Ubuntu 7.04: Erster Test

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Ubuntu 7.04 (Feisty Fawn) bringt neben aktualisierter Software Neuerungen in Sachen Virtualisierung, 3D-Desktop und Multimedia.

Exakt im Zeitplan hat das Ubuntu-Projekt die neue Version 7.04 – für Ubuntu-Fans Feisty Fawn – veröffentlicht. Wie üblich ist Ubuntu 7.04 in verschiedenen Versionen erhältlich:

  • Die Desktop-CD für x86- oder x64-Systeme enthält ein Live-System, aus dem heraus man den grafischen Installer starten kann;
  • Die Server-Install-CD (x86, x64, SPARC) installiert ein Server-System ohne grafische Oberfläche;
  • Die "Alternate install CD" (x86, x64) kommt mit einem Textmodus-Installer, der auch mit weniger als 192 MByte RAM läuft und zusätzliche Optionen wie die Installation auf Software-RAID und Logical Volumes eröffnet.

Alle drei Varianten basieren auf demselben Grundystem mit aktuellem Stand der Software: Kernel 2.6.20, glibc 2.5, gcc 4.1.1. Die Desktop-Version enthält X.org 7.2, Gnome 2.18, Firefox 2.0, Evolution 2.10 und OpenOffice 2.2; an Serveranwendungen liegen unter anderem Apache 1.3.224 und 2.2.3, Samba 3.0.24, Postgresql 8.1 und 8.2 sowie MySQL 4.1 und 5.0 bei. Die Ubuntu-Varianten Kubuntu und Xubuntu verwenden KDE 3.5.6 und XFCE 4.4. Auch die Schulversion Edubuntu liegt jetzt in der Version 7.04 vor.

Auf Wunsch installiert Ubuntu 7.04 patentgeschützte Multimedia-Codecs automatisch nach.

Die GUI-Erweiterung Compiz 0.3.6, zuständig für 3D-Effekte auf dem Desktop, wird zwar installiert, aber wegen Stabilitätsproblemen standardmäßig nicht aktiviert. Compiz sei noch nicht stabil genug für den Routineeinsatz, erklärte Shuttleworth; selbst für die kommende Version Gutsy Gibbon will sich der Ubuntu-Begründer noch nicht festlegen. Immerhin lassen sich die 3D-Effekte jetzt mit einem Mausklick im Einstellungen-Menü aktivieren und sind angenehm vorkonfiguriert. In unserem Testsystem mit ATI-Karte und dem Standard-Treiber von X.org beobachteten wir keine Probleme.

Die grafische Installation der Desktop-Version haben die Entwickler um einen Migrationsassistenten erweitert. Der kann einige Einstellungen wie Desktop-Hintergrund, Bookmarks und Mail aus bestehenden Windows- oder Linux-Installationen übernehmen – in der Theorie zumindest: Bei unseren Tests wurde der Assistent weder bei einer deutschsprachigen XP- noch bei einer Vista-Installation fündig. Die Firefox-Bookmarks einer Ubuntu-6.10-Installation ließen sich hingegen problemlos übernehmen. Insgesamt verlief die Installation glatt und ohne auffällige Unterschiede zur Vorversion 6.10 (Edgy Eft).

Bestehende Windows- und Linux-Installationen werden korrekt in das Startmenü des Bootmanagers Grub eingetragen. Allerdings kann der GUI-Installer nach wie vor nicht mit Software-RAID und Logical Volumes umgehen; wer diese Funktionen nutzen will, muss auf die alternative Installations-CD mit Textinstaller zurückgreifen.

Der Ubuntu-Installer macht das Einrichtigen des Systems zum Kinderspiel.

Wer die letzte Ubuntu-Version 6.10 im Einsatz hat, kann aus dem laufendem System auf Feisty Fawn upgraden. Die Ubuntu-Entwickler weisen darauf hin, dass zuvor alle verfügbaren Edgy-Updates einzuspielen sind, und empfehlen ausdrücklich die Verwendung des Upgrade Managers (Aktualisierungsverwaltung in der deutschen Version). Eine Upgrade-Anleitung findet sich hier.

Weiter: Neuerungen, Fazit

Feisty Fawn bringt eine Reihe von Neuerungen. Im Gespräch mit heise open hob Ubuntu-Mäzen Mark Shuttleworth einige neue Features besonders hervor. Die Serverversion bringt Unterstützung für verschiedene Virtualisierungstechniken: KVM (kernel-based virtual machine), die jüngste Entwicklung im Reigen der Linux-Virtualisierungslösungen, und paravirt_ops, eine mit Kernel 2.6.20 eingeführte Schnittstelle, die den Betrieb virtueller Umgebungen unter Vmware beschleunigt. Eine Vmware-Zertifizierung für den Ubuntu Server sei bereits in Arbeit, so Shuttleworth. Für den Hypervisor Xen, derzeit Standard für Linux-Virtualisierung, liefert der Ubuntu Server einen eigenen Kernel mit.

Mit einem neuen Ansatz versucht Ubuntu 7.04, das leidige Multimedia-Problem bei Linux zu lösen. Wegen der unterschiedlichen Rechtslage in verschiedenen Ländern könne Ubuntu keine durch Patente geschützten Codecs enthalten, erklärte Shuttleworth. Stattdessen sucht Ubuntu beim Versuch, ein nicht unterstütztes Multimediaformat wie MP3 oder WMV abzuspielen, auf Wunsch nach dem passenden Codec. Nach einer Rückfrage beim Anwender, ob er sich berechtigt fühlt, den Codec zu verwenden, erfolgt die automatische Nachinstallation. Auch zur "Verwaltung eingeschränkter Treiber" findet sich ein eigenes Tool, das beispielsweise proprietäre Grafiktreiber passend zur installierten Hardware nachinstalliert.

Der Network-Manager zum Verwalten von WLANs und wechselnden Netzwerkverbindungen wird jetzt standardmäßig installiert. Damit ist jetzt auch WPA-Unterstützung ohne Nachinstallation zusätzlicher Software an Bord. Ressourcen im Netzwerk erkennt Ubuntu jetzt besser; so bietet beispielsweise das Tool zur Druckereinrichtung Netzwerkdrucker ebenso wie lokal installierte Drucker in einer Auswahlliste an.

Eine neue Crash-Infrastruktur soll die Suche nach Fehlern in Anwendungen erleichtern.

Eine neue "Crash-Infrastruktur" soll helfen, Fehlern in Anwendungen auf die Spur zu kommen. Stürzt eine Software ab, lassen sich die für die Fehlerbehebung nötigen Informationen zu den Ubuntu-Machern bei Canonical senden. Dabei befinden sich die Debug-Informationen, die letztlich zum Auffinden der fehlerhaften Quelltextzeile nötig sind, nicht in den lokal installierten Anwendungen, sondern auf einem Ubuntu-Server, Dort verbindet sie ein "Retracer" mit dem Crash-Report. Damit erhält der Maintainer der Software eine detaillierte Fehlerbeschreibung.

Wenig getan hat sich in Sachen Upstart, dem ereignisgesteuerten Ersatz für das althergebrachte Init. Wie schon die Vorversion Edgy Eft nutzt auch Ubuntu 7.04 die neuen Möglichkeiten nur rudimentär, nahezu alle Funktionen werden über traditionelle Init-Skripte aufgesetzt. Die Entwickler arbeiten allerdings weiter an der Umstellung – vielleicht sieht man in der kommenden Version 7.10 mehr von Upstart.

Ubuntu 7.04 präsentiert sich als solides Update, das eine Reihe von eher vorsichtigen Neuerungen einführt – den 3D-Desktop mit Compiz und die Virtualisierungslösung Xen etwa hat Novell bereits vor einem Jahr mit Suse Linux 10 eingeführt. Die automatische Suche nach Multimedia-Codecs nimmt dem Anwender einige Mühe ab. Der Migrationsassistent ist eine schöne Idee, muss aber erst noch seine Kinderkrankheiten überwinden.

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