Triage im Server-Raum

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Redaktionsmitglieder betreuen die c't-eigenen Server. So werden Server zwar auf-, aber selten abgebaut. Der Umzug war Anlass für eine große Inventur.

Es hat eine gewisse Tradition: Die c't-eigenen Server werden von Redaktionsmitgliedern betreut und wir treffen bewusst von der Admin-Abteilung des Bereichs unabhängige Entscheidungen, um selbst Erfahrungen zu sammeln. Das hat allerdings zur Folge, dass Server zwar auf-, aber selten abgebaut werden. So stand für unseren Umzug eine große Inventur in den Server-Räumen an.

Einige Systeme, die dort schon vor einigen Jahren abgeschaltet wurden, traten direkt ihren letzten Gang in die Sammlung erhaltenswerter Altgeräte an, ein Vobis Alpha etwa, lange der Domänen-Controller unter NT4. Andere endeten im Elektroschrott – im Bodensatz tauchten neben ermüdeten Prototypen die letzten Reste der c't-Mailbox und Gerätschaften auf, mit denen wir seinerzeit Internet-Zugänge testeten.

Übrig blieb rund ein Dutzend Server, darunter echte Schätzchen wie ein DLD-Linux mit selbstgebackenem Kernel 2.0.33. Es war vor Jahren schon auf einen VMware-Server (Version 1) umgesiedelt, nachdem alle Lüfter des Original-Systems mit 75-MHz-AMD-Prozessor stehengeblieben waren. Darauf läuft Software, die uns bei der Bewältigung der E-Mail hilft und deren Autor eine Umsiedlung auf ein modernes Linux für unmöglich hielt.

Tatsächlich entpuppten sich die bestehenden VMs, die auf dem VMware-Server 1 liefen, als besonders hartnäckig: Ein Umzug in den VMware-ESX-Cluster der Admins schied aus, weil dort IDE-Geräte nicht mehr unterstützt werden (SCSI kann der selbstgebackene 2.0.33-Kernel aber nicht). Ein Einsatz auf einem der neuen Windows-Server mit Hyper-V scheitert auch am Kernel, weil der keine Treiber für die emulierte Digital-21140-Netzwerkkarte an Bord hat.

Die Lösung des Dilemmas: Diese und eine weitere VM mit einem virtualisierten Netware-Server für die DOS-Software eines Messgeräts mussten weg. Das Programm zur E-Mail-Bewältigung ließ sich nämlich doch auf ein modernes Linux verpflanzen. Mit einem Trick startete Microsofts DOS-SMB-Client so speichersparend, dass die Software auf dem Messgerät genug Luft zum Atmen hat.

Vergleichsweise flott fanden modernere Maschinen und Betriebssysteme eine neue Heimat in einer VM: Ein XP-System für Reisekostenabrechnungen lebt jetzt in einer Hyper-V-VM, ebenso ein Linux-System, dessen erste Platte in einem Software-RAID1 heimlich, obwohl kaum überhörbar verstorben war. Andere VMs konnten wir im Cluster der Admins loswerden.

Die verbleibenden physischen Server zogen schon eine Woche vor der Redaktion ins neue Gebäude: Die Admins hatten altes und neues Gebäude so vernetzt, dass der Standort keine Rolle spielte. Abends transportierten wir die Maschinen eigenhändig ins neue Rechenzentrum, in dem auch die anderen Bereiche des Verlags ihre Racks aufgeschlagen haben. Die größten Probleme machte dabei das Zugangssystem für das Gebäude.

Transportschäden gab es, von einer RAID5-Platte abgesehen, keine zu beklagen. Die Systeme liefen alle wieder an. Für die Redaktion lief der Umzug von den Warn-Mails im Vorfeld und der Entwarnung zwei Stunden später unbemerkt. Einen zweiten Schwung von Servern, die als Ausfall- und Backupsysteme dienen, konnten wir einige Tage später entspannt nachholen.

Als Aufgabe bleibt jetzt, die Systeme nach und nach auf rechenzentrumstaugliche Hardware umzuziehen. Noch umrahmen diverse PC-Tower das schicke Rack. Dort ist noch mächtig Platz für Systeme mit Management- und Monitoring-Funktionen, redundanter Stromversorgung und mehreren Ethernet-Ports. Die Feuertaufe hat das Rechenzentrum übrigens schon überstanden: Am Umzugsabend fiel der Strom 90 Minuten aus, die c't-Server (und nicht nur die) liefen weiter.

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