UMTS-Übungen

Mobilfunkbranche rüstet sich für 3G-Netze

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Das diesjährige Glanzlicht der Mobilfunk-Branche stammt nicht aus dem Mobilfunk: Nokia und Motorola werden auf der CeBIT erste GSM-Handys mit WLAN präsentieren, jener Megabit-schnellen Funktechnik, die eigentlich für die schnurlose Vernetzung von Notebooks und PCs ersonnen wurde.

Dass sie mit Überraschungstreffern umzugehen weiß, zeigte die Branche schon vor Jahren: Zu Beginn der Mobilfunkära erkannte sie nach einigem Augenreiben den enormen Zuspruch, den SMS erhielt, und lieferte bald nur noch Geräte mit SMS-Funktion aus. Doch dass sich Handy-Hersteller - allen voran sogar die beiden weltweit führenden - vom Kielwasser der Bürger-WLANs und Hotspots mitziehen lassen, überrascht, denn nicht wenige Beobachter sahen die Marktchancen der UMTS-Technik just durch die enorme WLAN-Verbreitung schwinden.

Aber vermutlich werden die WLAN-Neulinge sogar gut ins Sortiment der Mobilnetzbetreiber passen, denn T-Mobile und Co. sind noch vor den Handy-Herstellern auf den WLAN-Zug aufgesprungen und bieten eigene WLAN-Hotspots. Zudem nutzen die Handy-Hersteller den WLAN-Sog durchaus geschickt: Die Schnurlos-Technik kommt nur in den neuen GSM-Modellen auf den Markt, nicht in den UMTS-Geräten. Außerdem zielen sowohl Nokias Communicator 9500 als auch Motorolas MPx auf Firmenkunden - also gerade die Klientel, für die die Mobilnetzbetreiber ihre Hotspots auf Bahnhöfen oder Flughäfen eingerichtet haben.

Der Communicator 9500 ist ein Subnotebook-ähnliches Gerät, das nicht nur eine Handy-Tastatur hat, sondern im Innern auch ein PC-ähnliches Keyboard. Wie bei seinen Vorgängern aus der Communicator-Familie stellt Nokia auch beim 9500 Office-Anwendungen in den Vordergrund; dazu gehören etwa Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, E-Mail, Termin- und Adressdatenbanken, aber auch Web-Surfen sowie „vertikale Unternehmensanwendungen“.

Das unter SymbianOS 7.0 laufende Gerät funkt nicht nur als Tri-Band-Telefon in 900-, 1800- und 1900-MHz-GSM-Bändern, sondern eignet sich auch für die Mobildatendienste GPRS und EGPRS, ferner für WLAN gemäß 802.11b (11 MBit/s Brutto-Datenrate) und für Bluetooth zur Kommunikation mit anderen Handys, PDAs, Notebooks oder PCs. Enhanced-GPRS ist in Deutschland allerdings nicht verfügbar, da die hiesigen Netze nicht mit EDGE-Technik ausgerüstet sind (Enhanced Data Rates for GSM Evolution).

Aus den übrigen technischen Daten sticht die große Speicherkapazität von 80 MByte hervor. Als Wechselspeicher lassen sich MultiMedia-Cards nutzen. Auch hat das Gerät eine USB-Schnittstelle, für die allerdings das Nokia-Datenkabel DKU-2 erforderlich ist. Außendienstler will Nokia mit VPN (Virtual Private Network, hier in der Variante IPsec) locken, was Zugang zum Unternehmensnetz übers öffentliche Internet verspricht. Der Communicator 9500 kommt voraussichtlich im 4. Quartal 2004 für rund 800 Euro in den Handel.

Der MPx von Motorola ist ein Funk-PDA, der mit zwei Besonderheiten auffällt: Er hat ebenfalls WLAN-Funk an Bord und aufgeklappt bietet er im Querformat eine laut Hersteller „komplette Tastatur wie ein PC“. Zusätzlich lässt er sich wie ein PDA über einen 2,8 Zoll großen Touchscreen bedienen. Das überrascht nicht, denn als Betriebssystem kommt Microsoft PocketPC 2003 zum Einsatz, das hauptsächlich auf Touchscreen-basierten PDAs vorkommt. Entsprechend findet man die üblichen Anwendungen vorinstalliert, darunter die Pocket-PC-Versionen von Microsoft Outlook, Kalender, Kontakte, Word oder Excel.

Ebenfalls die Firmenkunden wollen Vodafone, T-Mobile und O2 locken - jedoch mit PC-Cards für Notebooks, die die Zugänge zu den Firmennetzen über UMTS bereitstellen (bis zu 384 kBit/s). Damit dürften sie schon aufgrund der kleinen Zahl potenzieller Interessenten keinen Massenandrang auslösen, doch für die hochkomplexen Netze wird es ein willkommenes UMTS-Training sein, bevor im Sommer endlich kleine, leistungsfähige und stromsparende UMTS-Handys auf den Markt kommen und die Privatkunden anziehen.

Denn nachdem anscheinend keiner der Ideen- und Programmierwettbewerbe eine Trumpfapplikation für UMTS hervorgebracht hat, wird sich die neue Technik in kleinen Schritten etablieren müssen, also wohl im Wesentlichen über die Attraktivität der Endgeräte.

Motorolas UMTS-Modelle A1000 und E1000 kommen dem Vernehmen nach im vierten respektive im zweiten Quartal 2004 in den Handel. Die Preise „werden im oberen Segment angesiedelt“ sein. Das A1000 kommt im PDA-Format daher und eignet sich auch für GSM-Bänder in den Bereichen 900, 1800 und 1900 MHz. Die weiteren Eckwerte sind Bluetooth sowie die Smartphone-übliche Palette an Büro- und Kommunikationsanwendungen wie E-Mail-Client, Organizer oder Browser.

Motorolas A1000 wie auch E1000 setzen sich gegenüber dem Mitbewerb allerdings mit der bisher höchsten Auflösung einer Handy-Kamera ab: Sie liefern Bilder mit 1,3 Megapixeln und übertreffen damit sogar einige Digi-Cams der Einstiegsklasse. Das E1000 erscheint zusätzlich interessant, weil es mit nur 11,4 cm Höhe, 5,2 cm Breite und 2,3 cm Tiefe etwa so groß ist wie typische GSM-Handys, und das, obwohl es laut Hersteller „ein Vielfaches an Applikationen und Technik enthält“.

Darüber hinaus zeigen etliche Hersteller leistungsfähige GSM-Geräte, die in den oberen Preissegmenten angesiedelt sind. Die Unterscheidungsmerkmale sind etwa Push-to-Talk oder auch bessere Displays (OLED-Technik für leuchtendere Darstellung) mit noch mehr Farben (bis zu 262 144). Mit Spannung kann man aber auch das erste Symbian-Handy von Panasonic erwarten - ein kleines Klappgerät, das als eines der ersten miniSD-Cards als Wechselmedien nutzt und gut in die Hosentasche passt, aber so leistungsfähig sein dürfte wie die „großen“ Nokia-Smartphones. (dz)

Nokia, Halle 26, Stand E68 und F72
Motorola, Halle 26, Stand E40, F40 und E60
E-Plus, Halle 12, Stand B50 und B70
O2, Halle 4, Stand A38 und Halle 12, Stand B26
T-Mobile, Halle 4, Stand A38 und Halle 26, Stand A01
Vodafone, Halle 4, Stand A12 und Halle 12, Stand C70
Panasonic, Halle 26, Stand D60

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