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VDSL und IPTV im Vergleich mit TV-Kabelanschlüssen

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Die Telekom hat die Nase vorn: T-Home Complete lässt die Kunden mit VDSL auf der schnellsten Welle surfen, über IPTV volles Programm fernsehen und mit VoIP telefonieren. Doch wie groß fällt der Vorteil gegenüber einem TV-Kabelanschluss aus, der Ähnliches für weniger Geld bietet?

Die Telekom ist arg gebeutelt - so sehr, dass sogar ihre alte Spitze abfiel. Schuld sind die Kunden, die in Scharen davonlaufen; 1,5 Millionen sollen es von Januar bis November gewesen sein. Kein Wunder, schließlich zielt die von der Politik gesteuerte Regulierung darauf ab, dass Mitbewerber Marktanteile gewinnen, die Telekom also welche verliert. Trotzdem hat der Bund die Telekom vor zehn Jahren an die Börse gebracht, wo nur das Wachstum eines Unternehmens zählt, was nun zwangsläufig zu einem Dilemma führt.

Um die Großaktionäre zufrieden zu stellen, benötigt die Telekom dringend wieder einen Wettbewerbsvorsprung, wie einst durch die Einführung von ADSL, die zum Höhenflug der T-Aktie im Jahr 2000 beitrug. Ein Paket aus neuen Produkten mit Alleinstellungsmerkmalen soll diesen Vorsprung sichern: VDSL und IPTV. Damit der Vorsprung möglichst lange hält, fordert die Telekom von der Bundesregierung, dass die „innovative Technologie“ zumindest vorläufig per Gesetz von der Regulierung ausgenommen wird. Die EU-Kommission hat aber angekündigt, eine solche Regelung nicht zu akzeptieren.

So neu ist die Kombination aus Fernsehen und schnellem Internet-Zugang an einem Anschluss gar nicht: Die Kabelnetzbetreiber bieten sie längst an. Nordrhein-Westfalen wird von ish versorgt, Hessen von iesy, Baden-Württemberg von Kabel BW und der Rest der Republik von Kabel Deutschland.

Als die Telekom vor einigen Jahren die TV-Kabelnetze verkaufte, war nicht abzusehen, dass ihr daraus noch einmal ernsthafte Konkurrenz für ihr Kerngeschäft erwachsen könnte. Schließlich hatte man den Verkauf lange herausgezögert und die Technik währenddessen gut abhängen lassen. Zwar gab es ein paar regionale Pilotversuche, in denen Internet über TV-Kabel angeboten wurde, sie konnten den Siegeszug von T-DSL aber nicht aufhalten. Doch die Kabelnetzbetreiber renovieren die Infrastruktur Stück für Stück und erweitern in immer mehr Regionen ihr Angebot um den Internet-Anschluss und VoIP-Telefonie.

Die Telekom hat also schon beim Marktstart der VDSL-Angebote starke Mitbewerber. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass sie denen nun wieder die damals verkauften TV-Kunden abjagen will. Auf die hat es auch der Provider HanseNet mit dem regionalen IPTV-Angebot Alice homeTV in Hamburg und Lübeck abgesehen. Anfang kommenden Jahres soll das Angebot auf Berlin ausgeweitet werden. Wir beschränken uns aber auf den Vergleich der beiden überregionalen Anbie-ter Telekom und Kabel Deutschland.

Überregional sei nicht verwechselt mit flächendeckend. Die VDSL-Infrastruktur, auf der die T-Home Complete Basic und T-Home Complete Plus genannten Pakete aus Internet-Flatrate und IPTV aufsetzen, ist erst in zwölf Städten verfügbar. Auch in diesen Städten gibt es noch Versorgungslücken, sodass jeder Interessent zunächst die Verfügbarkeitsprüfung bemühen sollte [1]. Bis Jahresende will die Telekom die zwölf Städte zu 90 Prozent versorgen und damit etwa sechs Millionen Haushalte erreichen. Der ursprünglich angekündigte Ausbau in 40 weiteren Städten soll aber erst in Angriff genommen werden, wenn die Regulierungsausnahme für das VDSL-Netz beschlossen ist.

Auch Kabel Deutschland baut sein digitales, datenfähiges Netz weiter aus und erreicht damit derzeit über sieben Millionen Haushalte. Auch hier gilt, dass die Ausbaugebiete längst nicht lückenlos versorgt werden; der erste Weg führt also zur Verfügbarkeitsabfrage [2]. Oft liegt der direkte Zugang zum Endkunden in den Händen örtlicher Netzbetreibergesellschaften, die den Internet-Zugang nicht immer mit derselben Begeisterung vermarkten wie Kabel Deutschland.

Die Preise setzen sich bei beiden Konkurrenten aus mehreren Positionen zusammen. Das beginnt mit der Grundgebühr für den Anschluss: Der digitale Kabelanschluss kostet 16,90 Euro im Monat. Der analoge Telefonanschluss ist 95 Cent pro Monat billiger, wer weiterhin ISDN nutzen will, zahlt bei der Telekom allerdings 23,60 Euro im Monat.

Hinzu kommt der DSL-Anschluss. VDSL mit 25 MBit/s in Empfangs- und 5 MBit/s in Senderichtung kostet 34,99 Euro im Monat. Diese Geschwindigkeit ist garantiert; falls die Qualität der Leitung nicht ausreicht, schaltet die Telekom kein VDSL. Bei IPTV teilen sich Internet und Fernsehen die Datenbandbreite, wobei der Router Internet-Zugriffe nötigenfalls bremst, um eine störungsfreie Fernsehübertragung zu gewährleisten. Wer also bei T-Home zwei HDTV-Kanäle gleichzeitig empfängt, hat für Downloads weniger Bandbreite zur Verfügung als mit dem langsameren Internet-Zugang von Kabel Deutschland.

Kabel Deutschland überträgt das TV-Signal und Internet-Daten auf verschiedenen Frequenzbändern, sodass sich die Übertragungen nicht beeinflussen. Der Fernsehempfang ist also unabhängig von der Datenrate, deren Geschwindigkeiten man wählen kann: 2200 kBit/s in Empfangs- und 220 kBit/s in Senderichtung oder eine Variante mit 10 200 und 420 kBit/s. Das erstgenannte Paket kostet 19,90 Euro im Monat, das schnellere 29,90 Euro. Der Internet-Anschluss ist bei Kabel Deutschland also günstiger, aber auch langsamer - besonders in Senderichtung.

Die Preisschere spreizt sich noch weiter zu Ungunsten von T-Home. Denn während der Empfang der freien Sender und die Internet-Flatrate bei Kabel Deutschland in den Grundgebühren enthalten sind, berechnet die Telekom dafür 19,95 Euro im Monat extra. Damit kommt man auf monatliche Kosten von 70,89 für T-Home Complete Basic, während TV-Kabel samt Internet-Zugang je nach Bandbreite zwischen 36,80 und 46,80 Euro kostet.

Die VoIP-Angebote von T-Home und Kabel Deutschland fallen nicht günstig aus. Bei der Telekom erhält der Kunde eine Nummer mit der Vorwahl 032, was etliche Nachteile bringt: Anrufe auf solche Nummern werden oft von Flatrates nicht abgedeckt, sondern als Ferngespräch oder teurer abgerechnet; aus manchen Netzen erreicht man 032-Anschlüsse gar nicht. Dabei ist es dem Anschlussinhaber nicht möglich, bei Anrufen eine Festnetz- oder eine andere VoIP-Nummer zu übertragen, unter der er für Rückrufer preiswerter erreichbar wäre. Mit 2,9 Cent/Minute ins deutsche Festnetz ist das VoIP-Angebot von T-Online ziemlich teuer; für weitere 9,95 Euro im Monat gibt es eine Flatrate. Über den Telefonanschluss, dessen Grundgebühr man sowieso bezahlen muss, kostet die Gesprächsminute ins deutsche Festnetz zwischen 1,5 und 4,9 Cent. Mit Sparvorwahlen lässt sich hier noch einiges sparen.

Im Netz von Kabel Deutschland kann man nur über VoIP telefonieren, erhält dazu aber Ortsnetzrufnummern. Anrufe ins deutsche Festnetz deckt die Flatrate ab. Deren Grundgebühr ist allerdings recht happig: Die Phone Flat 24 kostet 25,90 Euro, im Paket mit dem Internet-Zugang bekommt man sie für 20 Euro Aufpreis.

Andere VoIP-Angebote sind für Kunden beider Anbieter günstiger. Bei Kabel Deutschland benötigt man dafür einen VoIP-Router, den es ab etwa 60 Euro gibt, bei T-Home genügt die mitgelieferte Hardware. Attraktiv ist beispielsweise die VoIP-Flatrate von GMX für knapp zehn Euro im Monat. Sie erlaubt sowohl die Nutzung vierer vorhandener Ortsnetzrufnummern als auch die Zuweisung von vier neuen, die sich nach Angaben von GMX bei Vertragsende zu einem anderen Anbieter mitnehmen lassen. Günstiger ist das Angebot von Sipgate, die VoIP-Flatrate kostet dort nur 8,90 Euro und umfasst die Festnetze von 14 europäischen Ländern. Dazu gibt es allerdings nur eine Festnetz-Rufnummer, die sich bei gehenden Anrufen unterdrücken lässt.

Eine kurze Betrachtung verdienen noch die einmaligen Kosten und die Vertragslaufzeiten: Die Telekom berechnet für die Einrichtung von VDSL und die Zusendung der Hardware rund 110 Euro. Die Mindestvertragslaufzeit ist mit 12 Monaten nach heutigen Maßstäben eher kurz. Kabel Deutschland bindet seine Kunden für 24 Monate. Dafür kostet die Einrichtung samt Porto nur 56 Euro.

Die bis hierher beschriebenen Pakete enthalten nur die frei empfangbaren deutschen Sender. Wer mehr möchte, muss zuzahlen. Für rund 10 Euro Aufpreis im Monat gibt es bei beiden Anbietern ein Pay-TV-Paket mit recht ähnlichem Inhalt, das unter anderem für Freunde werbefreier Spielfilme interessant ist. Die Option heißt bei Kabel Deutschland Kabel Digital Home, bei T-Home Complete bucht man statt des Basic- das Plus-Paket. Darüber hinaus kann man dann noch viel Geld ausgeben: Für rund 3 bis 25 Euro im Monat lassen sich verschiedene nach Sprache sortierte Pakete mit ausländischen Sendern abonnieren. Und Premiere-Abos belasten das Budget um weitere 10 bis 50 Euro im Monat.

T-Home Complete Plus bringt außer dem Pay-TV-Paket noch einen weiteren Vorteil: Fußball. Zwei Live-Begegnungen pro Woche sind inklusive, alle zu sehen kostet 9,95 Euro im Monat Aufpreis. Wer den bezahlt, hat auch kostenlosen Zugriff auf alle Begegnungen im Archiv. Ohne Fußball-Abo kostet das 3,95 Euro pro Spiel im PAL-Format und 4,95 Euro für jedes im HDTV-Format. In jeder T-Home-Variante erhält man etwa 60 Minuten nach Abpfiff von jedem Spiel der 1. und 2. Bundeliga eine Zusammenfassung. Nur bei T-Home bekommt man bis zu drei Begegnungen pro Woche im HDTV-Format zu sehen. Das bleibt Kabel-Kunden bislang verwehrt, auch wenn sie die 14,90 Euro pro Monat für das Bundesliga-Abo bei Arena bezahlen.

Eine weitere Besonderheit von T-Home Complete ist das TV-Archiv. Dort stehen nicht nur Fußballspiele zum Abruf bereit, sondern auch Mitschnitte anderer TV-Sender, die man gebucht hat. Der Füllstand des Archivs ist vom jeweiligen Sender abhängig. Zwar gibt es noch Anlaufschwierigkeiten beim Abruf, es ist aber eine Besserung zu beobachten. Das Angebot muss sich offenbar noch einspielen.

Die notwendige Hardware, um Internet und Fernsehen nutzen zu können, bekommt man vom Anbieter geliefert. Die Telekom berechnet dafür 100 Euro. Angesichts der moderaten Vertragslaufzeit ist das fast schon ein Schnäppchen. Schließlich erhält man dafür nicht nur die zur Nutzung des VDSL-Anschlusses notwendige Hardware inklusive eines WLAN-fähigen Routers, sondern auch einen HD-fähigen IPTV-Receiver mit Festplatte, der zwar nicht alle Premiere-Programme aufzeichnet, sehr wohl aber freie Sender im PAL-Format und den HDTV-Sender Discovery HD. Außerdem beherrscht das Gerät Timeshifting.

Bei Kabel Deutschland gibt es standardmäßig nur einen einfachen DVB-C-Receiver ohne Festplatte dazu. Er ist mit den 56 Euro Bereitstellungsgebühr für den Anschluss bezahlt; Altkunden, die auf digitalen Empfang umstellen, können ihn für zwei Euro im Monat Aufpreis mieten. Premiere bietet seinen Kunden einen Receiver mit Festplatte wie den Humax iPDR-9800 (160 GByte) für 9,99 Euro im Monat zur Miete oder einmalig 250 Euro zum Kauf an. Der HDTV-fähige, aber festplattenlose DVB-C-Receiver Humax PR-HD1000C kostet ebenfalls rund 250 Euro. Auf die Kombination, also HDTV-fähiger Receiver mit Festplatte, müssen Kabel-Kunden voraussichtlich noch bis zum ersten Quartal 2007 warten.

Wer sich für IPTV aus der Telefonsteckdose entscheidet, muss die Strecke zwischen Router und Receiver mit einer schnellen Netzverbindung überbrücken. Häufig ist diese Strecke lang, und das dicke, steife Ethernet-Kabel lässt sich nur schwer unauffällig verlegen. Eine Alternative, die der im Paket enthaltene Router Speedport W 700V unterstützt, wäre WLAN. Auf der Seite des Receivers benötigt man eine WLAN-Bridge oder einen Access-Point, der als Bridge arbeitet. Beides ist ab etwa 70 Euro zu haben.

In unserem Test erreichte der Speedport W 700V auf Entfernungen bis etwa 10 Metern per WLAN die Datenrate von 25 MBit/s, die eine problemlose Übertragung von zwei HDTV-Programmen sicherstellt. In der Praxis erreichten wir aber keine störungsfreie Übertragung des TV-Signals per WLAN - auch nicht im selben Raum. Ähnliches dürfte für lokale Vernetzung über das Stromnetz mit Techniken wie Powerline [3] gelten. Daher sollte man sich bei der Anschaffung solcher Geräte ein Rückgaberecht einräumen lassen, falls sie sich für die Verbindung von Router und Receiver als ungeeignet erweisen.

Eine interessante Alternative bietet die Telekom mit dem Speedport OptoLAN Pack für 170 Euro [4], das aus zwei Fast Ethernet Media Convertern besteht, von denen einer per Ethernet-Kabel mit dem Receiver und einer mit dem Router verbunden wird. Zwischen den Media Convertern verlegt man eine dünne Leitung mit zwei optischen Polymerfasern von je 1,5 mm Durchmesser, die mit dem mitgelieferten Cutter aus einem 30 m langen Stück selbst konfektioniert wird. Sie lässt sich problemlos etwa hinter einer gewöhnlichen Fußleiste verstecken, wobei man allerdings keine zu engen Knickradien legen darf.

Bei Kabel Deutschland kostet der ganze Spaß rund 24 Euro im Monat weniger als bei der Telekom - sofern man dann auch den Telefonanschluss kündigt. Das fällt aber immer mehr Kunden leicht, zumal die meistens auch noch ein Handy besitzen. Noch deutlicher ist der Preisvorteil, wenn der Vermieter die Grundgebühr für den Kabelanschluss über die Nebenkosten einzieht. Internet-Nutzer, die alle Spiele ihrer bevorzugten Bundesligamannschaft live sehen wollen, benötigen entweder T-Home Complete Plus für rund 80 Euro im Monat, oder einen Kabelanschluss mit Arena-Abo für 62 Euro.

Die Telekom bietet aber auch deutlich mehr: VDSL erlaubt einen schnelleren Internet-Zugang, solange parallel nicht mehr als ein Programm im HDTV- oder zwei im PAL-Format empfangen werden. Vor allem die hohe Upload-Geschwindigkeit ist ein Segen, wenn man häufig größere Datenmengen sendet, etwa an einen Belichtungsservice für Digitalfotos. Wie sich das in der Praxis anfühlt und wie man aus VDSL die maximale Geschwindigkeit herausholt, lesen Sie ab Seite 188.

T-Home-Kunden erhalten außerdem einen HDTV-Receiver mit Festplatte, den es zum Kabelanschluss noch nicht einmal für viel Geld gibt. Alleinstellungsmerkmale von T-Home sind die Möglichkeit, Bundesliga-Spiel live im HDTV-Format zu verfolgen, und das TV-Archiv, aus dem man verpasste Sendungen abrufen kann. Über unsere Erfahrungen mit IPTV und dem T-Home-Receiver berichtet der Artikel ab Seite 182 der Printausgabe. (ad)

[1] VDSL-Verfügbarkeitscheck

[2] Verfügbarkeitscheck von Kabel Deutschland

[3] Ernst Ahlers, Medienwahl, Strom- und Funknetze lösen das LAN-Kabel ab, c't 18/06, S. 102

[4] www.t-online-shop.de/tonline/urwfilter/product/do/action/getProductDetail/product/24149

"Bandbreite satt"
Artikel zum Thema "Bandbreite satt" finden Sie in der c't 25/2006:
VDSL und IPTV im Vergleich mit TV-Kabel S. 178
T-Onlines Breitband-Fernsehen unter der Lupe S. 182
Tuning-Tipps für Surfen, IPTV und VoIP S. 188

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