Trendstudie Open Source

Wissen | Reportage

Seite 9: Eingesetzte Produkte

Vergrößern Debian dominiert den Server.

In einigen Einsatzbereichen haben wir nach konkret genutzten Produkten gefragt. Das am häufigsten genutzte freie Server-Betriebssystem ist Debian GNU/Linux mit 47 Prozent, es folgen Ubuntu (32 Prozent), Suse Linux Enterprise Server SLES und OpenSuse mit 27 und 23 Prozent sowie Red Hat Enterprise Linux RHEL (15 Prozent) und CentOS (11 Prozent). Die verschiedenen BSD-Derivate, Fedora und OpenSolaris liegen unter zehn Prozent. Bei "anderen Linux-Distributionen" wurde relativ häufig Gentoo genannt.

Anders als im angloamerikanischen Raum, wo Linux-Distributionen aus dem Red-Hat-Umfeld deutlich vor Suse Linux liegen, zeigt sich in Deutschland eine klare Bevorzugung von Suse. Das gilt sowohl für die kommerziell unterstützten Versionen SLES und RHEL als auch für das freie Projekt OpenSuse, das häufiger eingesetzt wird als der freie Red-Hat-Klon CentOS und Red Hats Community-Distribution Fedora.

Vergrößern Große Unternehmen bevorzugen kommerziell unterstützte Software.

Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt der Einsatzgrad der kommerziell unterstützten Linux-Varianten: Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ist SLES mit einem Einsatzgrad von 54 Prozent das am häufigsten eingesetzte freie Server-Betriebssystem, und RHEL erreicht fast die Verbreitung von Debian GNU/Linux.

Auf dem Desktop spielen die kommerziell unterstützten Linux-Distributionen Suse Linux Enterprise Desktop und Red Hat Enterprise Linux Desktop eine geringere Rolle als auf dem Server; Ubuntu führt mit deutlichem Abstand:

Desktop-Betriebssysteme
Distibution Einsatzgrad
Ubuntu 60.8
Debian 29.9
OpenSUSE 28.8
SLED 8.8
Fedora 8.2
RHEL 5.7
CentOS 3.5
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Auch auf dem Desktop steigt der Einsatzgrad der "kommerziellen" Linux-Versionen mit der Unternehmensgröße an; allerdings bleiben hier auch bei den großen Unternehmen die freien Linux-Distributionen Ubuntu, OpenSuse und Debian wichtiger als die Distributionen mit kommerziellem Background. Offenbar ist den Anwendern, die Linux auf dem Desktop einsetzen, das Einsparen von Lizenzkosten wichtiger als Unterstützung durch den Hersteller.

Vergrößern Die bekanntesten OSS-Lösungen werden am häufigsten eingesetzt.

Bei den freien Datenbanken ist erwartungsgemäß MySQL sehr stark – sie läuft bei 90 Prozent der Anwender, die überhaupt eine freie Datenbank einsetzen. Auf Platz zwei folgt mit deutlichem Abstand PostgreSQL. An "anderen Datenbanken" wurden unter anderem Firebird und SQLite genannt, die jweweils bei gut zwei Prozent der Befragten im Einsatz sind. Die kommerziell unterstützten Open-Source-Datenbanken Ingres und EnterpriseDB liegen noch darunter. Die Werte sind in Unternehmen aller Größen sehr ähnlich.

Im Bereich Virtualisierung dominiert Xen auf dem Server, der Desktop-Virtualisierer VirtualBox kommt jedoch auf eine fast genau so hohe Verbreitung. Der Einsatzgrad von Xen nimmt bei großen Unternehmen zu, der von VirtualBox nimmt ab.

Der verbreiteteste freie Application Server ist Tomcat, der kommerziell unterstützte JBoss folgt mit deutlichem Abstand. Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt der Einsatzgrad von JBoss, der von Tomcat geht zurück.

Beim Content Management dominiert Typo3 mit über 40 Prozent, es folgen Joomla, WordPress und Drupal. Typo3 ist besonders verbreitet bei großen Unternehmen, kleinere Firmen greifen eher zu Joomla. Die zahlreichen anderen Nennungen (über 25 Prozent der Anwender) umfassen zum einen verschiedene Wikis, zum anderen liegt der Anteil an selbst entwickelten CMS sehr hoch.

Insgesamt zeigt sich in allen diesen Bereichen, dass die Teilnehmer der Trendstudie Open Source durchgängig bekannte Open-Source-Anwendungen bevorzugen – würde man Anwender nach den bekanntesten freien Datenbanken, Virtualisierungslösungen oder Content-Management-Systemen fragen, dürfte sich eine ähnliche Rangfolge der Produkte ergeben. Das steht in auffälligem Gegensatz zu der geringen Rolle, die die Markenbekanntheit einer Open-Source-Software als Grund für deren Einsatz spielt. Offenbar werden auch populäre Open-Source-Produkte weitgehend nicht als Marke wahrgenommen.

Vergrößern Freie Groupware- und ERP-/CRM-Lösungen werden noch selten eingesetzt.

Von dem Drittel der Befragten, die überhaupt eine Open-Source-Groupware einsetzen, wählen 22 Prozent eGroupware und 18 Prozent Open-Xchange. Auch hier liegt der Anteil der Eigenentwicklungen sehr hoch. Ein klarer Zusammenhang zwischen der Firmengröße und der eingesetzten Groupware ist nicht zu erkennen.

Da nur 17 Prozent der Unternehmen überhaupt eine freie ERP- oder CRM-Software nutzen, kommt selbst das deutlich führende SugarCRM in unserer Stichprobe nur auf etwa 65 Anwender, den SugarCRM-Fork vtiger setzen weitere 20 Anwender ein. Alle genannten Produkte mit Ausnahme von SugarCRM kommen lediglich bei kleinen und mittleren zum Einsatz. Das vergleichsweise wenig prominente deutsche Lx-Office wird wesentlich häufiger eingesetzt als die bekannten ERP-Suiten Compiere und OpenBravo.

Im Bereich System- und Netzwerk-Management bevorzugen die Anwender freie Tools wie Nagios, Wireshark und MRTG. Kommerzielle unterstützte Lösungen wie Groundwork Monitor und Hyperic HQ spielen kaum eine Rolle.

Bei fast allen Einsatzbereichen zeigt sich eine Tendenz, dass kleinere Unternehmen mehr Software aus freien Open-Source-Projekten einsetzen, während größere Unternehmen häufig OSS bevorzugen, hinter der ein Unternehmen steht oder für die kommerzieller Support verfügbar ist.

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