Volles Rohr

T-ADSL in der Praxis

Test & Kaufberatung | Kaufberatung

‘Deutschland geht T-Online’ - und mit T-DSL soll es nicht mehr schlendern, sondern spurten. Im Rennen um schnelle Internetzugänge für Privatanwender liegt die Telekom dank ihres neuen Breitbandangebotes um einige Längen vor dem Feld. Doch für wen lohnt sich T-DSL wirklich?

Aufmacher

Mit großem Aufwand zelebrierte die Telekom am 22. Juli den Start von T-DSL. Eine Videoübertragung der Rede des Vorstandsmitgliedes Josef Brauner aus Köln zu den gleichzeitigen Pressekonferenzen in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und München demonstrierte die Leistungsfähigkeit des neuen Mediums. In diesen sechs Städten sowie in Düsseldorf und Bonn sollen Telekom-Kunden nun in den Genuss des Internet-Geschwindigkeitsrausches kommen, wenn sie ihre Telefonleitung mittels T-DSL aufbohren lassen. Noch in diesem Jahr will die Telekom ihr Angebot auf 40 weitere Städte in Deutschland ausdehnen, im Verlauf des Jahres 2000 schrittweise auf weitere 194. Im Internet kann man schon jetzt erkunden, ob der eigene Wohnort zu einer dieser Ausbaustufen gehört [1].

T-DSL-Angebot
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Die Telekom dehnt ihr T-DSL-Angebot stufenweise auf ganz Deutschland aus. In der zweiten Phase sollen auch Köln-Porz, Hürth und Frechen versorgt werden.

T-DSL ist der Marketingname für die Variante der ADSL-Technik, die die Telekom verkaufen will (siehe Kasten ‘DSL, die Schnelle Leitung’). Auf der Basis dieser Datenübertragungstechnik bietet der rosa Riese zunächst drei Zugangsvarianten an: T-ISDN dsl heißt das Paket aus einem ISDN-Anschluss und einer Datenleitung mit einer Bandbreite von 768 kBit/s zum Kunden (downstream) und 128 kBit/s in Gegenrichtung (upstream). T-Interconnect Classic T-DSL soll den Geschäftskunden Standleitungen mit 1,5 MBit/s bis 6 MBit/s upstream und 160 kBit/s bis 576 kBit/s downstream schmackhaft machen. Während diese beiden Varianten nur zum Anschluss ans Internet dienen, verbindet T-ATM über T-ADSL den Kunden direkt mit dem ATM-Netz. Die Übertragungsraten liegen in demselben Bereich wie bei T-Interconnect.

Noch in diesem Jahr will die Telekom diese Palette um ein weiteres Produkt ergänzen: Mit T-Intraconnect baut sie für Firmen ein schnelles Intranet, das Niederlassungen oder Heimarbeiter über T-DSL einbindet. Applikations- und Multimedia-Server sollen ihren Platz am Backbone der Telekom finden und von allen Außenstellen schnell zu erreichen sein.

Wie bei Standleitungen üblich, rechnet die Telekom einen T-Interconnect-Anschluss nach der übertragenen Datenmenge ab. Die einmalige Anschlussgebühr des Volumentarifs beträgt zwischen 2000 und 8900 Mark netto für maximale Übertragungsraten zwischen anderthalb und sechs Megabit pro Sekunde. Die werden allerdings bei Vertragsabschluss bis zum 31. Dezember dieses Jahres über die Telefonrechnung erstattet. Der monatliche Volumenpreis richtet sich einerseits nach der durchschnittlichen Übertragungsrate, die in 17 Stufen gestaffelt ist, andererseits nach der gewählten Höchstgeschwindigkeit (4 Anschlussvarianten). Wer durchschnittlich unter 8 kBit/s überträgt (2,4 GByte pro Monat) und mit maximal 1,5 Megabit pro Sekunde auskommt, zahlt 790 Mark netto monatlich. Wer hingegen knapp 309 GigaBytes pro Monat durch die Leitung jagt und das mit zeitweise 6 MBit/s tun will, den kostet der Spaß 36 290 Mark netto monatlich. Diese Tarife sind jedenfalls realistisch, brauchbar und marktüblich.

Ganz anders bei T-ISDN dsl: Hier berechnet die Telekom die Gebühren nach der Online-Zeit. Monatlich werden 98 Mark fällig, also etwa 50 Mark mehr als ohne T-DSL. Darin ist allerdings noch keine Minute Surfen enthalten. Zeitkontingente gibt es für 99 Mark und 149 Mark unter der Bezeichnung ‘T-Online Speed 50’ mit 50 Stunden respektive ‘T-Online Speed 100’ mit 100 Stunden. Der Haken an der Sache: Nicht genutzte Stunden verfallen am Monatsende. ‘Mischkalkulation’ nennen Ron Sommers Marketingexperten dieses Modell; ‘Fragwürdiges Zwangsmodell’ (siehe c't 16/99, Seite 24) ist wohl eher zutreffend. Eric Danke, Vorstand von T-Online sagt dazu: ‘Surfen mit T-DSL ist wie Porsche-Fahren auf der leeren Autobahn. Und für einen Porsche zahlen Sie ja auch Steuer und Versicherung, wenn Sie ihn nicht fahren.’

Für jede Online-Minute, die über das Grundkontingent hinausgehen, werden übrigens die T-Online-üblichen 6 Pfennig fällig. Wer seine T-DSL-Verbindung nur bei Bedarf aufbaut, um mit den Online-Minuten sparsam umzugehen, hängt am zweiten Haken des Privatkundentarifs: Kurze Netzbesuche bestraft T-Online mit 6 Pfennig pro Verbindungsaufbau, fürstundenlanges Surfen kostet der Verbindungsaufbau allein auch nicht mehr.

Wer schon ISDN hat, zahlt für die T-DSL-Installation 229 Mark, Analogkunden 299 Mark einmalig. Monteurstunden für Hausverkabelung und Änderungen am PC selbst werden nach Aufwand berechnet und können auf Wunsch von der Telekom, aber auch von anderen Anbietern durchgeführt werden wie beim gewöhnlichen ISDN-Anschluss. Lediglich die Montage des Modems und des ADSL/ISDN-Splitters sind im Bereitstellungspreis enthalten, allerdings nur bis zum 31. Dezember 1999.

Mit ‘T-ISDN dsl’ und ‘T-Online Speed 100’ kann man theoretisch rund 34 Gigabytes Daten pro Monat für gerade einmal 200 Mark Zuschlag zur Telefonrechnung aus dem Netz holen. Solche Datenmengen überfordern die Festplatten der meisten Privatanwender. Dennoch dürfte es Profis und Firmen interessieren, wo man derart viel Bandbreite zu solchen Preisen einkaufen kann. Im Hause Telekom selbst jedenfalls nicht: ‘T-Interconnect dsl’ verlangt dafür laut aktueller Preisliste vom 1. Juli 1999 zwischen 2890 Mark und 7490 Mark - zuzüglich Mehrwertsteuer.

Die Installation von T-ISDN dsl geht schnell vonstatten. Zunächst fällt für einige Minuten der ISDN-Anschluss aus, während in der Vermittlungsstelle die Leitung auf den Splitter umgeschaltet wird. Kurz darauf bringt ein Techniker (in unserem Falle drei) den kundenseitigen Splitter und das ADSL-Modem. Bei unserer Testinstallation in Bonn stammte beides von der israelischen Firma Orckit.

Die erste Überraschung bereitete der Splitter, der die ADSL-Signale nicht nur von denen des ISDN trennt, sondern auch an einem analogen Anschluss arbeiten kann. Zum Umschalten zwischen den beiden Betriebsarten dient ein kleiner Schalter im Innern. Die Telekom hält sich mit dieser doppelten Technik die Möglichkeit offen, später ADSL auch für analoge Telefonanschlüsse anzubieten. Zur Zeit tut sie das nicht - man will sich schließlich nicht das ISDN-Geschäft vermiesen. Für den analogen Anschluss bringt der Splitter bereits eine TAE-NFN-Dose mit. Zusätzlich liegt eine Art Modemkabel mit einem TAE- und einem Western-Stecker bei, mit dem der Splitter bei einem analogen Telefonanschluss ohne Kabelarbeiten einfach an die bereits vorhandene Dose gesteckt wird.

Bei einer ISDN-Installation verbindet ein vieradriges Kabel über zwei seiner Drähte den Splitter mit der Amtsleitung, die anderen beiden Drähte führen die ISDN-Signale zum ISDN-NTBA. Bei unserer Installation verwendeten die Telekom-Techniker ein rund zwei Meter langes Kabel, boten uns aber auch ein längeres an. Da einige Meter Kabel innerhalb der Wohnung im Vergleich zu durchschnittlich zwei Kilometern bis zur nächsten Vermittlungsstelle nicht ins Gewicht fallen, kann man den Splitter installieren, wo man möchte. Für die Verbindung zwischen Splitter und ADSL-Modem sorgt ein zweiadriges Kabel mit zwei normalen RJ45-Steckern. Erfreulicherweise kommt der Splitter ohne Versorgungsspannung aus, sodass man auch bei Stromausfall telefonieren kann.

Die Telekom stellt jetzt schon eine Installationsanleitung ins Internet. T-DSL-Kunden können sich ihre beiden Endgeräte bald im T-Punkt abholen und selbst installieren. Bei der geringen Bandbreite des T-ISDN dsl kann das sonst bei ADSL erforderliche Einmessen der Leitung entfallen.

Das Gehäuse des ADSL-Modems hat große, an Fischkiemen erinnernde Lüftungsschlitze. Dennoch wird es recht warm. Nach Auskunft eines Telekom-Technikers scheiterte die Integration von Splitter und Modem in einem Gerät an der zu großen Wärmeentwicklung des Modems.

Außer der Buchse für die Verbindung zum Splitter bietet das Modem Anschlüsse für ATM und Ethernet. Privatkunden können nur letzteren benutzen und sollen dazu von der Telekom ein spezielles RJ45-Kabel erhalten. Das ist notwendig, weil nur vier Kontakte der Ethernet-Buchse normal beschaltet sind; über die anderen konfiguriert die Telekom das Modem mit Hilfe eines speziellen Kabels und einer modifizierten Ethernet-Karte. Durch den Einsatz eines handelsüblichen, voll durchkontaktierten 10BaseT-Kabels kann man das Modem nach Auskunft eines Telekom-Technikers unbeabsichtigt vollkommen umkonfigurieren - was uns im Test dann auch prompt passierte.

Der POTS-Splitter heißt bei der Telekom ‘Breitbandanschlusseinheit’ (BBAE), das ADSL-Modem ‘Netzwerkterminationspunk Breitbandangebot’ (NTBBA). Was nach drolligem Behördendeutsch klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Am NTBBA endet, wie am NTBA im ISDN, die technische Zuständigkeit der Telekom. Per Ethernet- oder ATM-Kabel darf der Kunde anschließen, was er will. Der NTB(B)A steht aber unter der Kontrolle der Telekom, die damit allerdings auch für seine Funktion verantwortlich ist. Bei der Fehlersuche wird das Gerät die Techniker wahrscheinlich oft vor ungewohnte Probleme stellen, denn anders als ein ISDN-NTBA braucht das ADSL-Modem ständig vier verschiedene Versorgungsspannungen. Die verschafft ihm ein klobiges Steckernetzteil.

Im Innern des ADSL-Modems werkelt auf der Hauptplatine der weit verbreitete Embedded-Controller 80186 in der Ausführung von AMD. Eine kleinere Huckepack-Platine enthält das Interface zum Splitter, eine größere die ATM- und Ethernet-Logik. Diese Schaltung besorgt auch die Übersetzung zwischen den ATM-Paketen, die über die ADSL-Leitung gehen und den Ethernet-Frames, die dem PC zur Verfügung stehen.

Obwohl ADSL eine Standleitungstechnik ist, rechnet die Telekom beim Privatkundenzugang nach einem Zeittarif ab. Dazu leistet sie sich eine geradezu abenteuerliche technische Verrenkung: PPTP-over-PPP-over-Ethernet. Die Software auf dem PC des T-DSL-Kunden verpackt die Nutzdaten in PPP-Pakete und diese in Ethernet-Frames, die sie an das ADSL-Modem schickt. Dieses steckt sie in ATM-Pakete, die es über die ADSL-Strecke und das ATM-Backbone der Telekom an einen speziellen T-Online-Host sendet. Der entfernt die mehrfache Verpackung und behandelt die PPP-Pakete wie die eines Modems. In dieser PPP-over-Ethernet-Verbindung betreibt T-Online dann mit Hilfe des PPP-Tunneling-Protokolls (PPTP) ein Virtuelles Privates Netzwerk (VPN).

Indem sie so auf die etablierte Zeiterfassung von T-Online zurückgreift, spart sich die Telekom ein eigenes Abrechnungssystem für die T-DSL-Zugänge. Weil alle die zusätzlichen Protokoll-Bytes Bandbreite verschlucken, betreibt die Telekom die ADSL-Verbindung mit tatsächlichen Datenraten von 896 kBit/s downstream und 160 kBit/s upstream. Damit will sie sicherstellen, dass dem Kunden immer eine Netto-Geschwindigkeit von 768/128 kBit/s zur Verfügung steht.

Für den Anwender hat das PPP-over-Ethernet-Verfahren jedoch einige Nachteile. Zunächst ist da die mangelnde Betriebssystemunterstützung: Einen Client gibt es derzeit nur von der Firma iVasion und nur für Windows. Dieser WinPoET genannte Treiber findet sich auf der CD-ROM, die die Kunden zusammen mit der Auftragsbestätigung zugesandt bekommen. Unter Windows 95/98 läuft die Installation per CD-Autostart weitgehend problemlos mit nur zwei Reboots. Der Installer ist intelligent genug programmiert, um zu erkennen, ob das erforderliche PPTP vorhanden ist und den Anwender bei dessen Installation anzuleiten. NT-Anwender müssen einige Handarbeit leisten und, wie üblich, anschließend die Service Packs neu einspielen. Als Hardware-Anforderung nennen iVasion und Telekom übereinstimmend nur eine Ethernet-Karte. Die Telekom schränkt immerhin ein: ‘Wenn überhaupt, sind nur geringe Investitionen für eine technische Aufrüstung des PC (zum Beispiel mehr RAM-Speicher) erforderlich.’

Weil bisher kein Betriebssystem außer Windows diese Form von PPP-over-Ethernet unterstützt, gibt es derzeit keinen Weg, mehrere Rechner mit Hilfe von Standardkomponenten ins Netz zu bringen. Dafür gibt es derzeit nur zwei Verfahren: Ein Windows-Rechner kann als Router fungieren. Da in diesem Falle das ganze lokale Netzwerk nach außen nur die eine über PPP zugewiesene IP-Adresse hat, muss der Router die lokalen IP-Adressen darauf umsetzen und alle Verbindungen überwachen, um die Datenströme an den richtigen Rechner zu adressieren (Network Address Translation, NAT). Die Firma iVasion bietet zum WinPoET auch das Programm WinNAT an, das genau diese Umsetzung leistet. Eine kostenlose Probeversion steht auf www.ivasion.com zum Download bereit. Das Verfahren setzt jedoch voraus, dass der Windows-PC, der als Router fungiert, rund um die Uhr störungsfrei läuft - die Wahrscheinlichkeit kann jeder auf Grund seiner eigenen Windows-Erfahrungen abschätzen.

Das PPP-over-Ethernet-Protokoll selbst bietet den zweiten Ausweg: Mehrere PCs, die mit dem ADSL-Modem über einen Hub verbunden sind, können sich die Ethernet-Übertragung teilen und jeweils einzeln über PPP beim Host anmelden. Weil T-Online nur einen gleichzeitigen Login unter einer Benutzerkennung erlaubt, muss jeder Client eine andere T-Online-Kennung benutzen, zum Beispiel mehrere Mitbenutzernummern eines Account. Diese Methode ist derzeit jedoch reine Theorie: Selbst den Telekom-Technikern war sie bis zu unserer Nachfrage offenbar unbekannt, und ausprobieren konnten wir sie mangels dauerhafter ADSL-Verbindung auch nicht.

Die Einwahl funktionierte zunächst nur mit der mitgelieferten, modifizierten Version des T-Online-Decoders 2.51. Mit dem auf die bekannte Weise konstruierten T-Online-Usernamen (Anschlusskennung, T-Online-Nummer, ‘#’ und Mitbenutzernummer) gelang dem WinPoET-Dialer keine Anwahl. Erst nach drei Tagen Herumfragens wusste ein Techniker Rat: Für den T-DSL-Zugang muss man diesen Benutzernamen noch um ‘@t-online. de’ ergänzen. Mit dieser Vorgabe funktionierte dann sogar der automatische Verbindungsaufbau von WinNAT. Die Internet-Parameter sehen dann aus wie bei jeder T-Online-Sitzung: IP-Adresse, Gateways und Domain Name Server werden automatisch zugewiesen.

Der Verbindungsaufbau geht zu schnell für eine Messung mit der Stoppuhr. Subjektiv unterscheidet sich das nicht von einer ISDN-Karte unter Windows. Mit der Software der Telekom fehlt dem Kunden jede Kontrolle über seine Online-Zeit, denn WinPoET zeigt sie, anders als das DFÜ-Netzwerk, nicht an. Das ADSL-Modem kann prinzipbedingt nicht einmal anzeigen, ob gerade eine PPP-Verbindung besteht.

Die technischen Krücken, auf denen T-ISDN dsl humpelt, sind beim T-Interconnect-Anschluss unnötig, denn im volumenorientierten Abrechnungsmodell protokolliert ein Router bei der Telekom die durchrauschenden IP-Pakete und summiert deren Größe. In puncto Netzwerkkonfiguration gelten also die bei Standleitung üblichen Rahmenbedingungen: Der Kunde erhält eine oder mehrere feste Internet-Adressen und bekommt den gesamten Internet-Verkehr für diese Adressen über die ADSL-Leitung ins Haus. Dort können handelsübliche Netzwerkkomponenten die Daten nach Bedarf an Computer verteilen, auf denen jedes IP-fähige Betriebssystem laufen darf.

Bereits vor einem Jahr haben wir im Rahmen des ADSL-Pilotprojektes Nordrhein-Westfalen die Geschwindigkeit gemessen [#lit2 [2]]. Mangels PPP-over-Ethernet-Unterstützung arbeitete unser auf Linux aufbauendes Mess-System dieses Mal nicht nach dem Plug&Measure-Prinzip. Es galt zunächst einen Windows-Rechner mit der Zugangssoftware auszustatten und mittels WinNAT als Router zu konfigurieren. Da zu Beginn der Messungen die Anwahl nicht automatisch, sondern nur über den T-Online-Decoder funktionierte, war unser Test auf eine ständig geöffnete Verbindung angewiesen.

Wie bei unseren Provider-Tests sollte der Linux-Rechner eine Liste von HTTP-Downloads abarbeiten und dabei die Übertragungsraten protokollieren. Der ADSL-Test verwendet dafür drei Dateien von 100 KBytes, 1 MByte und 4 MBytes Größe, die sich auf jedem tucows-Mirror der Welt finden [3]. Als der Mess-Client zwei Durchgänge durch die URL-Liste erledigt hatte, beendete der Breitband-POP die Verbindung, da für eine Viertelstunde keine Daten darüber gegangen waren. Danach gelang bis zum Redaktionsschluss kein Verbindungsaufbau mehr. Zahlreiche Telekom-Techniker aus verschiedenen Dienststellen bemühten sich redlich, unserer ADSL-Leitung wieder auf die Beine zu helfen, schließlich handelte es sich um den ersten verkauften Anschluss im Rheinland, und somit um ein Prestige-Objekt.

Doch so eifrig sich die Techniker bemühten, so wenig waren sie auf die Fehlerbehebung vorbereitet worden. Bei der CD-ROM mit der Zugangssoftware, die uns per Post zugegangen war, handelte es sich offenbar ebenfalls um die Erste im Rheinland. Denn weder die Techniker, die unseren Anschluss installierten, noch die für den technischen Support zuständige Abteilung hatten diese Version der Software zuvor zu Gesicht bekommen. Auch das Leitungs-Management-System, das eine Überwachung jeder ADSL-Leitung per Fernwartung ermöglichen soll, stand zu Beginn des T-DSL-Verkaufs zumindest in Bonn noch nicht. Hinter vorgehaltener Hand hörte man, die Markteinführung sei mit der heißen Nadel gestrickt worden. Den Support-Technikern sei kaum Zeit und Material gegeben worden, um sich vom Pilotprojekt auf den technisch deutlich anderen Regelbetrieb umzustellen. Auch eine Rückfrage bei der Regulierungsbehörde ergab eine Hinweis auf große Hektik: Das Genehmigungsverfahren für die Nutzung der ADSL-Frequenzen sei zwar im Wesentlichen beendet, der Verwaltungsakt, der der Telekom die Nutzung endgültig erlaubt, jedoch noch nicht vollzogen.

Max. Übertragungseinheiten
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Ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit: Maximale Übertragungsraten in KBytes/s aus den beiden gelungenen Messdurchgängen.

Wegen der Pannenserie während der Messung können deren Ergebnisse keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben. Auch die Mittelwertbildung aus zwei Werten hat keinen Sinn. In der Grafik auf dieser Seite sind daher nur die maximalen Übertragungsraten der wenigen gelungenen Versuche aufgetragen. Die Downloads der 100-KByte-Datei gehen so schnell, dass schon die geringste Verzögerung die Übertragungsrate in den Keller zieht. Die Messwerte zeigen immerhin, dass die T-DSL-Leitung dem Benutzer die vollen 768 kBit/s zur Verfügung stellt. Auch der Backbone der Telekom ist schnell genug, um die Daten mit mindestens dieser Rate heranzuschaffen. Ob die Kapazität auch ausreicht, wenn demnächst Tausende von T-DSL-Kunden gleichzeitig ‘Online gehen’, bleibt abzuwarten.

Die Bewertung des Zeittarifs beim Privatkundenangebot T-ISDN dsl fällt schwer. Grundsätzlich kann sich ein solches Zwangskontingent an Online-Stunden nur lohnen, wenn es möglichst genau der monatlichen Nutzung entspricht - entweder der typischen Online-Zeit oder dem zu erwartenden Download-Volumen.

Trotz der immensen Datenmengen, die man sich jeden Monat auf den Rechner schaufeln könnte, ist das Angebot für ‘Sauger’ uninteressant. Bis zu einem monatlichen Datenvolumen von über 1,5 Gigabytes ist der Download über einen günstigen Internet-by-Call-Anbieter und ISDN billiger. Das dauert bei Kanalbündelung zwar rund sechs mal länger, doch selbst wenn man sich aus Freude am schnellen Download jegliche Spiele-Demo und jegliches Release sämtlicher Internet-Browser aus dem Netz holt, braucht man ja auch noch Zeit zur Installation und zum Ausprobieren.

Kosten/Leistung
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Max. Übertragungseinheiten
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Wer seine Freistunden ausnutzt, surft mit T-ISDN dsl nur wenig teurer als mit einem ISDN-Anschluss - aber viel schneller.

1,5 Gigabyte Download pro Monat kosten den Privatkunden über ISDN weniger als über T-DSL.

Die Entscheidung für oder gegen T-DSL muss also eher auf der Basis der regelmäßigen monatlichen Online-Zeit fallen. Wer sich Monat für Monat 50 Stunden oder mehr im Internet tummelt, zahlt mit ‘T-Online Speed 50’ kaum mehr als für einen T-Online-Zugang übers ISDN; ab rund 70 Stunden ist ‘T-Online Speed 100’ sogar deutlich billiger. Mit einem günstigen Internet-by-Call-Angebot kann es sich ab ungefähr 90 Stunden messen. Dabei bietet T-DSL eine neun- bis zehnmal höhere Datenrate. Und damit ändert sich auch das Online-Verhalten: Die Zeit, die man per Modem im Netz verbringt, ist zum überwiegenden Teil Wartezeit. Insbesondere ist sie länger als die Zeit, die man mit einem ADSL-Zugang braucht, um an dieselben Informationen zu kommen.

Ob die größere Bandbreite Geld wert ist, hängt von den Anwendungen ab. Für ruckelfreie Videoübertragungen im PAL-Format reichen 768 kBit/s nicht aus, doch mit der gegenüber ISDN verzehnfachten Bandbreite kann man eine Internet-Übertragung in einem zehnmal so großen Fenster anschauen. Ein live-Video aus Wimbledon würde einfach mehr Spaß machen, wenn man den Ball nicht mit der Lupe suchen müsste. Doch Internet-Angebote, die den breitbandigen Zugang beispielsweise durch Videos in besserer Qualität ausnutzen würden, sind derzeit noch rar.

Für andere multimediale Dienste wie Internet-Telefonie, Videokonferenzen, Online-Spiele, MP3- oder Real-Sound-Übertragungen reicht die ISDN-Bandbreite derzeit schon aus. Nur kann der Anwender mit T-DSL mehrere davon gleichzeitig nutzen, also beispielsweise seinem liebsten Internet-Radiosender lauschen, während er in aufwändig gestalteten Web-Seiten recherchiert, und gleichzeitig im Augenwinkel verfolgen, wie Erik Zabel einmal wieder eine Tour-de-France-Etappe nicht gewinnt.

Für Berufs-Surfer, die viel Zeit mit Web-Recherchen verbringen, wie freie Journalisten, Online-Designer oder EDV-Berater kann sich ein Anschluss über T-ISDN dsl rechnen, sogar trotz der im Urlaub weiter zu zahlenden Grundkosten. Einzelpersonen, die sich nach der Arbeit an die heimische Surfstation setzen, werden den Geschwindigkeitsgewinn zu schätzen lernen. Doch 50 Online-Stunden pro Monat liegen erheblich über dem Durchschnitt. Für kleine Gruppen von Nutzern, die sich die Bandbreite teilen, ist das Angebot dagegen wieder interessant. Eine kleine Firma oder eine Technophilen-Wohngemeinschaft erreichen auch ohne pathologisches Online-Verhalten die Online-Stundenzahl, bei der sich T-DSL lohnt - und der Streit um ständig von den Surfern belegte ISDN-Leitungen hört auch auf. (je)

[1] T-DSL-Anmeldung

[2] Peter Siering, Nachgemessen, HDSL, ADSL, Satellit und Kabelmodem im Vergleich, c't 16/98, S. 70

[3] Tucows Softwarearchiv

[4] Johannes Endres, Spontanreisen, Internet-Zugänge ohne Grundgebühr, c't 14/99, S. 104

[5] ADSL-Projekt der GWDG

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März 1995

Selten elektrisieren mich Zeilen eines Buches derart wie diese: ‘Wenigen ist heute klar, wie gut Telefonleitungen aus Kupfer wirklich sind. Mit einer Technik namens ADSL (asymmetrical digital subscriber loop) lassen sich auf ihnen zwischen 1,544 und 6 Millionen Bits pro Sekunde transportieren. Selbst mit der langsamsten Variante, ADSL-1, ist eine Übertragung von Video in VHS-Qualität möglich.’ (Seite 27, Nicholas Negroponte ‘Being Digital’, Alfred A. Knopf, New York im Frühjahr 1995, ISBN 0-679-43919-6)

Sommer 1995

Ich will ADSL, aber bei der Telekom weiß man über die Technik noch nichts.

Weihnachten 1995

Zufällig höre ich von einem Bekannten, dass die Telekom in Nürnberg ADSL ausprobiert. Warum nicht in Bonn? Wenigstens verkaufe ich einen Radiobeitrag zum Thema an den Deutschlandfunk, der aber ein halbes Jahr braucht, um gesendet zu werden. Kommentar des Redakteurs: ‘Wir berichten über solche Sachen immer erst, wenn es alle tun’. Innovationen sind in Deutschland immer noch sehr schwierig. Ich denke an Friedrich List.

1996/1997

Kein ADSL weit und breit

September 1997

c't-Interview mit Tomofumi Awano, Chef von NTT Deutschland, Düsseldorf: ‘Unsere Pilotprojekte haben ergeben, dass ADSL sich für uns nicht rechnet, wir werden es nicht anbieten’. Gleichzeitig richten die Konkurrenten von Nippon Telegraph and Telephone überall in Japan ADSL-Zugänge ein.

Oktober 1997

‘Liebe Telekom-Pressestelle, könnt ihr euch ADSL wirklich nicht leisten? Was haben eure Pilotversuche ergeben?’ ‘Wir erkundigen uns und rufen Sie zurück.’ Kein Rückruf. Nicht einer.

November 1997

Im Heise-Newsticker: Der Hinweis auf ein Pilotprojekt. Kurze Zeit später steht im Web ein Formular, auf dem man sich als Testpilot auch für Bonn eintragen kann. Sofort ausgefüllt. Dann: Monatelanges Schweigen.

Juli 1998

Ein Einschreiben: ‘Herzlich willkommen bei T-Online. Wir freuen uns, dass sie sich entschieden haben, T-Online-Kunde zu werden’ T-Online? Ich? Entschieden, was? Anruf bei der Hotline: ‘Ich habe da mal ein Formular wegen ADSL ausgefüllt’ ‘ADSL, hä? Was bitte?’ Wochenlanges Gezerre, drei Anrufe von der Telekom pro Tag: ‘Sie sind Test-Pilot’, ‘Sie sind kein Test-Pilot’. Irgendwie erinnert mich das an Gänseblümchen.

August 1998

Ein ganzes Bataillon von Technikern vereinbart Termine mit mir. Jeder ist nur für seine spezielle Schraube zuständig.

Schließlich ist der gesamte Keller neu verdrahtet, alle Decken, Böden und Wände mit Riesenbohrern perforiert. Staub, Dreck, Krach und ein Monstrum von einem Modem, größer und schwerer als ein HiFi-CD-Player. Aus dessen Eingeweiden ragen Kabel und Kästchen hervor, die sich in meinen Kabelsalat harmonisch hineinheddern.

ADSL, heiß Ersehntes, ich komme.

September/Oktober 1998

ADSL macht 5-Tage-Woche, geht mit den Technikern in Köln und Darmstadt ins Wochenende. Ausfälle überall, Chaos, dann wieder: Rausch der Geschwindigkeit. Downloads mit 350 KByte/s.

Was? Ich stutzte. Der Webserver meines Webspace-Providers hängt nur mit 128 kBit/s am Netz? Die reichen doch nicht einmal für mich alleine! Providerwechsel. Die Seiten kommen wie von der Festplatte. Gut. Sehr gut.

Ja, wunderbar! ADSL funktioniert auch unter Linux! Mal gerade die neue SuSE-Distribution saugen. Eine größere Festplatte muss her und ein CD-Brenner. Mit 6 GBytes kommen wir nicht weiter.

Ist ADSL eigentlich anstrengend für meinen Computer? Unter Windows 98 schon, bei Downloads zeigt WinTop immer 100 % CPU-Last. Neues Motherboard, neue CPU. 300 MHz reichen fürs Erste. Unter Linux keine Probleme damit. Liegt wohl an der WindSocke (TCP/IP-Stack).

1999

ADSL ist normal geworden. Von den 150 Mark eingesparten Ortstarifs will die Telekom weniger als 100 Mark wieder zurückhaben. ADSL spart Geld.

Zur CeBIT wird klar, dass die Telekom davon weniger begeistert ist als ich. ADSL soll nach der Pilotphase teurer werden. Langsam sickert durch, dass die Pilottechnik verschrottet wird und man die neuen Kunden zu Betatestern einer völlig neuen Technik machen will. Ich kriege die Krise.

Ende Juni endet die Pilotphase. Interne Quellen in Darmstadt verlautbaren via ADSL-Hotline, dass technische wie juristische Probleme das Projekt um mindestens sechs Wochen verzögern. Kein zitierfähiges Statement dazu von der Pressestelle.

‘Wir wollen unsere Pilotkunden nicht mit instabiler Technik verärgern, deshalb können Sie Ihren Anschluss vorerst noch behalten’ so einer der unzähligen ‘Chefs und Koordinatoren’ von ADSL bei der Telekom. Gibt es hier eigentlich auch Fußvolk?

Ja, die zig Techniker und Hotliner, die mir auch bei so esoterischen Fragen wie der nach ‘Optimierungsmöglichkeiten des TCP/IP-Stacks von Linux für ORCKIT-Modems’ weitergeholfen haben. Danke für eure Geduld mit mir!

Frank Fremerey

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Prinzipiell stellt die Telekom die ADSL-Zugänge jedem Internetprovider und Online-Dienst zur Verfügung. Derzeit muss dieser dabei jedoch als ‘Virtual Internet Provider’ (VIP) auftreten. Die Telekom stellt beim VIP-Modell in jedem Fall die Einwahl-Hardware und vermittelt erst danach den Datenstrom ins Netz des Providers. Je nach Vertragsgestaltung bleiben noch weitere Teile des Netzes in der Hand der Telekom, beispielsweise Nameserver. Auf der Basis solcher Verträge bieten schon heute Internet-Provider wie Next Generation Internet, Christlicher Internet Dienst und der Preisbrecher Naked Eye bundesweit Netzzugänge an [#lit4 [4]]. Nach demselben Modell können Internet-Provider auch die Breitband-POPs der Telekom nutzen. Solche VIP-Verträge bringen vor allem für kleinere Firmen Vorteile, die sich einiges an Investitionen sparen können, indem sie einfach die fehlenden Teile ihres Netzes bei der Telekom mieten. Die Telekom braucht ihre Konkurrenz nicht zu fürchten und verdient an jeder Internet-Session mit.

Für die Großen der Branche kommen aber VIP-Verträge nicht in Frage, denn sie müssten ihre meist flächendeckende Einwahltechnik brachliegen lassen und würden dem direkten Konkurrenten Telekom Geld in die Kassen spülen. Günstiger wäre es, wenn die Telekom den PPP-over-Ethernet-Datenstrom auf einen Breitband-POP beim Provider umleiten würde. Doch dieses Verfahren würde nach Angaben der Telekom einen Ausbau des ATM-Netzes erfordern, den der rosa Riese verständlicherweise nicht tätigen will, nur um anderen Providern einen Gefallen zu tun. Dennoch verhandelt man mit AOL über einen ADSL-Zugang zu dessen Online-Dienst. Ob das nach dem VIP-Prinzip funktionieren wird, oder ob die Telekom ihren Rivalen doch über ATM beliefern wird, steht derzeit noch nicht fest.

Andere hochfliegende ADSL-Pläne hat UUNET: Die finanzstarke Konzernmutter MCI WorldCom will eigene Glasfaserleitungen in die Vermittlungsstellen legen um dann Telefonkunden einen Vollanschluss anzubieten. Dieser soll einen Internet-Zugang bei UUNET enthalten, auf Wunsch auch über ADSL. Technische Schwierigkeiten erwartet man dabei nicht, da MCI in den USA bereits ADSL-Erfahrungen gesammelt hat. Mit dem bundesweiten Glasfasernetz der Deutschen Bahn hat Mannesmann Arcor eine etwas bessere Startposition im Rennen um den Teilnehmeranschluss. Sobald Ende des Jahres 1999 die ersten Kunden direkt am Arcor-Netz hängen, will die Düsseldorfer Firma mit einem ADSL-Pilotprojekt starten. Ähnlich gut stehen die Stadtnetzbetreiber da, die schon über Teilnehmeranschlüsse verfügen und in ihren Städten meist auch Glasfasernetze bis in die Vermittlungsstellen betreiben.

Doch bevor alle diese Projekte Wirklichkeit werden können, sind einige juristische Hürden zu nehmen. Das Telekommunikationsgesetz schreibt vor, dass die Telekom jedem Mitbewerber die Leitung vom Kunden in die Vermittlungsstelle vermieten muss. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat den Preis dafür festgelegt. Der Leitungsmieter benötigt jedoch weitere Dienstleistungen von der Telekom, um seine Leitung auch nutzen zu können: Einen Stellplatz in der Vermittlungsstelle, Strom, einen Schlüssel für die Tür, Licht, Belüftung oder gar eine Klimaanlage und viele solcher Details mehr. Die meisten dieser so genannten Kollokations-Bedingungen werden zurzeit in Einzelverträgen zwischen der Telekom und ihren Konkurrenten geregelt. Doch auf deren Anträge hin legt die Regulierungsbehörde für jeden Aspekt einen Preis fest. Dazu ist jedes Mal ein langwieriges Verfahren mit Antrag, Anhörungen und Entscheidung nötig.

Die befragten Stadtnetzbetreiber rechnen damit, dass zu Beginn des Jahres 2000 alle wesentlichen Kostenfaktoren der Kollokation reguliert sein werden, sodass sie ihre ADSL-Technik ohne zähen Vertragspoker in den Vermittlungsstellen der Telekom unterstellen können. Anschließend wollen sie noch in der ersten Hälfte des nächsten Jahres ADSL-Pilotprojekte starten.

Auch dann werden für den Kunden Telefonie- und ADSL-Dienst grundsätzlich aus einer Hand kommen, denn das Telekommunikationsgesetz schreibt vor, dass immer nur ein Anbieter die Teilnehmerleitung direkt nutzt. Deshalb sind auch Kunden von Stadtnetzbetreibern vom T-DSL-Angebot ausgenommen.

In einer besonderen Situation befindet sich NetCologne, denn dem Kölner Stadtnetzbetreiber gehören große Teile des dort verlegten Fernsehkabelnetzes. NetCologne will dieses zu einem Breitband-Datennetz ausbauen. Bis das Netz umgerüstet ist, will man aber auch ADSL einsetzen - als ‘Übergangstechnik’.

Ohne Telefonanschluss wird ADSL in Deutschland schon seit Jahren eingesetzt. Lokal tätige Internet-Provider schätzen die robuste Technik zur Anbindung von Geschäftskunden über dedizierte Kupferkabel. Auch auf einem Uni-Campus mit verstreuten Instituten kann ADSL eine kostengünstige Technik für die Vernetzung der Gebäude sein. Ein solches Projekt betreibt beispielsweise die Gesellschaft für Wissenschaftliche Datenverarbeitung in Göttingen gemeinsam mit dem Systemlieferanten Ericsson [5].

Die Deutsche Telekom steht mit T-DSL im Rennen um schnellere Internet-Anschlüsse für Endkunden nun auf der Pole Position - mit vergleichsweise geringen Investitionen. Da sie einerseits flächendeckend über Kupferleitungen zu den Telefonteilnehmern verfügt und andererseits ein bundesweites ATM-Netzwerk bis in die Ortsvermittlungsstellen vorweisen kann, reduzieren sich die Kosten für den ADSL-Anschluss auf den Einbau von Splitter und ADSL-Karte in der Vermittlungsstelle und die Auslieferung der Hardware an den Kunden. Konkurrenten mit ADSL-Ambitionen werden durch die Kollokations-Kosten noch für mindestens ein halbes Jahr ausgebremst. Die Anbieter, die auf andere Zugangstechniken setzen, müssen entweder noch einiges an Zeit und Geld in den flächendeckenden Netzausbau stecken oder, wie beim Zweiwege-Satelliten-Internet, rechtliche Hindernisse ausräumen (siehe c't 16/99 auf Seite 128).