Toolbox: Backups mit Back In Time

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Back in Time sichert ausgewählte Verzeichnisse entweder manuell oder automatisiert per Cron-Job. Frühere Versionen von Dateien lassen sich bequem aus den nach Datum sortierten Sicherungspunkten wiederherstellen.

Back In Time
Back in Time ist ein Frontend für rsync, diff und cp, das Snapshots anlegen und wiederherstellen kann.

Regelmäßige Datensicherungen helfen, großen Schaden durch Datenverlust zu verhindern. Doch oft sind es die kleinen Verluste, die schmerzen: Überschriebene Dateien, unüberlegte Löschaktionen und spontane Änderungen in Quelltexten können ohne vorherige Sicherung Arbeitszeit und Nerven kosten. Die Backup-Lösung Back In Time sichert ausgewählte Verzeichnisse; über die Verwaltung der Sicherungspunkte lässt sich der Zustand einzelner Dateien oder ganzer Ordner zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederherstellen. Als Inspiration dürfte Lösungen wie Apples Time Machine und die Open-Source-Programme TimeVault und FlyBack gedient haben.

Back In Time ist für den Desktop-Einsatz und zum Sichern von Ordnern im eigenen Home-Verzeichnis gedacht. Damit ist es eher eine komfortable Ergänzung für eine bestehende Backup-Strategie, die regelmäßig bereits System- und Benutzerdaten sichert. Back in Time kann Projektordner mit hoher Aktivität überwachen und Sicherheitskopien mit wenigen Mausklicks wieder herstellen.

Back In Time KDE-Version
Die KDE-Version von Back in Time mit Qt-Toolkit ist mit der Gnome-Variante weitgehend identisch.

Das Tool präsentiert sich wahlweise mit GTK- oder Qt-Oberfläche und verlangt von Anwendern nur wenige Handgriffe zur ersten Konfiguration. Automatische Backups können über Cron oder Anacron eingerichtet werden. Bei Sicherungen legt Back In Time nur Kopien aller Dateien ab, die seit dem letzten Sicherungspunkt verändert wurden. Für unveränderte Dateien kommen Hard Links auf Dateisystemebene zum Einsatz. Back in Time bietet eine grafische Oberfläche, überlässt dabei die eigentliche Arbeit im Hintergrund aber den bekannten GNU/Linux-Tools diff, rsync und cp.

Einstellungen
Erfordert nur wenige Handgriffe bei der ersten Konfiguration.

Bei den verbreiteten Linux-Distributionen liegt Back in Time in den Standard-Repositories und ist über den jeweiligen Paketmanager flott installiert. Bei Debian, Ubuntu und Co. beispielsweise mit sudo apt-get install backintime-gnome, um die Gnome-Variante zu Installieren. Eine KDE-Version liefert das Paket backintime-kde, wobei die Paketnamen unter Fedora und OpenSuse identisch sind. Der Quellcode des Open-Source-Programms (GPL 2) steht auf der Projekt-Website zum Download bereit.

In der aktuellen Ubuntu-Version zeigt die Programmoberfläche von Back In Time einen Mix aus Deutsch und Englisch, was je nach System und Programmversion unterschiedlich sein kann. Im Folgenden nennen wir daher beide Bezeichnungen. Beim ersten Start öffnet Back In Time die Einstellungen und erwartet die Angabe des Speicherorts für Snapshots. Da Hard Links zum Einsatz kommen, muss das Dateisystem dieses Merkmale unterstützen – FAT/FAT32 fällt also als Dateisystem für die Zielpartition aus. Im selben Dialog lässt sich auch ein Zeitplan für automatische Backups festlegen, die entsprechenden Einträge in der Crontab legt das Programm dann automatisch an. Back in Time kann aber auch manuell für den Taskplaner Anacron konfiguriert werden.

Unter "Include/Einbeziehen" wählt man die zu sichernden Ordner, über "Exclude/Ausschließen" lassen sich gezielt Dateien und Ordner anhand ihres Namens oder ihrer Dateiendung von der Sicherung ausnehmen. Eine Reihe von Einträgen ist hier bereits vorhanden, diese schließen beispielsweise typische Cache-Dateien und Sicherungskopien von Texteditoren mit vorangestellter Tilde aus.

Statt vorhandene Dateien zu überschreiben, verpasst Back in Time wiederhergestellten Dateien einen Zeitstempel.
Statt vorhandene Dateien zu überschreiben, verpasst Back in Time wiederhergestellten Dateien einen Zeitstempel.

Ist ein automatischer Zeitplan für Backups ausgewählt, wird Back In Time selbstständig aktiv. Sicherungen lassen sich aber auch manuell über die grafische Oberfläche initiieren. Dazu dient das Datenträgersymbol ganz links in der Werkzeugleiste. Die Liste darunter zeigt vorhandene Snapshots nach Datum geordnet an. Rechts daneben finden man einen Dateibrowser, über den sich der Inhalt eines Snapshots einsehen lässt. Hier kann man einzelne Ordner oder Dateien auswählen und dann über das Symbol "Restore/Wiederherstellen" zurück ins Ursprungsverzeichnis kopieren. Daneben gibt es ein Listensymbol für die Anzeige aller Snapshots, die die markierte Datei ebenfalls enthalten. Über den Kontextmenüpunkt "Snapshots" lassen sich auch die Unterschiede zwischen Textdateien anzeigen. Dazu greift Back In Time auf externe Programme wie meld (Gnome) oder kompare (KDE) zurück.

Back in Time geht vorsichtig mit vorhandenen Dateien um und überschreibt nichts: Wenn das Programm beim Wiederherstellen eine ältere Datei mit dem gleichen Namen im Zielverzeichnis vorfindet, benennt es die Datei aus dem Backup nach folgendem Schema um:

[dateiname].backup.[zeitstempel]

Back In Time überlässt es dann dem Anwender, die ältere Datei tatsächlich zu löschen. Unabhängig vom Dateisystem, auf dem die Snapshots liegen, stellt Back In Time auch die ursprünglichen Dateizugriffsrechte wieder her, die es separat in einer Protokolldatei speichert.

Dank Hard Links und differenzieller Backups arbeitet Back In Time vergleichsweise platzsparend – speziell bei SSDs ein großer Vorteil. Bei Verzeichnissen mit hoher Aktivität und großen Binärdateien fallen dennoch erhebliche Datenmengen an. Der erste Sicherungspunkt eines Ordners enthält immer ein vollständiges Backup des Inhalts. Der weitere Platzbedarf hängt dann von der Änderungsfrequenz und Dateigröße ab.

Wer Platz sparen will, kann Back In Time automatisch ältere Snapshots löschen lassen. Die Optionen finden sich in den Einstellungen unter "Auto-remove/Automatisch entfernen", wo sich ein maximales Alter und ein unteres Limit für freien Festplattenplatz festlegen lässt. Die Option "Smart remove" führt auf Wunsch auch Löschaktionen nach einem vorgegebenen Muster durch, das neuere Snapshots behält, aber ältere auf einen Sicherungspunkt pro Woche, Monat und Jahr zusammenstutzt. (lmd)

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