Schnellstart, Ext4, Kernel

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Nachdem die Fedora-Programmierer bereits bei Fedora 10 die Startzeit optimierten, arbeiteten sie bei der elften Version erneut in diesem Bereich – sie sprechen von "20 Second Startup". Mit einem halbwegs modernen Testsystem mit G45-Chipsatz auf einem Intel-Board mit Core 2 Duo E6750 und einer aktuellen SATA-2-Festplatte verstrichen bei der neuen Fedora-Version allerdings 22 statt der angepeilten 20 Sekunden zwischen Erscheinen des Boot-Managers Grub und dem Anmeldebildschirm.

Damit war das neue Fedora zirka vier Sekunden schneller als sein Vorgänger, ließ sich aber dennoch knapp vier Sekunden mehr Zeit als Ubuntu 9.04. Letzteres brauchte anfangs jedoch genau wie Fedora 10 weit mehr als 30 Sekunden zum Start, da der Ubuntu-Kernel Probleme bei der USB-Initialisierung hatte, die der Fedora-11-Kernel nicht zeigte – erst ein Deaktivieren der in den BIOS-Setup-Vorgaben aktiven USB-Legacy-Unterstützung brachte Ubuntu 9.04 und Fedora 10 in die Gänge.

Fedora-Historie
Vorgestellt Erscheinungsdatum Name
Fedora Core 1 11/2003 Yarrow
Fedora Core 2 05/2004 Tettnang
Fedora Core 3 11/2004 Heidelberg
Fedora Core 4 06/2005 Stentz
Fedora Core 5 03/2006 Bordeaux
Fedora Core 6 10/2006 Zod
Fedora 7 05/2007 Moonshine
Fedora 8 11/2007 Werewolf
Fedora 9 05/2008 Sulphur
Fedora 10 11/2008 Cambridge
[Fedora 11 06/2009 Leonidas

Nachdem der Fedora-Installer schon einige Versionen lang mit undokumentierten Boot-Parametern die Installation auf ein Ext4-Dateisystem ermöglichte, nutzt Fedora 11 den Ext3-Nachfolger nun als Standarddateisystem. Um Anwender vor der im Frühjahr viel diskutierten Gefahr von Datenverlust bei Abstürzen beim Einsatz von Ext4 zu schützen, haben die Fedora-Entwickler in ihren Kernel einige der für Linux 2.6.30 aufgenommenen Änderungen eingebaut, die die Gefahr eines Datenverlusts durch Delayed Allocation deutlich mindern. Grub bietet bei Fedora jedoch noch keine Unterstützung für Ext4, sodass man eine separate Boot-Partition einrichten muss.

Während man bei der Fedora-Installation über eines der Live-Medien auf Ext4 festgelegt ist, kann man mit dem vollwertigen und als CD- oder DVD-ISO zum Download angebotenen Installationsmedium auch Ext3 nutzen. Besonders mutige Anwender können Fedora 11 auf das von einigen Linux-Dateisystem-Entwicklern als "Next Generation Filesystem" für Linux auserkorene, aber noch experimentelle Dateisystemen Btrfs installieren, sofern sie den Parameter "icantbelieveitsnotbtr" beim Booten des übergeben – das ist aber nur für Testzwecke und Entwickler gedacht.

Basisdienste

Die wichtigsten Bestandteile von Fedora 11 sollen die Basis für die sechste Version von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) bilden. Das wird allerdings erst Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres erwartet, daher ist nicht auszuschließen, dass nicht auch noch kleinere oder größere Teile des für Anfang November geplanten Fedora 12 in RHEL6 einfließen.

Auch das Betriebssystem für den mit VIA-Hardware ausgestatteten OLPC XO 1.5 soll auf Fedora 11 basieren. Anders als bei früheren, ebenfalls auf Fedora basierten OLPC-Betriebssystem soll Nutzern dabei nicht nur der in Fedora 11 bereits enthaltene Sugar-Desktop zur Verfügung stehen, sondern auch ein vollwertiger GNOME-Desktop.

Fedora 11 steht in Versionen für 32-bittige (i386) und 64-bittige (x86_64) x86-CPUs von AMD und Intel zur Verfügung. Außerdem existiert eine PowerPC-Prozessoren (ppc). Die 32-Bit-Version lässt sich auch auf 64-bittigen CPUs installieren, benötigt dort allerdings PAE-Unterstützung, um mehr als 4 GByte RAM anzusprechen.

Ursprünglich sollte auch die 32-Bit-Variante von Fedora 11 (i386) auf Systemen mit x86-64-Prozessoren einen x86-64-Kernel zusammen mit einer 32-Bit-Userland-Umgebung konfigurieren – zur Umsetzung dieser Idee fehlte dann jedoch die Zeit. Auf Prozessoren mit Unterstützung für NoExecute (NX) spielt der Installer von Fedora 11 allerdings anders als bei früheren Fedora-Versionen einen 32-Bit-Kernel mit Unterstützung für PAE (CONFIG_X86_PAE=y) auf, um die von AMD Enhanced Virus Protection/EVP und Intel Execute Disable genannte Speicherschutztechnik nutzen zu können. Die bieten nahezu alle der in den vergangenen zwei, drei Jahren verkaufte CPUs, sie lässt sich mit einem 32-Bit-Kernel jedoch nur per PAE ansprechen – das ist unter Windows nicht anders, das auf modernen Systemen schon länger einen PAE-Kernel konfiguriert, um NX zu nutzen.

Der PAE-Kernel von Fedora spricht zudem bis zu 64 GByte Speicher an (CONFIG_HIGHMEM64G=y), was auf 32-Bit-x86-Systemen nur mit Hilfe von PAE gelingt. In manchen Microbenchmarks sind Kernel mit Unterstützung bis zu 64 GByte Speicher indes teilweise deutlich langsamer als ein 64-Bit-Kernel – Linus Torvalds hat erst kürzlich in einer Mail auf der LKML gesagt, dass HIGHMEM64G extremen Overhead habe und es niemand mit Verstand aktivieren würde ("it's one of those options that we do to support crazy hardware, and it is EXTREMELY expensive ([...] HIGHMEM64G is always expensive for forks, but nobody sane ever enables it)").

Dieser Overhead dürfte in den allermeisten Fällen aber zu vernachlässigen sein und keine spürbaren Auswirkungen haben. Falls doch, kann man auf einen für i586-CPUs übersetzen Kernel ausweisen, den Fedora auf Prozessoren ohne NX-Unterstützung konfiguriert; einen i686-Kernel ohne PAE-Unterstützung bietet Fedora nicht an. Weil das Paket mit dem PAE-Kernel das Anhängsel "-PAE" trägt, muss man dieses auch an anderer Stelle angeben – das Paket mit den Dateien, die zum Übersetzen eines für den PAE-Kernel passenden Kernel-Moduls nötig ist, heißt daher "kernel-PAE-devel".

Manche nicht im Hauptentwicklungszweigs von Linux enthaltenen, bei vielen anderen Distribution jedoch integrierten Treiber wie em8300, kqemu oder ndiswrapper sowie Linux-Staging-Treiber wie rt2860 und rt2870 liefert das Fedora-Projekt nicht mit. Das soll den Wechseln auf spätere Kernel-Versionen erleichtern, die Fedora häufig als reguläres Update heraus gibt. Zudem betonen die Fedora-Entwickler immer wieder: Wenn diese Treiber den Qualitätsansprüchen der Kernel-Entwickler nicht reichen, warum sollten sie dann gut genug für uns sein?

Die Hardware-Unterstützung ist durch diese Herangehensweise in einigen Bereichen nicht so umfassend wie etwa bei dem kürzlich vorgestellten und auf Linux 2.6.28 aufbauenden Ubuntu 9.04. Einige der gängigsten Treiber, die Fedora nicht mitliefert, lassen sich über Add-On-Paket-Depots wie RPM Fusion nachrüsten (siehe Artikel-Ende). Durch die bereits erwähnten Updates auf neuere Kernel-Versionen mit ihren zahllosen Verbesserungen sowie neuen und überarbeiteten Treibern vergrößert sich jedoch die Hardware-Unterstützung einer Fedora-Version mit der Zeit meist deutlich. Dadurch bekommen Fedora-Anwender so Treiber für Hardware nachgeliefert, die erst in einigen Wochen oder Monaten vorgestellt wird – bei den meisten anderen Mainstream-Distributionen ist das nicht der Fall, sodass man auf die nächste Distributionsversion warten oder Entwicklerversionen nutzen muss.

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