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Intels erster Core-i5-Prozessor im Kurztest

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Eigentlich kann man Intels neuen Quad-Core-Prozessor noch gar nicht kaufen – aber in Taiwan schon. Dort haben wir einen Core i5-750 ergattert, der in einem ersten Test zeigt, was er leistet.

Die neue Intel-Systemarchitektur, bei der – wie bei AMD schon seit 2003 – der Speicher-Controller direkt im Hauptprozessor steckt, wird erschwinglicher: Statt teurer Mainboards mit LGA1366-Fassung für die seit Ende 2008 erhältlichen Core-i7-Prozessoren reichen deutlich billigere LGA1156-Boards mit dem Chipsatz P55. Solche Mainboards kann man zu Preisen ab etwa 115 Euro bereits kaufen, aber die dazu passenden Prozessoren hierzulande noch nicht. In Taiwan hingegen war schon ab Mitte August der Core i5-750, ein 2,66-GHz-Vierkern, für 6800 Neue Taiwan Dollar zu haben. Zu diesem Preis von umgerechnet rund 145 Euro bekam man dort die In-a-Box-Version samt Kühler, die im c't-Labor auf einem P55-Mainboard und mit PC3-10600-Speicher (DDR3-1333) einige Tests absolvierte. Diese Messungen haben zwar vorläufigen Charakter, weil Intel noch nicht alle Informationen zu Prozessor und Chipsatz herausrückt; andernorts sind aber auch schon Benchmarks erschienen und nach unserer Einschätzung dürften die hierzulande verkauften Core-i5-750-Chips nicht wesentlich anders arbeiten als unser Testexemplar. In der kommenden c't 20/09 werden wir mehr Details zu Intels Neulingen veröffentlichen.

Grundsätzlich sind die Core-i5/-7-Rechenwerke eng verwandt mit denen der Core-2-Prozessoren; bei gleicher Taktfrequenz verarbeitet ein einzelner Kern eines Core 2, i5 oder i7 viele Anwendungen fast gleich schnell. Nur bei bestimmten Programmen machen sich der integrierte Speichercontroller, die Kopplung via L3-Cache oder Befehlssatzerweiterungen deutlich bemerkbar.

Ebenso wie die teureren Core-i7-Prozessoren vereint der Core i5 vier Kerne mit jeweils 256 KByte L2-Cache auf einem einzigen Siliziumchip, zusammen mit 8 MByte gemeinsam genutztem L3-Cache und einem Controller für DDR3-SDRAM. Die LGA1366-Prozessoren binden in drei Speicherkanälen bis zu 24 GByte RAM an, LGA1156-CPUs haben nur zwei Kanäle für höchstens 16 GByte auf vier DIMMs. Nach den bisher bekannten Informationen arbeiten die LGA1156-Prozessoren sparsamer, sie begnügen sich mit 95 Watt Thermal Design Power (TDP), ein Core i7 aus der Baureihe 900 braucht bis zu 130 Watt.

Jeder Kern einer Core-i7-CPU gaukelt dem Betriebssystem per Hyper-Threading einen weiteren virtuellen oder logischen Prozessor vor, wovon Multi-Threading-Applikationen erheblich profitieren können. Unserem Core i5-750 fehlt hingegen Hyper-Threading – das scheint der wesentliche Unterschied zwischen Core i5 und i7 zu sein. Künftig wird es auch Core-i7-Versionen für LGA1156-Mainboards geben; auf der Intel-Webseite waren zwischenzeitlich Prozessoren namens Core i7-870 und Core i7-860 mit 2,93 beziehungsweise 2,80 GHz zu finden.

Die Übertaktungsautomatik namens Turbo Boost funktioniert auch beim Core i5-750: Unter hoher Rechenlast und bei ausreichender Kühlung schaltet er um eine 133-MHz-Taktstufe hoch, also auf 2,8 GHz. Sind nur einer oder zwei CPU-Kerne ausgelastet, steigt die Taktfrequenz auf bis zu 3,2 GHz, also höher als beim Core 2 Duo E8500. Bei Programmen mit wenigen Threads treibt Turbo Boost einen Quad-Core auf ähnlich hohe Frequenzen wie die schnellsten Doppelkerne.

Das funktioniert ganz gut: Lässt man den 3D-Rendering-Benchmark Cinebench R10, der Multi-Threading eigentlich sehr gut nutzt, auf lediglich einem Kern laufen, so schlägt der Core i5-750 den 3,33-GHz-Prozessor Core 2 Duo E8600. Dann ist er auch schneller als der Core i7-920, weil Letzterer zwar dieselbe Basisfrequenz wie der i5-750 hat, aber Turbo Boost bei ihm weniger hochschaltet. Darf Cinebench R10 alle vorhandenen Kerne nutzen, so ist der 920er aber dank Hyper-Threading um 13 Prozent schneller als der 750er.

Besonders interessiert hat uns der Vergleich des Core i5-750 mit dem Core 2 Quad Q9550. Letzterer ist zwar teurer und hat eine um 6,2 Prozent höhere Taktfrequenz, läuft aber auf billigeren, reiferen Boards und mit DDR2-Speicher. Es zeigt sich, dass der „alte“ Quad dem i5-750 in einigen Benchmarks ebenbürtig oder gar überlegen ist, außerdem zieht er unter Volllast viel weniger Strom. Doch in den Single-Thread-Disziplinen ist der Neuling schneller, im Leerlauf ist seine Leistungsaufnahme ähnlich hoch.

Der Vergleich mit dem schnellsten und rund 215 Euro teuren AMD-Vierkern Phenom II X4 965 Black Edition belegt, dass die K10-Architektur bei hohen Taktfrequenzen (3,4 GHz) nicht nur Intels Core-2-Prozessoren abhängt, sondern in vielen Disziplinen auch den Core i5-750 – um den Preis hoher Leistungsaufnahme bei Volllast.

Die ersten Experimente mit dem Core i5-750 zeigen, dass Intels Neuling einige Vorzüge von Dual- und Quad-Cores kombiniert. Enttäuscht wird indes, wer vom Core i5 Performance oberhalb der schnellsten Core-2-Quads erwartet hat – anscheinend sieht Intel diesen „mittelteuren“ Prozessor eher als gleichwertige Ablösung der bisherigen Vierkerne. Spitzenleistung bleibt der teureren Marke Core i7 vorbehalten. AMD muss wohl noch ein wenig aufdrehen, damit echte Konkurrenz und stärkerer Preiskampf aufkommt.

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