Ubuntu 7.10: Erster Test des "mutigen Gibbon"

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Ubuntu installiert jetzt standardmäßig die Sicherheitserweiterung AppArmor, die Anwendungen enge Schranken setzt. Dabei legen Profile fest, welche Aktionen eine Anwendung ausführen darf – vor allem, welche Dateien sie lesen und beschreiben darf. So verhindert AppArmor, dass Angreifer über einen aufgrund einer Sicherheitslücke gekaperten Prozess beliebigen Unfug im System treiben.

Standardmäßig ist allerdings nur ein einziges Profil (für den Druck-Server Cups) aktiv. Das Paket apparmor-profiles aus dem Universe-Repository rüstet weitere Profile nach, von denen die meisten in /usr/share/doc/apparmor-profiles/extra installiert werden. Um eines dieser Profile zu aktivieren, muss man es nach /etc/apparmor.d/ kopieren und AppArmor über sein Init-Skript neu starten. Grafische Tools zum Erstellen neuer oder Anpassen bestehender Profile fehlen; hier ist der Anwender auf die Standard-Werkzeuge für die Kommandozeile angewiesen.

Eine Firewall richtet Ubuntu 7.10 nach wie vor nicht ein, was aber nicht weiter schlimm ist: Standardmäßig laufen keine Dienste, die Anfragen aus dem Netz entgegennehmen. Wer freilich Serveranwendungen nachinstalliert oder Ubuntu als Router einsetzt, sollte eine Firewall nachrüsten. Die Ubuntu-Entwickler empfehlen dazu das grafische Tool Firestarter.

Hinter Ubuntu stehen – neben einer großen Anwender- und Entwickler-Community und der robusten Debian-Basis – Mark Shuttleworth, bekannt geworden als zweiter Weltraumtourist, und seine Firma Canonical. Das südafrikanische Unternehmen bezahlt die Kernentwickler und bietet kommerziellen Support für Ubuntu an. Geld verdient Multimillionär Shuttleworth mit Ubuntu allerdings nicht: Derzeit steckt er jedes Jahr mehrere Millionen Dollar pro Jahr in die Distribution (siehe Interiew mit Mark Shuttleworth). Das soll sich allerdings ändern: Mittlerweile redet Shuttleworth zunehmend davon, dass Ubuntu – bislang vor allem unter Privatanwendern beliebt – auch für Unternehmen eine Alternative zu Windows und den kommerziellen Linux-Angeboten von Red Hat und Novell ist.

Der Unterschied zu diesen Anbietern: Ubuntu unterscheidet nicht zwischen freier Community-Version und Unternehmensangeboten. Canonical verkauft Support für genau das Ubuntu, das jedermann aus dem Internet herunterladen kann. Und während bei Red Hat Enterprise Linux und Novells Suse Linux Enterprise für jede Installation ein Support-Vertrag nötig ist, schließen Ubuntu-Anwender mit Canonical einen Vertrag für beliebig viele Installationen auf ähnlichen Maschinen – Desktop-Rechnern beispielsweise.

Aber in vielen Fällen dürfte das far nicht nötig sein: Die Ubuntu-Gemeinde ist für ihre Hilfsbereitschaft berühmt. Über die Community-Seiten findet man Dokumentation, Web- und Chat-Foren und ein technisches Hilfesystem mit zahlreichen Fragen und Antworten sowie der Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen – wobei eine Antwort natürlich nicht garantiert ist. Deutschsprachige Anwender fühlen sich möglicherweise bei der deutschen Community besser aufgehoben, wobei dort naturgemäß nicht ganz so viel Information zu finden ist.

Wie viele andere Community-Distributionen, etwa OpenSuse oder Fedora, erscheint auch Ubuntu alle sechs Monate in einer neuen Version. Für den Unternehmenseinsatz empfiehlt man allerdings die LTS-Releases (Long Term Support), die im Zwei-Jahres-Rhythmus erscheinen. Sie sind auf Stabilität optimiert, und die Ubuntu-Entwickler garantieren fünf Jahre Support und Sicherheits-Updates.

Wie Debian GNU/Linux verspricht auch Ubuntu ein reibungsloses Update. Das kann direkt aus dem Internet erfolgen, am einfachsten mit dem Update-Manager: Mit dem Befehl

sudo update-manager -c

aufgerufen, meldet der Update-Manager, dass eine neue Version von Ubuntu erschienen ist, und bietet ein Upgrade übers Internet an. Das ist dann mit einem Mausklick installiert. Wer die CD oder DVD hat, kann aus der Shell das Upgrade-Skript cdromupgrade starten. In einem Test funktionierte das mit einer – allerdings fast jungfräulichen – Installation von Ubuntu 7.04 ebenso problemlos wie mit einem älteren, noch auf Ubuntu 6.06 basierenden System.

Ubuntu 7.10 ist nicht revolutionär, aber eine solide neue Ausgabe der beliebten Distribution. Echte Sensationen sind jenseits der 3D-Desktop-Effekte wenige zu vermelden, aber den evolutionären Fortschritt spürt man: Die Distribution wirkt noch polierter, anwenderfreundlicher und durchdachter als die Vorversion. Für Ubuntu-Fans ist das Upgrade sicher ein Muss, wer bislang eine andere Distribution benutzt oder über einen ersten Versuch mit Linux nachdenkt, sollte Ubuntu eine Chance geben. (odi)

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