Technik und Spielfreude

@ctmagazin | Editorial

20:30 Uhr. Abends in der c’t-Redaktion. Auf dem Büroflur herrscht Stille. Verhalten öffnen sich einige Türen und vereinzelte Redakteure trotten auf den Korridor: "Ist bei dir auch der Livestream zusammengebrochen?"

Technik und Spielfreude

20:30 Uhr. Abends in der c’t-Redaktion. Auf dem Büroflur herrscht Stille. Verhalten öffnen sich einige Türen und vereinzelte Redakteure trotten auf den Korridor: "Ist bei dir auch der Livestream zusammengebrochen?" Die Kollegen rotten sich zusammen und versammeln sich spontan im Ressort Audio/Video, um das jüngste WM-Spiel mit deutscher Beteiligung zu verfolgen.

20:43 Uhr. Der Ball rollt – simultan auf mehreren Schirmen. Eine gefährliche Szene im deutschen Strafraum wird frenetisch bejubelt. Es herrscht Verwirrung. Einige Kollegen haben – von den herumliegenden Gadgets mehr fasziniert als vom Spielgeschehen – nicht bemerkt, dass die deutsche Mannschaft heute nicht in Weiß antritt. Kurze Kontroverse, darauf herrscht Klarheit.

20:50 Uhr. Lahm dringt in den Sechzehner der Gegner ein. Alle verfolgen gebannt das Spiel – so scheint es. Ein Kollege aus dem Imaging-Ressort offenbart seinen Blickwinkel: "Vergleich mal die Farben. Gras ist nie im Leben so grün wie auf dem LCD. Habt ihr den nicht kalibriert, oder legen die Südafrikaner Kunstrasen aus?" Ein lebhafter Wortwechsel über Farbtreue beginnt.

21:13 Uhr. Es steht 0:0. Ein Mitarbeiter aus dem Mobil-Ressort spielt bereits seit längerer Zeit mit seinem iPad und zieht dabei mehr Blicke auf sich als der Ball. "Die Latenz zwischen dem analogen Kabelsignal und dem Livestream über die App ist unglaublich. Ich seh die gelbe Karte erst eine Minute nach euch." Apple-Fanboys und -Gegner streiten über Revolution und Evolution.

21:16 Uhr. Während der angeregte Diskurs mittlerweile das Für und Wider von DVB-T und analogem Kabel sowie die Auswirkungen der Latenz auf den Genuss von Elfmeterschießen in dicht besiedelten Gebieten bei offenen Fenstern zum Thema hat, ertönt unbemerkt von den Kollegen der Abpfiff der ersten Halbzeit.

21:30 Uhr. Das Spiel geht weiter. Einige Redakteure überlegen, ob man das Vuvuzela-Geräusch besser über alternative Tonspuren der Fernsehsender oder Techniken wie Clear Voice II loswird; Befürworter propagieren den Vuvuzela-Knopf auf YouTube oder die Webseite Vuvuzela Time. Eine weitere hitzige Debatte bricht aus.

21:38 Uhr. Spielen die eigentlich noch? Ein Kollege bemerkt, dass bei den gegenwärtigen Lichtverhältnissen von höchstens 200 Lumen der Beamer deutlich heller wirken sollte. "Die deutschen Spieler erkennt man nur daran, dass der weiße Ball plötzlich die Richtung wechselt." Freunde des Projektors geraten in einen stürmischen Disput mit Anhängern des LCD-Fernsehers.

21:46 Uhr. Tor für Deutschland! Wir führen! SCHLAAAAND!!! Die Nation jubelt! Gleichzeitig greifen alle Anwesenden stumm zu ihrem Smartphone, um Status-Updates auf Facebook und Twitter zu verbreiten. Die Nachricht eines ehemaligen Kollegen wird herumgezeigt: "Tor." Allgemeine Freude.

22:21 Uhr. Das Spiel ist aus. Wir sind wieder eine Runde weiter. Wissenswertes über Projektoren, Displays und Smartphones lesen Sie in c’t, Details über Fußball besser woanders. Wir drücken die Daumen! (akr)

Kommentare

Anzeige