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Was Sie über Windows 10 und das "Fall Creators Update" wissen müssen

Praxis & Tipps | Praxis

Was bringt das Fall Creators Update für Windows 10? Lässt es sich forcieren oder verhindern? Kann ich auch jetzt noch gratis auf Windows 10 umsteigen? Ein Überblick zu Microsofts neuester Windows-10-Ausgabe und Antworten auf häufige Fragen.

Zweimal im Jahr veröffentlicht Microsoft eine neue Version von Windows 10 und verändert oder erweitert damit Funktionen, Bedienung und Aussehen. Mitunter fallen dabei aber auch Funktionen oder bestimmte Einstellmöglichkeiten weg. Das Konzept nennt der Hersteller "Windows as a Service": Das Betriebssystem bleibt nicht auf dem Stand der gekauften Version stehen, sondern bekommt alle Neuentwicklungen per Windows Update – ganz in der Art von Apples Betriebssystemen MacOS und iOS.

Die derzeit aktuelle Windows-10-Ausgabe ist Version 1709, auch bekannt als "Fall Creators Update" oder "Redstone 3" – letzteres ist Microsofts interner Projektname dieser Ausgabe. Gemäß Microsofts neuem Veröffentlichungsschema [1] soll die nächste Ausgabe im März oder April 2018 erscheinen. Sie dürfte dann Version 1803 heißen – wie bei Ubuntu Linux bestehen die Versionsnummern aus Jahr und Monat der Fertigstellung.

Windows 10: Fall Creators Update (0 Bilder) [2]

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Wie üblich bekommt Windows 10 mit der neuen Ausgabe auch diesmal ein Haufen an Detailänderungen. Einige davon machen das Arbeiten mit Windows 10 im Alltag ein wenig entspannter. Der Webbrowser Edge etwa ist nicht nur Browser, sondern dient auch als Dokumenten-Reader für .PDF- und .EPUB-Dateien. In dieser Eigenschaft unterstützt er nun PDF-Inhaltsverzeichnisse und -Formulare und bietet Schaltflächen zum Rotieren und für doppelseitige Darstellung. Die Windows-Sprachausgabe kann PDFs vorlesen. In E-Books und PDFs lassen sich Kommentare, Markierungen und Ink-Notizen einbringen. Außerdem lässt sich Edge nun mit der Taste F11 in den Vollbildmodus schalten.

Zum besseren Schutz vor Erpressungstrojanern steht nun der überwachte Ordnerzugriff bereit, der nur zugelassenen Programmen in Dokumenten, Bildern & Co. Schreibrechte gewährt. Er lässt sich im Windows Defender Security Center aktivieren und ist dort etwas versteckt – im Menü "Viren- & Bedrohungsschutz" (Schild-Icon auf der linksseitigen Leiste) unter "Einstellungen für Viren- & Bedrohungsschutz".

Hat man ihn aktiviert, können Prozesse, die Microsoft noch nicht als eindeutig harmlos eingestuft hat, nicht mehr in den Dokumentenordnern schreiben. Das trifft mitunter auch vollkommen legitime Programme – im Untermenü "App durch überwachten Ordnerzugriff zulassen" kann man sie freigeben. Unter "Geschützte Ordner" lassen sich zudem weitere Ordner hinzufügen, die ebenfalls unter dem Schutzschirm stehen sollen.

Ebenfalls im Windows Defender Security Center, allerdings im Untermenü für "App- & Browsersteuerung", findet sich nun die Funktion Exploit-Schutz. Dahinter verbirgt sich die Funktionalität des früheren Enhanced Mitigation Experience Toolkit (EMET), das Microsoft vor einiger Zeit als Einzelprodukt aufgegeben hatte. Mit ihm können Admins sehr gezielt in die Schutzmechanismen von Windows eingreifen. Wer nicht wirklich exakt weiß, was er hier tut, sollte die Funktion nicht anfassen – das Risiko ist groß, sich einzelne Windows-Funktionen zu sabotieren oder Sicherheitslöcher zu öffnen.

Immer wieder berichten uns Leser, dass ihr Heimnetzwerk mehr oder weniger lahmgelegt wird, sobald ein PC anfängt, die monatlichen Windows Updates zu laden – Netflix & Co. ruckeln und selbst normale Webseiten sind kaum noch aufrufbar. Dieser Kritik will Microsoft mit einer Bandbreiten-Bremse entgegentreten. Sie ist gut versteckt: In den Einstellungen unter Update und Sicherheit / Windows Update / Erweiterte Optionen / Übermittlungsoptimierung / Erweiterte Optionen. Dort lässt sich nun einstellen, wieviel Prozent der maximalen Netzwerkbandbreite maximal für Windows- und App-Updates draufgehen dürfen.

Wer der Übermittlungsoptimierung die Peer-to-Peer-Verteilung erlaubt hat ("Downloads von anderen PCs zulassen"), kann dort auch den maximalen Bandbreiten-Anteil für Uploads und eine monatliche Volumengrenze einstellen.

Der Client für Microsofts Cloud-Speicher-Dienst OneDrive hat die Funktion "Dateien bei Bedarf" hinzubekommen: Ist sie aktiv, landen neue Dateien, die von anderen Geräten aus in der Cloud gelandet sind, nicht automatisch auf dem PC, sondern werden erst bei Bedarf geholt – das spart Speicherplatz und Datentransfervolumen.

Interessant für Tablet-Nutzer ist ein neues Format für die Bildschirmtastatur: Sie bietet nun eine Darstellung, in der sie so klein ist wie eine Touch-Tastatur auf dem Smartphone und Wisch-Eingabe unterstützt. Schiebt man sie in eine Bildschirmecke, lässt sie sich bequem mit dem Daumen bedienen.

Auffällig ist das neue Kontakte-Symbol im Infobereich der Taskleiste. Über dessen Menü lassen sich Kontakte auswählen, um mit ihnen zu skypen oder Mails zu schreiben. Drei Stück können zudem an die Taskleiste für noch schnelleren Zugriff angeheftet werden. Sinnvoll nutzbar ist das nur, wenn man Windows mit einem Online-Konto verknüpft hat, das Kontaktdaten auch bereitstellen kann – also etwa ein Microsoft- oder Google-Konto. Darin liegt dann auch die Einschränkung dieser Funktion: Eine Verknüpfung von Windows 10 mit anderen Diensten wie Facebook oder Viber ist derzeit nicht möglich; solche Kontakte bleiben also außenvor.

Der automatische Login beim Hochfahren des PCs sorgt dafür, dass der beim Herunterfahren angemeldete Benutzer beim nächsten Start des Rechners wieder eingeloggt wird, oder genauer gesagt: Windows lädt das Benutzerprofil im Hintergrund, schaltet aber die Bildschirmsperre aktiv. Wer den PC einschaltet und ihm danach etwas Zeit zum Hochfahren lässt, kann nach der Kennworteingabe sofort loslegen und muss nicht abermals warten, bis das Benutzerprofil geladen ist. Die Funktion lässt sich in den Einstellungen unter Konten / Anmeldeoptionen deaktivieren – der Schalter trägt die etwas verschwurbelte Bezeichnung "Meine Anmeldeinfos verwenden, um die Geräteeinrichtung nach einem Update oder Neustart automatisch abzuschließen".

Wer den Task-Manager verwendet, wird bemerken, dass Microsoft ihm in der Ansicht "Leistung" nun eine zusätzliche Seite für die Auslastung des Grafikchips spendiert hat. Meldet man sich mit einem Microsoft-Konto am PC an, hat aber das Kennwort vergessen, lässt sich der Kennwort-Reset-Vorgang nun direkt von der Anmeldeseite aus starten. Besitzer eines Tablets mit Eingabestift können die Funktion Mein Gerät suchen nun auch verwenden, wenn sie ihren Stift verbaselt haben: Zwar hat der Stift selbst keine GPS-Funktion, doch lässt sich immerhin anzeigen, wo man ihn zuletzt benutzt hat. Arbeitet man viel an verschiedenen Orten, gibts das zumindest einen groben Anhaltspunkt, wo man suchen muss.

In den Eigenschaften einer aktiven Netzwerkverbindung lässt sich nun das Netzwerkprofil mit einem Handgriff zwischen privat und öffentlich umschalten. Der ab der Edition Windows 10 Pro enthaltene Virtualisierer Hyper-V kann auf Wunsch automatisch Snapshots ("Prüfpunkte") bei jedem Start einer virtuellen Maschine anlegen.

In der App für Einstellungen hat Microsoft zwei neue Untermenüs hinzugefügt: Eines zeigt die Smartphones an, die der Besitzer mit seinem Microsoft-Konto verknüpft hat – relevant ist das freilich nur, wenn man ohnehin ein Microsoft-Konto benutzt, um sich am PC anzumelden und Funktionen zur nahtlosen Weiterarbeit über mehrere Geräte hinweg überhaupt nutzen möchte. Im zweiten Menü hat Microsoft die Einstellungen der Assistzenzfunktion Cortana zusammengefasst, die bislang eher unübersichtlich im Cortana-Fenster versteckt waren.

Zudem haben die Einstellungen abermals ein paar neue Funktionen bekommen, die bislang in den Menüs der klassischen Systemsteuerung zu finden waren. So lässt sich die Bereitschaft für Remotedesktop-Verbindungen nun unter "System" konfigurieren. Auch das Modul zum Standardeinstellungen nach App festlegen ist in die modernen Einstellungen gewandert.

Wer die Bildschirmlupe nutzt, kennt möglicherweise das Problem, dass Schriften in der Vergrößerung arg pixelig aussehen. Hier hat Microsoft Abhilfe geschaffen und die Lupe mit einer eigenen Kantenglättung ausgestattet, die für eine deutlich glattere und schärfere Darstellung sorgt. Zwar ist sie nicht perfekt – Rundungen an Buchstaben wirken oft wie mehrfach mit dem Bleistift nachgezogen und immernoch etwas verwaschen – doch in der Summe ist ein deutlicher Qualitätssprung zu erkennen.

Außerdem will Microsoft weiter am Dauerbrenner-Problem der Bildschirmskalierung gearbeitet haben. Seit hoch auflösende Bildschirme am Arbeitsplatz, im Laptop und so weiter üblich sind, löst das An- oder Abdocken eines externen Monitors oft auch einen Wechsel des Skalierungsfaktors aus. Bislang war es nötig, sich ab- und wieder anzumelden, damit auch ältere Programme scharf dargestellt werden. Nun soll es reichen, nur die betroffenen Programme zu schließen und wieder zu öffnen.

Bei der Verteilung des Fall Creators Update will Microsoft vorsichtiger vorgehen als bei den ersten Ausgaben von Windows 10. Nach der Freigabe in Windows Update am 17. Oktober dürften es, wie schon beim Creators Update im vergangenen April, zunächst nur Anwender mit weit verbreiteter Soft- und Hardware bekommen. So will man verhindern, dass Anwender mit selteneren Konfigurationen wegen Treiberproblemen oder ähnlichem ins Messer laufen. Ob die Strategie in der Praxis aufgeht, werden wie gehabt allerdings erst die Wochen und Monate nach der Veröffentlichung zeigen.

Microsoft empfiehlt inzwischen stets, dass man warten soll, bis Windows Update eine neue Ausgabe des Betriebssystems von sich aus lädt. Wer nicht warten will und weiß was er tut, kann das Upgrade forcieren. Das Mittel der Wahl ist dafür das aktuelle "Media Creation Tool". Es kann wahlweise den PC, auf dem man es startet, direkt aktualisieren oder aber einen Installations-Datenträger für Windows 10 erstellen (nach Wunsch als ISO-Image-Datei zum Brennen einer Setup-DVD oder als bootfähigen USB-Stick).

Erstellt man solch ein Installations-Medium per Media Creation Tool, eignet es sich nicht nur für eine saubere Neuinstallation von Windows 10. Man kann damit auch ein vorhandenes Windows 10 aufs Fall Creators Update aktualisieren. Entscheidend dafür ist, den Stick beziehungsweise die DVD unter dem schon installierten, laufenden Windows einzulegen, im Datei-Explorer aufzurufen und das Programm setup.exe aus dem Hauptverzeichnis der Setup-DVD/des Stick zu starten.

In Windows 10 Pro und höheren Editionen lässt sich die Installation des Creators Update eine Zeit lang aufschieben: Ist in den erweiterten Update-Optionen die Funktion das "Branch-Bereitschaftsniveau" auf "Current Branch for Business" umgestellt, wartet Windows mit dem Download des Fall Creators Update, bis Microsoft es für den Unternehmenseinsatz freigegeben hat. Meist sind das zirka vier Monate. Zudem lässt sich unabhängig davon ein Wert für die Verzögerung in 1-Tages-Schritten einstellen. Gezählt wird ab dem Veröffentlichungsdatum der neuen Version, hier also ab dem 17. Oktober 2017.

Nach bisheriger Erfahrung gibt die viermonatige Verzögerung Microsoft genug Zeit, um einerseits Kinderkrankheiten einer neuen Ausgabe zu heilen, und andererseits auch Fehler auszubügeln, die beim Upgrade auf die neue Version auftauchen können. Patches, die Fehler während des Upgrade-Prozesses korrigeren, werden heruntergeladen und direkt ins Setup-Paket integriert, bevor die Installation der neuen Ausgabe überhaupt beginnt. Als Anwender bekommt man von diesen Updates nichts mit; Microsoft bezeichnet sie als "dynamische Updates".

Wer allerdings die Home-Edition von Windows 10 benutzt, sieht mit etwas Pech auch die Schattenseiten von "Windows as a Service". Dort lässt sich die Installation einer neuen Ausgabe nicht mit sinnvollen Methoden hinauszögern. Ein Stück weit spielen Home-Anwender also immer Betatester – sie liefern Erfahrungswerte in Form von Telemetriedaten, die den nötigen Feinschliff zum Release im Business-Kanal erst ermöglichen.

Die Systemvoraussetzungen für das Fall Creators Update entsprechen denen, die für Windows seit vielen Jahren üblich sind: Der RAM sollte mindestens 1 GByte (32 Bit) beziehungsweise 2 GByte (64 Bit) fassen, die Festplatte mindestens 16 beziehungsweise 20 Gigabyte groß sein (32- bzw. 64-Bit-Systeme). Letzteres kann man aber getrost als absolute Untergrenze ansehen: Viele preisgünstige Windows-10-Tablets haben 32 GByte Flash-Speicher, der schon arg knapp bemessen ist – spätestens für die halbjährlichen Feature-Upgrades muss der Speicher jedes Mal penibel aufgeräumt werden, damit der Upgrade-Vorgang hinreichend Platz hat.

Die Kompatibilität eines älteren PC mit Windows 10 hängt nicht nur an dessen Leistung, sondern auch an der Frage, ob es noch Treiber für die eingebaute Hardware gibt. Als Faustregel gilt: Windows 10 ist meistens kompatibel mit Rechnern, die mindestens mit Windows 7 verkauft wurden, also seit etwa 2010 gebaut wurden. Ausnahmen bestätigen die Regel. So erwiesen sich die einen oder anderen Mainboard-Chipsätze des Herstellers Nvidia als ungeeignet, in einigen Fällen fehlen Grafiktreiber. Auch USB-3.0-Zusatzchips etwas von ASMedia bereiten mit einer gewissen Regelmäßigkeit Probleme. Im Zweifelsfall hilft nur Ausprobieren – zum Beispiel mittels Parallelinstallation auf eine ausrangierte Festplatte oder in ein virtuelles Laufwerk. Wie Sie ein solches Zweit-Windows anlegen, beschreiben wir im Schwerpunkt Zweit-Windows mit einem Klick [6].

Bis zum 29. Juli 2016 konnten Anwender von Windows 7 und 8.1 kostenlos auf Windows 10 umsteigen – zumindest offiziell, denn faktisch ist der Wechsel zu Windows 10 auch mit dem "Fall Creators Update" noch gratis möglich. Microsoft bietet es allen an, die Hilfstechnologien für die Barrierefreiheit nutzen. Auf der dafür eingerichteten Website [7] erklärt der Hersteller, dass das Angebot nicht auf bestimmte Hilfstechnologien beschränkt ist. Die Frage, wann man das Upgrade annehmen darf, lässt daher einen weiten Spielraum für Interpretationen zu: Im Prinzip reicht schon die gelegentliche Benutzung der Bildschirmlupe. Um einen PC direkt von einer älteren Ausgabe auf Windows 10 zu bringen, ist das Upgrade-Tool notwendig, das Microsoft auf der genannten Accessibility-Seite [8] zum Download anbietet.

Wer gratis auf Windows 10 umsteigen und dabei lieber gleich sauber neu installieren will, braucht das Upgrade-Tool nicht. Der Grund: Auch bei der Installation von Windows 10 in Version 1709 lassen sich nach wie vor Lizenzschlüssel für Windows 7, 8 und 8.1 eintippen, um Windows 10 zu aktiveren. Bei Geräten, die mit Windows 8 oder 8.1 verkauft wurden, liegt der Lizenzschlüssel meist in der Firmware. In diesem Fall sollte das Setup den Schlüssel automatisch auslesen und gar nicht erst danach fragen.

Upgradefähig sind Lizenzen für Windows 7, 8 und 8.1 mit Ausnahme der jeweiligen Enterprise-Ausgaben. Im Detail heißt das: Windows 7 Starter, Home Basic und Home Premium, Windows 8, 8.1 und Windows 8.1 mit Bing werden auf Windows 10 Home aktualisiert. Wer Windows 7 Professional oder Ultimate oder Windows 8 Pro beziehungsweise 8.1 Pro verwendet, bekommt Windows 10 Pro.

In den Einstellungen unter "Update und Sicherheit / Aktivierung" heißt es bei Gratis-Upgrades, das System sei über eine digitale Lizenz aktiviert. Eine solche ist der Nachweis für die Berechtigung zum Gratis-Upgrade auf Windows 10. Sie besteht aus einer weltweit einmaligen Hardware-ID, also einer Art Hash-Wert, der offenbar vor allem über das Mainboard generiert wird, und dem Lizenzschlüssel des Windows 7 bzw. 8.1 – Microsoft verrät das nach wie vor nicht so genau, das Verhalten der Aktivierung von Windows-10-Gratis-Upgrades legt es aber nahe.

Die digitale Lizenz wird bei erstmaliger erfolgreicher Aktivierung von Windows 10 mit einer Alt-Lizenz auf Microsofts Aktivierungsserver gespeichert. Sie bewirkt, dass Windows 10 in der passenden Edition auf ein- und derselben Hardware auch ohne abermaliges Eintippen eines Lizenzschlüssels aktiviert werden kann. Nach der Installation bildet Windows 10 die Hardware-ID und schickt sie an den Aktivierungsserver. Meldet der zurück, dass für diesen PC schon eine digitale Berechtigung vorliegt, wird die Installation ohne weiteres Zutun aktiviert.

Ihre Fragen zu Gratis-Upgrade und Lizenzen

Gilt das Gratis-Upgrade-Angebot auch für Windows 7 Starter? Und für Windows 8.1 mit Bing?

Ja, beide können auf Windows 10 Home aktualisieren. Die starken funktionalen Einschränkungen von Windows 7 Starter fallen dabei weg – man bekommt ein vollwertiges Windows 10 Home.

Wenn ich mehrere Windows-8.1-PCs mit einem Microsoft-Konto verwende und alle Einstellungen über das Konto synchronisiere, löst ein Upgrade auf einem der PCs dann auch das Upgrade auf den anderen aus?

Nein. Damit ein Upgrade auf einem PC angestoßen wird, ist stets das Bestätigen der Endbenutzer-Lizenzvereinbarung (EULA) für Windows 10 auf dem betreffenden Gerät nötig.

Bleibt meine Lizenz für Windows 7 oder 8.1 gültig?

Ja. Das Gratis-Upgrade rührt Ihre bestehende Lizenz für Windows 7, 8 oder 8.1 nicht an, prüft allerdings auf dem Aktivierungsserver ihre Gültigkeit.

Bekomme ich beim Gratis-Upgrade einen Lizenzschlüssel für Windows 10?

Nein.

Kann ich meinen Lizenzschlüssel für Windows 7, 8 oder 8.1 mit Windows 10 verwenden?

Ja, bislang funktioniert das, obwohl das Gratis-Upgrade-Angebot für die Allgemeinheit offiziell beendet ist.

Muss ich zwingend aus dem laufenden Alt-Windows heraus eine Upgrade-Installation ausführen, um später erfolgreich sauber neu zu installieren?

Nein, seit Windows 10 in Version 1511 ist das nicht mehr nötig. Sie können Windows 10 direkt sauber neu installieren und Ihren Lizenzschlüssel für Ihr vorhandenes Windows 7, 8 oder 8.1 eingeben.

Verschenkt Microsoft Lizenzen für Windows 10?

Nein. Verschenkt wird die Berechtigung, eine gültige Lizenz für Windows 7 oder 8.1 stattdessen für die Aktivierung von Windows 10 zu verwenden. Ihre vorhandene Lizenz des älteren Windows bildet die Grundlage dafür. Sie wird durch das Upgrade weder überflüssig noch ungültig.

Seit Version 1607 wird die digitale Lizenz automatisch mit einem Microsoft-Konto verknüpft, sobald man sich mit einem solchen an Windows 10 anmeldet. Das Ganze soll eine komfortable Neu-Aktivierung nach einem größeren Hardwaretausch ermöglichen. Eine Alt-Lizenz kann man unabhängig davon auch auf eine komplett andere Hardware portieren, da sich die alten Lizenzschlüssel nach wie vor zur Neuinstallation und Aktivierung von Windows 10 auf neuer Hardware verwenden lassen. Ob und wann Microsoft vor hat, das zu ändern, ist nicht bekannt.

Da es Windows 10 weiterhin als Gratis-Upgrade gibt, bleibt die Frage, ob man wirklich wechseln sollte. Viele Argumente für Windows 10 sind gleichzeitig Argumente dagegen: Etwa die Assistenzfunktion Cortana, die einerseits hilfreiche Hinweise zu Terminen und eine praktische Sprachsteuerung für einige Grundfunkionen bietet. Die andererseits aber nur dann sinnvoll funktioniert, wenn der Anwender ihr recht freizügige Zugriffsrechte auf persönliche Daten wie E-Mails, Kalender & Co. gewährt. Was für die einen eine liebgewonnene Unterstützung à la Siri oder Google Now ist, bleibt für die anderen ein Alptraum in Sachen Datenschutz.

Ähnlich verhält es sich mit Microsofts Update-Strategie: Der Installations-Zwang für die monatlichen Sicherheitsupdates hät die PCs zwar besser auf dem aktuellen Stand, doch hin und wieder kommen Downloads oder gar Neustarts zur Unzeit.

Auch der Treiber-Support ist ein zweischneidiges Schwert: Beim Wechsel auf Windows 10 verliert man möglicherweise den Support für ältere Hardware; speziell bei bei Peripheriegeräten wie Druckern und Scannern sieht es häufig mau aus. Wer dagegen neueste Hardware verwendet oder viel am PC spielt, bekommt mit Windows 10 einen zukunftssicheren Treiber-Support und exklusive Funktionen wie DirectX 12.

Auf die Frage, ob man mit Windows 10 wirklich besser bedient ist oder doch bei Windows 7 oder 8.1 bleiben sollte, gibt es deshalb keine allgemeine Antwort. Sie ist stattdessen eine Einzelfallentscheidung.

Ihre Fragen zu Datenschutz und Cortana

Wie unterbinde ich die Datensammelei?

Hilfreich ist dafür, sich nicht mit einem Microsoft-Konto an Windows 10 anzumelden, sondern ein lokales Konto einzurichten. Am besten schon während der Einrichtung des Systems: Dort, wo der Setup-Assistent Sie nach "E-Mail, Telefon oder Skype"-Kennnung fragt, klicken Sie untern links auf "Offlinekonto" und auf der darauf folgenden Seite auf "Später". Danach können Sie den Namen für ein lokales Benutzerkonto eingeben. Im weiteren Verlauf der Einrichtung beantworten Sie die Frage, ob Cortana Ihre Assistentin werden soll, mit "Nein" und deaktivieren auf der nachfolgenden Seite "Wählen Sie die Datenschutzeinstellungen für Ihr Gerät aus" alle Schalter.

Später können Sie auch in den Windows-Einstellungen unter "Datenschutz" alle Funktionen abschalten, die Sie Microsoft nicht erlauben möchten – oder einzelne Funktionen wie die Standortbestimmung falls nötig wieder einschalten.

Kann ich Cortana und die Web-Suche in der Taskteiste ganz ausschalten?

Ja. Dafür ist ein kleiner Eingriff in die Registry nötig. Um ihn vorzunehmen, können Sie unsere Datei CortanaGehWeg.zip herunterladen [9] und entpacken. Welche der beiden .reg-Dateien Sie dann doppelklicken, ist Geschmackssache: "CortanaGehWeg-NurDieserBenutzer.reg" schaltet Cortana und Web-Suche nur für den gerade angemeldeten Benutzer ab (Eintrag erfolgt in HKEY_CURRENT_USER). Die Variante "CortanaGehWeg-Systemweit.reg" legt die Funktionen für sämtliche Benutzerkonten lahm, auch für welche, die später noch hinzukommen (Eintrag erfolgt in HKEY_LOCAL_MACHINE).

Nach einem Neustart des PC sollte eine Eingabe ins Suchfeld der Taskleiste nur noch eine lokale, also auf Ihren PC begrenzte Suche anstoßen.

Ist Cortana auf dem Desktop überhaupt sinnvoll?

Kommt drauf an. Ihr Desktop-PC kann Ihren Standort zwar nicht auf Schritt und Tritt erfassen und auch nicht als Navigationshilfe im Urlaub dienen, doch immerhin funktionieren auch die Benachrichtigungen zu Terminen und Co. mit der Desktop-Cortana. Bedenken Sie auch, dass die Nutzung von Cortana besonders dann sinnvoll ist, wenn Sie die Assistentin auch auf Ihrem Smartphone verwenden.

Hin und wieder wirft die Installation eines Feature-Upgrades für Windows 10 Probleme auf – auch beim Fall Creators Update. Zwar hat Microsoft inzwischen die "Unified Update Platform" (UUP) eingeführt – sie sorgt dafür, dass nicht ein komplettes 3 GByte großes Installationspaket geladen wird, sondern nur jene Dateien, die auch wirklich aktualisiert werden müssen. Das spart im Idealfall rund ein Drittel an Transfervolumen. Auch den Installationsvorgang hat der Hersteller immer weiter verbessert: Nach unseren Erfahrungen sorgen die Feature-Uprgades inzwischen für weniger Frust als noch vor zwei Jahren. Jedoch: Um eine neue Ausgabe von Windows 10 auf die Platte zu bringen, verwendet Microsoft nach wie vor ein Verfahren, das für gezielte und gewollte Aktualisierungen der Betriebssystemversion entwickelt wurde. Um damit regelmäßig Anwender zu behelligen, die einen stabilen und jederzeit funktionsfähigen Windows-PC erwarten, ist es im besten Fall suboptiomal.

Der PC bootet beim Upgrade automatisch in die Installationsumgebung Windows PE. Dort wirft das Setup die alte Installation in den Ordner C:\Windows.old, installiert die neue Ausgabe und transplantiert die Programme, Treiber und Benutzerprofile samt aller Daten und Einstellungen aus der alten in die neue Installation. Dieser Vorgang oder schon dessen Vorbereitung bricht hin und wieder mit einem Fehler ab – im Idealfall gibt Windows 10 dann einen Fehlercode aus, dem man hinterherforschen kann. Oft erfährt man aber nur, dass halt irgendetwas schiefgelaufen sei.

Scheitert das Upgrade und gibt einen Fehlercode aus, sobald der PC wieder ins bestehende Windows gestartet ist, sollten Sie zunächst prüfen, ob Microsoft selbst eine Lösung aufzeigen kann. Ein Microsoft-Mitarbeiter pflegt im TechNet eine Liste mit gängigen Fehlercodes, inklusive Tipps zur Abhilfe.

Außerdem haben sich einige Handgriffe immer wieder als hilfreich bewährt. Der erste ist, jede Software zu deinstallieren, die das Upgrade stören könnte. Sie nutzen einen anderen Virenschutz als den Windows Defender? Deinstallieren Sie ihn vollständig. Auch sonstige Software, die tief ins System eingreift oder es manipuliert, kann schuld sein, beispielsweise Tuning- und Backup-Programme. Auf einem Testgerät lief die Installation beispielsweise erst durch, nachdem wir eine RAM-Disk-Software heruntergeworfen hatten.

Auch ein verschlüsseltes Laufwerk C: kann Probleme aufwerfen, und zwar immer dann, wenn es nicht mit dem bordeigenen BitLocker verschlüsselt wurde, sondern mit Truecrypt, Veracrypt oder Ähnlichem. Der Installationsmechanismus unter Windows PE findet dann kein Systemlaufwerk, mit dem er arbeiten kann – mit verschlüsselten Laufwerken kann er nichts anfangen – und lässt den PC unverrichteter Dinge wieder ins vorhandene Windows 10 starten. So lästig es ist: Wer Windows 10 mit Veracrypt oder Vergleichbarem betreibt, muss vor einem Versions-Upgrade Laufwerk C: komplett entschlüsseln, das Upgrade durchlaufen lassen und danach wieder verschlüsseln.

Hilft auch das nicht, trennen Sie jegliche Hardware vom Rechner, die für das Upgrade nicht zwingend angeschlossen sein muss. Bei klassischen Desktop-PCs gilt das auch für Sound-, Parallelport-, TV- und sonstige Erweiterungskarten. In einem besonders bizarren Fall mussten wir nach dem Klick auf "Jetzt neu starten" in Windows Update das LAN-Kabel abziehen, um ein Upgrade fehlerfrei einspielen zu können.

Bei Upgrade-Probleme ist es eine gute Idee, die Installation der neuen Ausgabe mittels eines USB-Setup-Sticks zu versuchen. Das spart Platz auf der Festplatte und die Wartezeit auf den rund drei Gigabyte großen Download via Windows Update – speziell wenn es gilt, mehrere Geräte zu aktualisieren. Außerdem kann man mit dem Stick auch sauber neu installieren, falls es doch einmal nötig ist.

Ein solches Medium lässt sich mit Microsofts Media Creation Tool erstellen. Nach Start des Tools und Abnicken der Lizenzbedingungen wählen Sie "Installationsmedien für einen anderen PC erstellen" und im nächsten Dialog die gewünschte Version; im Regelfall wählt das Programm die für den PC passende Version automatisch aus. Im nächsten Dialog veranlasst die Option "USB-Speicherstick" das Media Creation Tool dazu, das aktuelle Windows 10 nicht nur herunterzuladen, sondern auch, es fix und fertig auf den USB-Stick zu schreiben. Der muss mindestens 4 GByte groß sein.

Um mit dem Stick ein Feature-Upgrade zu starten, ist es wichtig, den PC nicht vom Stick zu booten! Schließen Sie ihn stattdessen im laufenden Windows 10 an und starten Sie das Programm setup.exe aus dem Stammverzeichnis des Sticks. Im ersten Schritt fragt das Setup-Progamm, ob Sie "Updates herunterladen und installieren" möchten. Solange Sie keinen Platzmangel auf der Festplatte haben, spricht nichts dagegen: Das Setup lädt dann aktuelle Patches für Windows 10 herunter und installiert sie in einem Rutsch mit – dabei werden auch eventuelle Verbesserungen am Upgrade-Prozess gleich mitinstalliert. Die kleingedruckte Funktion "Ich möchte helfen, die Installation von Windows zu verbessern" sorgt dafür, dass das Setup-Programm während des Upgrades gesammelte Informationen zum Installationsvorgang an Microsoft schickt – wählen Sie das ab, wenn Sie das nicht möchten. Im Folgenden nicken Sie die Lizenzbedingungen ab; kurze Zeit später sollte das Setup "Bereit für die Installation" melden.

Tablets und Netbooks, die mit nur 16 oder 32 GByte Speicher auskommen müssen, sind als Sorgenkinder prädestiniert. Hier bereitet die schiere Größe eines Versions-Upgrades Probleme. In einigen Fällen bittet Sie das Setup-Programm, für die Installationsdauer einen USB-Datenträger anzuschließen, auf dem es einige Dateien auslagern kann. Oftmals reicht aber auch das noch nicht. Der wichtigste Tipp ist, die Installation von einem USB-Stick aus zu starten, denn es spart rund drei Gigabyte Platz auf Laufwerk C: – siehe voriger Abschnitt. Zudem sollten Sie vorweg die Windows-Datenträgerbereinigung laufen lassen. Öffnen Sie dazu den Windows-Explorer, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf Laufwerk C: und dann auf "Eigenschaften", im folgenden Fenster auf "Bereinigen" und dann im Ergebnisfenster auf "Systemdateien bereinigen". Setzen Sie Häkchen vor alle gefundenen Elemente und bestätigen Sie mit OK.

Lagern Sie eine nennenswerte Menge an eigenen Dateien auf dem Tablet? Dann ist es sinnvoll, sie für die Dauer des Upgrades auf ein externes Medium auszulagern. Auch die Deinstallation großer Softwarepakete kann Linderung schaffen. Reicht das noch nicht, eignet sich das Programm WinDirStat [10] hervorragend, um die Festplattenbelegung einzusehen und einzelne Platzfresser zu ermitteln. Programm-Caches sind solch ein Fall – zum Beispiel von Web-Browsern, aber auch Spotify, Google Earth und Ähnlichem. Einige Programme bieten in ihren Einstellungen Funktionen zum Leeren des Caches, andere nicht. Bei Spotify etwa müssen Sie den Cache-Ordner von Hand leeren.

Bei der Analyse mit WinDirStat fällt Ihnen vermutlich die Datei C:\hiberfil.sys auf, die mehrere Gigabyte groß sein kann. Dabei handelt es sich um die Auslagerungsdatei für den Ruhezustand. Für die Dauer des Upgrades können Sie die Date getrost entfernen. Sie lässt sich nicht einfach löschen, sondern muss mit einem Befehl in der Eigabeaufforderung lahmgelegt werden. Dazu öffnen Sie eine Eingabeaufforderung mit Administratorrechten (Windows-Taste+X und "Eingabeaufforderung (Administrator)") und geben den Befehl powercfg -h off ein. Später legt der Befehl powercfg -h on die Ruhezustandsdatei wieder an.

Hüten Sie sich davor, einfach dicke Brocken aus dem Ordner C:\Windows von Hand zu löschen. Oft ist vor allem der Inhalt des Unterordners "Installer" reizvoll. Doch Obacht: Dort liegen Dateien, die der Reparatur oder Deinstallation Ihrer Programme dienen. Jede Software, deren Installer-Paket Sie wegwerfen, können Sie hinterher nicht mehr sauber deinstallieren. (jss [11])


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[4] https://www.heise.de/ct/bilderstrecke/bilderstrecke_3863826.html?back=3699728
[5] https://www.heise.de/ct/bilderstrecke/bilderstrecke_3863826.html?back=3699728
[6] https://www.heise.de/ct/ausgabe/2017-2-Parallelinstallationen-zum-Testen-Experimentieren-Reinschnuppern-3583481.html
[7] https://www.microsoft.com/en-us/accessibility/windows10upgrade
[8] https://www.microsoft.com/en-us/accessibility/windows10upgrade
[9] ftp://ftp.heise.de/pub/ct/spezial/CortanaGehWeg.zip
[10] https://www.heise.de/download/product/windirstat-15041
[11] mailto:jss@ct.de