Vorsprung

StarOffice 3.1 für Windows und für OS/2

Wissen | Hintergrund

Letzten Herbst drängte Star Division mit StarOffice 3.0 ins Weihnachtsgeschäft. Mit Hilfe der Internet-Anbindung kommt man jetzt mit der Version 3.1 für Windows und OS/2 der Konkurrenz zuvor. Versionen für Mac OS und diverse Unix-Varianten einschließlich Linux sollen bald folgen.

Zum Test erreichte uns StarOffice 3.1 im fertig produzierten Paket für Windows. Die OS/2-Version war auf einer OEM-Version enthalten. Diese CD enthält neben OS/2 alle Versionen für Windows und wird von OEM-Kunden meist im Bundle mit Hardware vertrieben.

Wie bereits die Version 3.0 setzt sich StarOffice 3.1 aus der Textverarbeitung StarWriter, der Tabellenkalkulation StarCalc, dem Präsentationsprogramm StarDraw und dem Bildbearbeitungsprogramm StarImage zusammen. An den Grundfunktionen aller Applikationen hat sich nichts geändert. Einzelheiten hierzu sind in ausführlicher Form in [1] nachzulesen. Die in der Version 3.0 noch fehlende Makrosprache StarBasic hat Star Division Ende 1995 nachgeliefert. Zusammen mit der ausführlichen Online-Hilfe zur Programmiersprache kann man seitdem anspruchsvolle Makros entwickeln. Dies alles hat neben zahlreichen Bugfixes seinen Weg in die Version 3.1 gefunden. Performance-Steigerungen, die dem Paket gutgetan hätten, sind nicht zu spüren. Nach wie vor dauert vor allem das Starten der Anwendungen sehr lange, und ein komfortables Arbeiten setzt einen schnellen Rechner mit schneller Festplatte und möglichst viel RAM voraus (ab 16 MByte für Windows 95 und OS/2, für Windows NT empfiehlt selbst der Hersteller 24 MByte).

Neben dem Feinschliff am bisherigen Produkt bleibt die direkte Internet-Anbindung als wesentliche Neuerung. In ähnlicher Form hat sie noch kein Konkurrent zu bieten - auch Microsoft nicht. Lotus WordPro läßt zwar die Wahl, Dateien via FTP aus dem Internet zu laden und dort zu speichern, Star Division hat aber einen kompletten WWW-Browser beziehungsweise WWW-Editor in StarWriter, StarCalc und StarDraw integriert. Dieser läßt sich über eine zusätzliche Tool-Leiste bedienen; links zeigt ein Fenster Bookmarks, über die man oft benutzte WWW-Seiten durch einfachen Doppelklick laden kann. Der hierarchische Aufbau in Gruppen sorgt dafür, daß der Benutzer auch bei extrem vielen Bookmarks die Übersicht behält. Bei einigen Seiten, wie beispielsweise bei IQ-Anzeigen (http://www.iqanzeigen.de) kommt StarOffice allerdings mit dem Format noch nicht ganz klar.

Netscape-Plug-Ins unterstützt StarOffice ebenfalls. Beim Versuch allerdings, unter Windows 95 und NT 3.51 das Spreadsheet-Plug-In 'Formula 1/Net' in ein Dokument einzubinden, meldete StarWriter lediglich einen OLE-Fehler. Beim Laden einer HTML-Seite mit integriertem Spreadsheet stürzte das Programm unter beiden Betriebssystemen sogar ab. Mit Netscape arbeitete dasselbe Dokument dagegen klaglos zusammen. Die Entwickler müssen an dieser Stelle wohl noch nachbessern. Bei den derzeit noch rar gesäten Plug-Ins kann man diesen Mangel aber gerade noch verschmerzen.

Lange Wartezeiten beim Laden von WWW-Seiten verleiden ein bißchen die Freude am Surfen im World Wide Web. Sie wurden nicht etwa durch einen 'Flaschenhals' im Internet verursacht, sondern traten auch auf einem verlagsinternen WWW-Server auf. Um sich allein im Internet treiben zu lassen, werden die meisten Benutzer dann wohl vorerst doch auf ihren altbewährten Browser zurückgreifen. Star Division verspricht jedoch Abhilfe, und in internen Versionen will man die Ladezeiten bereits verbessert haben. Zudem deutet der Zusatz 'Internet Pak I' im Namen an, daß es sich um eine erste Version handelt und weitere folgen werden.

Weder in der Windows- noch in der OS/2-Version reagierte StarOffice auf das Anklicken von Pushbuttons innerhalb von HTML-Seiten. Dadurch war es beispielsweise nicht möglich, in den Download-Bereich des WWW-Servers von Star Division zu gelangen - übers Internet werden sich StarOffice-Besitzer das nächste kostenlose Upgrade dann wohl mit ihrem bisherigen Browser besorgen müssen, solange Star Division die WWW-Seite nicht ändert.

Die OS/2-Version verhielt sich auf mehreren Rechnern ziemlich instabil: Nach dem Laden einiger WWW-Seiten über das Bookmark-Fenster des StarWriter brach die Verbindung wieder ab, wenn bereits eine andere Seite auf diesem Weg geladen war. Im Dokumentfenster war weiterhin der alte Inhalt zu sehen, und beim Scrollen verwischte er schließlich komplett. Dies ließ sich an ganz bestimmten WWW-Seiten reproduzieren, darunter Star Divisions WWW-Server: Dazu braucht man nur dessen Homepage via Bookmarks zu laden und danach auf demselben Weg die StarOffice-Seite anzuklicken. Rettung aus dieser mißlichen Lage brachte nur der Neustart der Textverarbeitung. Der installierte ATI-Grafiktreiber dürfte in diesem Fall kaum die Schuld tragen, denn der Wechsel zum Standard-VGA-Treiber brachte keine Besserung. An der OS/2-Konfiguration konnte es ebenfalls nicht liegen, denn auf einem Rechner mit frisch installiertem Betriebssystem trat derselbe Effekt auf. Mit dem übers Internet und in CompuServe verfügbaren Upgrade und einer ebenfalls dort erhältlichen Beta-Version der DLL für den Internet-Zugriff war dieser Fehler im Vorfeld des Tests nicht aufgefallen.

Seine Stärken zeigt StarOffice beim Erstellen von HTML-Seiten oder StarOffice-Dokumenten, die übers Internet oder ein firmeninternes Intranet abrufbar sein sollen. Dabei arbeitet der Benutzer wie gewohnt mit der Textverarbeitung, der Tabellenkalkulation oder dem Präsentationsprogramm. Hyperlinks lassen sich auf einfache Weise über eine zusätzliche Tool-Leiste in das Dokument einfügen. Dazu trägt man lediglich die URL sowie einen Namen so ein, wie er im Text erscheinen soll. Daraufhin stellt StarOffice auf Wunsch eine Verbindung zu diesem Link her, um sicherzustellen, daß die URL gültig ist. Noch einfacher kann man Hyperlinks aus dem Bookmark-Fenster mittels Drag&Drop in das Dokument ziehen. Grafiken und Texte dürfen auch mit einer URL versehen sein, so daß sie auf jedem beliebigen Server im Internet liegen können. Das fertige Dokument speichert StarOffice schließlich lokal auf der Platte oder überträgt es, Schreibberechtigung vorausgesetzt, direkt auf den Server.

Während sich der erfahrenere Web-User auf diese Weise bequem seine Dokumente mit Hilfe von Standardanwendungen anfertigen kann, gibt StarOffice dem Neuling hierzu wenig Hilfestellung - er muß sich mühsam durch Ausprobieren herantasten. Die Online-Hilfe bietet kaum mehr als ein paar allgemeine Sätze darüber, was das Internet ist, und daß man mit StarOffice eigene Dokumente oder eine eigene Homepage erstellen kann - aber nicht, wie man die Anwendung dazu benutzen muß. Das Versprechen der Online-Hilfe zu Beginn des Internet-Abschnitts, dies sei weiter unten zu lesen, wird nicht gehalten. Star Division scheint aus (mir unerklärlichem) Zeitdruck auf verwertbare Hilfe verzichtet zu haben. Die beiden Vorlagen für Homepages hätte man ebenfalls besser gestalten können. Sie erzeugen nicht gerade attraktive Seiten, mit denen man sich im Netz werbeträchtig präsentieren könnte. Darüber hinaus sehen die wenigen Beispieldateien zum Internet zu unprofessionell aus, um für den Umgang mit den neuen Features zu werben. Laut Hersteller überarbeitet man aber derzeit die Internet-Hilfe komplett, so daß man auf Besserung hoffen kann.

Mit der Internet-Anbindung gewinnt StarOffice 3.1 einen gewaltigen Vorsprung gegenüber der gesamten Konkurrenz, und Microsoft wird wohl erst gegen Jahresende mit vergleichbaren Funktionen in MS Office nachziehen. Vor diesem Hintergrund erscheint mir allerdings unverständlich, warum sich Star Division nicht mehr Zeit für Detailverbesserungen genommen hat und jetzt ein verbesserungwürdiges Produkt ausliefert. Schließlich wirbt das Paket auf der Verpackung in großer Schrift mit 'Internet-Integration'. Wer deshalb 498 DM für die Software ausgibt, den dürfte wohl kaum die Aussicht trösten, diese erst durch ein Update vervollständigen zu können. Neulingen im Internet muß Star Division außerdem eine bessere Hilfe bieten. Schließlich liefert man gerade ihnen auf CD-ROM die erforderliche Zugangssoftware für T-Online, Europe Online und CompuServe mit.

Wer allerdings schon Erfahrungen im Gestalten von HTML-Dokumenten gesammelt hat, erhält mit StarOffice 3.1 ein umfangreiches Office-Paket mit Standardanwendungen, mit dem er auch komfortabel im Internet publizieren kann. Zudem lassen sich Texte, Tabellen aus StarCalc und Präsentationen übers Internet oder im firmeneigenen Netz verteilen.

Sogenannte 'Try&Buy-Versionen' für Windows und OS/2, die im Internet (http://www.stardiv.de) und in CompuServe zum kostenlosen Download bereitstehen, sollen Überzeugungsarbeit leisten. Diese sind, neben Beta-Versionen für Solaris (Intel und Sparc) sowie für Mac OS auch auf einer CD-ROM versammelt, die für 5 DM in den Handel kommen soll. Lobend bleibt noch zu erwähnen, daß Star Division das Update von Version 3.0 auf 3.1 trotz der zusätzlichen Funktionen über Online-Medien (CompuServe und Internet) zum freien Download anbietet; für die CD-ROM sind rund 30 DM zu entrichten. (db)

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