Vorneweg – Die Neuerungen von Fedora 11

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Fedora 11 ("Leonidas") glänzt mit aktualisierter Software, neuem Design und einer Reihe technischer Verbesserungen. Dabei zeigt sich Fedora wie üblich als Vorreiter: Vieles davon dürfte bald auch in anderen Linux-Distributionen auftauchen.

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Bild:fedoraproject.org

Etwas mehr als sechs Monate nach der Veröffentlichung von Fedora 10 (Cambridge) hat das Fedora-Projekt mit Fedora 11 (Leonidas) nun den Nachfolger zum Download freigegeben. Wie so bei Fedora schon fast üblich kommt die neue Version ein klein wenig später als ursprünglich geplant und bringt eine umfangreiche und überaus aktuelle Software-Ausstattung aus. Dazu gehören unter anderem das kürzlich vorgestellte OpenOffice 3.1 und eine Vorabversion von Firefox 3.5.

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Bild:fedoraproject.org

Damit ist es aber bei weitem nicht getan, listet das Wiki des Projekts doch insgesamt über fünfzig neue Features, an denen die Entwickler des maßgeblich von Red Hat gesponserten Projekts gearbeitet haben. Und auch das ist sind nur die wichtigsten Leonidas-Neuerungen – diverse kleinere, aber keineswegs unbedeutenden Änderungen haben es gar nicht erst auf die Liste geschafft und finden sich erst bei näherem Hinsehen.

Eine der wohl auffälligsten Neuerungen ist die Unterstützung für Kernel-based Mode-Setting (KMS) bei Intel-Chipsätzen mit integrierter Grafik sowie nahezu allen Radeon-Modellen. Bereits Fedora 10 beherrschte mit einigen Radeon-Chips diese Technik, bei der der Kernel deutlich mehr Kontrolle über den Grafikkern (GPU/Graphics Processing Unit) übernimmt und sich unter anderem um die Einstellung der Bildschirmauflösung kümmert. Dadurch verschwindet das Flackern beim Start des X-Servers oder einem Wechsel zur Textkonsole, sofern Kernel und grafische Oberfläche mit der gleichen Auflösung arbeiten. Mehrere X-Server laufen auf unterschiedlichen Konsolen störungsfrei und mit vollem Funktionsumfang parallel. Darüber hinaus bietet KMS indirekt einige verbesserungen für die Mehrschirmkonfiguration und kümmert sich um die Reinitialisierung des Grafikkerns nach dem Suspend-to-RAM – letzteres soll die Zuverlässigkeit des systemweiten Schlafzustands verbessern.

Grafikhardware für Linux

Der Artikel "Aussichten: Heiter bis wolkig – Aktuelle Grafikchips von AMD, Intel und Nvidia unter Linux nutzen" in c't 13/09 (seit Montag, 8. Juli, am Kiosk erhältlich) beschreibt Kernel-Based Mode-Setting, Nouveau sowie zahlreiche andere aktuelle Entwicklungen rund um Grafik-Hardware für Linux näher.

Mit der KMS-Unterstützung im dem von Leonidas eingesetzten Linux-Kernel 2.6.29 sowie dem X-Server 1.6 mit dem Direct Rendnering Infrastructure 2 (DRI2) und der 2D-Beschleunigungsarchitektur UXA nutzt Fedora 11 genau die Komponenten, auf die Intels Grafiktreiber in Zukunft aufbauen soll. Das dürfte einer der Gründe sein, warum sich zumindest mit unseren Testsystemen keine der zahlreichen Probleme zeigten, die das kürzlich freigegebene Ubuntu 9.04 mit einigen Intel-Chips an den Tag legt.

Fedora ist allerdings die erste große Distribution, die KMS bei Intels Chipsätzen mit integrierter Grafik einsetzt. Die gibt es zudem in Dutzenden Varianten, die teilweise weit verbreitet sind und manchmal in exotischen Konfigurationen verbaut werden. Daher wird erst der Feldtest zeigen können, wie gut und robust die KMS-Unterstützung tatsächlich ist.

Das gilt ähnlich auch für den jungen Grafiktreiber nouveau, den Fedora standardmäßig für moderne Nvidia-Hardware konfiguriert. Er beherrscht Zweischirmkonfiguration via RandR (Resize and Rotate Extension), bietet Xvideo-Unterstützung für GPUs ab der GeForce-3-Serie und kann einige neuere Nvidia-GPUs ansprechen, die der in letzter Zeit nur mehr langsam weiterentwickelte und bisher für Nvidia-Chips genutzte Treibers "nv" nicht unterstützt.

Bezugsquellen

Der Kernel bietet auf dem Nouveau-Code basierende KMS-Unterstützung für einige Nvidia-GPUs. Da sie aber noch nicht ausgereift ist, deaktivieren die Fedora-Entwickler sie in der Standardeinstellung; über den Kernel-Parameter "nouveau.modeset=1" lässt sie sich nachträglich einschalten. Die experimentelle 3D-Unterstützung des Nouveau-Treibers fehlt in Fedora 11 komplett, weil sie noch lange nicht ausgereift sei.

Für Desktop-Effekte mit Nvidia-Grafikkarten bedarf es daher nach wie vor des proprietären Treibers von Nvidia – der untersteht jedoch keiner Open-Source-Lizenz und fehlt daher wie eh und je in Fedora, das ausschließlich Open-Source-Software enthält. Das gleiche gilt für den proprietären Grafiktreiber von AMD ("Catalyst" oder "fglrx"). Dessen aktuelle Version 9.5 aus dem Mai kommt ohnehin nicht mit dem Linux-Kernel 2.6.29 in Fedora 11 zurecht.

Die Version 9.3 des Catalyst-Treibers lässt sich wegen des X-Servers 1.6 von Fedora 11 – wie auch bei Ubuntu 9.04 – nicht mehr verwenden. Sie ist die letzte Version mit Unterstützung für die auf den Radeon-Modellen 9500 bis X1950 eingesetzten GPUs der Serien R300, R400 und R500. Für diese Grafikkerne greift Fedora auf den Open-Source-Treiber "radeon" zurück, der mit diesen GPUs auch 3D-Unterstützung bietet. Bei neuerer Grafik-Hardware aus den Radeon-HD-Serien 2000, 3000 und 4000 beherrscht die Fedora 11 beiliegende Treiberversion zwar kein 3D, bietet aber immerhin Xvideo- und RandR-Unterstützung.

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