Was das nächste Funktions-Upgrade für Windows 10 bringt

Was das nächste Funktions-Upgrade für Windows 10 bringt

Test & Kaufberatung | Test

Bild: Albert Hulm

Zum Frühling will Microsoft Windows 10 Version 2004 ver­öffentlichen. Die neue Ausgabe bringt wie üblich einige neue ­Funktionen.

„Und im Frühjahr kommt dann Version 2003, wie in den Jahren zuvor die 1703, 1803 und 1903.“ – „Aber 2003 klingt uralt und nach Windows Server 2003.“ – „Okay, stimmt. Dann nennen wir es halt Version 2004!“ So oder so ähnlich dürfte die Namensfindung für die vorliegende Version abgelaufen sein, denn wie Microsoft im Insider-Blog selber schreibt, wollte man Verwechslungen mit dem alt­ehrwürdigen „Windows Server 2003“ vermeiden. Dass Version 2004 ähnlich antik klingt, war dann wohl eher unwichtig.

Was steckt also drin in der neuen Ausgabe, die laut ihrer Versionsnummer 2004 ab April dieses Jahres für die breite Öffentlichkeit bereitstehen soll? Wie bei Funktions-Upgrades üblich hat Microsoft das Rad nicht neu erfunden, sondern hier und dort mehr oder minder praktische Detailverbesserungen eingebaut. Anders als mit der Vorgängerversion 1909, deren Neuerungen man an einer Hand abzählen konnte, fällt der Feature-Reigen diesmal wieder etwas größer aus. Und ebenso kommt die 2004 wieder als Upgrade-Installation daher, denn anders als beim Sprung von Version 1903 auf 1909 sind die Änderungen so umfangreich, dass Microsoft sie nicht einfach mit kumulativen Updates ins vorhandene System hineinpatchen kann.

Das bedeutet, dass ein zwei bis drei Gigabyte großes Paket heruntergeladen wird und die Installation etwas länger dauert als bei den monatlichen Patches. Aus technischer Sicht wird das bestehende Windows in den Ordner c:\windows.old geschoben, das neue installiert und dann alles an Daten, Einstellungen und Programmen übernommen. Die Neustart­phase, während der der PC nicht benutzbar ist, dauert je nach Rechner irgendwas zwischen fünf und dreißig Minuten.

Die Download-Geschwindigkeit von ­Windows-Updates lässt sich künftig auch auf absolute Werte begrenzen.

Im Vergleich mit der Vorgängerversion 1909 gibts einige Änderungen in der Einstellungen-App, etwa bei der Übermittlungsoptimierung. Diese Funktion stellt heruntergeladene Updates für andere Rechner zum Download bereit. In der Werkseinstellung ist die Funktion aktiv, aber auf Rechner im lokalen Netzwerk beschränkt. Zu finden ist sie unter „Update und Sicherheit/Übermittlungsoptimierung“. In den erweiterten Optionen ist es nun möglich, die Bandbreite zumindest für Downloads auf absolute Werte in MBit/s festzulegen statt auf einen prozentualen Wert.

Wer sich mit einem Microsoft-Konto an Windows 10 anmeldet, kann im Untermenü „Konten/Anmeldeoptionen“ festlegen, dass die Anmeldung nur mit Windows Hello möglich sein soll, also per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder PIN. Der Login per Microsoft-Konto-­Kennwort wird deaktiviert. Im abgesicherten Modus ist der Login dann ausschließlich per PIN möglich. Hat man die PIN vergessen und auch nichts Biometrisches eingerichtet, kann man den Login zwar per Microsoft-Konto-Login freischalten, allerdings ist dabei dann eine vollständige Authentifizierung inklusive eines eventuellen zweiten Faktors nötig.

Im gleichen Menü kann man mit dem Schalter „Apps neu starten“ nun festlegen, ob sich Windows beim Ausloggen und ­Herunterfahren die geöffneten Apps und Programme merken soll, um sie nach dem nächsten Login automatisch wieder zu starten. Diese Funktion gibt es zwar schon länger, bislang ließ sie sich allerdings nicht separat steuern, sondern war an den Mechanismus gebunden, der das zuletzt eingeloggte Profil nach einem Neustart automatisch lädt und nur den Sperrbildschirm vorschaltet.

Auf PCs mit langsamen Festplatten oder vielen Autostart-Programmen kann das praktisch sein, weil das System nach dem Entsperren sofort bedienbar ist, wenn es zuvor ein paar Minuten Zeit zum Hochfahren hatte. Abschalten lässt sich das ebenfalls unter „Konten/Anmeldeoptionen“, mit dem Schalter „Meine Anmeldeinfos verwenden...“ am Ende der Seite. Hinweise für Entwickler, die ihre App für den automatischen Neustart optimieren wollen, finden sich bei Microsoft Docs.

Die Netzwerkübersicht unter „Netzwerk und Internet/Status“ hat nun eine Anzeige für die Datennutzung in den vergangenen 30 Tagen bekommen sowie Verknüpfungen zu den Datennutzungsdetails und Eigenschaften der Verbindung.

Im Untermenü „Zeit und Sprache/Sprache“ ist eine Übersicht über die wichtigsten Spracheinstellungen hinzugekommen. Sie zeigt Kacheln mit Infos zu Anzeigesprache, Zahlenformaten, Tastaturlayout und so weiter, die per Klick direkt in die passenden Untermenüs führen.

Im Einstellungsmenü „Geräte/Maus“ kann man nun endlich die Geschwindigkeit des Mauszeigers einstellen. Das klingt banal, doch tatsächlich musste man für diese Einstellung bis dato über die klassische Systemsteuerung gehen.

Die Verwaltung optionaler Windows-­Funktionen hat Microsoft gleichzeitig verbessert und kaputtgespielt. Sie befindet sich in den Einstellungen im Untermenü „Apps/Apps & Features/Optionale Features“. Einerseits klappt das Hinzufügen von Features nun komfortabler, denn man setzt zunächst Häkchen vor alle gewünschten Funktionen und lässt sie dann per Klick in einem Rutsch installieren. Ungünstig ist aber, dass sich alles neu Hinzugefügte danach nicht mehr entfernen lässt, denn es taucht rein gar nichts im Bereich „Installierte Features“ auf. Der „Verlauf optionaler Features“ funktioniert zwar, Schaltflächen zum Entfernen hinzugefügter Funktionen sucht man dort aber vergebens. Wir rechnen damit, dass Microsoft diesen Fehler früher oder später per Update beheben wird.

Optionale Treiber-Updates, die bislang mit der Funktion zum Treiber aktualisieren im Geräte-Manager gesucht und installiert werden konnten, sollen sich künftig direkt in der Windows-Update-­Oberfläche herunterladen lassen. Details dazu hat Microsoft in einem Blogbeitrag veröffentlicht.

Beim Zurücksetzen von Windows in den Einstellungen unter „Update und ­Sicherheit/Wiederherstellung/Diesen PC zurücksetzen“ soll Windows auf Wunsch auch ein Setup-Image aus dem Netz laden können, statt das System aus den schon vorhandenen lokalen Dateien neu zusammenzubauen. Das ist eigentlich eine gute Idee, falls die vorhandenen Systemdateien fehlen oder beschädigt sind und man sich scheut, mit einem bootfähigen USB-Set­up-Stick zu hantieren. In unseren Tests hat der Download allerdings bislang nicht ­geklappt – es ist aber davon auszugehen, dass sich das ändert, sobald auch die ­offiziellen Setup-Medien zum Download bereitstehen.

Die Taschenrechner-App hat nun einen Grafikrechner eingebaut. Schon etwas länger gibts außerdem einen Widget-Modus, in dem der Rechner als kompaktes Fenster erscheint, das immer im Vordergrund bleibt. Das ist eigentlich sehr praktisch, funktioniert aber unsinnigerweise nur im „Standard“-Modus, in dem der Rechner die Punkt-vor-Strich-Regel ignoriert.

Ab Version 2004 hat der Taschenrechner auch eine Grafikfunktion.

Der Editor (notepad.exe) ist auch als „Windows Editor“ im Store verfügbar. Er ist zwar nach wie vor in Windows 10 enthalten, soll via Store künftig aber zeitlich unabhängig von Windows-Funktions-Upgrades Aktualisierungen bekommen können. Den Versuch, die Store-Ausgabe zu installieren, quittierte Windows in unseren Tests mit einer Fehlermeldung – offenbar steht noch keine neuere Ausgabe als die ohnehin in Windows 10 enthaltene bereit.

Der Task-Manager zeigt ein paar mehr Details an als zuvor. Zum einen steht im Performance-Tab bei Datenträgern nun auch, um was für einen Medientyp es sich handelt (HDD, SSD oder Wechsel­medium). Zum anderen zeigt er unter „GPU“ nun auch die Temperatur des Grafikchips an, sofern der einen Wert liefert.

Der Sprachassistent Cortana soll eine größere Überarbeitung erfahren haben. Bis dato konnten wir das noch nicht testen: Ein Klick aufs Cortana-Icon quittierte Windows mit dem lapidaren Hinweis, dass Cortana auf Deutsch derzeit nicht verfügbar sei. Auch hier gehen wir davon aus, dass sich das bis zur Veröffentlichung von Windows 10 in den kommenden Wochen ändern wird. Erkennbar ist allerdings schon, dass sich das neue Cortana-Fenster verschieben und in der Größe ändern lässt. Verbessert sein soll etwa die Inte­gration in Office 365 und einigen anderen Diensten; Details dazu hat Microsoft in einem Blogbeitrag beschrieben.

Die Eingabehilfen hat Microsoft hier und dort verbessert, etwa beim Vorlesen von Tabellen und von Webseiten-Zusammenfassungen durch die Sprachausgabe. Die soll außerdem Mails und Webseiten nach dem Laden automatisch vorlesen und per Strg+Umschalt+D die Titel von verlinkten Seiten ermitteln und vorlesen.

Außerdem kann sich die Bildschirmlupe nun stets auf den Textcursor zentrieren. Steuern kann man das in den Einstellungen im Menü „Erleichterte Bedienung/Bildschirmlupe“ mit der Auswahl von „Im Zentrum des Bildschirms“ unter „Textcursor beibehalten“.

Die Augensteuerung soll nun zum Beispiel Drag & Drop unterstützen und einige verbesserte Einstellmöglichkeiten bieten – ausprobiert haben wir das nicht.

Beim Sideloading von MSIX-App-Paketen muss künftig die Sideload-Option in den Einstellungen unter „Update und Sicherheit/Für Entwickler“ nicht mehr eingeschaltet sein. Für die Spieleentwicklung dürften neue DirectX-12-Funktionen wie Mesh Shader und Raytracing Tier 1.1 interessant sein. Details dazu finden sich in Microsofts Developer Blog.

Das Windows Subsystem für Linux (WSL) hat Microsoft gründlich über­arbeitet; es liegt nun in Version 2 vor. Statt der bisher üblichen Übersetzung der Befehle in Windows-API-Aufrufe virtualisiert WSL 2 einen leichtgewichtigen ­Linux-Kernel („Lightweight Linux Utility VM“). Das verbessert die Dateisystem-Performance und soll etwa die Nutzung von Treibern und den direkten Betrieb von Linux-Docker-Containern ermöglichen. WSL-Instanzen verschiedener Distributionen lassen sich mit globalen Konfigurationen verwalten und es können Custom-Kernel zum Einsatz kommen.

Entwickler können IP-Kameras, die ONVIF Profile S unterstützen, nun mithilfe von WinRT-APIs auffinden, koppeln, konfigurieren und zum Streamen einbinden, sodass sie sich wie lokal angeschlossene Kameras verwenden lassen. Hinweise dazu hat Microsoft in einem Blogbeitrag zusammengetragen und verlinkt.

IP-Kameras, die keine Authentifizierung erfordern, sollen sich auch einfach in den Einstellungen unter „Geräte/Bluetooth- und andere Geräte“ koppeln lassen. Windows findet die Kamera demnach mit einem Klick auf „Bluetooth- oder anderes Gerät hinzufügen“ und dann auf „Alle weiteren“. Dass Microsoft hier nicht auch gleich eine Authentifizierungs-Abfrage eingebaut hat, erscheint uns unverständlich, denn so dürfte der reale Nutzen der Funktion eher gering sein. Da wir gerade keine IP-Kamera ohne Authentifizierung zur Hand hatten, konnten wir diese einfache Kopplungsmethode auch nicht testen.

Virtuelle Desktops lassen sich in Version 2004 umbenennen. Dazu genügt es, in der Übersicht der aktiven Anwendungen (Windows+Tab, manchmal auch Task-Ansicht genannt) auf den Namen des Desktops zu klicken. Damit das klappt, müssen mindestens zwei virtuelle Desktops vorhanden sein. Die zu erstellen und zu schließen geht auch ganz einfach mit der Tastatur (Strg+Windows+D sowie Strg+Windows+F4).

Virtuelle Desktops können Namen haben – praktisch, wenn man häufig damit ­arbeitet.

In Sachen Datenschutz hat Microsoft ein neues Problem für alle Anwender eingebaut, die nicht gerade eine Education- oder Enterprise-Ausgabe verwenden. In Windows 10 Home und Pro lässt sich mit Version 2004 die Web-Suche im Startmenü nicht mehr per Registry-Eintrag abschalten. Zur Erinnerung: Wann immer man im Startmenü etwas sucht (Windows-Taste und drauflos tippen), landen diese Eingaben in der Werkseinstellung auch bei Microsofts Suchdienst Bing, um Online-Ergebnisse anzeigen zu können. Seit Version 1607 ließ sich das nur noch per Registry-Eingriff abschalten, seit Version 1803 waren etwas andere Schlüssel dafür notwendig. Die von c’t bereitgestellten und auch noch für Version 1909 nach wie vor empfohlenen REG-Dateien namens CortanaGehWeg funktionieren mit Version 2004 nicht mehr.

Stattdessen greift Microsoft mit Version 2004 auf einen anderen Registry-Wert zurück, der allerdings nur noch von den Editionen Enterprise und Education ausgewertet wird. Liegt unter HKLM\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows\Windows Search ein DWORD-Wert Namens ConnectedSearchUseWeb mit dem Wert 0, ist die Web-Suche lahmgelegt. Die Gruppenrichtlinie, die auf diesen Schlüssel abbildet, befindet sich unter „Computerkonfiguration/Administrative Vorlagen/Windows-Komponenten/Suche“ und heißt „Nicht im Web suchen und keine Webergebnisse in der Suche anzeigen“.

Wer seine Startmenü-Sucheingaben trotzdem nicht an Microsoft schicken will, kann aber auf ein anderes Hilfsmittel zurückgreifen, das schon immer funktioniert hat, aber bislang nicht nötig war: die bordeigene Firewall. Öffnen Sie zunächst ihre erweiterten Einstellungen (Windows-Taste, „firewall mit erweiterter sicherheit“, Eingabetaste). Klicken Sie in der Auswahl links auf „Ausgehende Regeln“ und doppelklicken Sie auf den Eintrag „Windows Search“ (den gibts tatsächlich erst in Version 2004). Wählen Sie auf der Registerkarte „Allgemein“ die Aktion „Verbindung blockieren“ aus und bestätigen Sie mit OK. Von nun an sollten keine Web-Suchergebnisse mehr im Startmenü auftauchen.

Ansonsten hat sich an den Datenschutz-Einstellungen seit Version 1903 und 1909 nichts Nennenswertes geändert. Unser Artikel zu wichtigen Handgriffen in Windows 10 gilt daher auch für Version 2004 – abgesehen vom Tipp zum Abschalten der Web-Suche.

Abwarten und beobachten ist angesagt, denn bisher hatten alle Funktions-Upgrades für Windows 10 bei ihrer Veröffentlichung mindestens kleine, in manchen Fällen aber auch schwerwiegende Bugs. Immerhin werden neue Ausgaben seit einiger Zeit während der ersten Monate ihrer Verfügbarkeit nicht mehr zwangsinstalliert, sondern erscheinen als optionale Windows-Updates mit einer Schaltfläche zum „Jetzt herunterladen und installieren“. Unser Tipp lautet nach wie vor, mit der Installation ein paar Monate zu warten.

Feature-mäßig können wir an Version 2004 nichts aussetzen – eigentlich, denn mit der Änderung am Abschalten der Web-Suche im Startmenü dürfte Microsoft abermals ohne Not Kleinunternehmer und Privatkunden verärgern, die keinen Zugriff auf Enterprise-Lizenzen haben. (jss)


Dieser Artikel stammt aus c't 7/2020.

Kommentare

Kommentare lesen (302 Beiträge)