Un-CD-Bändiger

Abspielprobleme beseitigen mit unCDcopy

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Das Programm unCDcopy soll dem Kunden zu einer auf jedem Player abspielbaren Audio-CD verhelfen, indem er damit auf analogem Wege eine legale Kopie erzeugt.

Aufmacher

Raubkopierer sind Verbrecher, Musiktausch ist illegal und der Online-Musikkauf gehört nicht gerade zu den leichtesten Mausübungen am PC. Doch selbst wer wie gewohnt zum nächsten Plattenladen geht, um seinen Musikdurst zu stillen, erlebt immer häufiger böse Überraschungen - der Kopierschutz auf mancher Audio-CD bringt nicht nur den Computer ins Stottern, auch so manche DVD-Spieler, Autoradios und Mikro-Anlagen bleiben stumm.

Vor gut einem Jahr startete die Musikindustrie den wohl größten Feldversuch mit dem zahlungswilligen Teil ihrer Kundschaft und begann mit der Auslieferung der Un-CDs, die nicht mehr dem Standard der Compact Disc Digital Audio (CD-DA) entsprechen (siehe c't 7/03, S. 144).

Mit dem CD-Register unterhält c't eine Datenbank, in der Kunden schon vor dem Kauf überprüfen können, ob die Wunsch-CD mit den Geräten in den heimischen vier Wänden kompatibel ist. Seit dem Start vor einem Jahr haben Leser 15 000 Berichte zu 2500 Audio-CDs abgegeben und so ein wenig Licht ins Dunkel des Kopierschutz-Dschungels gebracht. Die Berichte reichen von leichten Knacksern über Abspielverweigerung bis hin zu abstürzenden Notebooks und PCs. Auch die Musikindustrie gehört zu den eifrigen Besuchern des CD-Registers - schließlich erfährt sie hier, in welchem Consumer-Gerät es wirklich kracht.

Momentan sind fast alle im Handel befindlichen Audio-CDs mit einem Kopierschutz-Vermerk versehen. Universal Music liefert viele Scheiben dennoch ohne Schutz aus, weil man auf neuere Kopierschutzvarianten wartet, die eine bessere Balance zwischen Schutz-Level und Abspielbarkeit bieten sollen. Bei Warner Music ist das gesamte deutsche Repertoire geschützt, während die internationalen Acts auf Wunsch der Konzernmutter teilweise ohne Kopierschutz ausgeliefert werden. So kann es passieren, dass die neue Madonna ungeschützt über den Ladentisch geht, während Nena im Kopierschutzkorsett feststeckt.

Einig sind sich die Label in einem Punkt: Der Kopierschutz werde von den Verbrauchern gut angenommen. Angeblich wird nur etwa eine unter dreitausend CDs von der Kundschaft reklamiert, wobei aber vermutlich nicht jedem Verbraucher der Zusammenhang zwischen Kopierschutz und mangelhafter Abspielbarkeit bewusst ist. Auch dürfte es manchem Kunden nur schwer zu vermitteln sein, warum er als Anhänger des legalen Musikerwerbs zum Dank mit zur Abspielsperre mutiertem Kopierschutz beglückt wird.

Einen Ausweg bietet die analoge Privatkopie der gekauften Audio-CD, die sie für den ehrlichen Kunden wieder voll nutzbar macht - sie ist auch nach der Novellierung des Urheberrechtes noch legal ([#kasten siehe Kasten]). Mit dem Tool „unCDcopy“ bietet c't in Zusammenarbeit mit der RapidSolution Software AG ein Kopierwerkzeug an, das den Weg zur legalen analogen Privatkopie für den Nutzer so einfach wie möglich macht.

Zum Anfertigen einer überall lauffähigen Kopie benötigt man die Original-CD nebst Cover. Auf letzterem befindet sich der so genannte „EAN-Code“, mit dessen Hilfe die CD identifiziert wird. Zudem braucht man mindestens einen CD-Spieler, auf dem sich die Un-CD abspielen lässt. Dieser muss über den Line-Eingang mit dem Computer verbunden sein. So genannte „Schnittdateien“ sorgen dafür, dass die Gesamtaufnahme einer CD wieder in einzelne Tracks zerlegt wird. So lässt sich danach einfach wieder eine Audio-CD brennen, die man auch titelweise abspielen kann.

Für die nächsten zwei Monate wird c't Schnittdateien der wöchentlich erscheinenden Top 10 der Alben-Charts im CD-Register hinterlegen. Bei den anderen CDs setzen wir auf die Unterstützung der unCDcopy-Anwender: Sie können die Schnittdateien selbst erstellen und nach erfolgreichem Speichern für andere Nutzer im CD-Register hinterlegen. UnCDcopy liegt derzeit nur in einer Windows-Version vor, die ab sofort unter www.cd-register.de zum Download bereit steht. Das Programm leitet den User in sieben Schritten durch den Kopiervorgang, die im Folgenden einzeln erläutert sind.

CD indentifizieren
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In diesem Fenster müssen Sie den zwölf- oder dreizehnstelligen EAN-Code Ihrer CD eingeben. Er befindet sich auf der Rückseite der CD unterhalb des Bar-Codes. UnCDcopy benötigt eine Verbindung zum Internet, um im c't-CD-Register nach Ihrer CD zu suchen. Drei Ergebnisse sind hierbei möglich:

  • Die CD wird erkannt und es werden Schnittdateien gefunden - Albumtitel und Interpret werden angezeigt und das Programm kann die folgende Aufnahme automatisch in die einzelnen Tracks zerlegen.
  • Die CD wird erkannt, aber es werden keine Schnittdateien gefunden - Albumtitel und Interpret werden angezeigt, die Schnittdateien zum automatischen Aufteilen sind nicht vorhanden und müssen manuell erstellt werden.
  • Die CD wird nicht erkannt - Sie müssen die CD komplett neu anlegen (Albumtitel, Interpret und Schnittdatei mit Titelnamen)

Sound-Einstellungen
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Die analoge Aufnahme muss man wie in der guten alten Tapedeck-Zeit manuell auspegeln. Schließen Sie den externen CD-Spieler an den Line-Eingang Ihres Computers an und starten Sie die Wiedergabe. Sollte nicht gleich ein Signal erscheinen, wählen Sie eine andere Quelle aus. Wählen Sie ein möglichst dynamisches Musikstück, um den Aufnahmepegel anzupassen. Der Pegelausschlag sollte - im wahrsten Sinne des Wortes - weitgehend im grünen Bereich bleiben. UnCDcopy speichert die Sound-Einstellungen für die nächste Aufnahme - lediglich die Pegeleinstellung muss für jede CD einzeln erfolgen. Ist alles eingestellt, beenden Sie die Wiedergabe und gehen zum nächsten Schritt.

Aufnahme
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Halten Sie den CD-Player abspielbereit. Deaktivieren Sie Bildschirmschoner, Schlaf-Modi und andere Programme, die zeitgesteuert Ihre Aufnahme stören könnten. Klicken Sie nun auf „Aufnahme starten“. Innerhalb der nächsten zehn Sekunden sollten Sie nun auch mit der Wiedergabe vom externen CD-Spieler beginnen. An der fortlaufenden Kurvendarstellung erkennt man, dass unCDcopy mit der Aufnahme begonnen hat. Sie müssen nun zwar nicht leise sein, sollten den Rechner jedoch trotzdem in Ruhe lassen, da sonst je nach Soundkarten-Konfiguration auch Systemklänge oder andere akustische Signale mit auf Ihrer CD-Aufnahme landen. Sie können die Aufnahme jederzeit manuell stoppen. Ansonsten beendet unCDcopy automatisch die Aufnahme nach 80 Minuten.

Das Programm kann bereits vorhandene Schnittdateien von anderen Usern aus dem Internet herunterladen und Ihnen so viel Arbeit beim Aufteilen Ihrer CD ersparen. Womöglich liegen mehrere Schnittdateien vor, die in Ihrer Güte variieren. Die Spalte „used“ gibt darüber Auskunft, wie viele Nutzer die jeweilige Datei bereits benutzt haben. Die Schnittinformationen zu den Top-10-Alben tragen die Autoren-Kennung „Profi“ - hier können Sie von einer sorgfältig erstellten Schnittdatei ausgehen. Nachdem Sie sich entschieden haben, können Sie die Datei direkt anwenden oder zuvor noch editieren. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn die Schnittmarken zwar exakt gesetzt sind, die Titelinformationen aber noch fehlen. Wenn Sie eine Schnittdatei direkt anwenden, überspringen Sie den folgenden Punkt und können die Einzel-Tracks direkt exportieren.

Sound-Einstellungen
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In diesem Fenster können Sie eine übernommene Schnittdatei bearbeiten. Zum Anlegen einer komplett neuen Schnittdatei starten Sie am besten mit der automatischen Track-Erkennung. UnCDcopy versucht die Titelgrenzen automatisch zu erfassen. Überprüfen Sie danach die Ergebnisse und korrigieren Sie die Schnittmarken gegebenenfalls manuell. In der Track-Liste im unteren Teil des Wizards können Sie überprüfen, ob Track-Anzahl und -Länge mit den Angaben auf der Rückseite Ihrer Un-CD übereinstimmen.

Musikdateien exportieren
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Nach dem Schneiden müssen die Musikdateien nun in ein Verzeichnis Ihrer Festplatte kopiert werden. Für unkomprimierte Audiodateien sind hierfür bis zu 800 MByte Speicher nötig. Geben Sie einen Laufwerkspfad an, in dem genügend Platz zur Verfügung steht. Über den Button „Brennen“ können Sie die exportierten Titel an den Windows Media Player übergeben. Von hier aus lässt sich über den Button „Auf CD kopieren“ ihre Audio-CD erstellen.

unCDcopy-Transfer
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Wenn Sie eine Schnittdatei verbessert oder komplett neu erstellt haben, sollten Sie in diesem Fenster den Upload an das c't CD-Register starten. Die von Ihnen angelegte Schnittdatei mit Titelinformationen kann anderen Nutzern viel Arbeit ersparen. Sie müssen für diesen Vorgang nur kurze Zeit online sein. (sha)

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Die Neuregelung des Urheberrechts hat die grundsätzliche Zulässigkeit von Privatkopien zwar erhalten, den Anwendungsbereich jedoch stark eingeschränkt. Eine rechtmäßige Kopie muss ohne Umgehung wirksamer Kopierschutzmaßnahmen und nicht von einer offensichtlich rechtswidrigen Vorlage hergestellt werden.

Zulässig sind nach Ansicht der überwiegenden Mehrheit der Juristen aber auf analogem Weg erzeugte Kopien von kopiergeschützten digitalen Trägermedien. Denn die Schutzsysteme, mit denen digitale Kopien verhindert werden sollen, können und sollen Vervielfältigungen über analoge Eingänge von PCs nicht unterbinden.

Für eine solche Kopie, wie sie mit unCDcopy erstellt werden kann, sind die gängigen Kopierschutzeinrichtungen folglich keine „wirksamen technischen Maßnahmen“ im Sinne des § 95 a UrhG, sodass die Kopie rechtmäßig erstellt wird. Dies gilt auch dann, wenn aus der ursprünglich analog gewonnenen und geringfügig qualitativ beeinträchtigten Kopie anschließend eine neue digitale Kopie entstehen sollte, da das Gesetz allein auf den Vorgang des Überwindens einer Kopiersperre abstellt. (Joerg Heidrich, Justiziar)

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