VHS-Recorder ade?

Der PC als digitaler Videorecorder

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Sie kommen nach Hause und Ihr Lieblingsfilm läuft im Fernsehen - leider schon seit einer halben Stunde. Der gute alte VHS-Recorder nimmt zwar brav auf, aber Zurückspulen geht jetzt nicht. Anders mit einem PC als Videorecorder: Noch während der Film auf der Festplatte aufgezeichnet wird, schauen Sie ihn zeitversetzt an; lästige Werbespots können Sie später herausschneiden und den Film in hoher Qualität archivieren.

Aufmacher

Der digitale Videorecorder auf PC-Basis ist nichts Neues - seit zwei Jahren versprechen Soft- und Hardwarehersteller Produkte mit fürwahr überzeugendem Funktionsumfang [['lit1 1]]. Neu ist, dass sie jetzt wirklich auf den Markt kommen. Und alle mischen mit: Softwarehäuser schreiben Echtzeit-MPEG-2-Encoder. ATI & Co. packen ihren Grafikkarten mit Videoeingang Programme zum Aufzeichnen von Fernsehsendungen bei. Und auch die Hersteller von TV-Tunern wollen sich ein gutes Stück vom Kuchen reservieren.

Die Tage des analogen VHS-Bandgeräts sind gezählt. Der PC ist der bessere Videorecorder. Bester Beleg: Mit der so genannten Timeshift-Funktion gibt er bereits aufgenommene Sequenzen wieder, ohne die noch laufende Aufzeichnung zu unterbrechen - was bei Speicherung auf Festplatte keine große Herausforderung darstellt. Der Videokopf eines analogen VHS-Recorders hingegen kann immer nur an einer einzigen Stelle des Magnetbandes aufnehmen oder wiedergeben.

Die 300 Minuten Aufnahmekapazität eines VHS-Bandes sind schnell erschöpft. Die 80-GByte-Platte im PC, die es mittlerweile schon für 700 Mark zu kaufen gibt, fasst je nach eingestellter Videokompression bis zu achtzig Stunden Programm. So ein digitaler Videorecorder könnte also theoretisch mehr als drei Tage am Stück aufzeichnen - vom Morgenmagazin über die unsäglichen Talkshows am Mittag und abendliche Spielfilme bis zum nächtlichen ‘Ruf mich an’-Gestöhne.

In der Praxis wird man freilich auch am PC nur jene Sendungen aufnehmen, die man wirklich sehen will. Im Unterschied zur analogen VHS-Cassette kann man die Aufnahmen aber beliebig oft löschen und ‘überspielen’, ohne dass die Bildqualität leidet.

Wer das neueste Star-Trek-Abenteuer oder den tanzenden Wolf konservieren will, nimmt in Zukunft keine VHS-Kassetten mehr, die im Laufe der Zeit altern und in Sachen Bildqualität immer schlechter werden, sondern CD-Rohlinge. Die speichern Sendungen digital, büßen auch beim hundertsten Abspielen nicht an Qualität ein und sind wesentlich billiger als Videokassetten. Wie man komplette Filme auf CDs bringt, hat c't erst vor kurzem ausführlich beschrieben [[#lit2 2]].

Die bessere Bildqualität der digitalen gegenüber einer analogen Aufnahme ist augenfällig. VHS-Recorder erfassen zwar alle Bildzeilen, erreichen aber aufgrund ihrer begrenzten Bandbreite horizontal kaum mehr als die halbe Auflösung des vom Sender übertragenen TV-Signals. Feine Muster im Bild gehen verloren, Farben werden verschmiert. Selbst die besseren S-VHS-Recorder, die erst jetzt langsam in niedrige Preisregionen vordringen, bleiben unter dem Soll.

Dank effizienter Kompressionsverfahren fällt es dem PC leichter, das Videosignal praktisch ohne erkennbare Verluste aufzuzeichnen - in derselben Auflösung, mit der es im digitalen Studio produziert wird: 720 x 576 Pixel. Dieses Format kommt übrigens auch bei der DVD-Video, bei Digital Video (DV) und dem über Satellit ausgestrahlen DVB (Digital Video Broadcast) zum Einsatz. Die digitale Aufnahme bleibt im Unterschied zu VHS rauschfrei; farbige Konturen ‘bluten’ nicht aus. Nebenbei ist es am PC ein Kinderspiel, die Auflösung und damit die Datenrate nach Wunsch zu reduzieren, was vor allem Multimedia-Produzenten für Internet- oder CD-ROM-Filmchen auszunutzen wissen.

Kompression
Vergrößern
Bei starker Kompression leidet die Bildqualität sichtlich (rechts). Bei voller Auflösung sollte man deshalb die Bitrate so hoch wählen, dass es bei der Wiedergabe gerade nicht mehr ruckelt.

Ob Videorecorder wirklich so schwierig zu programmieren sind, wie viele meinen, sei mal dahingestellt - klar ist aber: Wer mit dem PC zu arbeiten gewohnt ist, der wird die Timer-Einstellung zum Aufnehmen von Sendungen komfortabler finden als bei analogen Recordern. Für manchen mag allein das Grund genug sein, umzusteigen und die Fernbedienung des VHS-Geräts ein für alle mal in die Schublade zu legen. Doch auf diesem Gebiet haben die Hersteller der PC-Videorecorder ihre Hausaufgaben noch nicht vollständig gemacht: Was zurzeit am Markt ist, erreicht längst nicht den Bedienkomfort, der denkbar wäre (siehe Folgeartikel).

Filmfreunde, die sich über ständige Werbeunterbrechungen schwarzärgern, dürfen sich auf die neue Flexibilität am digitalen Videorecorder freuen: Am PC schneidet man sie ohne Qualitätsverlust einfach aus dem Film heraus. Videoschnittprogramme können die Szenen penibel Frame für Frame darstellen, sodass der Wechsel zur Reklame auf Anhieb zu erkennen ist und sich diese nahtlos herauslöschen lässt. Einige Hersteller liefern solche Schnittsoftware, etwa Uleads VideoStudio LE, sogar gleich mit. Am analogen Recorder hingegen muss man den Film zum ‘Schneiden’ auf einen zweiten überspielen, wodurch die Aufnahmequalität sichtbar leidet, und dabei versuchen, durch rechtzeitiges Betätigen der Pause- und Aufnahmetasten die Werbeblöcke möglichst präzise auszuschneiden - ohne professionelles Equipment ein fast unmögliches Unterfangen. Selbst teurere Recorder mit Jog-Shuttle-Knöpfen können mit den Möglichkeiten am PC nicht mithalten.

Der Schritt zum automatischen Ausblenden der Reklame ist übrigens nicht mehr groß. Schon heute gibt es ein System namens AdKiller, das Start- und Stopp-Zeiten von den Werbeblöcken diverser Fernsehsender per Internet überträgt und via Infrarotschnittstelle dem analogen Videorecorder mitteilt (www.adkiller.de, [[#lit3 3]]). Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Anbieter ihre PC-Videorecorder im Paket mit einer solchen Dienstleistung anbieten, um sich von der Konkurrenz abzuheben - vorausgesetzt, die Rechtsprechung macht keinen Strich durch solche Pläne.

Doch was macht es eigentlich den Herstellern im PC-Umfeld so schwer, was hielt sie zwei Jahre lang davon ab, Videorecorder auf Basis von PC-Technik auf den Markt zu bringen? Ganz einfach: Die Prozessoren waren noch nicht leistungsfähig, die Massenspeicher nicht groß genug. Erst seit kurzem gibt es schnelle CPUs, effiziente Kompressions-Chips und große Festplatten für wenig Geld.

Das Fernsehsignal der hiesigen PAL-Norm frisst mit seinen 25 Vollbildern immerhin happige 22 MByte Plattenplatz pro Sekunde, den Ton mit rund 170 KByte/s (bei 44,1 kHz Samplingrate und 16 Bit pro Stereokanal) noch nicht mitgerechnet. Solche Datenfluten kann selbst ein moderner PC nur mit Mühe verdauen. Deshalb muss das Material komprimiert werden. Das für Videos gut geeignete Kompressionsverfahren MPEG-2 vermag Bild und Ton auf beachtlich geringe 3 bis 4 MBit/s zu schrumpfen. Obwohl dabei winzige Details unter den Tisch fallen (‘Datenreduktion’), bleibt die Bildqualität ansehnlich. Auf jeden Fall ist das Ergebnis wesentlich besser als jenes, das der VHS-Recorder dem Magnetband entlockt. Mit dieser Kompression ist ein moderner PC sogar im Stande, das Datenaufkommen parallel ein zweites Mal zu verarbeiten, sodass der Anwender den Film zeitversetzt betrachten kann. Die Timeshifting-Funktion setzt allerdings eine schnelle Maschine voraus.

Effizienter als MPEG-2 komprimieren das für Internet-Übertragungen gedachte RealSystem G2 sowie der aktuelle Windows-Media-Codec, den Microsoft gern auch als ‘MPEG-4’ bezeichnet, obwohl er mit dem MPEG-4-Standard des offiziellen MPEG-Komitees nicht viel gemein hat. RealVideo- oder Windows-Media-basierende Videorecorder gibt es hierzulande aber noch nicht; sämtliche erhältlichen Produkte auf PAL-Basis arbeiten entweder mit einem proprietären Kompressionsverfahren, mit MPEG-2 oder gar nur mit MPEG-1. Da MPEG-1 aber nicht für das volle PAL-Format ausgelegt ist, haben wir MPEG-2-Produkte in unseren Tests bevorzugt - zum Teil als reine Software-Lösungen, was hohe CPU-Rechenleistung voraussetzt, oder mit Hardware-Kompressionschips realisiert.

Technisch gibt es mehrere Ansätze, einen handelsüblichen PC in einen komfortablen Videorecorder zu verwandeln. Grafikkarten, die mit einem TV-Tuner ausgestattet sind und die Videokompression per Software erledigen, schreiben ihre Daten auf einem ausreichend schnellen PC kontinuierlich ruckelfrei auf die Festplatte. Das funktioniert ab 550 MHz Prozessortaktfrequenz. Bei der Qualität müssen Besitzer solcher Mittelklasse-PCs allerdings Abstriche machen. Erst Rechner mit einer mindestens 700 MHz schnellen Pentium-III- oder Athlon-CPU zeigen nur noch wenig oder gar keine unschönen Kompressionsartefakte mehr. Üblicherweise kann der Anwender die Qualität selbst einstellen. Es lohnt sich, vor den ersten ernsthaften Aufnahmen zu experimentieren, um die ideale Kombination aus benötigtem Plattenverbrauch und bestmöglicher Qualität zu finden, ohne dass Bilder bei der Aufnahme oder beim Abspielen weggelassen werden (‘dropped Frames’). Mehr dazu im Kasten ‘Praxistipps für mehr Videogenuss am PC’ auf Seite 95 sowie im anschließenden Artikel.

Zwei viel versprechende Produkte trafen nicht rechtzeitig in der Redaktion ein: 3dfx hat seine eben erst angekündigte Voodoo TV FM ebenso wenig fertig wie Matrox seine Marvel G450 eTV, obwohl diese schon seit Monaten beworben wird. Deshalb konnten wir zunächst nur zwei Grafikkarten mit Videoeingang und passender Software auf den Prüfstand bitten: ATIs All-in-Wonder 128 Pro und die V7700 Deluxe von Asus. Etwas genügsamer gibt sich die Hauppauge WinTV PVR, weil sie einen MPEG-Encoder-Chip mitbringt. Im Unterschied zu den Produkten von ATI und Asus ist sie keine Grafik-, sondern eine TV-Tuner-Karte, die man zusätzlich zur herkömmlichen Grafikkarte in den Rechner steckt. Auch die ATI-Karte bringt den Tuner mit, bei Asus gibt es eine externe TV-Box. Unsere Testergebnisse zu diesen drei Produkten lesen Sie ab Seite 98.

Wer bereits einen TV-Tuner besitzt, dem genügt womöglich die günstigste Produktgattung im Test: reine Software-Lösungen zum Kodieren von Videosignalen in das MPEG-2-Format wie PowerVCR II von Cyberlink und WinDVR von Intervideo. Solche Programme können sich nahezu jeden Video-for-Windows-fähigen Codec borgen, setzen für die Kompression aber einen flinken Rechner voraus. Im Prinzip machen die Produkte von ATI und Asus auch nichts anderes. Zu unserer Überraschung stellte sich aber im Test heraus, dass die separat angebotenen Programme höhere Anforderungen an die Hardware stellen. Wer nicht mindestens einen 866-MHz-PC mit schnellem Subsystem besitzt, braucht über die Anschaffung solcher Programme nicht nachzudenken. Mehr dazu auf Seite 108.

Sämtliche bisher genannten Produkte nehmen ein analoges Fernsehsignal entgegen. Wer das Fernsehprogramm digital vom Satelliten empfängt, kauft besser gleich eine Karte, die das DVB-Signal (Digital Video Broadcasting) direkt weiterverarbeitet. Um die Kompression brauchen sich solche DVB-Karten nämlich überhaupt nicht zu kümmern, weil sie bereits eine Art MPEG-2-Datenstrom empfangen, den sie nur noch entpacken und darstellen müssen. Von ihnen erwarteten wir eine weitere Qualitätssteigerung bei geringeren Hardwareanforderungen (Seite 110). Pinnacle hat zu seiner DVB-Karte TV Sat neuerdings eine passende Videorecorder-Software im Angebot; zu der DVB-C-Karte von Fujitsu Siemens finden sich im Web immerhin ein passender Shareware-Aufsatz für Windows sowie eine Bastelanleitung für einen Wohnzimmer-PC auf Linux-Basis (http://www.cadsoft.de/people/kls/vdr/index.htm).

Macintosh-Anwender gucken vorerst in die Röhre: Bislang gibt es keine einzige Videorecorder-Lösung für Mac OS. Schade. PC-Besitzer hingegen dürfen sich nach DVD und MP3 über einen weiteren Grund freuen, ihren Computer ins Wohnzimmer zu stellen: TV-Ausgänge für den Anschluss an den Fernseher bringen einige Produkte bereits mit. Und dank leiser Festplatten und modernen Gehäusedesigns fügt sich der PC heute harmonischer ein denn je. Bleibt uns nur ein besseres Fernsehprogramm zu wünschen. (se)

[1] Frank Fremerey: Wünsch Dir was, Digitale Videorecorder finden und sammeln Fernsehprogramme, c't 24/99, S. 212

[2] Jörn Loviscach: Filmkonserven, Analogvideo, DV und DVD archivieren, c't 21/2000, S. 232

[3] Andrea Trinkwalder, Videos werbefrei, c't 22/2000, S. 78

[4] Gerald Himmelein, Jörn Loviscach: Kasten ‘Vom Bild zum Bit’, c't 13/2000, S. 148

[5] Jörn Loviscach: Privatfernsehen, Video-Übertragung per Internet, c't 6/2000, S. 154

[6] Jörg Wirtgen, Gerald Himmelein: Kinoabend ohne Filmriss, Problembeseitigung beim Abspielen von DVDs, c't 13/2000, S. 158

[7] Johannes Endres: Binäres Pantoffelkino, Digitalisierung bringt das interaktive Fernsehen, c't 17/2000, S. 134

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  • eine separate Festplatte (groß und schnell) für Videoaufnahmen verwenden, auf der keine anderen Dateien oder Programme stehen

  • als Dateisystem Fat-32 wählen

  • unbedingt DMA (Direct Memory Access) der Festplatte einschalten (Gerätemanager/Laufwerke/Eigenschaften)

  • Chipsatz-Treiber des Board-Herstellers installieren, falls Windows im Gerätemanager nur Standardkomponenten anzeigt

  • DirectX 7 oder 8 installieren (www.microsoft.com/directx/)

  • Festplatte regelmäßig defragmentieren (Programme/Zubehör/Systemprogramme/Defragmentierung)

  • sämtliche Hintergrundprozesse (E-Mail, Uhr in der Systemtray etc.) deaktivieren

  • ‘automatische Benachrichtigung beim Wechsel’ des CD-ROM-Laufwerks (Gerätemanager/CD-ROM/Eigenschaften) abschalten

  • im Windows Media Player auf ‘maximale Hardwarebeschleunigung’ schalten

  • mit unterschiedlichen Qualitätsstufen der Kompression experimentieren: mit der besten anfangen, bei Rucklern die nächstniedrigere Stufe wählen

  • Netzwerkaktivitäten deaktivieren (ggf. neues Hardwareprofil ohne Netzwerkkarte anlegen)

Ausführlichere Tipps finden Sie in [[#lit6 6]]. Wenn die allesamt nicht helfen, kommen Sie wohl nicht umhin, schnellere Hardware anzuschaffen.

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Während die ersten Produkte für den Computer bereits auf dem Markt sind, stecken die großen Hersteller von Unterhaltungselektronik noch emsig in der Vorbereitungsphase. Was sie sich vorgenommen haben, geht aber weit über die Pläne der Grafikkarten- und TV-Tuner-Bauer hinaus: Panasonic, Grundig & Co. planen die Zukunft des Fernsehens.

Ihre autarken Geräte, die man direkt am Fernseher betreiben soll, haben äußerlich nichts mit den PC-Lösungen gemein - wiewohl sie auf derselben Technik basieren. Ob sie nun einen MPEG-Decoder zum Aufbereiten des DVB-Stroms oder einen analogen TV-Tuner mitbringen, ohne eine große Festplatte und eine Handvoll Computerchips kommen sie nicht aus. Sie verstecken die Technik aber ansehnlicher, bringen eine Fernbedienung mit und bieten eine Bedienungsoberfläche, mit der Schulkinder und Großmütter gleichermaßen klarkommen sollen.

Die Software ist es auch, an der die Firmen noch feilen. Wenn die Hersteller halten, was sie versprechen, dürften gut betuchte Fernseh-Junkies ein edles Gerät in HiFi-Optik dem nur notdürftig auf Wohnmöbel getrimmten PC bald wieder vorziehen: Eine digitale ‘Fernsehzeitschrift’ soll verschiedene Ansichten auf das Fernsehangebot zeigen und die Sendungen nach Themen sortieren. Vor allem aber soll sie die Gewohnheiten und den Geschmack ihres Anwenders lernen und individuell Vorschläge zum allabendlichen Programm machen. Nur Western mit John Wayne, sämtliche Reportagen über Kuba, jeden Tag das Heute Journal - der Videorecorder wird persönlich.

Alle aufgenommenen Sendungen landen auf der internen Festplatte, die schon bei heutigen Kapazitäten von 80 GByte mehr als drei Tage nonstop Video aufzuzeichnen vermag (bei einer Stunde pro GByte, MPEG-2-Qualität). Timeshifting gehört bei solchen Angeboten zum Standard; so kann man etwa Filme zeitversetzt anschauen, noch während die Aufnahme läuft, Werbeblöcke ohne umständliches Spulen überspringen oder via ‘Bild im Bild’-Vorschau verfolgen, was während der Aufnahme bei anderen Sendern läuft. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe wollte noch kein Hersteller weitere Details verraten; vorstellbar sind aber noch einige Dienstleistungen mehr, etwa das automatische Herausschneiden von Werbeblöcken oder weiter gehende Videoschnittfunktionen.

Grundig will noch vor Weihnachten mit seinem Electronic Content Guide fertig sein, sodass der Markteinführung des rund 2000 Mark teuren ‘SeleXX’ nichts mehr im Wege stehen sollte. Die Hardware, in Lizenz von Axcent gebaut, ist bereits seit August fertig. Auch Panasonic mischt mit - wann der PV-HS1000 den deutschen Markt erreichen soll, war allerdings noch nicht zu erfahren (http://www.panasonic.com/consumer_electronics/showstopper/index.htm).

Jenseits des großen Teiches ist die Entwicklung schon etwas weiter; in den USA liefern sich zwei Unternehmen eine erbitterte Schlacht um die Marktanteile der Zukunft [[#lit1 1]]. Weil man dort zum Empfang von Kabelprogrammen ohnehin eine Art Set-Top-Box benötigt, fällt es ReplayTV und TiVo etwas leichter, ihre eigene Box zu verkaufen, die einen mächtigen Electronic Program Guide bereits mitbringt. ReplayTV verlangt dafür einmalig 500 Dollar; die TV-Programm-Updates erfolgen über das eingebaute Modem kostenlos. TiVo hingegen gibt seinen von Philips gebauten Recorder für 300 Dollar ab, kassiert dann allerdings weitere zehn Dollar pro Monat oder pauschal 200 Dollar für die gesamte Nutzungsdauer des TiVo-Systems.

Demnächst wollen auch zwei deutsche Firmen in diesem Markt mitmischen: Die Fast TV Server AG im Verein mit der schweizerischen Revox auf der einen und Fujitsu Siemens auf der anderen Seite. Der Revox Video Server soll im Laufe des nächsten Jahres, also vermutlich zur CeBIT oder noch wahrscheinlicher zur Berliner IFA im August vorgestellt werden (www.tvserver.de). Eine abgespeckte Fassung will man als PC-Steckkarte unter dem Namen TV.master ebenfalls nächstes Jahr auf den Markt bringen. Der ‘interaktive Program Guide iPG’ namens tvtv funktioniert bereits und dient PC-Besitzern schon heute als persönliche Fernseh‘zeitschrift’ (www.tvtv.de).

Fujitsu Siemens verspricht eine Kombibox aus TV-Receiver, DVD- und MP3-Player, Internet-Terminal und Tastatur, die unter dem Namen ‘Activy’ auf den Markt kommen wird (http://www.fujitsu-siemens.com/en/activy/index.html). Sie soll wahlweise mit Platten von 10 bis 30 GByte Kapazität und Kabel- oder Satelliten-Tuner ausgestattet sein. Fujitsu Siemens will die Lösung einerseits selbst vermarkten - man munkelt von einem Preis um 2600 Mark - und andererseits Providern die Hardware liefern, sodass die ihre eigene Oberfläche dazubasteln und das Produkt im Bundle mit einer monatlichen Dienstleitung verkaufen können.

Kathrein ist mit seinem VFD 552 bereits auf dem Markt - unseren Testbericht lesen Sie in c't 26/2000 auf Seite 110.

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