Verblümte Rechnung

RV für DOS: Wie hoch wird meine Rente sein?

Wissen | Hintergrund

Seit die Bundesministerien das Internet entdeckt haben, ist auf den Web-Pages nebst Reklame für den jeweiligen Minister und Gesetzestexten manchmal auch nützliche Software zu finden, so etwa beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA) ein Programm zur Rentenberechnung.

Das Programm RV ist von der Softwarefirma Rabsch EDV-Service in Steinebach für das BMA entwickelt worden. Die Firma verspricht sich davon wohl Werbung für ihre professionelle Programmversion, die erheblich mehr Versicherungsverläufe bearbeiten kann; für den Privatgebrauch sind die maximal fünf Versicherungsverläufe von RV allerdings mehr als ausreichend.

Die Installation des selbstextrahierenden Programmes (mit einer unlizensierten Version von Easy SFA) ist etwas umständlich, zunächst in ein temporäres Verzeichnis, dann erst in einem zweiten Installationsgang ins Zielverzeichnis.

Nach dem Start zeigt sich RV etwas hausbacken. Mausunterstützung kennt es nicht, die Bedienung erfordert eine leicht gewöhnungsbedürftige, manchmal willkürlich erscheinende Mischung aus Tab-, Shift-Tab-, Cursor-, Pagedown/up-, ESC-, Return- und Funktionstasten. Nichtsdestotrotz lassen sich langwierige Versicherungsverläufe sehr schnell und bequem eingeben. Ein normaler Verlauf ist - so man die Unterlagen bereitgelegt hat - in knapp 10 Minuten im Rechner.

Ob Arbeiter, Angestellter oder Knapp', mit West- oder Ost-Verlauf, mit oder ohne Stasi-Vergangenheit, mit abgeschlossenem oder abgebrochenem Studium Š solange keine komplizierten Besonderheiten (etwa nach dem Fremdrentengesetz) vorliegen, hat RV entsprechende Menüpunkte vorgesehen. Unplausible Eingaben lehnt es weitgehend ab, selten läßt es Widersprüchliches zu (etwa gleichzeitig abgeschlossene und nicht abgeschlossene Studienzeiten).

Bei Fragen und Unklarheiten kann man eine recht ausführliche Hilfefunktion nutzen, die einem kontextsensitiv oder per Index im vollständig vorhandenen 6. Teil des SGB (mit Stichtag 18. November 96) zur Seite steht.

Man kann sich schließlich die bisherige Anwartschaft der Altersrente ausrechnen lassen, was oft enttäuschte Gesichter hervorruft - woran das Programm allerdings schuldlos ist. Weiterhin bietet RV eine Hochrechnung an, wozu man seine zukünftigen Einkünfte und die jährlichen Rentensteigerung schätzen muß. RV gibt Alters-, Witwen-, Waisen-, Erwerbs- und Berufsunfähigskeitsrenten aus und listet alle zur Berechnung herangezogenen Rentenpunkte auf.

Das Programm bietet zwar einen Passwortschutz, speichert die recht sensitiven Daten jedoch - falls man sie nicht explizit löscht - im Klartext in der Datei Output.rv.

Änderungen der Gesetzeslage ab 1997, die sich hinter dem harmlosen Titel 'Wachstums- und Beschäftigungssicherungsgesetz' verbergen, hat RV derzeit noch nicht berücksichtigt (laufender Update ist jedoch zugesichert). Zu den einschneidenden Änderungen gehört die drastische Reduzierung der als Anrechnungszeit anerkannten Ausbildungszeiten von maximal sieben auf nunmehr nur noch drei Jahre. Den finanziellen Verlust kann man mit RV schnell ermitteln, indem man zwei Verläufe mit drei respektive sieben Jahren Ausbildungszeit eingibt: er beträgt nach heutigem Stand etwa 80 DM pro Monat.

Die Vielzahl der Geschröpften (also alle Studenten, Fachhochschüler, Š) können mit RV auch nachrechnen, ob sich freiwillige Nachzahlungen lohnen (wiewohl das etwas schlecht erklärt wird). So läßt sich mit RV bestimmen, daß man im Dezember 96 zum Beispiel für das Jahr 1974 zwischen 1359 DM bis 18 432 DM freiwillig nachentrichten kann. Im Schnitt, bei angenommener 2-prozentiger Rentensteigerung pro Jahr kommt man damit in 20 Jahren auf eine 'Rendite' von rund 4 Prozent - da gibt es möglicherweise lohnendere Anlageformen.

Man sieht also, daß RV nicht nur für angehende Rentner, sondern auch für jüngere Leute ausgesprochen nützlich sein kann. (as)


RV (renten.exe, Freeware) ist über http://www.bma.de/renten.exe oder die c't-Mailbox zu beziehen.

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