Strippen ziehen

Netze bauen und einrichten

Praxis & Tipps | Praxis

Kabel ziehen hat auch in Zeiten günstiger WLAN-Hardware seinen Sinn, verspricht es doch stabileren und höheren Durchsatz als das Medium Funk.

Ein Student im Wohnheim oder der Single in seiner Zweizimmer-Wohnung wird sicher kein großes LAN errichten. Sie kommen mit dem im DSL- oder ISDN-Router mitgelieferten Switch und fertigen Patchkabeln aus. Doch schon bei kleinen Firmen, Familien im Eigenheim oder Wohngemeinschaften in größeren Wohnungen sieht das anders aus. Hier lohnt sich eine systematische Verkabelung, die man selbst erledigen kann.

Die beste Gelegenheit dafür ist, wenn gerade eine Renovierung oder ein Neu- respektive Umbau ansteht. Größere Unternehmen werden indes ihrem Bauträger bei An- und Neubauten die schlüsselfertige Installation der Netzwerkverkabelung ins Pflichtenheft schreiben, der sie wiederum von einer Fachfirma erledigen lässt. Doch auch hier lohnt es sich, das Folgende zu überfliegen, um mitreden und gegebenenfalls mitentscheiden zu können.

Hat man sich für die Eigenleistung entschieden, steht zur Wahl, ob Kabel direkt in die Wände kommen oder ob Leerrohre eine spätere Erweiterbarkeit schaffen sollen. Die erste Methode führt zu schnellen Ergebnissen, wächst aber nur solange mit der Firma oder Familie mit, bis die beim Bau eingeplante Reserve aufgebraucht ist. Bei Leerrohren hat man zumindest eine Chance, später zusätzliche oder neue Leitungen einzubringen, ohne neue Nuten in Wände fräsen zu müssen.

Außerdem kann man in zehn oder zwanzig Jahren die Kabel austauschen, falls Glasfaser oder CAT6a für den nächsten Geschwindigkeitssprung auf 10-Gigabit-Ethernet (10GE) nötig werden sollte. Dazu muss man die Verrohrung so anlegen, dass der Biegeradius der Leitung nirgendwo 30 Millimeter unterschreitet. Stärker sollte man auch fest verlegte Kupferkabel nicht biegen, geschweige denn knicken. Sonst drohen Aderbrüche, die kaum zu finden und noch weniger zu reparieren sind. Das spätere Nachziehen von Leitungen durch Leerrohre fällt allerdings nur dann leicht, wenn man Zugänge an den Stellen setzt, wo das Kabel um die Ecke muss. Um mehr als eine Kante rutscht die Leitung freiwillig nicht.

In Wohngebäuden sollten pro Raum als Mindestausstattung ein Telefon- und Kabel-TV-Anschluss sowie ein LAN-Port entstehen. Zukunftsorientierte legen in gegenüberliegende Zimmerecken jeweils einen Netzwerkanschluss. Auch Nebenräume und Flure sollte man mit verkabeln. Den Längenbedarf kann man anhand einer einfachen Faustformel abschätzen: 2 × Luftlinie ergibt die nötige Stücklänge inklusive Reserve. In Büroräumen empfiehlt sich eine Doppeldose – ab drei Euro pro Stück – in jeder Raumecke, von der man einen Port für das Netzwerk und den anderen für die Telefonanlage vorsieht. Neben jede Netzwerkdose gehört eine Steckdose fürs Stromnetz, denn wo Daten fließen, sollen sie auch verarbeitet werden. Nur selten wird ein Gerät mit per Netzwerk gelieferter Energie auskommen (Power-over-Ethernet, PoE). Kandidaten dafür sind WLAN-Access-Points der gehobenen Preisklasse. Sie setzen einen entsprechend ausgestatteten Switch oder einen Injektor voraus.

Wer beim Strippenlegen am falschen Ende spart, wird sich später ärgern. Denn der Preis pro Kabelmeter ist mit typisch 30 bis 40 Cent (100-Meter-Rolle CAT5) recht niedrig, das Einziehen zusätzlicher Leitungen nach Bauabschluss in der Regel jedoch teuer bis unmöglich. Manche Händler bieten unter der Bezeichnung CAT5 zu gleichem Preis sogar die elektrisch etwas bessere CAT5e-Variante an. Sie transportiert auch auf langen Strecken, die an die Ethernet-Grenze von 100 Meter heranreichen, sicher Gigabit-Ethernet (GE).

Selbst in kleinen Installationen lohnen sich Patchfelder: Simples Umstecken der Patchkabel genügt bei Systemumstellungen, man muss keine Adern umklemmen.

Damit ist man für absehbare Zeit gerüstet. CAT6a-Leitungen, die selbst 10-Gigabit-Ethernet auf Kupfer übertragen können, erscheinen derzeit überdimensioniert. Denn mittlere und große Unternehmen haben schon vor Jahren begonnen, ihre Backbone-Netze – in der Sprache der einschlägigen Norm EN 50173 für strukturierte Verkabelung der Primär- und Sekundärbereich – auf Glasfaser zu bauen, die 10GE auch über mehrere hundert Meter transportiert.

Soll parallel zum Datennetz auch eine Telefonanlage einziehen, legt man dafür ebenfalls CAT5-Kabel. Es ist zwar für die elektrischen Anforderungen von Analogtelefonie oder ISDN überdimensioniert, aber so kann man bei Bedarf Telefonanschlüsse leicht zu Datenports umwandeln. Bei Unterputzmontage sollte man auf hinreichende Tiefe der einzusetzenden Schalterdosen achten: Gewöhnliche Fabrikate aus der Elektroinstallationstechnik bieten nicht immer genug Spielraum zum Unterbringen des Kabels. Dieses lässt man beim Verlegen etwa 20 Zentimeter aus der Wand ragen, damit das Anschließen leicht fällt.

Wenn man nicht unter Putz verlegen kann, sorgen Kabelkanäle für ein aufgeräumtes Büro und den hausfriedenrettenden WAF (Women’s Acceptance Factor) daheim. Flache Kanäle, die die Kabel verbergen, setzt man beispielsweise über die Fußleiste an die Wand und montiert RJ45-Aufputzdosen direkt darüber. Tiefe, zweietagige Kanäle mit Trennsteg nehmen neben der Datenverkabelung im einen Fach auch die Energieversorgung im anderen auf.

RJ45-Verbinder transportieren Ethernet- oder ISDN-Signale. Mit Steckadaptern können auch Fast-Ethernet und ISDN parallel in einer Leitung laufen.
Von den zwei bei strukturierter Verkabelung definierten Farbschemata ist T568B das weiter verbreitete. Das Gewählte sollte der Installateur konsequent anwenden.

Die Sparbrötchen-Variante besteht aus bis zu 40 Meter langen Patchkabeln, die man schlicht mit Heißkleber in die Ecke zwischen Tapete und Fußleiste setzt. Doch solch eine Befestigung hält selten dauerhaft. Nagelschellen, die das Kabel umgreifen, ohne es zu quetschen, eignen sich besser. Graues oder knallgelbes Kabel sticht allerdings auf weißer Rauhfaser unschön ins Auge, was zum Überstreichen nötigt. Schließlich kann sich das in fixen Längen erhältliche Patchkabel in manchen Fällen beim Montieren als just einen halben Meter zu kurz herausstellen. Dann muss man einen RJ45-Buchse-zu-Buchse-Adapter samt zusätzlichem Patchkabel dranhängen.

Wer trotz dieser Makel die Arbeit durch Einsatz fertiger Patchkabel minimieren will, sollte die Wände mit ausreichendem Durchmesser löchern: Der mit Klinke ungefähr 15 mm x 15 mm messende RJ45-Stecker muss auch dann noch durchs Nadelöhr gehen, wenn bereits mehrere Leitungen in der Öffnung liegen. Der typische Durchmesser von Patchkabeln liegt zwischen fünf und sechs Millimeter. Eine kleine Anbieterauswahl für Installationsmaterial und Werkzeug listet die Tabelle Installationsmaterial, doch auch ein Besuch beim lokalen Baumarkt lohnt.

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