Videowaschanlage

Videos und 8-mm-Film digital restaurieren

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Wer alte Video- oder Super-8-Filme digitalisiert, wird nur in den seltensten Fällen mit den Resultaten zufrieden sein: Verrauschte Bilder, schlechte Farben und diverse Artefakte trüben den Genuss. Zum Glück erweist sich die Freeware VirtualDub als echter Restaurations-Spezialist, dank dessen Unterstützung alte Aufnahmen digitalisiert in neuem Glanz erstrahlen.

Aufmacher

Selten hat der Hausputz so viel Spaß gemacht: Beim Aufräumen fand ich eine seit dem letzten Umzug verschollen geglaubte VHS-Aufnahme von ‘Drachentöter’, einem echten Fantasy-Klassiker von Paramount und Walt Disney aus dem Jahr 1981. Schon flog der Staubsauger in die Ecke und die Videokassette in den Recorder. Wirklich klasse der Film, aber leider wirkt das Bild matschig, die Farben sind ausgewaschen und instabil, zudem flimmert es und das permanent eingeblendete Senderlogo trübt den Genuss. Noch ist jedoch keine DVD-Fassung des Films in Sicht - digitale Rettung muss her. Glücklicherweise steckt eine Grafikkarte mit Video-Eingang im PC, es dürfte daher ein Leichtes sein, den Film vom maroden Videoband in die digitale Welt herüberzuretten und qualitativ aufzumöbeln.

Kaum bekamen die Kollegen Wind von dem Vorhaben, türmten sich auf meinem Schreibtisch altersschwache Videokassetten voller Kindheitserinnerungen, skurriler Heimvideos und sogar filmische Kleinode auf Super-8, die den Nachwuchs bei ersten Gehversuchen zeigen ... Sie alle bekamen mit den in diesem Artikel beschriebenen Mitteln neuen Glanz.

Bevor man auch nur einen weiteren Gedanken an die Aufbereitung alter Bild- und Tonträger verschwendet, gilt es zunächst, das entsprechende Abspielgerät aufzutreiben und wieder in Schuss zu bringen. Regt sich beim Einschalten der Maschine noch etwas, stehen die Chancen gut, die anfällige Mechanik mit geeigneten Maßnahmen wieder in Gang zu kriegen. Diesem Thema widmet sich der Artikel ab Seite 132. Eine aufwändige Reparatur lohnt sich nur selten: Bei Online-Auktionen bekommt man funktionstüchtige Super-8-Projektoren oder Videorecorder zu Schnäppchenpreisen.

Es gibt aber auch Dienstleister, die professionelle Film- und Videotransfers anbieten. Während das Digitalisieren von Filmmaterial mit 1 bis 2,50 Euro pro Filmminute zu Buche schlägt, kommt man bei Videobändern deutlich günstiger weg. Um das Restaurieren des Materials wird man sich dann aber lieber selbst kümmern, denn da wären professionelle Dienste kaum bezahlbar.

Ob Video 2000, Betamax, VHS(-C), S-VHS(-C) oder Video/Hi8, alle finden notfalls über Adapter per S-Video oder Composite Anschluss an den PC. Auch die Kompakt-Formate (S-)VHS-C spielt ein aktueller (S-)VHS-Recorder mit passendem Adapter problemlos ab. Die gibt es beispielsweise ab 17 Euro bei Conrad (Art-Nr. 351415-62).

Wer gedenkt, seine Aufnahmen für die weitere Verarbeitung in einem Videoschnittprogramm nachzubearbeiten, ist gut beraten, sie im DV-Format zu digitalisieren. Dies lässt sich über verschiedene Wege bewerkstelligen.

Besitzer von Digital8-Camcordern können sich glücklich schätzen: Die Geräte digitalisieren beim Abspielen einer Video8- oder Hi8-Kassette das analoge Material ‘on the fly’ und liefern es über die DV-Schnittstelle auf die Festplatte des PCs. Viele DV-Camcorder eignen sich sogar zum Digitalisieren von extern über den S-Video-Eingang zugespieltem Analogmaterial. Bei einigen Modellen muss man diese Option allerdings erst freischalten (lassen). Andere Möglichkeiten sind externe DV-Wandler wie die Dazzle DV-Bridge, das Formac Studio oder Schnittkarten mit DV-Codec; Preise von bis zu 500 Euro dürften allerdings viele Interessenten abschrecken.

Wer kein Gerät mit Hardware-Codec, dafür aber einen hinreichend schnellen Rechner (mindestens 1,5 GHz) mit Video-in sein Eigen nennt, kann DV auch mittels Software-Codec digitalisieren. Allerdings besteht dabei die Gefahr verlorener Bilder (‘Framedrops’) oder auseinander laufender Video- und Tonspuren (Asynchronität).

Es muss aber nicht unbedingt DV sein: Ebenfalls framegenau zu schneiden, aber unter Umständen deutlich Ressourcen- schonender ist beispielsweise Motion-JPEG, dessen Kompressionsrate sich anders als beim DV-Format einstellen lässt (siehe Kasten in c't 14/2002 auf Seite 128).

Beim analogen Capturen leistet die kostenlose AVI-Videobearbeitung VirtualDub für Windows gute Dienste (siehe Soft-Link). Über ‘File, Capture AVI’ gelangt man ins Aufnahme-Modul. Dort wählt man unter ‘Video, Source’ die Videoquelle, also ‘Tuner’ bei Aufnahme über TV-Karte, ‘Camera (SVideo)’ bei Verwendung des (S)Video-in. Im gleichen Menü wählt ‘Format’ die gewünschte Auflösung und Farbtiefe, ‘Compression’ den gewünschten Video-Codec.

DV-Capturing über FireWire unterstützt VirtualDub allerdings nicht. Man ist also auf ein Videoschnittprogramm angewiesen, welches das Video zunächst als DV-AVI abspeichert. Doch kann man VirtualDub dazu bewegen, DV-Video vom Typ 2 (VfW) zu lesen. So lassen sich seine Restaurierungsfunktionen (siehe unten) ohne zusätzliche Konvertierung in ein anderes Videoformat nutzen. Dafür muss jedoch ein VfW-kompatibler DV-Codec vorhanden sein. Mainconcept bietet einen solchen als Demoversion an, die beim Umwandeln in DV ein Wasserzeichen einblendet; beim Einlesen gibt es hingegen keine Einschränkungen (siehe Soft-Link). Zudem kursiert im Internet ein alter, kostenloser Panasonic-DV-Codec.

Die üblichen AVI-Dateigrößenlimits von 2 GByte umschifft VirtualDub durch OpenDML-Unterstützung und Multisegment-AVIs mühelos, sodass die Aufnahmedauer lediglich durch die Festplattengröße begrenzt ist. Wer AVI-Dateien größer als 4 GByte am Stück anlegen will, muss unbedingt NTFS als Dateisystem einsetzen.

Um die CPU nicht unnötig zu strapazieren, blendet man die Videovorschau beim Aufnehmen aus (‘Capture’-Menü ‘Hide on Capture’).

Die Tonspur findet normalerweise über den Line-Eingang der Soundkarte ihren Weg in den PC. Da sich die Verfahren zur Video- und Tonrestauration deutlich voneinander unterscheiden, betrachten wir zunächst nur den Videoteil, den Audiopart beleuchtet der nachfolgende Artikel.

Wie in [1] beschrieben, sollte man den Ton vorzugsweise in PCM mit 16 Bit/44,1 kHz Samplingfrequenz aufzeichnen und unter ‘Capture, Timing, Adjust video clock dynamically to match audio clock’ aktivieren, um Asynchronität zu vermeiden.

Zur Restauration der Tonspur speichert man selbige im Videobearbeitungsmodus als separate Datei ab (‘File, Save WAV’) und übergibt sie an einen Audioeditor. Solange alle Änderungen daran längenneutral durchgeführt werden, lässt sich die Tonspur nach getaner Arbeit problemlos wieder in VirtualDub importieren, ohne dass die Lippensynchronität darunter leidet (‘Audio, WAV Audio’ laden).

Ein streifiges Bild und leiernder Ton bei der Wiedergabe deuten darauf hin, dass der Recorder die Videokassette mit falscher Geschwindigkeit wiedergibt. Beides führt beim Capturen mitunter zu unnötig vielen Framedrops. In diesem Falle sollte man - sofern möglich - das Autotracking des Recorders deaktivieren und die Bandgeschwindigkeit manuell regeln.

Sind während der Aufnahme Framedrops aufgetreten, weicht die Länge der Tonspur mitunter geringfügig von der des Videos ab. Mittels ‘Video, Frame Rate, Change so that video and audio duration match’ gleicht man beide Spuren an.

[1] Dr. Volker Zota, Platzsparer, DivX & Co. als Echtzeit-Videorecorder, c't 23/01, S. 202

[2] VirtualDub-Filter: http://sauron.mordor.net/dgraft/

[3] Telescreen-Varianten: www.hama.de/hama/shop.jsp?sid=t2jace1291

[4] Brähler Glasscreen: www.video-optik.de/glasscreen/

[5] Erfahrungen eines Hobby-Restaurators: http://home.t-online.de/home/andreas.hennek/super8.htm

www.ct.de/0214126

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