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Vor der Fahrradour ein Blick zum Niederschlagsradar, unterwegs ein wenig skripten am iPhone und regnets doch, lockt das virtuelle Museum. Wenn Webseiten nerven, schießt man ihre Inhalte spielerisch ab, Mobbingopfern spendet eine Video-Initiative Trost.

www.niederschlagsradar.de
http://niederschlagsradar.mobi

„Jetzt schnell heim radeln, in 20 Minuten regnet’s.“ Die Grundlage für solche Entscheidungen liefert geradezu vorbildlich die Website des niederländischen Anbieters Buienradar. Wie üblich gibt es beim Niederschlagsradar außer Wetterprognosen für ein paar Tage auch animierte Wolken- und Regenradarbilder. Anders als bei anderen kostenlosen Online-Wetterdiensten lässt sich das Radar in Fünf-Minuten-Intervallen abfragen und hinterlegt die Bilder des Deutschen Wetterdienstes mit einem detaillierten Untergrund aus Google Maps. Das ist sehr hilfreich, um sich in der höchsten von drei Zoom-Stufen in einem verschiebbaren Ausschnitt von etwa 100 x 100 km2 zu orientieren.

Mit etwas verminderter Auflösung ist der Dienst auch per Smartphone nutzbar: Über die .mobi-Adesse liefert er Animationen in Zehn-Minuten-Schritten für 16 vordefinierte Regionen. Beide Webseiten verschonen den Anwender bislang vor Reklame-Bannern und stellen mit animierten GIF-Bildern keine hohen technischen Anforderungen an den Browser. Außerdem gibt es Gadgets für einige Webportale, den Webbrowser Chrome sowie die Desktops von Windows oder Windows Mobile. (hps)

http://files.stefanlh.de/public/jscoder/

Eine einfache JavaScript-Entwicklungsumgebung als Webapplikation erscheint auf den ersten Blick nicht besonders sexy, doch der jscoder ist speziell fürs iPhone entwickelt. Fallen einem unterwegs ein paar schlaue Zeilen ein, kann man diese sofort eingeben und ausprobieren. Einen Debugger gibt es jedoch nicht; fehlerhafte Skripte bleiben einfach stumm.

Der Editor mit Zeilennummern vervollständigt angefangene Befehle und erlaubt die direkte Eingabe vieler Sonderzeichen. Allerdings ist das genaue Positionieren des Cursors auf dem Touch-Display nicht ganz einfach. Die Darstellung ist aufs Hochformat optimiert. Doch die Bildschirmtastatur belegt dabei mehr als die Hälfte des Platzes, sodass der Editor nur 11 Zeilen Code zeigt.

Einige kleine Beispiele zum Herunterladen zeigen, worum es geht. Wer selbst etwas geschaffen hat, kann es per E-Mail versenden und dann weiterverarbeiten. Die Anwendung funktioniert im Safari und in Atomic Web gut, nicht aber in Opera Mobile. (ad)

http://erkie.github.com

Schlechtes Webdesign, einfältige Inhalte und zappelnde Werbebanner lassen Dr. Surfer schon mal zu Mr. Hyde mutieren. Bevor der seine ganze Wut dann aber an der unschuldigen Maus auslässt, reagiert er sie besser mit dem Bookmarklet Kick ass an der Website ab, die ihn auf die Palme gebracht hat. Dieses blendet oben links auf der Seite ein kleines, dreieckiges Raumschiff ein, das an das legendäre Automatenspiel Asteroids erinnert. Es lässt sich mit den Cursortasten drehen; gefeuert wird mit der Leertaste.

Trifft der Schuss einen Textblock, ein Bild oder eine Anzeige, verschwindet der getroffene Inhalt von der dargestellten Webseite. Leider lässt sich das Raumschiff nicht vorwärts bewegen, sodass man auch schon mal den Weg zu einem nervigen Inhaltsblock freischießen muss. Bei gedrückter B-Taste zeigt das Skript die Einteilung der Blöcke an.

Schon wenige Schüsse wirken beruhigend und manch einer findet daran so viel Spaß, dass er auch mal seine Lieblingsseiten unter Feuer nimmt. (ad)

www.itgetsbetterproject.com

Nachdem sich innerhalb kurzer Zeit in den USA zehn Jugendliche das Leben genommen haben, weil Mitschüler sie als tatsächliche oder vermeintliche Homosexuelle mobbten, setzt eine Welle der Solidarisierung ein. Brennpunkt der Bewegung ist die Internetseite It gets better, auf der Videobotschaften den betroffenen Jugendlichen Mut machen und Hilfe anbieten.

Die Idee stammt vom Kolumnisten Dan Savage und seinem Ehemann Terry. Die beiden veröffentlichten am 21. September ein Video auf YouTube, in dem sie ihre Geschichte erzählen und sich damit an von Mobbing betroffene homo- und bisexuelle Jugendliche wenden. Der Kern Ihrer Botschaft: „It gets better“, es wird besser, bittet um Hilfe, haltet durch, bringt euch nicht um, es lohnt sich zu leben. Damit traten sie eine wahre Lawine los: Bereits am nächsten Tag gingen bei ihnen ein Dutzend weiterer Videos ein. Vollkommen verschiedene Menschen aus allen Altersgruppen und allen soziale Schichten taten es ihnen gleich. Am Ende der Woche waren es bereits 200. Dan und Terry hatten einen Nerv getroffen.

Sie bündelten die Videos, inzwischen über 1000, auf ihrer Projektseite und arbeiten mit einer Telefon-Hotline für suizidgefährdete Jugendliche zusammen. Und auch die Politik reagierte: Nach US-Außenministerin Hillary Clinton richtete auch US-Präsident Barack Obama eine Video-Botschaft an homosexuelle Jugendliche. Eine vergleichbare Aktion in Deutschland gibt es noch nicht – obwohl dies sinnvoll wäre: Die Selbstmordrate bei homosexuellen Jugendlichen in Deutschland ist vier- bis siebenmal so hoch wie bei ihren heterosexuellen Altersgenossen. Das Attribut „schwul“ gilt auf Schulhöfen als derbe Beleidigung. (uma)

www.coudal.com/moom

Die dunkle Jahreszeit steht vor der Tür und viele Ausflügler zieht es eher in die schützenden Mauern von Museen als in die rauhe Natur. Noch lauschiger wird der virtuelle Museumsbesuch mit Tee und Plätzchen am heimischen Computer. Ein guter Startpunkt dafür ist das Museum of Online Museums.

Das MoOM liefert eine Linksammlung, die einerseits auf Webseiten bekannter US-Einrichtungen und Sammlungen verweist, andererseits aber auch Kurioses auflistet, wie eine Galerie verlorener LKW-Ladungen oder die private Sammlung von deutschem und österreichischem Notgeld aus den Jahren 1914 bis 1923. Leider wird die Linksammlung nur selten gepflegt, sodass man gelegentlich über tote Links stolpert oder in Linkfarmen landet. (ad)

www.ct.de/1024198


Die Websites aus c't 23/2010

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