Was Sie über Windows 10 und das "Fall Creators Update" wissen müssen

Windows 10 und das Creators Update

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Was bringt das Fall Creators Update für Windows 10? Lässt es sich forcieren oder verhindern? Kann ich auch jetzt noch gratis auf Windows 10 umsteigen? Ein Überblick zu Microsofts neuester Windows-10-Ausgabe und Antworten auf häufige Fragen.

Zweimal im Jahr veröffentlicht Microsoft eine neue Version von Windows 10 und verändert oder erweitert damit Funktionen, Bedienung und Aussehen. Mitunter fallen dabei aber auch Funktionen oder bestimmte Einstellmöglichkeiten weg. Das Konzept nennt der Hersteller "Windows as a Service": Das Betriebssystem bleibt nicht auf dem Stand der gekauften Version stehen, sondern bekommt alle Neuentwicklungen per Windows Update – ganz in der Art von Apples Betriebssystemen MacOS und iOS.

Die derzeit aktuelle Windows-10-Ausgabe ist Version 1709, auch bekannt als "Fall Creators Update" oder "Redstone 3" – letzteres ist Microsofts interner Projektname dieser Ausgabe. Gemäß Microsofts neuem Veröffentlichungsschema soll die nächste Ausgabe im März oder April 2018 erscheinen. Sie dürfte dann Version 1803 heißen – wie bei Ubuntu Linux bestehen die Versionsnummern aus Jahr und Monat der Fertigstellung.

Wie üblich bekommt Windows 10 mit der neuen Ausgabe auch diesmal ein Haufen an Detailänderungen. Einige davon machen das Arbeiten mit Windows 10 im Alltag ein wenig entspannter. Der Webbrowser Edge etwa ist nicht nur Browser, sondern dient auch als Dokumenten-Reader für .PDF- und .EPUB-Dateien. In dieser Eigenschaft unterstützt er nun PDF-Inhaltsverzeichnisse und -Formulare und bietet Schaltflächen zum Rotieren und für doppelseitige Darstellung. Die Windows-Sprachausgabe kann PDFs vorlesen. In E-Books und PDFs lassen sich Kommentare, Markierungen und Ink-Notizen einbringen. Außerdem lässt sich Edge nun mit der Taste F11 in den Vollbildmodus schalten.

Zum besseren Schutz vor Erpressungstrojanern steht nun der überwachte Ordnerzugriff bereit, der nur zugelassenen Programmen in Dokumenten, Bildern & Co. Schreibrechte gewährt. Er lässt sich im Windows Defender Security Center aktivieren und ist dort etwas versteckt – im Menü "Viren- & Bedrohungsschutz" (Schild-Icon auf der linksseitigen Leiste) unter "Einstellungen für Viren- & Bedrohungsschutz".

Hat man ihn aktiviert, können Prozesse, die Microsoft noch nicht als eindeutig harmlos eingestuft hat, nicht mehr in den Dokumentenordnern schreiben. Das trifft mitunter auch vollkommen legitime Programme – im Untermenü "App durch überwachten Ordnerzugriff zulassen" kann man sie freigeben. Unter "Geschützte Ordner" lassen sich zudem weitere Ordner hinzufügen, die ebenfalls unter dem Schutzschirm stehen sollen.

Ebenfalls im Windows Defender Security Center, allerdings im Untermenü für "App- & Browsersteuerung", findet sich nun die Funktion Exploit-Schutz. Dahinter verbirgt sich die Funktionalität des früheren Enhanced Mitigation Experience Toolkit (EMET), das Microsoft vor einiger Zeit als Einzelprodukt aufgegeben hatte. Mit ihm können Admins sehr gezielt in die Schutzmechanismen von Windows eingreifen. Wer nicht wirklich exakt weiß, was er hier tut, sollte die Funktion nicht anfassen – das Risiko ist groß, sich einzelne Windows-Funktionen zu sabotieren oder Sicherheitslöcher zu öffnen.

Immer wieder berichten uns Leser, dass ihr Heimnetzwerk mehr oder weniger lahmgelegt wird, sobald ein PC anfängt, die monatlichen Windows Updates zu laden – Netflix & Co. ruckeln und selbst normale Webseiten sind kaum noch aufrufbar. Dieser Kritik will Microsoft mit einer Bandbreiten-Bremse entgegentreten. Sie ist gut versteckt: In den Einstellungen unter Update und Sicherheit / Windows Update / Erweiterte Optionen / Übermittlungsoptimierung / Erweiterte Optionen. Dort lässt sich nun einstellen, wieviel Prozent der maximalen Netzwerkbandbreite maximal für Windows- und App-Updates draufgehen dürfen.

Wer der Übermittlungsoptimierung die Peer-to-Peer-Verteilung erlaubt hat ("Downloads von anderen PCs zulassen"), kann dort auch den maximalen Bandbreiten-Anteil für Uploads und eine monatliche Volumengrenze einstellen.

Der Client für Microsofts Cloud-Speicher-Dienst OneDrive hat die Funktion "Dateien bei Bedarf" hinzubekommen: Ist sie aktiv, landen neue Dateien, die von anderen Geräten aus in der Cloud gelandet sind, nicht automatisch auf dem PC, sondern werden erst bei Bedarf geholt – das spart Speicherplatz und Datentransfervolumen.

Interessant für Tablet-Nutzer ist ein neues Format für die Bildschirmtastatur: Sie bietet nun eine Darstellung, in der sie so klein ist wie eine Touch-Tastatur auf dem Smartphone und Wisch-Eingabe unterstützt. Schiebt man sie in eine Bildschirmecke, lässt sie sich bequem mit dem Daumen bedienen.

Auffällig ist das neue Kontakte-Symbol im Infobereich der Taskleiste. Über dessen Menü lassen sich Kontakte auswählen, um mit ihnen zu skypen oder Mails zu schreiben. Drei Stück können zudem an die Taskleiste für noch schnelleren Zugriff angeheftet werden. Sinnvoll nutzbar ist das nur, wenn man Windows mit einem Online-Konto verknüpft hat, das Kontaktdaten auch bereitstellen kann – also etwa ein Microsoft- oder Google-Konto. Darin liegt dann auch die Einschränkung dieser Funktion: Eine Verknüpfung von Windows 10 mit anderen Diensten wie Facebook oder Viber ist derzeit nicht möglich; solche Kontakte bleiben also außenvor.

Der automatische Login beim Hochfahren des PCs sorgt dafür, dass der beim Herunterfahren angemeldete Benutzer beim nächsten Start des Rechners wieder eingeloggt wird, oder genauer gesagt: Windows lädt das Benutzerprofil im Hintergrund, schaltet aber die Bildschirmsperre aktiv. Wer den PC einschaltet und ihm danach etwas Zeit zum Hochfahren lässt, kann nach der Kennworteingabe sofort loslegen und muss nicht abermals warten, bis das Benutzerprofil geladen ist. Die Funktion lässt sich in den Einstellungen unter Konten / Anmeldeoptionen deaktivieren – der Schalter trägt die etwas verschwurbelte Bezeichnung "Meine Anmeldeinfos verwenden, um die Geräteeinrichtung nach einem Update oder Neustart automatisch abzuschließen".

Wer den Task-Manager verwendet, wird bemerken, dass Microsoft ihm in der Ansicht "Leistung" nun eine zusätzliche Seite für die Auslastung des Grafikchips spendiert hat. Meldet man sich mit einem Microsoft-Konto am PC an, hat aber das Kennwort vergessen, lässt sich der Kennwort-Reset-Vorgang nun direkt von der Anmeldeseite aus starten. Besitzer eines Tablets mit Eingabestift können die Funktion Mein Gerät suchen nun auch verwenden, wenn sie ihren Stift verbaselt haben: Zwar hat der Stift selbst keine GPS-Funktion, doch lässt sich immerhin anzeigen, wo man ihn zuletzt benutzt hat. Arbeitet man viel an verschiedenen Orten, gibts das zumindest einen groben Anhaltspunkt, wo man suchen muss.

In den Eigenschaften einer aktiven Netzwerkverbindung lässt sich nun das Netzwerkprofil mit einem Handgriff zwischen privat und öffentlich umschalten. Der ab der Edition Windows 10 Pro enthaltene Virtualisierer Hyper-V kann auf Wunsch automatisch Snapshots ("Prüfpunkte") bei jedem Start einer virtuellen Maschine anlegen.

In der App für Einstellungen hat Microsoft zwei neue Untermenüs hinzugefügt: Eines zeigt die Smartphones an, die der Besitzer mit seinem Microsoft-Konto verknüpft hat – relevant ist das freilich nur, wenn man ohnehin ein Microsoft-Konto benutzt, um sich am PC anzumelden und Funktionen zur nahtlosen Weiterarbeit über mehrere Geräte hinweg überhaupt nutzen möchte. Im zweiten Menü hat Microsoft die Einstellungen der Assistzenzfunktion Cortana zusammengefasst, die bislang eher unübersichtlich im Cortana-Fenster versteckt waren.

Zudem haben die Einstellungen abermals ein paar neue Funktionen bekommen, die bislang in den Menüs der klassischen Systemsteuerung zu finden waren. So lässt sich die Bereitschaft für Remotedesktop-Verbindungen nun unter "System" konfigurieren. Auch das Modul zum Standardeinstellungen nach App festlegen ist in die modernen Einstellungen gewandert.

Wer die Bildschirmlupe nutzt, kennt möglicherweise das Problem, dass Schriften in der Vergrößerung arg pixelig aussehen. Hier hat Microsoft Abhilfe geschaffen und die Lupe mit einer eigenen Kantenglättung ausgestattet, die für eine deutlich glattere und schärfere Darstellung sorgt. Zwar ist sie nicht perfekt – Rundungen an Buchstaben wirken oft wie mehrfach mit dem Bleistift nachgezogen und immernoch etwas verwaschen – doch in der Summe ist ein deutlicher Qualitätssprung zu erkennen.

Außerdem will Microsoft weiter am Dauerbrenner-Problem der Bildschirmskalierung gearbeitet haben. Seit hoch auflösende Bildschirme am Arbeitsplatz, im Laptop und so weiter üblich sind, löst das An- oder Abdocken eines externen Monitors oft auch einen Wechsel des Skalierungsfaktors aus. Bislang war es nötig, sich ab- und wieder anzumelden, damit auch ältere Programme scharf dargestellt werden. Nun soll es reichen, nur die betroffenen Programme zu schließen und wieder zu öffnen.

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