Think! 100 Jahre IBM, ein deutsches Ständchen

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Thomas Watson, der 1914 die Firmenleitung übernahm, führte das Motto THINK! ein und die fünf C, die jeden IBM-Angestellten auszeichnen sollten: Conception, Consistency, Cooperation, Courage und Confidence.

Heute vor 100 Jahren, am 16. Juni 1911 wurde die Computer-Tabulating-Recording Company (CTR) aus einem Konglomerat von Firmen gegründet, zu denen die Tabulating Machine Company von Herman Hollerith gehörte. Hollerith wurde zunächst Chefingenieur der neuen Firma, die sich 1923 in International Business Machines (IBM) umbenannte. Da Holleriths Firma zuvor einen Ableger in Deutschland installiert hatte, hat Deutschland den 100. Geburtstag von IBM bereits hinter sich, den IBM heute mit einer "Celebration of Service" weltweit feiert. Tausende von Mitarbeiter leisten einen Freiwilligen-Dienst in sozialen und ökologischen Projekten, der sich insgesamt zu 2,5 Millionen Arbeitsstunden addieren soll.

Der Aufstieg des Unternehmens begann mit dem Mann, der für den Namen IBM verantwortlich war. Thomas Watson, ein mächtiger Manager der National Cash Register Company (NCR), übernahm die Firmenleitung im Jahre 1914 für ein symbolisches Honorar, 1200 Aktien und 5 Prozent vom Gewinn nach Abzug der Steuern und Dividenden. Genau 20 Jahre später verdiente Watson 1000 Dollar am Tag. Vor seinem Engagement bei CTR hatte Watson berechnet, dass es etwa 2 Millionen Firmenkunden in den USA geben müsste, die die Lochkartentechnik zur Inventarisierung und Kalkulation einsetzen könnten. Alles, was es brauchte, diesen Schatz zu heben, war eine straffe Verkaufsorganisation.

Watson führte das Motto THINK! ein und die fünf C, die jeden IBM-Angestellten auszeichnen sollten: Conception, Consistency, Cooperation, Courage und Confidence. Dazu verpflichtete er jeden IBM-Angestellten zu gemeinnütziger Arbeit, etwa in den amerikanischen Sonntagsschulen. Selbst im offiziellen IBM-Video zur 100-Jahres-Feier finden sich diese Elemente wieder.

Der mit Watson einsetzende rasante Aufstieg von IBM bedingte auch, dass die von IBM in der großen Wirtschaftskrise übernommene Deutsche Hollerith Maschinen Gesellschaft (Dehomag) in den 30er-Jahren sehr erfolgreich war und etwa die Maschinen und Lochkarten zur preußischen Volkszählung von 1935 und der deutschen Volkszählung von 1939 lieferte und diese im Lohnauftrag durchführte.

1984 erschien ein Jahr nach der gescheiterten westdeutschen Volkszählung, die erst 1987 durchgeführt werden konnte, das Buch "Die restlose Erfassung" von Götz Aly und Karl Heinz Roth. Darin wird IBM mit der Lochkartentechnik direkt für den Holocaust verantwortlich gemacht. 2001 erschien das Buch IBM and the Holocaust, das diese These erweiterte. Auf dieser Basis klagten die Sinti und Roma gegen IBM. Ihre Klage wurde abgewiesen.

Mit dem Untergang der DDR wurden die Archive geöffnet, die unter anderem auch die Lochkarten und Datenbestände erhielten, die von den Hollerith-Abteilungen in deutschen Konzentrationslagern gesammelt wurden. Die wissenschaftliche Auswertung ist noch nicht abgeschlossen, doch deuten alle Indizien darauf hin, dass der Holocaust nicht auf IBM-Systemen beruhte. Auf der ersten deutschen Verkäufer-Veranstaltung nach dem Kriege wird "Ever Onward" übersetzt gesungen:

Alle hier sind froh gestimmt,
Denn unser Glas erheben wir
Aufs Wohl der IBM in aller Welt.
Wir ehren jeden Pionier
Und rühmen voller Stolz
Aller Männer Mann, den langbewährten Chef.
Der Name Thomas Watson bürgt für ungestümen Mut.
Wir alle heben stolz das Glas zum Wohl der IBM.

Chor:

Immer vorwärts, immer vorwärts
In dem Geist, der uns Erfolg gebracht.
Noch grösser wollen stets wir sein.
Stets voran! Es sieht die Welt:
Menschheitsdienst ist uns als höchstes Ziel gestellt.
Bekannt ist unser Name jedem Land.
In hellem Licht leuchtet unser Ruhm.
Wir haben uns den Weg gebahnt
Und sichern neues Land.
Vorwärts mit der IBM!

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