Umleitung mit Schlaglöchern

News mit NewsWave für OS/2

Test & Kaufberatung | Kurztest

Newsgroups und Mailinglisten kommen als Standarddienste aus dem Internet. Die Diskussionsgruppen des Fido und kompatibler Netze benutzen andere Transportwege, sind vom Konzept her aber ähnlich. Warum nicht beide Quellen verbinden?

Im Gegensatz zur proprietären Vielfalt der Internet-Newsreader haben sich im FidoNet nur eine Handvoll Datenbankformate für die Aufnahme der Nachrichtenflut etabliert. Unter OS/2 am weitesten verbreitet ist das robuste Squish. NewsWave nutzt dessen Vorzüge, indem es Nachrichten aus dem Internet, die per SOUP (Standard Offline Usenet Protocol), TCP/IP oder UUCP (Unix-to-Unix Copy) eintreffen, in eine Squish-Messagebase importiert und umgekehrt. Dabei unterstützt es sowohl Newsgroups und Mailinglisten als auch private EMail, jedoch ohne echte Gateway-Funktionen.

Benutzern Fido-kompatibler Systeme bietet die Integration erhebliche Vorteile: eine einheitliche Arbeitsumgebung und geringere Verbindungskosten durch Offline-Bearbeitung. Die Zielgruppe ist klar umrissen: NewsWave läßt sich dann sinnvoll einsetzen, wenn bereits ein Squish-System installiert ist, dessen Sysop über einen separaten Internet-Zugang verfügt, aber kein komplettes Gateway benötigt.

Innerhalb der genannten Grenzen bietet NewsWave viele Extras: Es wertet Nachrichten-Header, Reply-Adressen und Fido-Attribute aus, kann mit angehängten Dateien umgehen und unterstützt PGP sowie MIME-Kodierung (einschließlich quoted printable). Da das Programm unmittelbar auf die Squish-Messagebase zugreift, entfällt der sonst obligatorische Import/Export von Nachrichtenpaketen (Tossing/Scanning). Das Linken von Betreffzeilen übernimmt NewsWave ebenfalls selbst.

Die Konfiguration der Zugangsdaten anhand übersichtlicher Notizbücher könnte ASCII-erprobten Fido-Veteranen zunächst einen Kulturschock versetzen. Zum Trost ist die Einrichtung der verschiedenen Newsgroups aufwendig wie gewohnt: jede wird einzeln eingetragen, sowohl für Squish als auch in die NewsWave-Liste. Das Verzeichnis aller Newsgroups und die Liste der neuen importiert NewsWave auf Wunsch als EMail. Während es bei den Neuzugängen mit dem Anklicken einer Checkbox getan ist, muß man für die Gesamtliste selbst eine Nachricht mit dem Betreff allgroups an NewsWave schreiben - der gute alte Areafix läßt grüßen ...

Für den Import per TCP/IP sind nicht weniger als sieben Selektionskriterien vorgesehen. Einige News-Server akzeptieren jedoch nur bestimmte Anfragen, was sich anhand der Logdatei leicht feststellen läßt.

Wenig hilfreich ist die Logfunktion dagegen bei programminternen Fehlern, die bei der von uns getesteten Betaversion zahlreich auftraten. So verweigerte das Programm nach der Einrichtung neuer Newsgroups wiederholt jeglichen Import und blockierte die Workplace Shell, so daß als Rettung nur der Affengriff blieb. Den Versuch, der Ursache mit Hilfe des Menüpunktes Debug auf die Spur zu kommen, quittierte NewsWave beleidigt mit einer Fehlermeldung.

Abhilfe schuf erst der Rückgriff auf eine alte INI-Datei. Schließlich war der Import erfolgreich, aber ein Teil der Squish-Datenbank in Mitleidenschaft gezogen. Daß sich NewsWave nicht nur interaktiv, sondern auch per Parameter-Übergabe steuern läßt, ändert an den Problemen wenig, denn die blockadeträchtigen Programmteile werden stets mit geladen. Eine schlankere Kommandozeilen-Version für rein textbasierte Mailbox-Installationen steht leider nicht zur Wahl.

Gelingt es, die gravierenden Bugs bis zur Version 1.0 zu beseitigen, ist NewsWave eine günstige Investition für Sysops, die Fido und Internet zweigleisig fahren. Ein Test der unregistrierten Version gerät aufgrund starker Funktions- und Mengenbeschränkungen allerdings zur Farce. (jk)


NewsWave für OS/2 (Shareware, 30 DM) ist zu haben unter http://rummelplatz.uni-mannheim.de/~holler/NewsWaveD.html oder von der c't-Mailbox.

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