Trendstudie Open Source

Wissen | Reportage

Seite 7: Open Source in allen IT-Bereichen

Nahezu alle Unternehmen in unserer Umfrage setzen Open-Source-Software in mehreren Bereichen ein. Besonders häufig wird OSS eingesetzt als Server-Betriebssystem (84 Prozent), auch weitere klassische Open-Source-Einsatzbereiche wie Webserver (81 Prozent), Datenbank (79 Prozent) und Netzwerk-Infrastruktur (73 Prozent) kommen auf einen hohen Einsatzgrad.

Einsatzbereiche
Einsatzbereich Prozent*
Server-Betriebssystem 83,7
Internet 82,5
Webserver 80,9
Datenbank 79,2
Netzwerk-Infrastruktur 73,4
Office 67,9
System- und Netzwerkmanagement 67,5
Entwicklung 61,2
Sicherheit 57,4
Desktop-Betriebssystem 57,2
File-/Printserver 54,3
Content Management 50,8
Virtualisierung 48,6
Multimedia 45,9
Application Server 43,4
Collaboration/Groupware 33,6
Webservices, SOA, EAI 31,2
Dokumentenmanagement 30,0
ERP/CRM 17,2
Geodaten 7,8
Andere 13,7

* Mehrfachauswahl möglich

Vergrößern Open Source wird in der IT-Infrastruktur häufiger eingesetzt als auf dem Desktop oder bei Unternehmensanwendungen.

Open Source ist auch auf dem Unternehmens-Desktop angekommen (rote Balken in der Grafik): 68 Prozent der Befragten setzen freie Office-Software ein, 83 Prozent Open-Source-Internet-Tools wie Firefox, immerhin 46 Prozent nutzen Open-Source-Tools für Multimedia-Aufgaben. Diese Software wird offensichtlich auch auf Windows-Desktops eingesetzt: Linux als Desktop-Betriebssystem nutzen "nur" 57 Prozent der Unternehmen – immer noch ein erstaunlich hoher Wert, wenn man bedenkt, dass Linux auf dem Desktop immer noch als exotische Lösung gilt. Allerdings bedeutet das nicht unbedingt, dass über die Hälfte der Befragten firmenweit mit Linux-Desktops arbeiten: Bei einem Teil der Firmen können die Linux-Desktops auch nur bei einigen Mitarbeitern etwa in der IT im Einsatz sein, während auf den Büroarbeitsplätzen nach wie vor Windows läuft.

Diese Zahlen spiegeln wider, wie Open Source auf den Desktop kommt: Es beginnt mit Anwendungen wie Firefox, Thunderbird und OpenOffice, die in der gewohnten Windows-Umgebung ihre proprietären Pendants einfach ersetzen können und dabei Kostenvorteile (OpenOffice statt MS Office) oder mehr Sicherheit, Performance und Komfort bieten (Firefox statt Internet Explorer). Haben sich die Anwender erst einmal an die Arbeit mit freien Programmen gewöhnt, die plattformübergreifend verfügbar sind, ist der Austausch des Betriebssystems darunter keine große Sache mehr. An die Stelle einer Komplettmigration mit dem Risiko, die Anwender zu überfordern, tritt so eine schrittweise Umstellung zunächst der zentralen Anwendungen, die schließlich zum kompletten Open-Source-Desktop führen kann.

Insgesamt passen die für die unterschiedlichen Einsatzbereiche gefundenen Zahlen recht gut zu der Vorhersage von Gartner für 2009: Die amerikanischen Marktforscher erwarten, dass Ende 2009 rund 75 Prozent der Unternehmen Linux auf dem Server nutzen werden. Linux auf dem Desktop soll bis dahin in 61 Prozent der Unternehmen üblich sein, Open-Source-Datenbanken erwartet Gartner in 71 Prozent der Unternehmen.

Unternehmens-Anwendungen (gelbe Balken) sind seltener im Einsatz: Freie Content Management Systeme finden sich bei 51 Prozent der Unternehmen, Open-Source-Groupware bei 34 Prozent, freie Dokumentenmanagement-Systeme bei 30 Prozent und Open-Source-ERP/CRM-Systeme bei immerhin 17 Prozent der Unternehmen. Dabei muss man allerdings bedenken, dass längst nicht jedes Unternehmen überhaupt eine Software für das Dokumentenmanagement oder das Customer Relationship Management einsetzt, während Server- und Desktop-Betriebssysteme nahezu überall im Einsatz sein dürften.

Der besonders hohe Wert für CMS dürfte daran liegen, dass es sich hierbei um eine besondes Web-nahe Anwendung handelt: Wenn die Basis des Webauftritts bereits Open Source ist (den Web-Server Apache setzen über 80 Prozent der Befragten ein), dürfte auch die Wahl einer OSS für die Pflege des Web-Contents nahe liegen.

Insgesamt zeigen sich auch hier Übereinstimmungen mit anderen Studien zum Thema Open Source in Untenehmen: Sowohl Gartner 2008 als auch Forrester 2008 haben gefunden, dass Open Source besonders häufig im Infrastrukturbereich (Betriebssysteme, Netzwerk, Datenbanken) eingesetzt wird. Freie Unternehmensanwendungen sind laut beiden Marktfoschern seltener eim Einsatz, zeigen jedoch einen positiven Trend: Open Source erobert zunehmend auch höhere Ebenen im Softwarestack der Unternehmen.

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