Umleitung

VRAMDIR: (K)eine RAM-Disk für Windows 95

Wissen | Hintergrund

VRAMDIR vereint die Vorteile einer RAM-Disk in sich, verzichtet dabei aber auf die typischen Nachteile. Durch einen genialen Trick beschleunigt es Festplattenzugriffe und damit Windows allgemein.

Seit es Windows 95 gibt, suchen viele Anwender eine echte 32-Bit-RAM-Disk, denn die mitgelieferte arbeitet nur im 16-Bit-Kompatibilitätsmodus. Doch die gibt es bis heute nicht. Statt dessen wartet die Virtual Software Corporation nun mit einem auf den ersten Blick ungewöhnlichen, auf den zweiten Blick jedoch umso genialeren Ansatz zur Nutzung des brachliegenden RAMs auf. Per Setup definiert der Anwender Verzeichnisse auf seinen Festplatten, in die fortan physikalisch nichts mehr geschrieben wird - denn alle Dateien landen im RAM.

Dieses Prinzip beseitigt auf einen Schlag alle mit üblichen RAM-Disks einhergehenden Einschränkungen, wie zusätzliche Laufwerksbuchstaben, spezifische Clustergrößen und Partitionsinformationen. Sie verhindern bei DOS-basierten RAM-Disks eine dynamische Größenänderung. Zu deutsch: Die RAM-Disk mußte mit einer festen Größe erzeugt werden. Wenn sie nicht zu klein war, war sie zu groß und belegte unnötig viel RAM.

Der 32-Bit-Treiber VRAMDIR erzeugt ein virtuelles Dateisystem im RAM. Die kleine vxd-Datei arbeitet durch den Verzicht auf festplattenähnliche Eigenschaften vollständig dynamisch. Es wird also nur so viel Speicher belegt, wie sich auch tatsächlich an Daten in den VRAMDIR-Verzeichnissen befinden. Zum leichteren Verständnis und einer schnellen Kontrolle findet sich das Programm nach der Installation auch als Datenquelle im Systemmonitor. Derzeit verwendeter Speicherplatz, Anzahl der Dateioperationen und Menge gelesener und geschriebener Bytes sind darstellbar und helfen bei der Optimierung des Systems.

Per default sind alle dem Betriebssystem bekannten temporären Verzeichnisse (C:\Temp, D:\Windows\Temp usw.) zur virtuellen Umleitung angemeldet. Weitere, wie Netscapes Internet Cache, spezielle in bestimmtem Applikationen gesetzte Verzeichnisse oder eigene, die in typischer RAM-Disk-Manier zum Einsatz kommen sollen (entpacken, installieren, testen etc.), sind manuell über eine in der Systemsteuerung zugängliche Dialogbox hinzuzufügen. Änderungen erfordern jeweils einen Neustart von Windows.

Der tatsächlich zu erzielende Performancegewinn hängt stark von den verwendeten Applikationen und der Geschwindigkeit des Rechners und der Festplatte ab. Typische Kandidaten für spürbare Verbesserungen sind Mailpacker oder Compiler, die nicht 32-bittig den verfügbaren Speicher nutzen, sondern massiv temporäre Dateien anlegen. Doch selbst wenn dank schnellstem Rechner und neuester Windows-95-Software in der Praxis kein Unterschied spürbar wird, verringert VRAMDIR durch die Verringerung der Festplattenaktivität eine Fragmentierung der Festplatte.

Im Test arbeitete die Software einwandfrei. Je mehr Daten in den virtuellen Verzeichnissen landen, desto weniger Speicher steht Windows zur Verfügung. Der Übergang zum Auslagern und die Rückgabe freien Speichers geschehen reibungslos. Beim Kopieren innerhalb von/nach VRAMDIR sind cirka 10 MByte/s realistisch, einige praxisfremde Benchmarks haben gar 35 MByte/s gemessen.

In der unregistrierten Trial-Version funktioniert VRAMDIR nur 30 Minuten lang, danach arbeiten wie gehabt die Festplatten anstelle des RAMs.

VRAMDIR ist der Tropfen Öl, der den Windows-95-Rechner erst so richtig rund laufen läßt. Für 10 $ Shareware-Gebühr erhält man ein einfach anzuwendendes, problemloses Utility, das sicherlich jeder gebrauchen kann. (se)


VRAMDIR (Shareware, 10 $) ist über http://www.virtusoft.com/ oder in der c't-Mailbox erhältlich.

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