Unibody-Update

Renoviertes MacBook Air mit Nvidia-Chipsatz

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Nach einer Frischzellenkur drängeln sich jetzt der GeForce 9400 M, neue Intel-Doppelkerne und eine leistungsfähigere Solid State Disk im Unibody des MacBook Air.


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Zwar ist das MacBook Air an seiner dicksten Stelle lediglich vier Millimeter schlanker als das MacBook, doch die abgeschrägten Kanten kaschieren das Hinterteil des Air derart überzeugend, dass es noch viel flacher wirkt. Dieser Kunstgriff der Designer bringt einen Nebeneffekt mit sich, zu dem auch das matte Aluminium und die versteckten Anschlüsse beitragen: Bei unaufgeräumten Schreibtischen muss man oft zweimal hinschauen, um das Air zwischen Papierstapeln zu entdecken.

Aufgeklappt lässt es sich nicht so leicht übersehen – das eigene Spiegelbild auf dem 13,3 Zoll großen Display leider auch nicht. Selbst voll aufgedreht überstrahlt die helle LED-Hintergrundbeleuchtung (275 cd/m²) nicht alle Reflexionen. Außerdem verteilt sie ihr Licht so ungleichmäßig, dass graue Schleier in den Ecken auffallen; gemessen haben wir eine Differenz von über 100 cd/m² zwischen der dunkelsten und der hellsten Stelle. Ein weiteres Manko des kontraststarken, aber nur mittelmäßig farbkräftigen Bildschirms bleibt, dass der Anwender ihn nicht weit genug nach hinten klappen kann, um das Air auch auf dem Schoß mit optimalem Blickwinkel zu nutzen.

An der aus den anderen MacBook-Modellen bekannten, beleuchteten Tastatur gibt es nichts auszusetzen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit fliegen die Finger in der üblichen Geschwindigkeit über die flachen Tasten. Ebenfalls sehr präzise reagiert das angenehm große Touchpad auf Berührungen von bis zu vier Fingerspitzen gleichzeitig. Anders als bei den MacBooks und Pro-MacBooks bleibt dem Air eine separate Taste unterhalb des Touchpads erhalten.

USB-Sticks, die sich Apples Schlankheitsdiktat nicht unterwerfen, bocken das MacBook Air auf – Verlängerungskabel empfohlen.
USB-Sticks, die sich Apples Schlankheitsdiktat nicht unterwerfen, bocken das MacBook Air auf – Verlängerungskabel empfohlen. Vergrößern

Mächtig Tribut fordert die sportliche Linie des Air bei den Schnittstellen: Nach wie vor bringt es lediglich einen Grafikausgang (seit der Neuauflage Mini-Display-Port statt Mini-DVI), einen USB-Anschluss und eine Kopfhörerbuchse mit. Ohne Adapter lässt sich der geschrumpfte Display Port zurzeit ausschließlich mit Apples LED Cinema Display vermählen. Für Frust sorgt die Klappe, die die drei Buchsen beherbergt: Sie sitzt so tief hinter der Gehäusekante, dass das Air zum Einstöpseln angehoben werden will.

Für Vortrieb sorgt im von uns getesteten Topmodell ein mit 1,86 GHz getakteter Core 2 Duo aus Intels Low-Voltage-Klasse, die ein auf 17 Watt ausgelegtes Kühlsystem benötigt. Eine Version mit 1,6 GHz ist ebenfalls erhältlich. Im CPU-lastigen Cinebench distanzierte unser Testgerät sein eigenes Vorgängermodell (1,8 GHz, 800 MHz FSB, 4 MByte Cache) um 12 Prozent. Die aktuellen MacBooks mit ihren bis zu 2,4 GHz schnellen Core 2 Duos lassen das Air jedoch locker stehen. Beim Chipsatz setzt Apple wie inzwischen bei allen anderen MacBooks auf Nvidia [1]. Der integrierte Grafikkern GeForce 9400 M gehört zur Einsteigerklasse und zwackt sich bis zu 256 MByte DDR3-RAM vom 2 GByte großen Hauptspeicher ab. Für ältere 3D-Spiele wie World of Warcraft reicht die Leistung, aktuelle Titel laufen nur bei niedriger Detailtiefe flüssig. Ein UMTS-Modul fehlt wie beim Vorgängermodell (siehe [3]).

Die 128-GByte-SSD von Samsung schrieb mit 59 MByte/s und las mit 70 MByte/s – so schnell wie moderne 2,5-Zoll-Festplatten und vor allem deutlich schneller als die SSD des Vorgängermodells (21/42 MByte/s) und die alternativ lieferbare 1,8-Zoll-Platte, die keine 40 MByte/s schafft. In der Praxis profitieren zum Beispiel Anwendungsstarts von der flinken SSD: Noch bevor das Icon im Dock einmal hochgehüpft und wieder gelandet ist, meldet sich Safari einsatzbereit, iMovie braucht nur wenige Augenblicke länger.

Mit seinem fest eingebauten Lithium-Polymer-Akku hielt das Air bei niedriger Rechenlast und gedimmter Helligkeit (100 cd/m²) überdurchschnittliche 5,3 Stunden durch, bei voll aufgedrehter Beleuchtung verabschiedete es sich nach vier Stunden in den Ruhezustand. Mit 5,4 Stunden war die Ladezeit ebenfalls überdurchschnittlich lang, nach einer Stunde am Netz reichte der Saft immerhin für über eine Stunde Mobilbetrieb. Der Lüfter sprang erst nach langen Volllast-Perioden an und rauschte dann mit 1,3 Sone deutlich hörbar.

Stillleben mit Steckern: Wer Anschluss sucht, der muss erst draufzahlen und danach aufpassen, dass er bei Präsentationen alle nötigen Kabel dabei hat.
Stillleben mit Steckern: Wer Anschluss sucht, der muss erst draufzahlen und danach aufpassen, dass er bei Präsentationen alle nötigen Kabel dabei hat. Vergrößern

Die Installation von Vista auf einer von Boot Camp angelegten Partition verlief im Test problemlos, Windows-Treiber liefert Apple auf der Mac-OS-Installations-DVD mit. Abgesehen vom Scrollen und Rechtsklick mit zwei Fingern müssen Windows-Nutzer auf Multitouch-Gesten verzichten. Bei geringer Last und 100 cd/m² hatte Vista den Akku schon nach vier Stunden leergesaugt, der Lüfter sprang öfter an als unter Mac OS.

Auf die 2300 Euro, die Apple für die hier getestete Konfiguration verlangt, kommen je nach Einsatzzweck noch einige Euro obendrauf: Für VGA, DVI und LAN nimmt Apple jeweils 29 Euro – beim Vorgängermodell lagen die DVI- und VGA-Stecker noch ohne Aufpreis mit im Karton. Der Dual-Link-DVI-Adapter kostet gesalzene 100 Euro, auch der externe DVD-Brenner für 100 Euro ist kein Schnäppchen. Apple gewährt lediglich ein Jahr Garantie, die Erweiterung auf drei kostet 250 Euro. Die Basisversion des Air mit 1,6 GHz schnellem Core 2 Duo und 120 GByte großer Festplatte liegt bei 1700 Euro. Wer keine prinzipiellen Vorbehalte gegen Windows hegt, findet in der 13-Zoll-Klasse mit dem Samsung X360, dem Sony Vaio VGN-Z und dem Lenovo Thinkpad X301 Alternativen, die kaum mehr auf die Waage bringen – noch leichtere Subnotebooks gibt es nur mit 12-Zoll-Displays [2].

Das MacBook Air ist ein formschönes Stück Technik, das nicht nach Technik aussieht, weil es ohne störende Ecken und Kanten und ohne sichtbare Buchsen und Schalter auskommt – das schafft auch ein Jahr nach seiner Vorstellung kein anderes Notebook. Wer ausschließlich auf Ästhetik und geringes Gewicht Wert legt, muss beim Air keinerlei Kompromisse eingehen. Andere Anwendergruppen aber durchaus: Als Business-Tool taugt das Air nur solange, wie UMTS verzichtbar ist und das Spiegeldisplay nicht den Einsatz im Freien oder im Zug verleidet. Als Alleinunterhalter für Privatanwender eignet sich das Air aufgrund des fehlenden optischen Laufwerks und der geringen Schnittstellenzahl überhaupt nicht. An diesen schönheitsbedingten Einschränkungen ändert auch die Neuauflage nichts. Jene, die vom anmutigen Äußeren des Air verzaubert sind, wird das allerdings kaum stören. (cwo)

[1] Jörg Wirtgen, Alu-Books, Apple renoviert die Notebook-Linie, c't 23/08, S. 30
[2] Jörg Wirtgen, Kompakte Kraftprotze, Leistungsstarke und ergonomische Notebooks der 13-Zoll-Klasse, c't 2/09, S. 110
[3] Johannes Schuster, Designerstück, Apples MacBook Air, www.heise.de/mobil/artikel/104810
Apple MacBook Air mit Nvidia-Chipsatz
Hersteller Apple
Spezifikation Intel Core 2 Duo L9400, 2 GByte DDR3-RAM, 13,3"-Display (1280 × 800, spiegelnd), 128 GByte SATA SSD, Nvidia GeForce 9400M, WLAN 802.11a/b/g/Draft-N 300, Webcam
Anschlüsse USB 2.0, Kopfhörer, Mini Display Port
Gewicht / Größe 1,36 kg / 32,5 cm × 22,7 cm × 2 cm
Preis der getesten Konfiguration / Straßenpreis 2300 EUR / 2200 EUR
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