Ubuntu 6.10 Edgy Eft

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Seite 2: Ubuntu 6.10 Edgy Eft

Die Repository-Verwaltung ist bequemer geworden.

Drei wesentliche technische Neuerungen gibt es zu vermelden. Da ist erstens das neue Startup-System zur Systeminitialisierung. Das nachrichtenbasierte Upstart soll das traditionelle System-V-Init mit neuen Konzepten ersetzen und irgendwann auch Dienste wie cron ablösen. Upstart arbeitet ereignisgesteuert: Ein Skript in /etc/event.d zum Mounten eines Datenträgers könnte dann sowohl beim Systemstart zum Einbinden der Festplattenlaufwerke als auch beim Anschluss eines USB-Sticks laufen. Da Skripte über Events angeworfen werden, lassen sich Abhängigkeiten formulieren und Skripte parallelisieren (das Skript zum Aufsetzen des Netzwerks erzeugt bei Erfolg ein Event, das alle Skripte zum Starten der Netzwerkdienste antriggert). Edgy Eft bootet allerdings noch mit den klassischen Init-Skripten in /etc/init.d, auch wenn sich /sbin/init bereits als Teil von Upstart outet.

Erst halbherzig implementiert sind die derzeit angesagten 3D-Effekte für den Desktop. Zwar enthält der X-Server Xorg 7.1 bereits die AIGLX-Erweiterung, die einen 3D-Desktop auf einigen ATI- und Intel-Grafikchips ermöglicht. Den dafür nötigen Compositing Manager compiz muss der Anwender allerdings selbst aus dem Universe-Repository installieren und einrichten, wie auch die Anpassung von /etc/X11/xorg.conf noch etwas Handarbeit erfordert. Auch XGL, die von Novell betriebene X11-Erweiterung, die für den proprietären Nvidia-Treiber erforderlich ist, muss aus Universe nachinstalliert werden. Komfortable Tools zur Konfiguration der 3D-Effekte, die in Richtung Mac OS X gehen (weiche Schatten um die Fenster, transparente Fensterrahmen, sanft aufgleitende Fenster und so weiter), fehlen – hier muss der Anwender auf den rudimentären gconf-editor zurückgreifen.

Ebenfalls nur ansatzweise integriert ist die Virtualisierungslösung Xen, die dritte große Neuerung. Auch hier finden sich die Softwarepakete im Universe-Repository. Der xenisierte Kernel taugt sowohl für die privilegierte Dom0 als auch für unprivilegierte Gastsysteme. Komfortable Tools zum Anlegen von Gastsystemen fehlen allerdings; lediglich einige rudimentäre Skripte nehmen etwas Tipparbeit ab. Immerhin: Der entscheidende technische Schritt ist – wie bei den 3D-Effekten – getan; jetzt fehlt nur noch die Feinarbeit für eine bequeme Nutzung. Anleitungen zumindest findet man bereits reichlich im Netz.

Hier liegt überhaupt eine klare Stärke von Ubuntu: Um die Distribution hat sich eine hilfsbereite Community mit deutsch- und englischsprachigen Foren gebildet. Da sich die Distribution in den vergangenen zwei Jahren eine große Anhängerschaft erworben hat, findet man auch bei exotischen Problemen häufig eine fertige Lösung per Google.

In Details zeigen sich weitere Verbesserungen. So beherrscht Ubuntu jetzt via Network-Manager den WLAN-Verschlüsselungsstandard WPA. Der Standard-Installer des Desktop-CD installiert den Bootmanager Grub nicht mehr ohne Rückfrage im Master Boot Record der ersten Platte. Speziellere Anforderungen wie eine Installation auf Logical Volumes erfordern allerdings immer noch den Einsatz des Textmodus-Installers der "Alternate Install CD". Eine Firewall richtet Ubuntu nach wie vor nicht ein; allerdings laufen standardmäßig keine Netzwerkdienste nach außen. Auch beim Thema Multimedia-Formate hält sich Edgy wie sein Vorgänger vornehm zurück: Schon zum Abspielen einer MP3-Datei muss der Anwender Software aus einem Fremd-Repository einspielen. Aber auch dafür gibt es freilich reichlich Angebote im Netz.

Ubuntu 6.10 präsentiert sich als eine runde Sache. Mehrere Testinstallationen verliefen glatt, der RC1 befindet sich in der Redaktion seit einer Woche im Produktiveinsatz – bislang ohne ernsthafte Probleme. Ob beim Zugriff auf den Netzwerkdrucker, den Samba-Fileserver oder einfach beim täglichen Redakteurshandwerk aus Web, Mail und Schreiben: Wirkliche Macken sind uns nicht aufgefallen. (odi)


Anbieter: Canonical
Lizenz: Freie Software (Repositories Main und Universe), verschiedene proprietäre Lizenzen (Repositories Restricted und Multiverse)
Web: ubuntu.com
Download: releases.ubuntu.com (deutscher Mirror)

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