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Sprücheklopfer

Trends & News | Web-Tipps

www.2rhyme.ch
www.poetron-zone.de/poetron
www.versfabrik.de

Wenn es mal wieder nicht mit der Nachbarin klappt, dann liegt das in der Generation „SMS“ nicht mehr an verschmierten Rotweingläsern und dem falschen Spüli, sondern schlicht am miesen Handy-Logo. Für die Spitzenreiter des aktuellen Angebots, unter anderem „Bikinidamen“, „Kamasutra“ und „Samenklau“, ist auch der größte Fettnapf noch zu klein. Kein Wunder, dass sich die Angebetete danach vom Anrufbeantworter vertreten lässt oder hektisch die Handy-Nummer wechselt. Wie angenehm heben sich demgegenüber einige selbst gedichtete Zeilen vom SMS-Einerlei ab.

Aber dichten ist nicht einfach, besonders dann, wenn sich die Zeilen auch noch reimen sollen. Wen die Muse partout nicht küssen will, dem hilft 2Rhyme, das deutsche Reimlexikon mit über 118 000 Wörtern, bei der anstrengenden, aber lohnenswerten Arbeit: Einfach eine Endung eingeben und das Lexikon spuckt alle Wörter aus, die sich darauf reimen. Außerdem können Nachwuchslyriker ihr Grundwissen auffrischen und erfahren einiges über Palindrome wie „Alle necken Ella“, die sich von vorne und von hinten lesen lassen, über Schüttelreime und Jorge Luis Borges, der sich das Paradies immer schon als eine Art Bibliothek vorgestellt hat.

Es gibt aber Situationen, in denen drängt die Zeit, und dann ist es erlaubt, eine der berühmten künstlichen Intelligenzen des Web zu Rate zu ziehen. In Poetron4G, Günters Genialem Gedichts-Generator, gibt der verliebte Poet mit temporärer Schreibblockade Verben, Substantive, Adjektive und einen Namen vor, und der Textautomat flicht die Worte dann in seine etwas kruden, gewöhnungsbedürftigen Machwerke ein. Der Gedichtsgenerator der Versfabrik wird auf andere Weise gesteuert und orientiert sich an einem oder mehreren Themengebieten wie „Derbe Verben“, „Ringelnatz“ oder „Rückenwind“. Welche Software-Hilfe auch zum Einsatz kommt: Die angebetete Zielperson sollte viel Humor besitzen, sonst landet der mutmaßliche Verfasser doch wieder im Fettnäpfchen (siehe oben) und die ganze Mühe war umsonst. „Ja treues Früchtchen du! Herz, mein geiziger Braten. Ich küsse, ich grüße ... (ku)


www.weihnachtsmarkt-deutschland.de/

Eigentlich wollten wir diese Website gar nicht vorstellen, denn Hannover, der Hauptsitz der c´t-Redaktion, fehlt in der Liste der Weihnachtsmärkte in Deutschland und Europa. Aber sei´s drum, es gibt auch noch andere schöne Orte als die Kanzlerstadt an der Leine. Auf jeden Fall präsentiert die Seite über 240 Christkindlmärkte in Text und Bild, mit Öffnungszeiten, Kontaktadresse und Telefonnummer. (ku)


www.germanhollywood.com

Ohne die Teutonen - Schweizer, Österreicher und Deutsche - sei Hollywood nicht das Mekka der Film- und Unterhaltungsindustrie geworden, das es heute ist, meint Hyde Flippo, ein germanophiler Amerikaner und Autor von Büchern wie „When in Germany, Do As the Germans Do“ und „The German Way“. Um diese These zu beweisen, müsse man noch nicht einmal auf den Präsidentschafts-Aspiranten und jetzigen Gouverneur des goldenen Kalifornien zurückgreifen, der seine Karriere im Fitnessstudio begann, als Terminator filmische Maßstäbe setzte und dann zum Idol der Anabolika schluckenden Kraftmeier avancierte. Bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts stilisierte sich die kapriziöse Hollywood-Diva Marlene Dietrich zum Weltstar, und ein paar Jahre später machte Johnny Weissmüller als Tarzan Millionen Stadtkindern auch in Deutschland das Leben in freier Natur schmackhaft.

Nicht nur vor, sondern auch im Regiesessel hinter der Kamera nahmen in deutschsprachigen Landen geborene Künstler Einfluss auf den Lauf Hollywoods, obwohl Billy Wilder und Fritz Lang, der Schöpfer des visionären Stummfilmklassikers „Metropolis“, eher zufällig in die Staaten emigrierten, um dem Gesinnungsterror der Nazis in ihrer Heimat zu entgehen - Glück im Unglück. In jüngerer Zeit schafften ohne zwingende politische Gründe Roland Emmerich und Wolfgang Petersen den Sprung über den Atlantik. Es scheint was dran zu sein an der These des Hochschullehrers und Weinliebhabers Hyde Flippo. (ku)


www.nostalgic-art.de

Und die Retrowelle rollt, zum Beispiel Tritop. Wir erinnern uns: Früher war der süße Saft als Billiggetränk besonders bei kinderreichen Familien beliebt, weil man ihn nahezu beliebig „strecken“ und in durstige Bälgerkehlen schütten konnte, heute schwappt das Zahnhälse verätzende Synthetikkonzentrat in den Designerbechern nostalgischer Yuppies - was für eine Karriere für eine Flasche.

Auch der Schwarzhandel mit den Insignien der ehemaligen DDR steige sprunghaft an, bemerkte jüngst ein Polizeisprecher, der nicht genannt werden will. Bedenkt man diese Entwicklung, dann nehmen sich die Preise im Nostalgic-Art-Shop noch recht bescheiden aus: Die DDR-Flagge als Blechschild - nicht unumstritten - gibt es schon für ein dreckiges Dutzend Euro. Etwas tie-fer in die Tasche greifen muss man für das Boxenluder aus Frankreich oder den Volksempfänger „Soundmaster NR200“, wohl als Hommage an die guten alten Zeiten im Programm, und weil HiFi irgendwann ja auch langweilig wird. Oder wie wäre es mit einem Toaster aus den 50er Jahren, für den man allerdings schon eines der braun-gelben Scheinchen auf den Tisch legen muss, oder einer unknickbaren Blechpostkarte für ganze 2,50 Euro ... (ku)


www.hoeflichepaparazzi.de

Trotz transzendentaler Orientierung verirrt sich der Dalai Lama im Säulengang der Uni Bonn. Joschka Fischer weiß, was er will - nach Maccu Picchu, landet aus Geldmangel aber in der peruanischen Lehmziegel-Stadt Chan Chan. Peter Kabel von Kabel New Media verstößt mit der Farbkombination seines Hemdes gegen irgendeine Genfer Konvention, während Harald Schmidt im Audi A8 auf dem Kölner Ring in der Nase popelt. Herrliche Anekdoten über Promis, Künstler und Wissenschaftler haben die höflichen Paparazzi zusammengetragen. Zum Lesen und selber schreiben - da lohnt sich die Flatrate. (ku)


Millionen Tipps und Tricks
Die Websites aus c't 23/2003

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