Verbindlich

Default App:Programmverknüpfungen für MacOS 8

Test & Kaufberatung | Kurztest

Ein Segen grafischer Betriebssysteme ist ja, daß man per Doppelklick auf eine Datei auch gleich die zuständige Applikation gestartet bekommt. MacOS arbeitet dabei noch ein ganzes Stück eleganter als etwa Windows, das lediglich die Dateiendung beachtet. Doch auch MacOS ist nicht perfekt. Default App beseitigt ein dickes Manko.

Beauftragt man den MacOS-Finder mit dem Öffnen einer Datei, überprüft dieser zunächst anhand des Creator-Attributs, ob er das zugehörige Erzeugerprogramm kennt. Der Zusammenhang zwischen einem Programm und den Dateitypen, die es unterstützt, ist in einer indizierten Datenbank, der Schreibtischdatei (Desktop Database), gespeichert. Wenn ein Programm neu hinzukommt respektive kopiert, bewegt oder gelöscht wird, aktualisiert der Finder die Datenbank anhand der Bundle-Ressource, in der von Entwicklerseite aus festgelegt wird, welche Dateitypen das Programm unterstützt. Das funktioniert soweit sehr gut.

Für den Fall, daß sich das Creator-Programm mal nicht findet, bietet das MacOS per Easy Open alle anderen Programme an, die die jeweilige Datei zu öffnen vermögen (im Gegensatz zum Finder greift Easy Open aber nicht auf die Bundle-, sondern auf die open-Ressource zu, doch das ist eine andere Geschichte).

Zur Farce verkommt dieses Konzept allerdings, wenn ein Anwender Einfluß auf diese Systemeinstellungen nehmen möchte, wenn er einen bestimmten Datentyp pauschal immer von einem anderen Programm öffnen lassen will - ein Textdokument etwa vom mächtigeren TexEdit Plus anstelle des wenig intelligenten SimpleText, das noch nicht einmal Texte mit mehr als 32 KByte Länge akzeptiert. Diesen Einfluß verbietet Apple seinen Anwendern, die Zuordnung von Type und Creator machen der Finder und die diversen Applikationen unter sich aus. An keiner Stelle im System kann der Benutzer einem Datentyp seine persönliche Wunschapplikation zuweisen. Das bringt zumindest mich regelmäßig auf die Palme.

Offensichtlich hat dies auch den fleißigen Macintosh-Programmierer Marco Piovanelli gestört. Sein Kontrollfeld Default App erlaubt die individuelle Zuordnung von Dateityp(en) und Programm(en). Die Einträge der Desktop Database werden dann ignoriert, die Apple Events des Finders abgefangen, modifiziert und weitergeleitet. In MacOS 8 gibt es sogar einen passenden neuen Finder-Hook [#lit1 [1]], so daß Default App ohne hinterlistige Patches oder undokumentierte Aufrufe auskommt. Inkompatibilitäten oder gar Abstürze konnte ich denn auch nicht feststellen.

Man zieht einfach per Maus eine Datei stellvertretend für alle diesen Typs in die linke Fensterhälfte und das gewünschte Programm in die rechte, klickt beide an, fertig. Genial einfach - einfach genial: Das Ganze funktioniert anstandslos, ohne daß das Programm beendet oder gar der Rechner neu gestartet werden müßte.

Noch trägt die aktuelle Fassung die Versionsnummer 1.0beta3, doch sie werde wohl unverändert als Version 1.0 auf den Markt kommen, meint Piovanelli. Mit dem Erscheinen dieser c't dürfte denn auch feststehen, welche Sharewaregebühr er verlangen wird.

Liebe Apple-Entwickler, tut mir einen Gefallen: Gebt dem Mann einen ordentlichen Batzen Geld für Default App, kauft ihm am besten auch gleich WASTE (die um ein Vielfaches gelungeneren Ersatzroutinen für Apples TextEdit) ab und baut beide in die nächste MacOS-Version ein. Auf andere Zusätze, wie sie etwa für System 7.5 zuhauf hinzugekauft wurden, kann ich getrost verzichten. Aber ohne Default App will ich nicht mehr arbeiten. (se)

[1] MacOS-8-Technote, http://gemma.apple.com/dev/technotes/tn/tn1102.html#FndrAEVT


Default App (defaultapp-10b3.hqx, Shareware) steht auf http://www.merzwaren.com/ sowie in der c't-Mailbox zum Download bereit.

Anzeige
Anzeige