bieten. Einige Hersteller wie Panasonic, Pioneer oder LG wollen hierzulande sogar schon zu Weihnachten 2005 die ersten BD-Recorder auf den Markt bringen.

Zu diesem Zeitpunkt könnte sich jedoch schon die zweite Generation der BDs etabliert haben. So demonstrierte unlängst Panasonic auf der CeBIT in Hannover einen funktionstüchtigen Prototyp für zweilagige Blu-ray Discs mit 46,6 und 50 GByte Speicherkapazität. Der Disc-Aufbau ist dabei analog zur zweilagigen DVD. Hinter der ersten Aufnahmeschicht befindet sich eine halbdurchlässige Reflexionsschicht, danach kommt ein 25 µm dicker Spacer und die zweite Aufnahmeschicht. Die normalerweise 0,1 mm dicke Schutzschicht der BD misst bei der zweilagigen Variante nur noch 0,075 mm. In Japan soll das Gerät bereits im August zu kaufen sein. Für die Zukunft sind gar vierlagige BDs mit bis zum 100 GByte Speichervolumen angedacht.

Das Konkurrenzformat HD-DVD (vormals AOD) kann bei solchen Größen nicht mithalten, bisher sind allenfalls zweilagige Medien mit bis zu 32 GByte Speicherkapazität vorgesehen (ROM-Version mit 30 GByte). Deshalb suchen NEC und Toshiba als Formatentwickler Rückendeckung aus Hollywood, da sich kein Speicherformat ohne die nötige Filmunterstützung als DVD-Nachfolger etablieren können wird. So präsentierte NEC auf der CeBIT einen Hybrid-Recorder für CDs, DVDs und HD-DVDs mit rotem und blauem Laser, der eine hochaufgelöste Szene aus „Matrix Revolutions“ in WMV9 abspielte. Mit AOL/Time Warmer hat das HD-DVD-Format somit schon einen der größten Medien-Konzerne auf seine Seite gezogen. Der größte Vorteil der HD-DVD ist, dass die Medien mit ihrer 0,6 mm dicken Schutzschicht genauso aufgebaut sind wie eine DVD und man so bereits installierte Medien-Produktionsmaschinen weiter nutzten können soll. Allerdings ist die HD-DVD wesentlich empfindlicher gegenüber Verbiegungen. Ob die DVD-Produktionsanlagen die Scheiben genau genug pressen können, müssen sie erst noch beweisen.

Im Unterschied zur BD kann die einlagige HD-DVD in der ROM-Version aber nur 15 und in der RW-Variante 20 GByte speichern. Die einlagige BD kommt auf 23,3, 25 und 27 GByte. Um die Nachteile bei der Speicherkapazität auszugleichen, kann das Filmmaterial bei der HD-DVD nicht nur im althergebrachten MPEG-2, sondern auch in Windows Media Video 9 (WMV9) und H.264 kodiert werden. Für die Dekodierung von H.264 und WMV9 braucht man jedoch wesentlich mehr Rechenleistung. NEC nannte eine 3,2-GHz-CPU - vorzugsweise mit Hyper-Threading - als Mindestvoraussetzung. Kein Wunder also, dass Intel und Microsoft große Fans der HD-DVD sind, während die Hersteller von Standalone-Recordern die BD favorisieren, für die man lediglich günstige MPEG-2-Decoder benötigt.

Entgegen früheren Ankündigungen will NEC mit dem ersten HD-DVD-Laufwerk für PCs erst Ende 2005 zu Preisen zwischen 300 und 500 Euro auf den Markt kommen. Toshiba hat ebenfalls für denselben Zeitraum ein Abspielgerät angekündigt. Recorder für wiederbeschreibbare RW-Medien sollen 2006 folgen. (hag)

Kommentare

Anzeige
Anzeige