Trends hinter Glas

Handys, Netze und Dienste auf dem MWC

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Beim Schaulaufen der Mobilfunkindustrie, dem Mobile World Congress in Barcelona, wurde klar: Ohne Touchscreen kann kein Gerät mehr punkten, wenn es auch zum Gelegenheitssurfen taugen soll.

Die großen Wachstumsträume der bisher verwöhnten Mobilfunkindustrie sind ausgeträumt. Das bekamen auch die Veranstalter des Mobile World Congress (MWC) zu spüren. Noch 47 000 Besucher kamen in diesem Jahr nach Barcelona, fast 15 Prozent weniger als 2008. Dennoch zeigte sich die ausrichtende Industrievereinigung GSM Association (GSMA) zum Abschluss der viertägigen Messe in der dritten Februarwoche zufrieden. Bei der Ausstellungsfläche konnte der MWC um 11 Prozent zulegen. Erneut zeigten über 1300 Aussteller auf 57 000 Quadratmetern Neuigkeiten aus der Welt des Mobilfunks.

Da die Wirtschaftskrise jedoch auch an der Mobilfunkbranche nicht spurlos vorbeigeht, wollen die Unternehmen nicht mehr unbedingt auf jeder Hochzeit tanzen. Nach einschneidenden Sparrunden und teils massivem Jobabbau sind sie dazu auch gar nicht mehr in der Lage. „2008 war ein erstaunliches Jahr, leider nicht immer im guten Sinn“, sagte Sony Ericssons Marketing-Chef Lennard Hoornik am Vorabend des MWC. In einem solchen Klima bilden sich plötzlich Allianzen zwischen Netzbetreibern und Handyherstellern oder Diensteanbietern, die sich zuvor noch misstrauisch beäugt und lieber ihr eigenes Süppchen gekocht hatten.

So hatte T-Mobile Nokias Plattform Ovi für mobile Dienste noch vor einem Jahr scharf kritisiert und wollte keine Ovi-fähigen Nokia-Modelle verkaufen. Nun arbeiten die ehemaligen Kontrahenten zusammen; Ovi-Inhalte wird es künftig auch über T-Mobiles Web’n’walk-Plattform geben.

Außerdem haben sich rund 20 Handy-Hersteller auf ein gemeinsames Netzteil-Design geeignet. Bislang setzen viele Unternehmen auf Ladegeräte mit proprietären Steckern, die nur an Handys aus eigener Herstellung passen. Bis 2012 will man die Mehrzahl aller Mobiltelefone mit einer Micro-USB-Buchse ausliefern, über die auch die Akkus geladen werden, wozu dann ein Netzteil eines beliebigen Herstellers oder ein per USB-Kabel angeschlossener PC reicht.

Touchscreen-Handys waren der bestimmende Hardwaretrend des diesjährigen Mobile World Congress, doch entzogen viele Hersteller ihre Top-Geräte den neugierigen Fingern der zahlreich angereisten Fachbesucher. Manche fürchteten, deren ungeschulte Bedienversuche würden die meist noch längst nicht serienreifen Erlkönige zum Absturz bringen, andere stellten funktionsunfähige Designstudien – sogenannte Mockups – griffsicher hinter Glas aus.

Zu Letzteren gehörte etwa Huawei, der hierzulande eher durch seine UMTS-Sticks, aber auch als Netzzulieferer bekannt wurde. Der chinesische Hersteller präsentierte ein Touchscreen-Smartphone in einer Vitrine, auf dem das offene Betriebssystem Android laufen sollte, doch konnte keiner der Firmenvertreter irgendwelche Angaben zum Gerät machen, geschweige denn es einschalten.

Die Betriebssystemfrage für Smartphones mit Touchscreen fand in Barcelona eine überraschende Antwort: Statt der erwarteten Schwemme von Geräten mit Android präsentierten Hersteller wie LG, Samsung, Sony Ericsson und natürlich Nokia Smartphones mit Symbian/S60, dessen Entwicklung als offene Plattform die Symbian Foundation übernommen hat. Dabei antworteten etwa Samsung und Sony Ericsson auf die Frage nach Android, dass sie Modelle mit dem Linux-Betriebssystem noch 2009 vorstellen würden, aber nicht auf dem MWC. Offensichtlich besteht da noch Entwicklungsbedarf, so setzt man zunächst auf die etablierte Plattform.

Ganz ohne Android ging es dann aber doch nicht: Vodafone kündigte das HTC Magic an, das als Schwestermodell des Google-Phone G1 ebenfalls über einen kapazitiven Touchscreen und einen kleinen Trackball bedient wird, dem aber die Tastatur zur schnellen Texteingabe fehlt. Dafür fällt das Magic besonders flach und handlich aus. General Mobile zeigte außerdem ein Dual-SIM-Modell mit Android. Das DSTL1 soll im dritten Quartal auch in Deutschland zu haben sein.

Bei den Eigenvorstellungen konzentrierte sich HTC dagegen auf seine Kernkompetenz und stellte mit dem Touch Diamond 2 und dem Tastaturmodell Touch Pro 2 Smartphones mit Windows Mobile 6.1 vor. Beide punkten mit großen berührungsempfindlichen Displays mit WVGA-Auflösung (480 x 800), GPS, HSPA und einer verbesserten TouchFLO-Oberfläche, die sich gut per Finger bedienen lässt, obwohl man bei Windows-Mobile-Geräten nicht ganz ohne Eingabestift auskommt. Als Newcomer stellte auch Acer, der kürzlich den Smartphone-Hersteller E-Ten übernommen hatte, eine Reihe eigener Modelle mit Windows Mobile aus, darunter das Dual-SIM-Telefon DX900, das aus dem E-Ten-Portfolio stammt und noch im Frühling in die Läden kommen soll.

Vom Auftritt Steve Ballmers auf dem MWC hatten sich viele mehr versprochen. Der Microsoft-Chef zeigte die kommende Version 6.5 von Windows Mobile mit neu gestalteter, konfigurierbarer Oberfläche – sie soll die Fingerbedienung erleichtern –, einem aktualisierten, aber nicht konkurrenzfähigen Internet Explorer (siehe unter „Surfbrettchen“) und einem verbesserten Heute-Bildschirm.

Dazu gab es mit der Online-Synchronisation My Phone und dem Software-Shop Windows Marketplace zwei „Me-Too“-Dienste, die andere Hersteller bereits anbieten. Da konnte auch der neue Marketing-Pinselstrich, Smartphones mit Windows Mobile ab sofort „Windows Phones“ zu nennen, nicht über die Innovationsarmut hinwegtäuschen. Auf den Markt soll 6.5 „später in diesem Jahr“ kommen, zu Windows Mobile 7 äußerte sich Ballmer nicht.

Die Entwicklung der Bedienoberflächen für die einfache Bedienung per Touchscreen bleibt spannend. Außer HTC stellten auch LG Electronics, Palm, Samsung und Sony Ericsson eigene Lösungen vor. So beeindruckt etwa das KM900 Arena von LG mit einer 3D-Oberfläche namens S-Class UI, deren Startmenü aus einem Würfel besteht, den man per Finger drehen und so das gewünschte Untermenü auf dessen Seiten auswählt, was beim ersten Ausprobieren überraschend flüssig funktionierte. Das Schiebehandy GD900 – ebenfalls mit Touchscreen und S-Class-Oberfläche – lockt eher designorientierte Käufer mit einer schicken, durchsichtigen Sensor-Wähltastatur.

Das Palm Pre gehörte mit seiner innovativen Touchscreen-Oberfläche inklusive Multitouch-Funktion zum Zoomen zu den Stars der Messe.

Palm, der die UMTS-Version des Pre mit dem selbst entwickelten WebOS (mit Linux-Kern) nur nach Gesichtskontrolle in seinem Pavillon vorführte, gehörte zu den heimlichen Stars des MWC. Die durchdachte Touchscreen-Oberfläche gefällt nicht nur mit – trotz Vorserien-Status – meist flüssiger Bedienung, auch die raffinierte, weil einfache Task-Verwaltung und der personenbezogene Organizer, der zu jedem Namen alle zugehörigen Informationen inklusive E-Mail und SMS-Korrespondenz anzeigt, bestätigen Palms Anspruch als iPhone-Killer.

Das Samsung Omnia HD zeigt mit großem Touchscreen, Symbian OS, HD-Video-Aufnahme und HDMI-Schnittstelle zum Fernseher, wo die Reise der Multimedia-Handys hingeht.

Auch Samsungs Flaggschiff Omnia HD mit Symbian-Betriebssystem bringt eine eigene, schon auf den Vorserien-Geräten gut bedienbare Oberfläche mit, setzt jedoch besonders im Multimedia-Bereich Maßstäbe: Die eingebaute Kamera zeichnet Videos in HD-Auflösung 1280 x 720 auf und gibt sie über eine digitale HDMI-Schnittstelle an moderne Flach-TVs ohne Qualitätsverlust wieder. Dabei ist die HDMI-Buchse am Handy nicht die einzige Novität der Koreaner. In einer dunklen Ecke des Samsung-Standes konnte man das I7410, das erste serienreife Handy mit eingebautem Beamer bestaunen. Mit acht bis neun Lumen ist dieser zwar nicht sehr leuchtstark und kann in heller Umgebung nicht viel ausrichten. Im dämmrigen Restaurant lassen sich Videos oder Bilder jedoch in brauchbarer Qualität auf die Serviette oder die nahe Wand projizieren. Noch beschränkt sich der DLP-Chip von TI auf QVGA-Auflösung (320 x 240), auf dem Stand von Texas Instruments gab es aber schon die ersten Chips mit WVGA zu sehen. Das Beamer-Handy soll noch im zweiten Quartal in Korea und zu Ende des Jahres auch in Europa auf den Markt kommen.

Sony Ericsson will in der zweiten Jahreshälfte ebenfalls ein Symbian-Smartphone mit großem Touchscreen und umfangreicher Multimedia-Ausstattung in die Mobilfunk-Shops bringen. Das Idou (sprich Ihdau), dessen japanischer Name für Wandel oder Veränderung steht, verspricht laut Hersteller unbegrenzte Unterhaltung und vereint die Vorteile der Walkman- und der Cyber-Shot-Kamerahandys. Mit 12,1 Megapixel stellt das Idou, das erste Gerät einer ganzen Idou-Serie, einen neuen Rekord unter den Knipstelefonen auf.

Nokia setzt bei seinem Foto-Smartphone N86 8MP stattdessen auf einen 8-Megapixel-Fotochip und verbessert die Optik: Das Symbian/S60-Gerät ohne Touchscreen besitzt die erste Handykamera mit vorwählbarer Blende und mechanischem Verschluss, dessen kürzeste Belichtungszeit eine tausendstel Sekunde beträgt. Der finnische Hersteller bewirbt das N86 8MP als erstes Fotohandy, das es in puncto Bildqualität mit einer digitalen Kompaktkamera aufnehmen kann.

Für Geschäftskunden, die ein E-Mail-Smartphone mit Qwertz-Tastatur zur schnellen Texteingabe bevorzugen, ist das handliche E75 gedacht, das eine zur Seite ausschiebbare Tastatur besitzt und in geschlossenem Zustand einem normalen Handy im Riegelformat gleicht. Dabei bietet das E75 eine große Auswahl an GSM- und UMTS-Datendiensten sowie WLAN und Bluetooth. Eine eingebaute Datenverschlüsselung für den internen Speicher und die eingelegte microSDHC-Karte erhöht die Sicherheit beim Arbeiten mit sensiblen Daten.

Die neu gegründete Mobilfunk-Marke Garmin-Asus gewährte auf der Messe einen Blick auf die ersten beiden Nüvifones, die Smartphone-Funktionen mit Garmins Navigationstechnik verknüpfen. Das G60 entspricht äußerlich dem schon auf dem MWC 2008 gezeigten Modell mit 3,6-Zoll-Touchscreen, läuft mit einer von Garmin angepassten Linux-Distribution und machte beim Ausprobieren einen ziemlich flotten und marktreifen Eindruck.

Über die Mobilfunkverbindung ruft der Anwender ortsbezogene Dienste wie Verkehrsinformationen oder Veranstaltungen in der Umgebung ab. Das M20 ist dagegen ein klassisches Windows-Mobile-Smartphone aus dem Hause Asus mit Garmins Navigations-Software und angepasster Oberfläche. Es gefällt mit schickem Design und Farben; der vorgestellte Prototyp reagierte im Gegensatz zum G60 allerdings noch recht träge. Preise und Verfügbarkeit hat Garmin-Asus noch nicht bekannt gegeben.

Weiterhin stellte Nokia den 6710 Navigator mit Symbian/S60 und Nokia Maps 3.0 sowie fest eingebauter Sprachführung vor – Letztere musste man bei den Vorgängermodellen erst installieren und kostenpflichtig freischalten. Die dritte Version der Maps-Software ermöglicht das Planen von Routen am PC über den Online-Dienst Maps on Ovi und bringt mehr Kartendetails. Eine Autohalterung soll zum Lieferumfang gehören.

Andere Gerätehersteller und Provider kooperieren mit Softwareanbietern, um Navigation und ortsbezogene Dienste auf ihre Smartphones zu bringen. Der neue Symbian/S60-Slider von LG KT770 soll beispielsweise mit Navigons Navigations-Software MobileNavigator 7 ausgeliefert werden, kommt voraussichtlich aber nicht in Deutschland auf den Markt. Das israelische Unternehmen Telmap zeigte in Barcelona Version 5 ihrer Offboard-Navigation mit einer Online-Livesuche und Widget-basierter Menüführung, die als Whitelabel-Lösung unter anderem bei Vodafone und AOL im Einsatz ist. Zahlreiche Startups präsentierten in Barcelona außerdem interessante Kombinationsmöglichkeiten aus GPS und Mobilfunk abseits der Straßenführung. Die Bandbreite reichte dabei von Tracking-Programmen über geobasierte soziale Netzwerke bis hin zu Emissionsrechnern für zurückgelegte Strecken. Das deutsche Startup Skobbler, das Offboard-Navigation für Smartphones mit einer Web-Community verknüpft, wurde auf dem MWC mit dem Navteq EMEA Global LBS Challenge ausgezeichnet, einem Preis für innovative ortsbezogene Dienste.

Mobiles Surfen wird für Mobilfunk-Kunden und Netzbetreiber immer interessanter. Seit Jahren von der Industrie als neuer Trend proklamiert, kommt das Thema nun endlich beim interessierten Kunden an, der spätestens seit dem Erfolg des iPhone auch bereit ist, die immer noch recht teuren Monatsentgelte fürs Internet unterwegs zu zahlen. Gut acht Jahre nach der UMTS-Auktion, sagte O2-Chef Jaime Smith Basterra, „ist mobiles Internet endlich Realität“. Um der Nachfrage zu begegnen, bohren die Netzbetreiber ihre Infrastruktur für mehr Bandbreite auf. Auch die Endgeräte-Hersteller rüsten sich.

Dem Trend, Desktop-Rendering-Engines in Handys einzubauen, folgte Microsoft mit dem in Windows Mobile 6.5 enthaltenen Internet Explorer Mobile 6. Er soll auf Elementen mehrerer Versionen des Desktop-Pendants basieren und wie der Desktop-Internet-Explorer 6 rendern. Davon dürften Web-Designer allerdings nicht besonders begeistert sein: In Norwegen rufen sie schon offen zum Widerstand gegen die Desktop-Version des Internet Explorers auf (siehe S. 55 in c't 06/2009).

Andere Hersteller bauen ihre Browser zu Widget-Engines aus, mit denen Benutzer Miniprogramme auf ihrem Handy laufen lassen können. So zeigte Opera Software eine Version von Opera Mobile, die bereits Widgets beherrscht, und auch Access präsentierte seinen NetFront Widgets Player. Auf der Access-Homepage steht die Widget-Laufzeitumgebung in Versionen für Windows-Mobile-Geräte mit Touchscreen und für Symbian/S60-Smartphones zum Herunterladen bereit.

Mit dem sogenannten Open Screen Project möchte Adobe Handy-Hersteller dazu bewegen, den Flash Player auf ihren Geräten einzubauen. Zum MWC ist jetzt auch Palm dem Konsortium beigetreten. Adobe hat viele der Spezifikationen seiner Plattform freigegeben; im Gegenzug sollen Entwickler mit ihren Anwendungen freien Zugang zu den mobilen Geräten erhalten. Um die Entwicklung von Anwendungen für das Projekt anzuschieben, stellt Adobe gemeinsam mit Nokia zehn Millionen US-Dollar bereit.

Yahoo hat seine Anwendungssammlung Yahoo Mobile fast fertig; im März will das Unternehmen sie für das iPhone, im Mai für „viele Smartphones“ veröffentlichen. Das Paket umfasst unter anderem eine Maps-Anwendung, die GPS-Informationen auswerten kann, Yahoo oneConnect für den mobilen Zugriff auf soziale Netzwerke und einen E-Mail-Push-Client, der beliebige Postfächer abfragt. Um die Darstellung von Websites kümmert sich Opera Mini.

Netzbetreiber, Handy-Hersteller, Diensteanbieter – alle weben mit an den boomenden sozialen Netzwerken. Nokia zum Beispiel will bei der Bereitstellung der personalisierten Angebote in seinem Ovi Store unter anderem das soziale Netzwerk des Anwenders berücksichtigen; der Anbieter GyPSii unterzeichnete einen Vertrag mit LG, demzufolge sein Dienst auf LG-Handys verdrahtet wird.

Ein Anbieter eines sozialen Netzwerks gewann zwei der Mobile Peer Awards, Preise für Startup-Unternehmen aus der Mobilfunkszene. Babajob betreibt eine Jobbörse auf Handy-Basis, die Nähe, Qualifikation, Preis und soziales Netzwerk der Job-Suchenden (mit der Partnersite) berücksichtigt. Die Orbster GmbH aus Karlsruhe, die Entertainment-Inhalte für GPS-Handys entwirft, und die Chat-Community fring gewannen weitere Preise.

An den verschiedensten Ecken auf dem Messegelände waren Spracherkennungslösungen zu sehen. So stellte Microsoft das kostenlose Programm recite für Windows-Smartphones vor, eine Art Zettelkasten für Sprachnotizen, das die gespeicherten Texte per Spracheingabe durchsuchen kann. Mit der Server-basierten Lösung des Betreibers Voice on the Go kann der Anwender ausschließlich per Sprachsteuerung Nachrichten bearbeiten, E-Mails, Textnachrichten, Tweets für die Microblogging-Plattform Twitter und mehr verfassen – ideal etwa, um während der Autofahrt zu arbeiten. Mit Nuance Voice Control 2.0 sollen Provider oder Gerätehersteller mobile Anwendungen mit Sprach-erkennung und einer Diktierfunktion verbinden können.

Um die neue Diensteflut bewältigen und den steigenden Bandbreitenhunger stillen zu können, bauen die Netzbetreiber ihre Infrastruktur aus. Die nächste Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) mit 100 MBit/s und mehr war zwar überall Thema und wurde von den Ausrüstern auch beworben, doch schrauben die Netzbetreiber lieber an der existierenden Infrastruktur herum.

O2 kündigte für den Sommer einen ersten Test mit HSPA+ in München an, bis zu 28,8 MBit/s sollen damit übertragen werden können. Noch in diesem Jahr soll HSPA+ in der bayerischen Landeshauptstadt in den Regelbetrieb gehen. Auch T-Mobile will den UMTS-Beschleuniger noch 2009 testen. Beide Netzbetreiber rechnen mit weiter deutlich wachsender Datennutzung in ihren Netzen.

Noch ist LTE nicht Realität, doch herrscht in der Branche Einigkeit, dass der UMTS-Nachfolger kommen wird. „LTE ist unsere Zukunft“, bekräftigt Rob Conway, der Chef des Branchenverbands GSMA. Doch sitzt den Netzbetreibern das Geld für Investitionen nicht mehr ganz so locker. Die Unternehmen fordern von der Politik einen verlässlichen Rahmen für den Netzausbau. Das heißt auch: weniger strikte Regulierung.

Mit ihrer Regulierungspolitik beschneidet die EU-Kommission die Einnahmen der Netzbetreiber aus Terminierungsentgelten und Roaminggebühren. „Das zwingt uns, über unsere Investitionsstrategie nachzudenken“, schickt T-Mobile-Chef Hamid Akhavan ein klares Signal nach Berlin und Brüssel, versichert aber, nicht weniger investieren zu wollen. Wenn die Bundesregierung den Breitbandausbau in die Fläche fördern will, steht die Mobilfunkbranche mit LTE bereit.

Für den Aufbau der nächsten Mobilfunkgeneration – da war sich die Branche in Barcelona einig – fordern die Anbieter ein frisches Stück vom Frequenzkuchen. „Ohne neue Frequenzen gehen uns die Kapazitäten aus“, sagt GSMA-Mann Conway. Im Auge haben die Netzbetreiber dabei die sogenannte „Digitale Dividende“. Mindestens ein Viertel der im Zuge der Digitalisierung der Fernsehausstrahlung frei werdenden Frequenzen im 400-MHz-Band reklamiert die Branche für sich. Je niedriger die Frequenz, desto kostengünstiger sind die Netze zu realisieren, lautet das Argument der Industrie, die sich eine europäische Harmonisierung der Frequenzvergabe wünscht.

Den vollständigen Artikel mit der Tabelle "Neue Handys und Smartphones" finden Sie in c't 06/2009.

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