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Gleichungswandler für Latex & Co verhindern, dass Formeln in der Textverarbeitung verkümmern. Gemaltes wird in Zeichenfolgen gewandelt, ASCII-Code zur Kunst erhoben. Netend Wiki sammelt präsidiale Verfehlungen im keineswegs rechtsfreien Internet.

http://webdemo.visionobjects.com/equation.html?locale=default
http://detexify.kirelabs.org/classify.html
http://mathurl.com

Mathematische Formeln in Textverarbeitungen sind nicht schön anzusehen. Grafik und Formelsatz mit einer Satzsprache stellen sie verständlicher dar. LaTeX ist so eine Sprache, die Text, Bilder und Formeln zu Dokumenten setzt. Doch wie schreibt man noch gleich das Unendlichkeitszeichen in LaTeX? Wie in MathML? Oder wie wäre es mit einer Grafik, die man einfach in das Office-Dokument einbaut?

Der Gleichungswandler von Visionobjects konvertiert Zeichnungen in LaTeX- und MathML-Code. Mit der Maus zeichnet man die gewünschte Gleichung oder das benötigte Zeichen ins karierte Feld, um dann aus dem grauen Kasten darunter den LaTeX-Code für die gesuchte Zeichenfolge zu kopieren. Der MathML-Code steht auf einem Tab daneben.

Detexify von Kirelabs funktioniert ganz ähnlich. Nach Malen des gesuchten Zeichens bietet der Dienst eine Auswahl möglicher Zeichen. Bei unserem Test mit einem Stern kam allerdings alles Mögliche heraus; größter Ausreißer war das Zeichen für die Fledermaus. Mit dem Klick auf das gesuchte Zeichen lernt die Anwendung jedes Mal dazu. Neben den Bildern zum Gesuchten steht der Code für Zeichen oder Formel.

Wenn der Code zur gewünschten Formel hingegen bekannt ist, Sie allerdings ein Bild brauchen, um schnell jemanden auf etwas hinzuweisen, könnte MathURL praktisch sein. Dort geben Sie die Formel als LaTeX-Code ein, klicken auf das gewünschte Ausgabeformat, und es wird ein Bild erzeugt, auf das eine kurze URL verlinkt. Im Chat, per Mail oder in sozialen Netzen können Sie die so veranschaulichte Formel zur Diskussion stellen. (rzl)

http://de.netend.wikia.com

Der Fall Karl-Theodor zu Guttenberg hat bewiesen: Wikis können sogar einen Minister zu Fall bringen. Im GuttenPlag-Wiki hatten anonyme Hinweisgeber so lange akribisch Plagiate in Guttenbergs Doktorarbeit nachgewiesen, bis der CSU-Politiker seinen Hut nahm. Nach diesem Vorbild entstand jüngst das Netend Wiki. Die Plattform sammelt Urheberrechtsverfehlungen genau der Politiker, die eine harte Gangart in diesem Bereich einfordern.

Da wäre zum Beispiel der Unionspolitiker Ansgar Heveling, nach eigenem Bekunden Urheberrechtsexperte. Netend dokumentiert, dass Heveling in seinem Newsletter ohne Quellenangabe Fotos verwendet hat, die unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen, nach der der Urheber bei Nutzung stets genannt werden muss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich baute ohne Quellenangabe ein Foto von BASF in seinen Newsletter ein. Eine von Netend dokumentierte Nachfrage ergab: BASF hatte keine Freigabe erteilt. Diese Fälle sollen erst der Anfang sein, die Netend-Wiki-Betreiber rufen auf: „Lasst uns hier die Momente sammeln, in denen die Kreuzritter der Inhaltsverwerter selbst schwach wurden und wilde und zügellose Urheberrechtsverletzungen begingen in dem ach so rechtsfreien Internet.“ (hob)

http://docs.latexlab.org
www.sharelatex.com

LaTeX-Editoren als Webanwendung gab es schon einige. Häufig wurden diese aber bald wieder eingestellt oder waren unausgereift und trotzdem teuer. Nun gibt es neue Ansätze.

LaTeXlabs ist mit dem Google-Konto des Nutzers verbunden und integriert sich in Google Docs. Dort sind die Dokumente sicher aufgehoben, selbst wenn der Dienst beendet würde. Ganz ausgereift ist dieser noch nicht. So ließen sich beim Testen Bilder nicht einbinden, da sie nach dem Hochladen verschwunden blieben. Das Projekt ist dennoch ein spannendes und eignet sich allemal als Backup oder für das schnelle Bearbeiten zwischendurch. Die Ausgabe kann als DVI-, PostScript- oder PDF-Datei erfolgen.

ShareLaTeX ist als kollaborative Plattform gedacht. Die Seite zeigt den eingeladenen Mithelfern in Echtzeit, was die anderen gerade am Dokument ändern. Das Einbinden von Bildern oder weiteren Dokumenten funktioniert problemlos. Das Hauptdokument kann man in den Einstellungen festlegen. Dort lassen sich auch alle Dateien des Projekts exportieren.

Zu jedem Schreibprojekt lassen sich Mitstreiter einladen. In einem Chat besprechen die Beteiligten, was zu tun ist. Beim Klick auf „PDF“ wird das LaTeX-Projekt kompiliert und zum Download angeboten. (rzl)

www.asciipaint.com
www.asciiflow.com
www.ascii-art.de

Junge Leser, aufgewachsen mit korpulenten Mail-Attachments und in dem Irrtum, HTML sei das natürliche Format der elektronischen Post, mag’s wundern, doch als gereifter c’t-Redakteur muss ich diese Seite einfach mal vorstellen: ASCII Paint ist eine Webanwendung, mit der man Bilder aus ASCII-Zeichen malt. Dem minimalistischen Ansatz gehorchend, umfasst das Werkzeug nur wenige Grundfunktionen: Buchstaben wählen, mit dem Mauszeiger malen, Flächen füllen und das unentbehrliche Undo.

Einst zeugte es vom hohen Nerd-Dan des Absenders oder Programmierers, wenn er Mails oder Quelltexte mit aufwendigen ASCII-Arts verzierte. Dabei entstanden echte Kunstwerke, wie die Galerien auf ASCII Paint oder dem ASCII Art Dictionary vor Augen führen. Doch es gibt auch prosaische Anwendungen: Da ein RFC (Request for Comments) nur ASCII-Zeichen enthalten darf (siehe RFC 2223), werden diese in den Dokumenten oft zu Flussdiagrammen arrangiert – zum Beispiel mit ASCIIFlow. (ad)

www.ct.de/1206212


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