Unterbau, aktuelle Software

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Seite 3: Unterbau, aktuelle Software

Fedora 11 nutzt die vor einigen Wochen fertig gestellte Version 4.4 der GCC, mit der auch die meiste Software von Leonidas übersetzt wurde. Die neue GNU Compiler Collection war allerdings nur einer von drei Gründen, warum bei der Fedora-11-Entwicklung nahezu alle Pakete neu gebaut wurden. So wurde die Software der x86-32-Variante von Leonidas mit anderen Optionen übersetzt: Wie bisher wurde sie für den Allgemeingebrauch optimiert ("-mtune=generic"), erfordert aber nun mindestens i586-CPUs ("-march=i586") – die Namen der x86-32-RPMs enden daher nun zumeist auf "i586.rpm" und nicht mehr auf "i386.rpm".

Der dritte Grund für den "Mass-Rebuild" war das Feature Stronger Hashes, der Einsatz stärkerer Hash-Algorithmen an verschiedenen Stellen – unter anderem auch in den RPMs selbst, wo nun SHA256 statt SHA1 für Signaturen und die Checksummen von Dateien zum Einsatz kommen. Die nötige Unterstützung dafür lieferte bereits RPM 4.6, die Fedora-Entwickler gingen aber noch einen Schritt weiter und wechselten auf die noch jüngere RPM-Version 4.7, die mit weniger Speicher auskommen soll und beim Aktualisieren von Paketen flotter zu Werke geht.

Thunderbird und Firefox liegen Fedora 11 in den Beta-Versionen 3.0 Beta 2 respektive 3.5 Beta 4 bei – Thunderbird 3 und Firefox 3.5 waren nicht rechtzeitig fertig geworden, wie es sich die Fedora-Entwickler ursprünglich erhofft hatten. Auf zwei Testsystemen arbeiteten die beiden Programme mit den Vorabversionen von Fedora 11 allerdings über mehrere Wochen ebenso zuverlässig wie ihre Vorgänger unter Fedora 10. Viele Erweiterungen für die beiden populären Internet-Programme sind allerdings mit den zwei Vorabversionen nicht kompatibel – mit den Nightly Tester Tools für Firefox und Thunderbird lassen sich aber zumindest einige Erweiterungen zur Mitarbeit überreden.

OpenOffice 3.1 (Testbericht) wurde hingegen trotz Verzögerungen rechtzeitig für die Aufnahme in Fedora 11 fertig. Beim Erzeugen von Druckaufträgen stürzte die Office-Suite auf einem unserer Testsysteme allerdings gelegentlich ab. Der GNOME-Desktop kommt in Version 2.26.1 zum Einsatz – als Instant-Messnager dient allerdings Pidgin und nicht Empathy. KDE liegt in der Version 4.2.2 bei, 4.2.3 findet sich aber bereits in dem Paket-Depot "Updates-Testing" und dürfte bald als reguläres Update nachgereicht werden. Ähnlich bei XFCE, das Leonidas in der Version 4.6.0 beiliegt, aber mit dem ersten, bereits verfügbaren Schwung an Updates auf 4.6.1 aktualisiert wird.

Updatefülle

In den Update- und Updates-Testing-Depots für Fedora 11 finden sich bereits zur Vorstellung eine Menge aktualisierte Pakete – 1.728 binäre Pakete aus 630 regulären und 14 als sicherheitsrelevant eingestuften Updates. Diese Korrekturen wurden nicht mehr in die Distribution selbst aufgenommen, um nicht kurz vor der Fertigstellung noch neue Fehler einzuschleusen.

Da Fedora anders als viele Mainstream-Distributionen nicht nur neue Pakete zur Korrektur von Fehlern oder Sicherheitslücken heraus gibt, sondern auch neue Versionen der in Fedora enthaltenen Software als Update ausliefert, dürfte das nur der Anfang der bei Fedora üblichen Update-Flut sein – beim knapp sieben Monate alten Fedora 10 etwa gab es bislang über 3800 Updates.

Unter denen sind vielfach auch Kernel-Updates – so findet sich im Updates-Testing-Depot für das mit Kernel 2.6.27 ausgelieferte Fedora 10 ein Kernel 2.6.29, der früher oder später als reguläres Update ausgeliefert werden dürfte; ähnlich dürfte Fedora 11 vermutlich noch die nächsten zwei oder drei Kernel-Versionen erhalten. Damit der Anwender bei einem Kernel-Problem nicht mit einem nicht startenden System da steht, bleibt bei Updates der jeweils laufende Kernel aber parallel installiert und wird erst später deinstalliert.

Erst recht spät im jetzt abgeschlossen Entwicklungszyklus setzen die Fedora-Mitstreiter nun teilweise das ursprünglich bereits grob für Fedora 9 und 10 angedachte Feature Presto um. Damit ist die Bereitstellung und Nutzung der bei (Open)Suse schon länger eingesetzten Delta-RPMs gemeint – einem binäres Diff zwischen zwei RPM-Paketen. Das Yum-Plugin Presto kann mit diesen Delta-RPMS und den auf der Platte installierten Dateien eines alten RPMs im Idealfall das zweite, neuere RPM erzeugen.

Da sich der Inhalt von aktualisierten RPM-Paketen häufig nur nur geringfügig ändert, ist das Delta-RPM meist deutlich kleiner als das komplette neuere RPM. Beim Einspielen aktualisierter Pakete müssen daher deutlich weniger Daten übertragen werden. Das soll den Download-Umfang beim Aktualisieren des Systems um 60 bis 80 Prozent reduzieren.

Wie sich in den letzten Tagen der Fedora-11-Entwicklung zeigte, waren die Einsparungen bei großen Paketen wie denen für OpenOffice teilweise sogar noch deutlich größer. Beim üblicherweise mit sehr vielen Updates versorgten Fedora dürfte das die Systemaktualisierung selbst bei einer schnellen Internet-Anbindung noch spürbar beschleunigen. Durch die späte Umsetzung von Presto entschied sich das Projekt allerdings, das gleichnamige Yum-Plugin in der Standard-Installation nicht aufzuspielen; die Delta-RPMs werden daher erst genutzt, nachdem man es mittels "yum install yum-presto" nachinstalliert.

Für allerlei Diskussionen (u. a. 1, 2, 3, 4) sorgte auf den Fedora-Mailinglisten das auf Pulseaudio aufsetzenden Fedora-11-Feature "Vereinfachte Lautstärkeregelung". Dabei handelt es sich um ein neues Mixer-Applet für GNOME, das vor allem durch einfache Bedienung glänzen soll – einige Anwender sind mit ihm jedoch sehr unzufrieden, da sie nicht alle Ein- und Ausgaberegler ihrer Audio-Hardware beeinflussen können.

Das zumindest teilweise wohl auch durch das API und die Treiber von Alsa bedingte Problem ist an sich nicht neu – bereits bei Fedora 9 und 10 sowie einigen anderen mit Pulseaudio ausgestatteten Distributionen muss man gelegentlich mit dem zu Alsa gehörenden Mixer-Programm für die Kommandozeile direkt auf die Audio-Hardware zugreifen, um alle für die Ausgabelautstärke wichtigen Regler aufzudrehen. Als Kompromiss wurde schließlich beschlossen, mit dem Programm "gst-mixer" ein zweites, mehr Möglichkeiten bietenden Mixer-Programm für GNOME einzurichten. Wie einige Diskussionsteilnehmer anmerken, haben aber auch Programme wie gst-mixer ihre Schwierigkeiten mit Alsa – zwei von Fedora-Entwicklern veröffentlichte Screenshots zeigen das sehr eindrucksvoll (1, 2).

Für reichlich Diskussionsstoff beim Fedora-Projekt sorgte auch die bereits im vergangenen Herbst von den X.org-Entwicklern getroffene Entscheidung, den X-Server beim Betätigen von CTRL+ALT+Backspace nicht mehr zu beenden (DontZap). Das zog wenig später Diskussionen bei den X-Entwicklern nach sich – LWN.net war das Ganze einen eigenen Artikel wert. X.org- und Fedora-Programmierer Peter Hutterer hat in seinem Blog einige für Fedora 11 aufgenommene Änderungen vorgestellt, durch die sich die Tastenkombination in Zukunft zur Laufzeit Ein- und Ausschalten lässt, was zumindest einige der Kritiker beruhigte.

Fedora-Konferenz

Im Rahmen des diesjährigen LinuxTag hält das Fedora-Projekt eine Fedora Users and Developers Conference (FUDCon) in Berlin ab. Details zu der Veranstaltung finden sich im Wiki des Projekts.

Ein Xen-Dom0-Kernel fehlt Fedora mittlerweile seit der Version 9; zum Betrieb als Xen-Gast (DomU) bringt Fedora alles Nötige mit. Zur Virtualisierung setzt Fedora 11 wie sein Vorgänger auf KVM, das auf Virtualisierungstechniken in der CPU angewiesen ist und nun mit VT-d das Durchreichen von PCI-Geräten an Gastsysteme beherrscht. Die Zusammenlegung des KVM-QEMU-Codes mit QEMU selbst soll die Wartung verbessern; einige andere Änderungen sollen Auflösung von 1024 × 768 beim direkten grafischen Zugriff auf Gastsysteme ermöglichen. Dessen Berechtigungen schränkt nun sVirt per Mandatory Access Control (MAC) ein, was Attacken aus einem Gastsystem auf Host oder andere Gastsysteme unterbinden soll.

Nachdem PackageKit seit Fedora 10 bei Bedarf Gstreamer-Plugins einspielt, installiert das Tool in Fedora 11 nun auch Schriftarten nach, wenn diese benötigt werden. Zudem spielt das zum Installieren und Aktualisieren von Software genutzte Programm nun auch Anwendungen halb-automatisch ein, falls diese zur Hnadhabung bestimmter Dateitpyen nötig sind und noch nicht auf dem System vorhanden sind.

Weiter gehts

Die Entwicklung des für November geplanten Fedora 12 ist bereits im vollen Gange – so soll das auch in Fedora 11 enthaltene Gnote in Zukunft Tomboy ersetzen. Das Wiki listet einige weitere Features für die nächste Version, die wie üblich im fast täglich aktualisierten Entwicklerzweig Rawhide vorbereitet wird.

Über einen Namen für Fedora 12 wird gerade abgestimmt; zur Auswahl stehen Chilon, Constantine, Orville, Rugosa und Umbria. Wie üblich muss der Name dabei in einer Verbindung zu dem des Vorgängers stehen – Leonidas (Fedora 11) und Cambridge (Fedora 10) waren etwa beides Schiffe der Navy; Cambridge und Sulphur (Fedora 9) sind Städtenamen. Weitere Verbindungen listet das Fedora-Wiki.

Der für die Datenträgereinrichtung zuständigen Code im Installer wurde neu geschrieben. Die Auswahlmöglichkeiten bei der Installation im Text-Modus haben die Entwickler massiv beschnitten, um die Wartung des Codes zu vereinfachen. Die Entwickler raten Anwendern, die Flexibilität wollen, zur Installation via VNC oder dem Einsatz des VESA-Treibers für X – letzterer lässt sich nun über einen eigenen Menü-Punkt bei der Installation aufrufen, falls es Schwierigkeiten mit dem automatisch genutzten Grafiktreiber gibt.

Erstmals dabei sind die Unterstützung für UEFI und Fingerabdrucksensoren, das teilweise HAL ersetzende DeviceKit, Glibc 2.10 und Python 2.6 . Diese und die zuvor erwähnten Neuheiten dürften zu den wichtigsten von Fedora 11 zählen, es gibt aber noch zahlreiche weitere Änderungen:

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