Was Sie über Windows 10 und das Creators Update wissen müssen

Praxis & Tipps | Praxis

Was bringt das Creators Update für Windows 10? Lässt es sich verhindern? Kann ich das Gratis-Upgrade für Windows 10 immer noch bekommen? Ein Überblick zu Microsofts neuester Windows-10-Ausgabe und Antworten auf häufige Fragen.

Zweimal im Jahr veröffentlicht Microsoft eine neue Version von Windows 10 und verbessert dadurch im Regelfall Funktionen, Aussehen und Bedienung. Mitunter fallen dabei aber auch Funktionen oder bestimmte Einstellmöglichkeiten weg. Das Konzept nennt der Hersteller "Windows as a Service": Das Betriebssystem bleibt nicht auf dem Stand der gekauften Version stehen, sondern bekommt alle Neuentwicklungen per Windows Update – ganz in der Art von Apples Betriebssystemen MacOS und iOS.

Die aktuelle Windows-Ausgabe ist Version 1703, auch bekannt als Creators Update. Gemäß Microsofts neuem Veröffentlichungsschema dürfte die nächste Ausgabe im September oder Oktober 2017 verfügbar sein und Version 1709 heißen – im Stil von Ubuntu bestehen die Versionsnummern aus Jahr und Monat der Fertigstellung.

Namensgebend für das Creators Update sind ein paar neue 3D-Apps, allen voran Paint 3D: ein derzeit noch in den Kinderschuhen steckender App-Ersatz für das althergebrachte (und nach wie vor enthaltene) MS Paint, das auch einfache 3D-Malereien erlaubt. Vor allem aber bringt Version 1703, auch "Redstone 2" bennnte Ausgabe einen Haufen an Detailänderungen. Einige davon machen das Arbeiten mit Windows 10 im Alltag ein wenig entspannter.

Der "Nachtmodus" verringert die Farbtemperatur der Bildschirmdarstellung und soll damit in den Abendstunden für eine entspannters Betrachten des Bildschirms sorgen. Auf Wunsch kann er sich zwischen Sonnenunter- und -aufgang automatisch einschalten.

Wer seine Bildschirmsperre mit einer PIN versehen hat und diese auf dem Ziffernblock eintippt, muss dabei nicht mehr auf den "NumLock"-Status achten.

Den bordeigenen Virenwächter Defender hat Microsoft zusammen mit der Ansicht "Wartung und Sicherheit" in das neue "Windows Defender Security Center" verfrachtet. Das Verbinden mit einem VPN muss nicht mehr in den Einstellungen geschehen, sondern funktioniert direkt aus dem Schnellzugriffsmenü des Icons im Infobereich der Taskleiste. Auch Verbindungen zu einem LAN lassen sich nun als getaktete Verbindung festlegen.

Im WinX-Menü, das sich durch Windows-Taste+X oder Rechtsklick auf dem Startmenü-Knopf öffnen lässt, hat Microsoft ein paar Einträge ausgetauscht. Das ist nicht immer hilfreich – die jeweiligen Funktionen der klassischen Systemsteuerung sind zwar noch enthalten, müssen jetzt aber aufwendiger aufgerufen werden.

Der Webbroswer Edge wird mit dem Creators Update EPUB-kompatibel, um E-Books anzeigen zu können. Das hat einen recht banalen Grund: Im US-Windows-Store verkauft Microsoft inzwischen auch E-Books – und ein bordeigener Reader dafür hat bislang gefehlt.

Außerdem hat Edge eine Funktion, um offene Tabs eines Fensters zum späteren Lesen beiseite zu legen; Flash-Inhalte werden nicht mehr automatisch geladen, sondern erst nach ausdrücklicher Bestätigung druch den Anwender.

Die Darstellung diverser älterer Systemtools erschien bislang verpixelt oder verwaschen, wenn die Bildschirmskalierung von 100 Prozent abweicht. Das ist nun behoben. Außerdem soll ein neuer Skalierungsmodus in den Kompatibilitätseinstellungen einer Programmverknüpfung älterer Software zu einer stimmigen und dennoch scharfen Darstellung verhelfen. Und: Der Registry-Editor hat eine Copy&Paste-fähige Adresszeile bekommen.

Einer der größten Kritikpunkte an Windows 10 betrifft den laxen Umgang mit dem Thema Datenschutz. Hier will der Konzern mehr Transparenz schaffen: Die seit Anbeginn heftig kritisierte Schaltfläche für "Express-Einstellungen" bei der Ersteinrichtung von Windows 10 ist verschwunden. Stattdessen bekkommt der Anwender fünf Schalter angeboten, deren Ausschalten den Komfort einschränkt, aber den Datenschutz verbessert.

In den Datenschutzeinstellungen selbst ist die mittlere Stufe "Erweitert" für die Übertragung von Diagnosedaten verschwunden; es gibt nur noch "Einfach" und "Vollständig". Welche Daten das Creators Update dabei erfasst, hat Microsoft jüngst überraschend offen dokumentiert.

In der App für Einstellungen hat Microsfot ein wenig aufgeräumt. Es gibt nun nicht mehr neun, sondern elf Hauptkategorien. In "Apps" finden sich die Funktionen zum Deinstallieren von klassischen Programmen und modernen Apps, die Einstellungen für Standardprogramme und ähnliches.

Unter "Spielen" hat Microsoft für Gamer relevante Funktionen zusammengefasst: Einstellungen zu Game Bar und GameDVR müssen nun nicht mehr über die Xbox-App erfolgen.

Mit dem Anniversary Update gipfelte der Groll gegen Microsoft: Man hat den Anwendern nicht nur die Windows-Updates zwangsweise aufgedrückt, sondern sich auch noch erlaubt, den PC früher oder später ohne Rücksicht auf Verluste neu zu starten, um die Installation von Updates abzuschließen.

Von diesem Vorgehen ist Microsoft nicht generell abgerückt, aber die Steuerungsmöglichkeiten sind ein wenig besser geworden. Der "Nutzungszeitraum", in dem ein PC nicht automatisch neu starten darf, kann nun 18 statt bislang 12 Stunden betragen. Steht ein Neustart wegen Updates unmittelbar bevor, lässt er sich mit einer Snooze-Funktion für eine Dauer von drei Tagen aufschieben. Ab der Pro-Ausgabe lassen sich Updates zudem für eine Woche pausieren.

Windows-Dienste, die keine eigene .exe-Datei mitbringen, laufen auf dem "Hostprozess für Windows-Dienste", besser bekannt unter seinem Dateinamen svchost.exe. Bislang hat Windows stets mehrere Dienste auf einem svchost laufen lassen, um Arbeitsspeicher zu sparen – auch auf PCs mit sehr viel RAM. Läuft die 64-Bit-Ausgabe von Windows 10 in Version 1703 auf einem PC mit mehr als 3,5 GByte Arbeitsspeicher, nutzt das System den Speicher nun etwas großzügiger. Da fast jeder Dienst nun seinen eigenen svchost bekommt, findet man bei einem Blick in den Task-Manager nicht wie bislang rund 20, sondern 60 bis 70 Instanzen des Hostprozesses.

Das hat Vor- und Nachteile. Weil ein abstürzender Dienst nicht mehr alle anderen Dienste mitreißt, die unter dem selben Hostprozess laufen, wird die Systemstabilität ein wenig verbessert. Zudem gelingt die Ursachenforschung nun auch ohne den Ressourcenmonitor, wenn ein Dienst einmal einen CPU-Kern ungewöhnlich stark auslastet. Ein Nachteil: Der großzügige Umgang mit Hostprozess-Instanzen kostet mehr RAM. In der Praxis ist das zum Glück nicht allzuviel: In einem Testsystem stieg die Speicherauslastung beispiesweise um rund 100 MByte.

Außerdem hat Microsoft in Version 1703 ein Kommandozeilen-Programm namens MBR2VHD integriert. Es erlaubt, die Festplatte einer vorhandenen Windows-Installation vom MBR- aufs GPT-Partitionsschema umzustellen, ohne den Datenträger dafür neu partitionieren und formatieren zu müssen. Das ist hilfreich, um etwa eine Festplatte mit einer älteren Windows-Installation in einem neuen PC weiterzubetreiben, der ausschließlich das Starten im UEFI-Modus unterstützt.

Behoben ist der etwas skurrile Fehler aus dem Anniversary Update, durch den die Datenträgerbereinigung unabhängig von der Festplattengröße zuweilen 4 TByte Speicherplatz zum Freigeben versprach. Dafür hat ein neuer, nicht minder seltsamer Bug Einzug gehalten: Markiert man auf dem Desktop mehrere Icon und schiebt sie als Block umher, würfelt dies ihre Anordnung mitunter völlig durcheinander – obwohl an ihrer Zielposition reichlich Platz vorhanden ist.

Im Creators Update lässt sich der "Sperrbildschirm" wieder deaktiveren, der dem Anmeldebildschirm für die Passworteingabe vorgeschaltet ist. Er zeigt Uhrzeit und Datum sowie auf Wunsch auch Benachrichtigungen aus einigen modernen Apps wie Mail, Skype & Co. Während der Sperrbildschirm auf Tablets durchaus sinnvoll sein, wird er auf Desktop-PCs von vielen Anwendern als lästig empfunden. Erst in Version 1607, dem "Anniversary Update", hatte Microsoft Anwendern der Pro-Ausgabe die Möglichkeit entzogen, den Sperrbildschirm zu deaktiveren; weil dadurch der entsprechende Registry-Schlüssel nicht mehr gewirkt hat, entfiel die Möglichkeit auch für Home-Anwender.

Wer das Creators Update installiert hat und den Sperrbildschirm loswerden will, sollte zunächst sicherstellen, dass die Build-Nummer mindestens 15063.250 lautet (unter Einstellungen / System / Info / Betriebssystembuild). Denn die Option, den Sperrbildschirm zu deaktivieren, steckte nicht von Anfang an im Creators Update, sondern wurde erst Ende April hineingepatcht. Ist die Unternummer kleiner als 250, fehlt mindestens ein kumulatives Update – ein neuerliches Windows Update sollte Abhilfe schaffen.

Wir haben den nötigen Registry-Schlüssel in eine .reg-Datei gesteckt, die Sie herunterladen, entpacken und per Doppelklick auf Ihr System anwenden können. Nach einem Neustart des PCs sollte der Sperrbildschirm deaktiviert sein, sodass etwa nach dem Hochfahren oder dem Sperren des Systems per Windows-Taste+L unmittelbar das Feld zur Passworteingabe erscheint. Wenn Sie den Schlüssel lieber von Hand in die Registry eintragen möchten, finden Sie hier eine Anleitung dafür.

Anzeige