USB-Sticks im Steampunk-Design

USB-Sticks im Steampunk-Design

Retro | Praxis & Wissen

USB-Sticks im Plastikgehäuse sind langweilig, wer auffallen möchte, nutzt stattdessen schicke Retro-Sticks. Die kann man fertig kaufen oder selbst bauen.

Aufsehen erregen mit einem USB-Stick? Allenfalls, wenn man im Gespräch nebenbei fallenlässt, dass ein Stick ein Terabyte fasst, dann horchen technikinteressierte Menschen noch einmal auf. Oder mit den getesteten Steampunk-Sticks: Praktisch jeder, der ins Büro kam, wollte sie einmal in die Hand nehmen.

Vier besonders schöne Sticks haben wir gekauft: SlavaTech Pentode Flash Drive, Cryptex Compass Lock und Cryptex USB Flash Drive von Steampunk Junkies sowie Stehfisch Barracuda 64. Die ersten drei sind mit Kapazitäten zwischen 16 und 64 GByte erhältlich, das Stehfisch-Modell nur mit 64 GByte.

Die hier vorgestellten Sticks haben eine Nachteil: sie sind lahm. Mit ein wenig handwerklichem Geschick können Sie selbst einen USB-Stick mit aktueller Geschwindigkeit in ein aufsehenerregendes Gehäuse transplantieren; mehr dazu weiter unten.

USB-Sticks im Steampunk-Design

Die Gehäuse der Sticks von Steampunk Junkies bieten einen gewissen Zugriffsschutz, weil sie mechanisch verriegelt sind. Doch wer sich schon mal ein einfaches Fahrrad-Zahlenschloss von innen angeschaut hat, erkennt die Verschlüsselungsmethode des Cryptex USB Flash Drive sofort wieder: Eine Reihe von Bolzen wird erst freigegeben, wenn die Zahlenringe in den richtigen Positionen stehen. Wie einfache Zahlenschlösser ist auch dieser USB-Stick leicht zu knacken: Man zieht am Stick und dreht die Ringe so lange, bis man einen Widerstand spürt. Dabei beginnt man beim ersten Ring und endet am letzten – wir brauchten nur wenige Minuten, um den Stick herauszuholen.

Der Compass-Stick ist schwerer zu knacken: Man muss jeweils zwei Rädchen gleichzeitig in die richtige Position bringen, damit der Stick ein kleines Stück aus dem Gehäuse herausrückt. Für Profis stellt die Sperre jedoch ebenfalls kein Hindernis dar – und zur Not schraubt man das Gehäuse einfach auf, dann liegt der Mechanismus offen. Das gilt auch für den Cryptex-Stick: alles, was man braucht, ist ein Tri-Wing-Bit. So kann man auch die Anordnung der Ringe oder Scheiben verändern, um die Kombination für das Öffnen der Gehäuse zu ändern. Die beiden anderen Sticks bieten keine Verschlüsselung, aber nettes Steampunk-Design.

Der Slavatech-Stick steckt in einer alten Elektronenröhre, laut Anbieter handelt es sich um ein 1981 in der UDSSR gefertigtes Modell. Sie wird durch eine LED beleuchtet, zur Auswahl stehen Blau, Gelb, Grün und Rot. Als Datenspeicher dient der SanDisk Ultra Fit, ein sehr kleiner USB-Stick. Beim Lesen eilt dieser den anderen Kandidaten mit mehr als 100 MByte/s davon, beim Schreiben aber erreicht auch er gerade einmal 20 MByte/s.
⇧ nettes Design
⇩ langsam beim Schreiben

Es gelang uns nicht, das Kombinationsschloss des Cryptex Compass Lock zu knacken. Wir konnten das Gehäuse jedoch aufschrauben, um an den Stick zu gelangen. Die richtige Kombination lässt sich nur schwer merken. Die Geschwindigkeit des Sticks gibt Anlass zu Kritik: 15 MByte/s beim Lesen, gar nur 7 MByte/s beim Schreiben – da kann man fast zuschauen, wie einzelne Bits fließen.
⇧ mechanische Verschlüsselung
⇩ sehr langsam

Die Verriegelung des Sticks stellt für gewiefte Schlossknacker kein Hindernis dar, selbst Ungeübte knacken sie in wenigen Minuten. Zur Not schraubt man das Gehäuse einfach auf. Der Stick ist zwar nicht schnell, erzielte jedoch mit rund 20 MByte/s beim Lesen und Schreiben ein noch halbwegs erträgliches Ergebnis.
⇧ mechanische Verschlüsselung
⇩ langsam

Das Gehäuse des Barracuda 64 ist laut Anbieter in Handarbeit aus Kupfer-, Messing- und Aluminium-Teilen gefertigt; der Stick stammt von Toshiba. Bei der Geschwindigkeit kann der Barracuda 64 nur beim Lesen mit knapp 40 MByte/s halbwegs überzeugen, beim Schreiben aber kommt er bloß auf 7 MByte/s.
⇧ Handarbeit
⇩ sehr langsam beim Schreiben

Arbeiten möchte man mit keinem dieser Sticks auf Dauer: Sie sind sehr schwer und dermaßen lahm, dass jede Kopieraktion zur Geduldsprobe gerät. Nehmen Sie sich also einen schnellen Stick und transplantieren ihn selbst in ein schöneres Gehäuse. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie das funktioniert.

Für unsere Anleitung brauchen Sie etwas Material aus dem Baumarkt, eine Bohrmaschine oder einen Dremel und ein paar kleine Feilen. Löten müssen Sie nicht, zur Verbindung nutzen wir Sekundenkleber. Wem glänzendes Kupfer zu neu aussieht, kann das Material vor dem Verkleben mit Natronlösung oder einer Lösung aus Salz, Essig und Ammoniak künstlich altern. Der Fachhandel hält auch fertige Lösungen zum Patinieren bereit. (ll)

Zutaten

– handelsüblicher USB-Stick
– Kupferrohr 18 mm
– zwei passende kupferne Abschlusskappen
– Verzierungen nach Fantasie & Laune, – etwas Erdungsdraht (10 mm2 )
– 4-mm-Messingmuttern und
– 4-mm-Messing-Hutmuttern

Speicherstäbchen im Selbstbau (6 Bilder)

1. Auf einer Abschlusskappe markieren Sie mittig die Größe des Steckers des USB-Sticks. Diese Fläche schneiden Sie dann aus. Bohren Sie dazu mit einem Metallbohrer viele kleine Löcher nebeneinander und feilen die Öffnung mit einer Schlüsselfeile rechteckig. (Bild: Diese Anleitung erschienen erstmals in c't Hacks/Make 1/14)

Dieser Beitrag stammt aus c't Retro 2019.

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