Taschenrouter als IPv6-Verteiler

IPv6 per Sixxs-Tunnel im LAN anbieten

Praxis & Tipps | Praxis

Der handtellerkleine Router TL-MR3020 von TP-Link kostet keine 30 Euro und lässt sich per USB mit Energie versorgen. Damit ist er prädestiniert, als IPv6-Gateway einem Router unter die Arme zu greifen, der selbst noch kein IPv6 versteht oder keines vom Provider bekommt. Die Aufgabe ist mit einer alternativen Firmware und etwas Handarbeit in einer Stunde erledigt.

TP-Links TL-MR3020 ist gerade mal handtellergroß, besitzt einen LAN-Port und zwei USB-Buchsen. Normalerweise soll das Gerät mit einem UMTS-Stick an seinem USB-Host-Port als mobiler WLAN-Router unterwegs für Internet-Zugang sorgen. Er eignet sich aber genauso, um von einem vorhandenen Router aus per USB mit Strom gespeist zu werden und über seinen LAN-Anschluss besondere Aufgaben im lokalen Netz zu übernehmen.

Mit der alternativen Firmware OpenWRT und etwas Mühe kann man so im Handumdrehen sein Heimnetz IPv6-fähig machen. Dafür sind die Ergänzungen aiccu und radvd erforderlich. Leider ist der Flash-Speicher des Routers zu knapp, als dass sie gleichzeitig mit der Browser-Konfigurationsoberfläche LUCI hineinpassen. Daher ist man auf Konfiguration per Kommandozeile zurück geworfen.

Das klingt komplizierter als es ist, lässt sich aber doch binnen einer Stunde umsetzen. Voraussetzung ist lediglich, dass Sie beim IPv6-Tunnelprovider Sixxs bereits einen Tunnel beantragt und zugeteilt bekommen haben. Das früher erforderliche zusätzliche /48-Subnetz brauchen Sie nicht mehr, wenn Ihnen ein /64er-Block genügt: Seit Anfang Februar 2012 bekommt jeder neue Tunnel automatisch ein geroutetes /64er-Subnetz, dessen Präfix sich nur durch ein gesetztes Bit vom Präfix des Tunnels selbst unterscheidet.

Die nötigen Schritte zum Aufsetzen des MR3020 als IPv6-Gateway beschreiben wir im Folgenden, wobei Sie die gezeigten Beispielbefehle per Copy&Paste – mit Anpassen der Parameter – direkt in die Shell kopieren können.

Vergrößern TP-Links TL-MR3020 bringt 4 MByte Flash und 32 MByte RAM mit, was für eine Sparversion der freien Firmware OpenWRT ausreicht.

Zunächst laden Sie sich die aktuelle Trunk-Firmware herunter. Dann ziehen Sie den PC von Ihrem Internet-Router ab und schließen ihn stattdessen an den Taschenrouter an. Nun installieren Sie die Firmware per Browser auf dem MR3020.

Nach dessen Neustart loggen Sie sich auf der neuen Default-Adresse 192.168.1.1 per Telnet ein und setzen mit passwd das root-Passwort. Daraufhin schaltet OpenWRT den unsicheren Telnet-Zugang ab und aktiviert ssh. Loggen Sie sich per ssh als root erneut ein.

Jetzt passen Sie mit einigen Kommandozeilenbefehlen die LAN-Einstellungen ans eigene Netzwerk an:

uci set network.lan.ipaddr=192.168.111.6
uci set network.lan.netmask=255.255.255.0
uci set network.lan.gateway=192.168.111.1

Geben Sie dem MR3020 dabei eine freie IPv4-Adresse, die nicht im DHCP-Pool des vorhandenen Routers liegt und setzen Sie als Gateway die IPv4-Adresse Ihres vorhandenen Routers ein, damit der MR3020 darüber ins Internet gelangt. Mit uci commit machen Sie diese Änderungen nun dauerhaft.

Schließen Sie jetzt den LAN-Port des Taschenrouters per Patchkabel an einen freien LAN-Anschluss Ihres vorhandenen Internet-Routers an. Versorgen Sie ihn entweder mit dem mitgelieferten Steckernetzteil oder – noch etwas energieeffizienter – über den USB-Port des Internet-Routers. Stecken Sie auch Ihren PC wieder an Ihren alten Router und loggen Sie sich für die weitere Konfiguration unter der eben vergebenen Adresse wieder auf dem Taschenrouter ein.

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