Warp ruft Handy

SMS-Nachrichtenversand mit OS/2

Wissen | Hintergrund

Ob's der Neid der Besitzlosen ist oder Reaktion auf das angeberische Gehabe vieler Mobiltelefonbesitzer, lockere Sprüche über die Handies sind immer für einen Lacher gut.

Da kommt es gelegen, daß die OS/2-User unter den Handy-Verweigerern klammheimlich doch Kontakt mit den Telefoneignern aufnehmen können.

Das Mobilfunktelefon zählt mittlerweile zum normalen Gebrauchsgegenstand. Neben seiner eigentlichen Bestimmung, Sprache zu übertragen, bieten die meisten Modelle auch die Möglichkeit, Text-Kurznachrichten zu empfangen oder zu versenden. Die drei in Deutschland derzeit existierenden digitalen Mobilfunknetze, Telekom D1, Mannesmann D2 und E-Plus, bieten diese Nachrichten als SMS (Short Message Service) an. Leider ist auf diesem Weg die Kommunikation nur zwischen Teilnehmern innerhalb eines Mobilfunknetzes möglich. Umgehen kann man dies nur durch kommerzielle Nachrichtenzentralen, die sich ihren Service aber teuer bezahlen lassen.

Statt vom Telefon aus gibt es allerdings auch die Möglichkeit, Nachrichten über einen Modemzugang mit dahintergeschaltetem TAP-Rechner loszuwerden. Dabei hat jedes Netz allerdings wieder seinen eigenen Zugang. Unter OS/2 bietet das Programm GMS-SMS von Ulrich Kunz die Möglichkeit, vom PC oder Notebook aus SMS-Nachrichten an Teilnehmer in allen drei Netzen zu versenden. Dazu ist kein teurer Anschluß des Handies an den PC notwendig - GSM-SMS benutzt ein normales Modem und ruft die jeweilige SMS-Zentrale über die Festnetznummer an. Preiswert ist der Service allerdings nicht: Die Netzbetreiber belasten das Telefonkonto des Anrufers mit Beträgen zwischen 50 Pfennig und weit über einer Mark.

Das Programm bringt alle Funktionen in einem übersichtlichen Fenster unter: ein SMS-Telefonbuch, das Eingabefeld für die SMS-Nachricht sowie die Status- und Gebühreninformation. Hilfreich ist die Anzeige der Anzahl bereits eingegebener Zeichen, da eine SMS-Nachricht auf 160 Zeichen beschränkt ist. Zum Versand läßt sich eine beliebige Mischung von Teilnehmern aller drei Netze auswählen. Eine Art Signature, die an jede Nachricht angehängt wird, kann etwa die Telefonnummer des Absenders aufnehmen. Zur besseren Übersicht sind mehrere Telefonbücher möglich, wobei jedoch nur eines aktiv sein darf. Der Versand läßt sich anhand der Meldungen des GSM-Rechners leicht beobachten - eine Logdatei wird allerdings erst in der registrierten Version unterstützt, ebenso wie die Abfrage des GSM-Versandstatus durch erneutes Anrufen des jeweiligen TAP-Rechners.

Da GSM-SMS nur interaktiv arbeitet, gibt es als Ergänzung noch das SMS-Gateway. Alle Textdateien in einem bestimmten Format, die im Verzeichnis \Senden unterhalb des Programmverzeichnisses stehen, verschickt es automatisch an die in der Datei angegebenen Nummern. Wenn notwendig, kann der Text sogar eine Uhrzeit enthalten, zu der die Nachricht gesendet werden soll. Damit läßt sich recht einfach etwa eine Überwachung von Servern realisieren - ein Administrator kann beispielsweise bei Problemen mit dem Netzwerk über ein Rexx-Script eine entsprechende Nachricht erstellen und in das Verzeichnis kopieren lassen. Wenn er sein Handy nicht abgeschaltet hat, erfährt er dann sofort, daß er sich vielleicht einmal um seine Server kümmern sollte.

Die Kombination aus GSM-SMS und SMS-Gateway befriedigt so ziemlich alle Bedürfnisse, die man an den Short Message Service ohne Handy stellen kann. Selbst wer eines sein eigen nennt, dürfte die Eingabe der Nachrichten über die Computer-Tatstatur angenehmer finden als direkt am Telefon - wenn, ja wenn da die Kosten nicht wären ... (jk)


GSM-SMS (gsm121.zip, Shareware, 35 D-Mark) und SMS-GW (smsgw07.zip, Shareware, 25 D-Mark) finden sich auf ftp://ftp.leo.org/pub/comp/os/os2/leo/comm/gsmv123.zip bzw. auf ftp://ftp.leo.org.pub/comp/os/os2/leo/comm/smsgwv11.zip und in der c't-Mailbox.

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