Ubuntu: 7 Jahre Linux-Revolution

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Vor sieben Jahren wurde mit Ubuntu 4.10 eine neue Linux-Variante veröffentlicht. Schon ein halbes Jahr später war sie die beliebteste Linux-Distribution weltweit. Diesen Platz hat sie bis heute verteidigt.

Ubuntu-Optik – von 2004 bis heute (13 Bilder)

Ubuntu 4.10

Mit Ubuntu 4.10 "Warty Warthog" nahm der Siegeszug von Ubuntu seinen Anfang.

Am 20. Oktober 2004 stellte der langjährige Debian-Entwickler, Multi-Millionär und Weltraum-Tourist Mark Shuttlewort eine neue Linux-Distribution vor: Ubuntu 4.10, Codename "Warty Warthog" (warziges Warzenschwein).

Ubuntu sollte nicht nur sicher sein, sondern auch einfach zu installieren und zu benutzen. Dabei wollte Shuttleworth keine gänzlich neue Linux-Distribution schaffen: Er wählte ausgerechnet Debian Linux als Basis, das damals allenthalben für eine komplizierte Installation, schlechte Hardware-Unterstützung und wenige Automatismen bekannt war und als nahezu unbedienbar für normale Anwender galt. Fragte man damals Linux-User nach ihrer bevorzugten Desktop-Distribution, wurden Suse, Fedora oder Mandriva genannt – Debian nutzten die meisten nur auf dem Server.

Während die anderen Linux-Distributionen längst mit komfortablen, grafischen Installationsprogrammen aufwarteten, landete man bei Debian noch in einer Textmenü-Wüste mit kryptischer Tastaturbedienung – nicht die besten Vorzeichen, um daraus ein leicht zu installierendes und zu bedienendes Linux machen. Auch die ersten Ubuntu-Nutzer mussten sich noch durch die recht archaische Textinstallation hangeln, bevor sie das erste Mal die Maus benutzen konnten. Es sollte fast zwei Jahre dauern, bis zur Veröffentlichung der ersten LTS-Version mit Langzeit-Support Ubuntu 6.06 LTS, bis auch die Ubuntu-Anwender in den Genuss eines grafischen Installationsprogramms kamen.

Einer der Schlüssel für den Erfolg von Ubuntu war die Beschränkung auf wenige, gut auf den Desktop abgestimmte und nicht miteinander konkurrierende Anwendungen. Wo man bei anderen Linux-Distributionen gezwungen war, zwischen einem halben Dutzend Terminals und einem Dutzend Text-Editoren mit unterschiedlichen Bedienkonzepten zu wählen, gab es unter Ubuntu nur ein Programm für jeden Zweck. Zudem achteten die Ubuntu-Entwickler darauf, dass sich die Standard-Programme gut in den Desktop einfügten und möglichst einheitlich zu bedienen waren.

Damit trafen Shuttleworth und die Ubuntu-Entwickler voll den Geschmack der Anwender: Seit Mitte 2005, kurz nach Erscheinen von Ubuntu 5.04, ist Ubuntu laut Distrowatch die mit Abstand beliebteste Linux-Distribution weltweit. Shuttleworth hat mit seiner konsequent auf Anwender ausgerichteten Distribution die Linux-Welt revolutioniert und den Desktop-Bereich vom Start weg weitgehend aufgerollt.

Vergleicht man den Desktop der letzten LTS-Version 10.04 vom Frühjahr 2010 mit dem von Ubuntu 4.10, fällt auf, wie wenig sich geändert hat: Das Anwendungsmenü ist noch immer gleich aufgebaut und ähnlich spartanisch gefüllt, nur für die Systemeinstellungen gibt es mittlerweile ein eigenes Menü im Gnome-Panel.

Diese Konstanz ist ein weiterer Grund für die Beliebtheit von Ubuntu: Anwender müssen sich nicht ständig umgewöhnen. Erst mit Ubuntu 11.04 wurde mit Unity ein grundlegend neuer Desktop eingeführt. Diese Änderung setzte Mark Shuttleworth gegen den Protest vieler Entwickler durch – offenbar mit Erfolg, denn den Sturm der Entrüstung, den der Desktop-Wechsel bei Ubuntu 11.04 noch unter Ubuntu-Usern lostrat, gab es bei Ubuntu 11.10 nicht mehr. Und der Beliebtheit von Ubuntu hat es auch nicht nachhaltig geschadet. (mid)

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