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Trendstudie Open Source

Wissen | Reportage

Welche Open-Source-Software wird in deutschen Unternehmen eingesetzt? Was versprechen sich die Anwender davon, wie zufrieden sind sie, und wo erleben sie Probleme? Die Trendstudie Open Source liefert detaillierte Antworten.

In einer Online-Umfrage im November 2008 haben heise open [1] und die Wilken GmbH [2] Daten zum Einsatz von Open Source in deutschen Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen erhoben. Schwerpunktthemen der rund 60 Fragen, deren Beantwortung etwa 20 bis 40 Minuten dauerte, waren:

Insgesamt haben sich über 3500 Personen an der Umfrage beteiligt; 1312 Teilnehmer haben vollständige und valide Datensätze abgeliefert. Damit liefert die Trendstudie Open Source den umfangreichsten bislang verfügbaren Datenbestand zum Open-Source-Einsatz in Deutschland.

Von den Befragten gehören 30 Prozent kleinen Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern an, 51 Prozent mittelständischen Unternehmen und 19 Prozent Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern:

Unternehmensgröße
Anzahl Mitarbeiter Anteil (Umfrage) Anteil (Deutschland)*
< 10 29,9 % 91,6 %
10-50 26,2 % 6,7 %
50-500 24,6 % 1,6 %
> 500 19,3 % 0,1 %

* Unternehmensbestand laut Unternehmensregister, Stand 31.12.2007, Institut für Mittelstandsforschung Bonn [3]

Kleine Unternehmen sind somit in der Stichprobe unterrepräsentiert, mittlere und große überrepäsentiert. Die Teilnehmer verteilen sich ungefähr entsprechend dem Bevölkerungsanteil über die Bundesländer.

Wie bei Online-Umfragen unvermeidlich, hat auch in unserer Stichprobe eine gewisse Selbstselektion stattgefunden: Lediglich 13 Teilnehmer (ein Prozent) gaben an, dass in ihrem Unternehmen keine Open Source eingesetzt wird – nach anderen Studien ist für den Anteil der Open-Source-Anwender eher ein Wert zwischen 70 (IDC 2006 [4]) und 85 Prozent (Gartner 2008 [5]) zu erwarten. 73 Prozent der Teilnehmer setzen OSS seit mehr drei Jahren ein, nur fünf Prozent bezeichnen sich als Open-Source-Einsteiger.

Die fett gedruckten Branchen sind mit mehr als 60 Unternehmen in der Studie vertreten.

Die Stichprobe ist daher weniger repräsentativ für deutsche Unternehmen insgesamt, sondern eher für die Unternehmen, die Open-Source-Software einsetzen. Dazu passt der überproportional hohe Anteil der großen Unternehmen in unserer Stichprobe: Die meisten Studien zum Einsatz von Open Source haben gefunden, dass größere Unternehmen häufiger Open-Source-Software einsetzen als kleine Firmen.

Auch bei der Verteilung der Unternehmen über die verschiedenen Branchen zeigt sich in unserer Stichprobe ein Selektionseffekt: Die Branche "Software und Consulting", die IT-affine Unternehmen vom selbständigen IT-Berater über Systemhäuser bis zum Softwarehersteller umfasst, ist mit 30,6 Prozent sehr stark vertreten. Alle Branchen, die auf einen Anteil von mindestens vier Prozent kommen, sind mit mehr als 50 Unternehmen in unserer Stichprobe vertreten.

Trendstudie Open Source (0 Bilder) [6]

[7]
Inhalt
Open Source ist in den Unternehmen angekommen [8]
Open Source erfüllt die Ansprüche der Anwender [9]
Gründe für den Open-Source-Einsatz [10]
Hindernisse [11]
Support ist kein Problem [12]
Open Source wird in allen Bereichen der IT eingesetzt [13]
Einsatzbereiche en detail [14]
Eingesetzte Produkte [15]
Zusammenfassung [16]

[17]

In über 80 % der Firmen spielt Open Source eine wichtige Rolle.
In über 80 % der Firmen spielt Open Source eine wichtige Rolle.

In 40 Prozent der Unternehmen in unserer Studie ist Open Source von unternehmenskritischer Bedeutung, bei weiteren 43 Prozent spielt Open Source eine wichtige Rolle in der Unternehmens-IT. Das bestätigt den Befund von Gartner 2008 [18], dass Open Source fast ebenso häufig in unternehmenskritischen Bereichen zum Einsatz kommt wie in anderen Einsatzfeldern. Die immer noch verbreitete Vorstellung, dass Open-Source-Software vor allem in weniger wichtigen Bereichen eingesetzt wird, trifft also nicht mehr zu.

Je länger Open Source eingesetzt wird, desto wichtiger wird ihre Rolle in der IT.
Je länger Open Source eingesetzt wird, desto wichtiger wird ihre Rolle in der IT.

Open-Source-Software wird umso eher in unternehmenskritischen Bereichen eingesetzt, je länger ein Unternehmen Erfahrungen mit OSS gesammelt hat: Open-Source-Einsteiger verwenden OSS nur in Ausnahmefällen für unternehmenskritische Aufgaben, bei zwei Dritteln dieser Unternehmen bleibt sie auf weniger wichtige und unwichtige Einsatzfelder beschränkt. Von den Unternehmen mit mehr als drei Jahren Open-Source-Erfahrung hingegen verwendet fast die Hälfte OSS auch in unternehmenskritischen Bereichen. Offenbar starten die meisten Unternehmen mit Open Source in unwichtigen Bereichen und greifen mit zunehmender Open-Source-Erfahrung mehr und mehr auch in kritischen Einsatzfeldern zu Open Source.

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen: In den vier Branchen Telekommunikation, Software und Consulting, Forschung und Lehre sowie Gewerbe und Handwerk hat Open-Source-Software bei über 90 Prozent der Unternehmen eine wichtige oder unternehmenskritische Bedeutung, während sie in den Branchen Banken und Versicherungen, Verwaltung, Industrie sowie Sozialwesen und Körperschaften bei weniger als drei Viertel der Unternehmen wichtig oder unternehmenskritisch ist. Das deckt sich mit anderen Studien, die einen besonders hohen Einsatzgrad von Open Source unter anderem in der Telekommunikationsbranche und einen besonders geringen bei Banken und Versicherungen gefunden haben.

Bedeutung von Open Source nach Branchen
Branche unternehmenskritisch / wichtig weniger wichtig / unwichtig kein Einsatz
Gesamt 83,8 15,2 1,0
Forschung und Lehre 91,6 7,5 0,9
Software und Consulting 91,0 8,0 1,0
Gewerbe und Handwerk 90,6 7,1 2,4
Telekommunikation 89,6 9,1 1,3
Handel 83,9 16,1 0,0
Medien und Marketing 83,3 16,7 0,0
Sozialwesen, Körperschaften 75,0 25,0 0,0
Verwaltung 70,8 26,1 3,1
Banken und Versicherungen 69,7 27,3 3,0
Industrie 67,0 31,9 1,1

Der besonders hohe Einsatzgrad von Open Source an den Universitäten (Forschung und Lehre) ist nicht weiter überraschend, auch nicht der hohe Wert für die Branche Software und Consulting: An den Universitäten hat sich Open Source längst etabliert, und die Branche Software und Consulting umfasst viele Unternehmen, die selbst im Open-Source-Umfeld tätig sind. Erstaunlich ist allerdings der hohe Einsatzgrad bei Gewerbe und Handwerk, da diese Branche in Sachen IT nicht als besonders innovativ oder experimentierfreudig gilt.

In kleinen Firmen ist Open Source wichtiger.
In kleinen Firmen ist Open Source wichtiger.

Open Source spielt eine umso wichtigere Rolle, je kleiner das Unternehmen ist: In 94 Prozent der Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern ist Open Source unternehmenskritisch oder wichtig, im Mittelstand liegt der Wert bei 85 (Unternehmen bis 50 Mitarbeiter) und 81 Prozent (50 bis 500 Mitarbeiter). In großen Unternehmen über 500 Mitarbeitern ist Open Source bei 70 Prozent der Firmen von unternehmenskritischer oder wichtiger Bedeutung.

Auch wenn der Einsatzgrad von Open Source generell bei großen Unternehmen höher liegt, wie es andere Studien gefunden haben (und worauf auch der hohe Anteil großer Unternehmen in unserer Stichprobe hindeutet), scheinen kleinere Unternehmen, wenn sie denn Open Source einsetzen, besonders stark auf freie Software zu setzen: Während Open Source bei 49 Prozent der Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern unternehmenskritisch ist, sinkt dieser Wert bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern auf 30 Prozent.

Interessanterweise schätzen in unserer Studie Teilnehmer auf Entscheidungspositionen die Bedeutung von Open Source besonders hoch ein: 95 Prozent der Firmeninhaber und Angehörigen von Vorstand oder Geschäftsführung sowie über 80 Prozent der IT-Leiter und der Leiter von Fachabteilungen halten Open Source für unternehmenskritisch oder wichtig – bei Sysadmins, Entwicklern und Angehörigen von Fachabteilungen liegt dieser Wert erheblich niedriger. Das widerspricht sehr deutlich einer Studie von TechConsult [19], in der vor gut einem Jahr gezielt kaufmännische Entscheider im Mittelstand zum Einsatz von Linux befragt wurden und die eine deutliche Unterschätzung des Einsatzgrads von Linux in dieser Stichprobe gefunden hatte.

Allerdings ist bei unserer Stichprobe davon auszugehen, dass bei kleinen Unternehmen die Geschäftsleitung häufig beim Inhaber liegt und der dann auch meist der IT-Verwantwortliche ist. Zudem liegt der Anteil der Teilnehmer, die als Position im Unternehmen Geschäftsführung/Vorstand/Inhaber gewählt haben, bei kleinen Unternehmen besonders hoch; TechConsult hatte in der erwähnten Studie lediglich Unternehmen ab 20 Mitarbeitern untersucht. Daher haben wir uns auch die Einschätzung der Bedeutung von Open Source in Abhängigkeit von der Position im Unternehmen für Firmen mit mindestens 50 Mitarbeitern angesehen.

Open Source ist Chefsache.
Open Source ist Chefsache.

Allerdings bleibt auch in dieser Teilstichprobe der Zusammenhang zwischen der Position im Unternehmen und der Einschätzung der Bedeutung von Open Source erhalten. Zwar dürfte auch hier ein gewisser Selektionseffekt wirksam sein in der Richtung, dass vor allem solche Entscheider, denen das Thema IT und Open Source besonders wichtig ist, an der Umfrage teilgenommen haben; dennoch deutet dieses Ergebnis klar darauf hin, dass das Thema Open Source auf Geschäftsleitungsebene angekommen ist. Die alte Vorstellung, dass Open Source "von unten" in die Firma kommt, indem IT-Leute Open-Source-Software ohne Wissen der Vorgesetzten installieren, ist so wohl nicht mehr zu halten: Open Source scheint in vielen Firmen Chefsache geworden zu sein.

[20]

49 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden mit ihrer Open-Source-Software, 48 Prozent zufrieden. Weniger zufrieden sind lediglich zwei Prozent, unzufrieden nur ein einziger Teilnehmer: Open Source erfüllt in hohem Maße die Ansprüche der Anwender. Dieses Bild zeigt sich bei Unternehmen aller Größen.

Fast alle Anwender sind mit Open Source zufrieden.
Fast alle Anwender sind mit Open Source zufrieden.
Fast 90 % der Anwender bewerten den Reifegrad als gut oder sehr gut.

Den Reifegrad von Open-Source-Anwendungen bewerten fast 90 Prozent der Befagten mit sehr gut oder gut, zehn Prozent mit befriedigend und nur jeweils ein Prozent als ausreichend oder mangelhaft. Auch andere Studien haben ein hohes Maß an Zufriedenheit mit Open Source gefunden: Laut Forrester 2008 [21] beispielsweise erfüllt Open Source bei 92% der Unternehmen den Qualitätsanspruch.

Die Zufriedenheit mit lizenzpflichtiger Software ist geringer.
Die Zufriedenheit mit lizenzpflichtiger Software ist geringer.

Bei lizenzpflichtiger Software ist die Zufriedenheit deutlich geringer: Lediglich 15 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden, 29 Prozent zufrieden. Der deutliche Unterschied in der Zufriedenheit zwischen Open-Source- und proprietärer Software belegt einen immer wieder behaupteten Vorteil von Open Source: die Unabhängigkeit der Anwender von Herstellern und Produkten. Offenbar lässt sich OSS ohne große Umstände ausprobieren ausprobieren und – wenn sie die Ansprüche nicht erfüllt – recht einfach durch ein anderes Produkt ersetzen. Der Einsatz lizenzpflichtiger Software hingegen ist häufiger mit längerfristigen Lizenzverträgen oder einer Anpassung der IT-Infrastruktur an ein bestimmtes Produkt verbunden, was einen Ausstieg aus dem Produkt bei Unzufriedenheit schwieriger macht.

Je wichtiger OSS, desto höher die Zufriedenheit.
Je wichtiger OSS, desto höher die Zufriedenheit.

Die Zufriedenheit mit OSS steigt, je wichtiger die Rolle von Open Source in der Unternehmens-IT ist: Anwender sind um so zufriedener, je höher ihre Ansprüche an die Open-Source-Software sind – oder sie setzen OSS umso eher in wichtigen Bereichen ein, je zufriedener sie damit sind. Was hier Ursache und was Wirkung, lässt sich nicht entscheiden.

[22]

Bei der Frage nach den Beweggründen für den Open-Source-Einsatz steht das Motiv "Lizenzkosten sparen" ganz oben – für 87 Prozent der Teilnehmer unserer Studie ist das ein wichtiger Grund. Bei kleinen Unternehmen ist dieses Motiv besonders wichtig:

Motiv Kosten sparen
Anzahl Mitarbeiter Prozent
< 10 91.33
10-50 86.92
50-500 85.14
> 500 83.40

Es folgen der Wunsch nach offenen Standards und nach Herstellerunabhängigkeit bei jeweils gut 70 Prozent der Befragten. Die Bekanntheit einer Open-Source-Software findet sich ganz unten in der Rangliste mit nur 18 Prozent Nennungen – offenbar wählen nur wenige Anwender eine OSS aus, weil sie sich einen Namen gemacht hat. Als "andere Motive" wurden unter anderem genannt, dass man sich Ärger mit Lizenzverhandlungen erpart, Plattformunabhängigkeit erreicht und dass in manchen Bereichen Open-Source-Software Standard ist.

Das Sparen von Lizenzkosten steht bei den Gründen ganz oben.
Das Sparen von Lizenzkosten steht bei den Gründen ganz oben.
Bei den meisten Teilnehmern haben sich die Motive für OSS erfüllt.

Bei nahezu allen Teilnehmern haben sich die Motive für den Open-Source-Einsatz zumindest teilweise, bei über 80 Prozent vollständig erfüllt. Nicht erfüllte Beweggründe sind unter anderem das Arbeiten mit dem Code, was sich in bei 2,7 Prozent der Teilnehmer – etwa aufgrund mangelnder Dokumentation oder unübersichtlicher Quelltexte – als zu komplexe Aufgabe erwies. Bei zwei Prozent der Befragten sind die erhofften Kostenvorteile nicht wie erwartet eingetreten. Technische Mängel der Software beklagen 1,5 Prozent.

Faktorenanalytisch [23] lassen sich vier unterschiedliche Motivgruppen identifizieren:

Motive für den Open-Source-Einsatz
Motive für den Open-Source-Einsatz
Steigende Erfahrung verändert die Motive für den OSS-Einsatz.
Die Motive ändern sich bei steigender Erfahrung mit OSS.

Die Beweggründe für den Einsatz von Open Source ändern sich mit der Dauer des Einsatzes im Unternehmen: Vor allem die Motivgruppen "technische Qualität", "offene Quellen" und "Freiheit" gewinnen bei erfahrenen Open-Source-Anwendern an Gewicht. Interessant dabei: Den Beweggrund "Kosten sparen" nennen lediglich 76 Prozent der Open-Source-Einsteiger, aber rund 90 Prozent der erfahreneren Anwender.

Bezüglich der Bedeutung von Open Source in der IT und der Anzahl der eingesetzten OSS-Anwendungen zeigt sich ein gleicher Zusammenhang: Je wichtiger Open-Source-Software im Unternehmen ist, desto höher fallen die Werte in den Motivgruppen "Freiheit", "offene Quellen" und "technische Qualität" aus, während es beim Wunsch nach dem Sparen von Lizenzkosten und bei den pragmatischen Gründen keine Unterschiede gibt – offenbar lernen Anwender die Vorteile von Open Source jenseits der gesparten Lizenzkosten schätzen, je wichtiger die Software in der IT-Landschaft wird.

Trendstudie Open Source

Die Motive für den Open-Source-Einsatz haben einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie zufrieden man mit der eingesetzten Open-Source-Software ist: Für weniger zufriedene Open-Source-Anwender ist vor allem der Aspekt "Lizenzkosten sparen" wichtig, während die übrigen Motive nur eine geringe Rolle spielen. Die sehr zufriedenen Open-Source-Anwender hingegen erreichen in den Motivgruppen "Freiheit", "offene Quellen" und "Qualität" deutlich höhere Werte als die weniger zufriedenen – hier spielen auch andere Motive als Sparen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für Open Source.

[24]

Wichtigstes Problem bei der Einführung und Nutzung von Open Source im Unternehmen ist die Integration mit der vorhandenen Software. Auch der Mangel an qualifiziertem Personal kann zum Problem werden – bereits 2007 hatte eine Studie von Actuate [25] einen Mangel an Open-Source-Know-how als Hindernis bei der Einführung von Open Source gefunden. Interessanterweise wird der Mangel an qualifiziertem Personal in großen Unternehmen stärker als Problem erlebt als in kleineren Unternehmen – möglicherweise sind in großen Unternehmen die Ansprüche höher, vielleicht wird hier Open-Source-Software aber auch nach anderen Kriterien als dem in der Firma vorhandenem Know-how ausgewählt.

10 % der Befragten haben in keinem dieser Bereiche jemals Probleme erlebt.
10 % der Befragten haben in keinem dieser Bereiche jemals Probleme erlebt.

Auch fehlende oder fehlerhafte Funktionen sind ein Problem, mit dem die meisten Unternehmen schon einmal konfrontiert waren. Das Finden von professionellem Support und der Kontakt zum Hersteller stellen die Mehrzahl der Teilnehmer vor keine ernsthaften Probleme – wobei große Unternehmen auch mit der mangelnden Verfügbarkeit von Support etwas häufiger Schwierigkeiten haben. Immerhin zehn Prozent der Teilnehmer haben gar keinen der Problembereiche ausgewählt.

Trendstudie Open Source

Alle Problembereiche werden umso häufiger genannt, je geringer die Bedeutung von Open Source im Unternehmen ist: Probleme bei der Einführung und Nutzung von Open Source verhindern offenbar, dass OSS in wichtigen Bereichen eingesetzt wird.

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Die am häufigsten genannten generellen Nachteile von Open Source – Treiberprobleme und die uneinheitliche Bedienoberfläche – entstammen vor allem dem Desktop-Bereich. Immerhin 18 Prozent der Befragten sehen gar keine grundsätzlichen Nachteile bei Open-Source-Software. Auch bei dieser Frage zeigt sich, dass mangelnder Support lediglich von einer kleinen Minderheit als Nachteil von OSS gesehen wird. Generell sehen Anwender, in deren IT Open Source keine wichtige Rolle spielt, mehr Nachteile.

Unter "andere Nachteile" konnten die Teilnehmer weitere Punkte in ein Freitextfeld eingeben. Relativ häufig genannt wurden hier Akzeptanzprobleme bei Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kunden. Weitere Nachteile sind Mängel bei der Dokumentation, Unsicherheiten bezüglich der Weiterentwicklung sowie Rechtsunsicherheiten.

[26]

Schon bei den Fragen nach konkreten Problemen mit und generellen Nachteilen von Open Source spielte mangelnder Support keine große Rolle – im Unterschied zu vielen älteren Studien, bei denen die Verfügbarkeit von Support immer wieder als Problem im Open-Source-Umfeld zitiert wurde.

Nur 35% der Befragten nehmen Support in Anspruch.
Nur 35% der Befragten nehmen Support in Anspruch - und sind dann größtenteils zufrieden damit.

Von den Teilnehmern unserer Studie nimmt lediglich ein gutes Drittel überhaupt externen Support in Anspruch; über 60 Prozent geben an, ohne Support auszukommen. Wenn Support in Anspruch genommen wird, sind 90 Prozent der Anwender damit zufrieden oder sehr zufrieden – wenn eine externe Unterstützung benötigt wird, ist es offenbar kein Problem, Support in ordentlicher Qualität zu erhalten.

Größere Unternehmen nehmen häufiger Support in Anspruch.
Größere Unternehmen nehmen häufiger Support in Anspruch.
Trendstudie Open Source

Dabei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit der Firmengröße: Die Hälfte der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern nimmt externen Support in Anspruch; bei kleinen Firmen unter 50 Mitarbeitern liegt dieser Wert lediglich um 30 Prozent. Auch wird um so eher externer Support in Anspruch genommen, je wichtiger die Open-Source-Software für das Unternehmen ist. Allerdings kommen selbst bei unternehmenskritischer OSS 60 Prozent der Firmen ohne externen Support aus.

In einem weiteren Themenkomplex haben wir vier verschiedene Modelle zur Auswahl gestellt, wie der Open-Source-Einsatz extern unterstützt werden kann:

Die Anwender bevorzugen klassischen Support oder eine konsortiale Softwareentwicklung.
Die Anwender bevorzugen klassischen Support oder eine konsortiale Softwareentwicklung.

Das Modell Software as a Service genießt dabei die geringste Popularität: Im direkten Vergleich würden sich nur acht Prozent der Befragten für dieses Modell entscheiden, für über die Hälfte kommt SaaS grundsätzlich nicht in Betracht. Die wichtigsten Einwände betreffen die Datensicherheit sowie die mit SaaS verbundene Abhängigkeit von einem Anbieter und vom Internet. Zudem setzen eine Reihe von Unternehmen selbst entwickelte Anwendungen ein oder haben das zum Betrieb ihrer Software nötige Know-how bereits in der Firma. Auch die Individualentwicklung stößt auf wenig Gegenliebe: Teilweise entwickeln die Unternehmen die benötigte Software sowieso selbst, oder sie befürchten hohe Kosten.

Am beliebtesten sind das klassische Support-Modell (38 Prozent) und die Entwicklungspartnerschaft (34 Prozent), die beide jeweils nur für rund 15 Prozent der Unternehmen grundsätzlich nicht in Betracht kommen. Doch auch hier gibt es Einwände: Gegen das Dienstleistungsmodell führen die Befragten die damit verbundenen Kosten oder schlechte Erfahrungen an; zudem gibt es auch hier Unternehmen, das das nötige Know-how im Hause haben und keinen Support benötigen. Bei der konsortialen Softwareentwicklung in Kooperation mit anderen Unternehmen befürchtet man einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Know-how und die zu aufwendige Abstimmung.

[27]

Nahezu alle Unternehmen in unserer Umfrage setzen Open-Source-Software in mehreren Bereichen ein. Besonders häufig wird OSS eingesetzt als Server-Betriebssystem (84 Prozent), auch weitere klassische Open-Source-Einsatzbereiche wie Webserver (81 Prozent), Datenbank (79 Prozent) und Netzwerk-Infrastruktur (73 Prozent) kommen auf einen hohen Einsatzgrad.

Einsatzbereiche
Einsatzbereich Prozent*
Server-Betriebssystem 83,7
Internet 82,5
Webserver 80,9
Datenbank 79,2
Netzwerk-Infrastruktur 73,4
Office 67,9
System- und Netzwerkmanagement 67,5
Entwicklung 61,2
Sicherheit 57,4
Desktop-Betriebssystem 57,2
File-/Printserver 54,3
Content Management 50,8
Virtualisierung 48,6
Multimedia 45,9
Application Server 43,4
Collaboration/Groupware 33,6
Webservices, SOA, EAI 31,2
Dokumentenmanagement 30,0
ERP/CRM 17,2
Geodaten 7,8
Andere 13,7

* Mehrfachauswahl möglich

Open Source wird in der IT-Infrastruktur häufiger eingesetzt als auf dem Desktop oder bei Unternehmensanwendungen.
Open Source wird in der IT-Infrastruktur häufiger eingesetzt als auf dem Desktop oder bei Unternehmensanwendungen.

Open Source ist auch auf dem Unternehmens-Desktop angekommen (rote Balken in der Grafik): 68 Prozent der Befragten setzen freie Office-Software ein, 83 Prozent Open-Source-Internet-Tools wie Firefox, immerhin 46 Prozent nutzen Open-Source-Tools für Multimedia-Aufgaben. Diese Software wird offensichtlich auch auf Windows-Desktops eingesetzt: Linux als Desktop-Betriebssystem nutzen "nur" 57 Prozent der Unternehmen – immer noch ein erstaunlich hoher Wert, wenn man bedenkt, dass Linux auf dem Desktop immer noch als exotische Lösung gilt. Allerdings bedeutet das nicht unbedingt, dass über die Hälfte der Befragten firmenweit mit Linux-Desktops arbeiten: Bei einem Teil der Firmen können die Linux-Desktops auch nur bei einigen Mitarbeitern etwa in der IT im Einsatz sein, während auf den Büroarbeitsplätzen nach wie vor Windows läuft.

Diese Zahlen spiegeln wider, wie Open Source auf den Desktop kommt: Es beginnt mit Anwendungen wie Firefox, Thunderbird und OpenOffice, die in der gewohnten Windows-Umgebung ihre proprietären Pendants einfach ersetzen können und dabei Kostenvorteile (OpenOffice statt MS Office) oder mehr Sicherheit, Performance und Komfort bieten (Firefox statt Internet Explorer). Haben sich die Anwender erst einmal an die Arbeit mit freien Programmen gewöhnt, die plattformübergreifend verfügbar sind, ist der Austausch des Betriebssystems darunter keine große Sache mehr. An die Stelle einer Komplettmigration mit dem Risiko, die Anwender zu überfordern, tritt so eine schrittweise Umstellung zunächst der zentralen Anwendungen, die schließlich zum kompletten Open-Source-Desktop führen kann.

Insgesamt passen die für die unterschiedlichen Einsatzbereiche gefundenen Zahlen recht gut zu der Vorhersage von Gartner [28] für 2009: Die amerikanischen Marktforscher erwarten, dass Ende 2009 rund 75 Prozent der Unternehmen Linux auf dem Server nutzen werden. Linux auf dem Desktop soll bis dahin in 61 Prozent der Unternehmen üblich sein, Open-Source-Datenbanken erwartet Gartner in 71 Prozent der Unternehmen.

Unternehmens-Anwendungen (gelbe Balken) sind seltener im Einsatz: Freie Content Management Systeme finden sich bei 51 Prozent der Unternehmen, Open-Source-Groupware bei 34 Prozent, freie Dokumentenmanagement-Systeme bei 30 Prozent und Open-Source-ERP/CRM-Systeme bei immerhin 17 Prozent der Unternehmen. Dabei muss man allerdings bedenken, dass längst nicht jedes Unternehmen überhaupt eine Software für das Dokumentenmanagement oder das Customer Relationship Management einsetzt, während Server- und Desktop-Betriebssysteme nahezu überall im Einsatz sein dürften.

Der besonders hohe Wert für CMS dürfte daran liegen, dass es sich hierbei um eine besondes Web-nahe Anwendung handelt: Wenn die Basis des Webauftritts bereits Open Source ist (den Web-Server Apache setzen über 80 Prozent der Befragten ein), dürfte auch die Wahl einer OSS für die Pflege des Web-Contents nahe liegen.

Insgesamt zeigen sich auch hier Übereinstimmungen mit anderen Studien zum Thema Open Source in Untenehmen: Sowohl Gartner 2008 [29] als auch Forrester 2008 [30] haben gefunden, dass Open Source besonders häufig im Infrastrukturbereich (Betriebssysteme, Netzwerk, Datenbanken) eingesetzt wird. Freie Unternehmensanwendungen sind laut beiden Marktfoschern seltener eim Einsatz, zeigen jedoch einen positiven Trend: Open Source erobert zunehmend auch höhere Ebenen im Softwarestack der Unternehmen.

[31]

Die Rangfolge der Einsatzbereiche ist weitgehend unabhängig davon, wie wichtig Open Source für die Unternehmen ist – Firmen, für die Open Source von unternehmenskritischer Bedeutung ist, setzen keine grundsätzlich andere OSS ein als Unternehmen, in deren IT Open Source keine wichtige Rolle spielt. Allerdings nutzen Unternehmen, für die Open Source von hoher Bedeutung ist, generell in mehr Bereichen Open-Source-Software als andere Firmen.

Bei innovativen Anwendungen sind die kleineren Unternehmen führend.
Bei innovativen Anwendungen sind die kleineren Unternehmen führend.

Die klassischen Open-Source-Einsatzbereiche (Server-Betriebssysteme, Infrastruktur) finden sich ähnlich häufig in Unternehmen aller Größen. Dass freie Virtualisierungslösungen mit knapp 50 Prozent auf einen geringeren Einsatzgrad kommen als Open-Source-Webserver mit gut 80 Prozent, dürfte in erster Linie daran liegen, dass mehr Firmen einen Webserver betreiben als eine Virtualisierungslösung.

Neuere, innovative Anwendungsbereiche von Open Source wie Desktop und Unternehmensanwendungen kommen bei kleinen Unternehmen deutlich häufiger vor. Freie Office-Programme etwa setzen 86 Prozent der kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern, aber nur 41 Prozent der großen Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ein; im Bereich ERP/CRM finden sich Open-Source-Anwendungen bei 26 Prozent der Unternehmen unter zehn, aber nur sieben Prozent der Unternehmen über 500 Mitarbeitern:

Ausgewählte Einsatzbereiche nach Unternehmensgröße
Anzahl Mitarbeiter Office* ERP/CRM*
< 10 85,5 25,9
10-50 73,2 20,7
50-500 58,8 9,7
> 500 40,7 7,3

* Anteil Unternehmen, die in diesem Bereich Open Source einsetzen

Offenbar ist bei kleineren Unternehmen die Bereitschaft, möglicherweise auch der Druck zum Einsatz freier Software jenseits der gut etablierten Bereiche höher als in großen Unternehmen. Ein Grund dafür könnte sein, dass größere Unternehmen eine komplexere IT-Landschaft haben, sodass die Integration von Open-Source-Software auf höheren Ebenen des Software-Stacks mehr Probleme macht – wie bereits dargestellt, erleben große Unternehmen mehr Probleme bei der Integration von Open Source mit der bereits eingesetzten Software. Die vergleichsweise weniger komplexe IT in kleineren Unternehmen scheint die Einführung von Open Source in innovativen Einsatzbereichen zu erleichtern.

Sicherlich spielen hier auch die Kosten eine Rolle: Für kleine Unternehmen ist das Sparen von Lizenzkosten ein besonders wichtiges Motiv. Zudem haben kleinere Unternehmen weniger Spielraum bei Lizenzverhandlungen haben, sodass die möglichen Einsparungen beim Umstieg auf ein Open-Source-Produkt größer sind.

Je nach Branche unterscheiden sich die Schwerpunkte des Einsatzes.
Je nach Branche unterscheiden sich die Schwerpunkte des Einsatzes.

Auch zwischen den verschiedenen Branchen gibt es Unterschiede im Open-Source-Einsatz: So zeigt sich in den Open-Source-affinen Branchen Software und Consulting, Telekommunikation sowie Forschung und Lehre in fast allen Bereichen ein höherer Open-Source-Einsatzgrad als im Mittel über alle Unternehmen. In den eher konservativen Branchen Industrie und Verwaltung liegt der Einsatzgrad durchgängig niedriger. Auffällig ist der hohe Einsatzgrad von freien Office-Lösungen in den Branchen Handel und Gewerbe und Handwerk.

[32]

Debian dominiert den Server.
Debian dominiert den Server.

In einigen Einsatzbereichen haben wir nach konkret genutzten Produkten gefragt. Das am häufigsten genutzte freie Server-Betriebssystem ist Debian GNU/Linux mit 47 Prozent, es folgen Ubuntu (32 Prozent), Suse Linux Enterprise Server SLES und OpenSuse mit 27 und 23 Prozent sowie Red Hat Enterprise Linux RHEL (15 Prozent) und CentOS (11 Prozent). Die verschiedenen BSD-Derivate, Fedora und OpenSolaris liegen unter zehn Prozent. Bei "anderen Linux-Distributionen" wurde relativ häufig Gentoo genannt.

Anders als im angloamerikanischen Raum, wo Linux-Distributionen aus dem Red-Hat-Umfeld deutlich vor Suse Linux liegen, zeigt sich in Deutschland eine klare Bevorzugung von Suse. Das gilt sowohl für die kommerziell unterstützten Versionen SLES und RHEL als auch für das freie Projekt OpenSuse, das häufiger eingesetzt wird als der freie Red-Hat-Klon CentOS und Red Hats Community-Distribution Fedora.

Große Unternehmen bevorzugen kommerziell unterstützte Software.
Große Unternehmen bevorzugen kommerziell unterstützte Software.

Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt der Einsatzgrad der kommerziell unterstützten Linux-Varianten: Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ist SLES mit einem Einsatzgrad von 54 Prozent das am häufigsten eingesetzte freie Server-Betriebssystem, und RHEL erreicht fast die Verbreitung von Debian GNU/Linux.

Auf dem Desktop spielen die kommerziell unterstützten Linux-Distributionen Suse Linux Enterprise Desktop und Red Hat Enterprise Linux Desktop eine geringere Rolle als auf dem Server; Ubuntu führt mit deutlichem Abstand:

Desktop-Betriebssysteme
Distibution Einsatzgrad
Ubuntu 60.8
Debian 29.9
OpenSUSE 28.8
SLED 8.8
Fedora 8.2
RHEL 5.7
CentOS 3.5
Trendstudie Open Source

Auch auf dem Desktop steigt der Einsatzgrad der "kommerziellen" Linux-Versionen mit der Unternehmensgröße an; allerdings bleiben hier auch bei den großen Unternehmen die freien Linux-Distributionen Ubuntu, OpenSuse und Debian wichtiger als die Distributionen mit kommerziellem Background. Offenbar ist den Anwendern, die Linux auf dem Desktop einsetzen, das Einsparen von Lizenzkosten wichtiger als Unterstützung durch den Hersteller.

Bei den freien Datenbanken dominiert MySQL.
Die bekanntesten OSS-Lösungen werden am häufigsten eingesetzt.

Bei den freien Datenbanken ist erwartungsgemäß MySQL sehr stark – sie läuft bei 90 Prozent der Anwender, die überhaupt eine freie Datenbank einsetzen. Auf Platz zwei folgt mit deutlichem Abstand PostgreSQL. An "anderen Datenbanken" wurden unter anderem Firebird und SQLite genannt, die jweweils bei gut zwei Prozent der Befragten im Einsatz sind. Die kommerziell unterstützten Open-Source-Datenbanken Ingres und EnterpriseDB liegen noch darunter. Die Werte sind in Unternehmen aller Größen sehr ähnlich.

Im Bereich Virtualisierung dominiert Xen auf dem Server, der Desktop-Virtualisierer VirtualBox kommt jedoch auf eine fast genau so hohe Verbreitung. Der Einsatzgrad von Xen nimmt bei großen Unternehmen zu, der von VirtualBox nimmt ab.

Der verbreiteteste freie Application Server ist Tomcat, der kommerziell unterstützte JBoss folgt mit deutlichem Abstand. Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt der Einsatzgrad von JBoss, der von Tomcat geht zurück.

Beim Content Management dominiert Typo3 mit über 40 Prozent, es folgen Joomla, WordPress und Drupal. Typo3 ist besonders verbreitet bei großen Unternehmen, kleinere Firmen greifen eher zu Joomla. Die zahlreichen anderen Nennungen (über 25 Prozent der Anwender) umfassen zum einen verschiedene Wikis, zum anderen liegt der Anteil an selbst entwickelten CMS sehr hoch.

Insgesamt zeigt sich in allen diesen Bereichen, dass die Teilnehmer der Trendstudie Open Source durchgängig bekannte Open-Source-Anwendungen bevorzugen – würde man Anwender nach den bekanntesten freien Datenbanken, Virtualisierungslösungen oder Content-Management-Systemen fragen, dürfte sich eine ähnliche Rangfolge der Produkte ergeben. Das steht in auffälligem Gegensatz zu der geringen Rolle, die die Markenbekanntheit einer Open-Source-Software als Grund für deren Einsatz spielt. Offenbar werden auch populäre Open-Source-Produkte weitgehend nicht als Marke wahrgenommen.

Virtualisierung: Xen bei größeren, VirtualBox bei kleineren Unternehmen.
Freie Groupware- und ERP-/CRM-Lösungen werden noch selten eingesetzt.

Von dem Drittel der Befragten, die überhaupt eine Open-Source-Groupware einsetzen, wählen 22 Prozent eGroupware und 18 Prozent Open-Xchange. Auch hier liegt der Anteil der Eigenentwicklungen sehr hoch. Ein klarer Zusammenhang zwischen der Firmengröße und der eingesetzten Groupware ist nicht zu erkennen.

Da nur 17 Prozent der Unternehmen überhaupt eine freie ERP- oder CRM-Software nutzen, kommt selbst das deutlich führende SugarCRM in unserer Stichprobe nur auf etwa 65 Anwender, den SugarCRM-Fork vtiger setzen weitere 20 Anwender ein. Alle genannten Produkte mit Ausnahme von SugarCRM kommen lediglich bei kleinen und mittleren zum Einsatz. Das vergleichsweise wenig prominente deutsche Lx-Office wird wesentlich häufiger eingesetzt als die bekannten ERP-Suiten Compiere und OpenBravo.

Im Bereich System- und Netzwerk-Management bevorzugen die Anwender freie Tools wie Nagios, Wireshark und MRTG. Kommerzielle unterstützte Lösungen wie Groundwork Monitor und Hyperic HQ spielen kaum eine Rolle.

Bei fast allen Einsatzbereichen zeigt sich eine Tendenz, dass kleinere Unternehmen mehr Software aus freien Open-Source-Projekten einsetzen, während größere Unternehmen häufig OSS bevorzugen, hinter der ein Unternehmen steht oder für die kommerzieller Support verfügbar ist.

[33]

Die Trendstudie Open Source liefert den umfangreichsten bislang verfügbaren Datenbestand zum Einsatz von Open-Source-Software in deutschen Unternehmen. Dabei zeigt sich, dass Open Source in den Firmen angekommen ist: Bei 40 Prozent der gut 1300 befragten Firmen nimmt Open Source eine unternehmenskritische, bei weiteren 43 Prozent eine wichtige Rolle in der IT-Landschaft ein. Die allermeisten Unternehmen sind mit der eingesetzten Open-Source-Software zufrieden und attestieren ihr einen hohen Reifegrad.

Das Einsparen von Lizenzkosten ist für fast 90 Prozent der Unternehmen ein wichtiges Motiv für den Open-Source-Einsatz. Bei kleineren Firmen ist dieser Faktor noch wichtiger: Hier scheint der Kostendruck besonders hoch zu sein. Entsprechend vertrauen mehr kleine als große Unternehmen auch in unternehmenskritischen Bereichen auf Open Source. Andere Vorteile von Open Source wie die damit verbundene Freiheit und Herstellerunabhängigkeit, der Zugriff auf die Quelltexte und technische Vorzüge werden umso wichtiger, je länger freie Software eingesetzt wird und je wichtiger sie in der IT-Landschaft ist.

Die größte Schwierigkeit beim Open-Source-Einsatz ist die Integration mit der vorhandenen Software. Den häufig behaupteten Mangel an professionellem Support erleben die meisten Unternehmen nicht als Problem: Lediglich 35 Prozent der Firmen greifen überhaupt auf externe Unterstzung zurück. Wird Support in Anspruch genommen, ist man im Allgemeinen zufrieden damit. Große Unternehmen nehmen eher externe Unterstützung in Anspruch; auch das dürfte Ausdruck des höheren Kostendrucks bei kleineren Unternehmen sein.

Open Source wird vor allem im Bereich IT-Infrastruktur (Server-Betriebssystem, Netzwerkmanagement, Datenbanken und so weiter) verwendet; allerdings setzen bereits über die Hälfte der Unternehmen Linux auf dem Desktop ein, und zwei Drittel nutzen freie Office-Programme. Unternehmensanwendungen sind weiniger verbreitet. Kleinere Unternehmen bevorzugen dabei eher Software aus freien Projekten, während größere Firmen eher zu kommerziell unterstützter Open Source greifen. Auch hier dürfte der Grund in dem stärkeren Wunsch nach einer Reduktion der Softwarekosten bei kleineren Unternehmen liegen.

Open Source auf dem Desktop und bei Unternehmensanwendungen sind eher eine Domäne der kleinen Unternehmen. Auch das dürfte in dem höheren Kostendruck bei kleinen Firmen begründet sein; allerdings spielt sicherlich auch eine Rolle, dass die Integration der Open-Source-Anwendungen in die bei kleinen Unternehmen weniger komplexe IT-Landschaft einfacher ist. (odi [34])


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