Ubuntu 18.04 LTS: Ubuntu Desktop statt Unity, Kernel-Livepatching Update

Ubuntu 18.04 LTS

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Unity hat ausgedient, Wayland muss zurückstecken, Gnome & X-Server sind zurück. Ubuntu 18.04 LTS macht es Anwendern zudem leichter, lästigen Neustarts aus dem Weg zu gehen. Neu dabei ist die Minimal-Installation und ein frischer Server-Installer.

Ein Jahr nach Abkündigung von Ubuntu Phone und Unity Desktop ist Donnerstagnacht eine neues Ubuntu mit Langzeitpflege erschienen: Ubuntu 18.04 LTS. Statt Unity setzt die Hauptausführung der Linux-Distributionsfamilie den "Ubuntu Desktop" auf Gnome-Basis ein. Er ähnelt Unity auf den ersten Blick sehr; anders als bei Ubuntu 17.10 läuft er aber nicht im modernen Wayland-Modus, sondern mit einem X-Server. Neu dabei ist ein Willkommensdialog, der zur Einrichtung des Livepatch-Service von Canonical animiert. Außerdem gibt es den Ubuntu Server jetzt in zwei Varianten. Details zu diesen und zahlreichen weiteren Neuerungen liefert die folgende Bilderstrecke:

Wer vom letzten LTS-Release 16.04 auf die neue Version wechselt, muss sich ein wenig umgewöhnen, weil der Ubuntu Desktop sich auf den zweiten Blick eben doch von Unity unterscheidet. Einige Hinweise dazu und Tipps für produktive Arbeit liefert der in c't 23/2017 erschienene Artikel "Einblick in die Bedienoberfläche von Ubuntu Desktop 17.10", den Sie ab jetzt kostenlos auf ct.de lesen können.

Die wichtigsten Elementen des Ubuntu Desktop. (Bild: c't 23/2017, S. 122)

Der Text geht auch auf eine Reihe von Eigenarten und Probleme im Wayland-Modus ein, in dem die Bedienoberfläche bei 17.10 von Haus aus läuft. Um die brauchen Sie sich bei 18.04 LTS aber normalerweise nicht sorgen: Dort arbeitet Ubuntu Desktop standardmäßig ganz traditionell mithilfe eines X-Servers von X.org. Der Umstieg auf die Wayland Display Architecture ist deshalb aber noch lange nicht vom Tisch, denn er soll bis spätestens Ubuntu 20.04 auch in der Langzeitpflege-Variante Einzug erhalten.

Die neue Version von Ubuntu Desktop steht auf der Webseite des Ubuntu-Projekts zum Download bereit; dort gibt es auch Installations-Images mit dem Ubuntu Server, die entweder den alten oder den neuen Server-Installer nutzen. Einige wichtige Hinweise zum Einsatz und einige weiteren Änderungen nennen die Release Notes für diese und weitere Distributionsvarianten, die Canonical selbst betreut.

Freigabeankündigung und Pressemitteilung zu Ubuntu 18.04 liefert noch einige zusätzliche Informationen. Bezugsquellen und Versionshinweise der anderen Ubuntu-Varianten finden sich über die erwähnten Versionshinweise sowie den Webseiten zu Ubuntu-Ausführungen wie Kubuntu, Lubuntu, Ubuntu Budgie, Ubuntu MATE, Ubuntu Studio und Xubuntu.

Ein Tutorial erläutert das Upgrade auf die neue Version des Ubuntu Desktop. Wie gewohnt dürfte Ubuntu-16.04-Installationen das Update auf 18.04 erst von sich aus vorgeschlagen, sobald mit Ubuntu 18.04.1 die erste von fünf größeren Überarbeitung erhältlich ist. Das sollte im Frühsommer der Fall sein.

Ubuntu 18.04 ist wieder ein Release mit Long Term Support (LTS); Canonical verspricht daher, alle im Repository "Main" liegenden Pakete fünf Jahre zu pflegen und mit Sicherheitskorrekturen zu versorgen. Die Pakete in den Repositories "Universe" und "Multiverse", die bei den für Desktops und Notebooks gedachten Distributionensvarianten standardmäßig aktiv sind, betreut hingegen die Ubuntu-Community. Die will lediglich einen Bruchteil der dort liegenden Software fünf Jahre warten; um einen etwas größerer Teil kümmert sie sich immerhin drei Jahre. Beim Gros der Software ist früher Schluss; manche Pakete haben gar niemand, der sie pflegt.

Der CVE Tracker für das Universe Repository von Ubuntu zeigt, welche Pakete gut gepflegt sind und welche nicht.

Das zeigt sich bei einem Blick auf den CVE-Tracker von Universe: In der Spalte zu Ubuntu 16.04 finden sich bereits nach zwei Jahren allerlei Pakete, denen vermutlich oder bekanntermaßen Korrekturen für bekannte Sicherheitslücken fehlen. In den Phpmyadmin- und Zabbix-Paketen dieser Ubuntu-Version klaffen beispielsweise seit längerem schwerwiegende Sicherheitslücken; auch in VLC und Gstreamer-Plugins, die auf vielen Desktops und Notebooks installiert sein dürften, gibt es allerlei größere Schwachstellen. Einige davon stecken auch in den Paketen, die sich in den Repositories von Ubuntu 18.04 finden.

Wie üblich gibt es fünf Jahre Support auch nur bei Kubuntu und von Canonical betreuten Distributionsvarianten wie Ubuntu Desktop und Ubuntu Server. [Update 2018-04-27-11:30] Anders als gewohnt bekommt Kubuntu diesmal nicht fünf, sondern nur drei Jahre Pflege [/Update] Die Macher von Lubuntu, Ubuntu Budgie, Ubuntu MATE und Xubuntu versprechen hingegen drei Jahre Pflege für die Software, die diese Distributionen standardmäßig aufspielen. Ubuntu Studio wird sogar nur einige Monate gepflegt, weil dem Projekt die Ressourcen zur Langzeitpflege fehlen; das ist einer der Gründe, warum die Entwickler an einem "Reboot" dieser Ubuntu-Variante bei Version 18.10 arbeiten.

Welche der installierten Pakete wie lange gewartet werden, verrät das Kommando ubuntu-support-status.

Bereits beim Einspielen der für gängige Video-Formate nötigen Gstreamer-Codecs landen einige Ubuntu-Pakete auf der Platte, bei denen sich niemand bereit erklärt hat, aktuelle Sicherheitslücken zu stopfen. (Bild: c't)

Dieser Text ging einige Stunden vor der geplanten Veröffentlichung von Ubuntu 18.04 online; nach der Freigabe haben wir einige Formulierungen angepasst und Links hinzugefügt, inhaltlich aber nichts verändert.

Die ab dem 12. Mai erhältliche c't 11/2018 wird einen Test des neuen Ubuntu enthalten, der auf einige der angerissenen Aspekte und die Neuerungen von Ubuntu 18.04 detaillierter eingeht. (thl)

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