Ubuntu 7.10: Erster Test des "mutigen Gibbon"

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Seite 3: Ubuntu 7.10: Erster Test des "mutigen Gibbon"

Wer das Glück hat, eine Grafikkarte zu besitzen, deren Xorg-Treiber bereits 3D-Beschleunigung beherrscht (im Wesentlichen Intel-Grafik und ältere Radeon-Karten), den begrüßt Ubuntu 7.10 mit 3D-Effekten auf dem Desktop: Menüs und Fenster blenden sich sanft ein und aus, die Fenster werfen Schatten, die Tastenkombination Windows-Taste+E zeigt eine ansprechende Übersicht über die virtuellen Desktops. Verantwortlich dafür ist der Compositing Manager Compiz, der vernünftig in den Desktop integriert ist und bespielsweise Themes korrekt übernimmt.

3D-Effekte nützlich: Übersicht über die virtuellen Desktops (anklicken zum Vergrößern)

Ubuntu erlaubt unter den Einstellungen des Erscheinungsbilds lediglich die Auswahl zwischen keinen, normalen und extra vielen Effekten. Wer es detaillierter mag: Nach Installation des Pakets compizconfig-settings-manager lassen sich die Effekte über das Programm ccsm einzeln an- und abschalten und konfigurieren.

Bei moderneren Grafikkarten von AMD/ATI und Nvidia steht vor den 3D-Effekten die Installation des Herstellertreibers. Mit dem (schon in der Vorversion vorhandenen) Tool "Verwaltung eingeschränkter Treiber", das alle proprietären Treiber für die im Rechner verbaute Hardware anbietet, ist das eine Sache von einem Mausklick. Bei AMD/ATI-Karten ist noch zusätzlich die Installation des Pakets xserver-xgl etwa über die Softwareverwaltung Synaptic erforderlich. Das aktiviert dann die die 3D-Effekte auf dem Desktop, allerdings auch eine englische Tastenbelegung. Abhilfe schafft das Gnome-Applet Tastaturindikator, in dem sich die Tastatur auf Deutsch umstellen lässt.

Multimedia-Anwendungen wie Totem bieten an, fehlende Codecs selbstständig nachzuinstallieren, wenn sie auf ein Format stoßen, das sie nicht abspielen können – sehr komfortabel. Tracker ist eine konfigurierbare, leistungsfähige Desktopsuche, die anders als Beagle ohne ressourcenfressende Indexierungsläufe auskommt und trotzdem ordentliche Ergebnisse liefert.

Die Desktop-Suche Tracker durchsucht alles und jedes – von Dateien über Bookmarks bis zum Internet (anklicken zum Vergrößern).

Ubuntu 7.10 bringt den NTFS3G-Treiber mit, der Lese- und Schreibzugriff auf Windows-Partitionen ermöglicht. Der Betrieb mit mehreren Bildschirmen (oder einem Beamer am Notebook) lässt sich über ein neues Verwaltungstool konfigurieren, funktioniert allerdings nur im Rahmen der Möglichkeiten des X Window System – und da liegt noch einiges im Argen: Nicht jeder Linux-Treiber unterstützt alle Möglichkeiten der Grafik-Hardware.

Die Powermanagement-Funktionen auf Notebooks sollen weiter verbessert sein – unser Test-Notebook lief allerdings auch schon mit der Vorversion 7.04 rund, inklusive Suspend to RAM und ähnlich langer Laufzeit wie unter anderen Betriebssystemen. Der Kernel ist in Ubuntu 7.10 mit der Option CONFIG_NO_HZ (dynamic ticks) kompiliert. Mit dieser Erweiterung kann der Prozessor länger im Stromsparmodus verbleiben und wird nicht mehr hundert bis tausend Mal pro Sekunde durch den Timer-Interrupt aufgeweckt. Der Stromspareffekt ist allerdings nicht sehr groß.

Software installiert man wie schon in den Vorversionen über das Tool "Hinzufügen/Entfernen" im Anwendungen-Menü, die leistungsfähigere Paketverwaltung Synaptic oder das Kommandozeilen-Tool aptitude nach. Hier hat sich gegenüber der Vorversion nichts Wesentliches geändert, aber wozu auch? Die Softwareverwaltung installiert, wie von Debian GNU/Linux und Ubuntu gewohnt, neue Pakete schnell und zuverlässig von CD/DVD oder aus dem Internet – und entfernt sie auch wieder rückstandslos.

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