Weiche Wellen, spitze Peaks

Oszilloskop MacCro für MacOS

Test & Kaufberatung | Kurztest

Für die einen sind es nur nichts sagende Wellen, die über einen Bildschirm flimmern, für die anderen stellt die Anzeige eines Oszilloskops eine Quelle vielfältiger Erkenntnisse dar. Nur ist ein solches Gerät alles andere als ein Taschengeldartikel. Demgegenüber kann man MacCRO schon fast als kostenlos bezeichnen.

Fast jeder, der irgendwie mit elektrischen Signalen und Frequenzen umgeht, weiß ein Oszilloskop zu schätzen. Ein zusätzlicher Spectrum Analyzer, der die Frequenzverteilung eines eingehenden Signals kontinuierlich abbildet, stellt eine willkommene Ergänzung dar. MacCRO bietet beide Funktionen in einer handlichen Softwarelösung. Alle Macs neuerer Bauart bringen dazu sämtliche Voraussetzungen mit: einen Audio-Eingang, ein CD-Laufwerk sowie die entsprechende Prozessor-Muskelkraft. Veteranen der 68xxx-Generation hat Philip Derrin, der Entwickler von MacCRO, von vornherein ausgeschlossen: Das Programm läuft nur auf PowerMacs und benötigt QuickTime ab Version 2.5. Ein Software-Oszilloskop, das auch auf den alten ‘Achtundsechzigern’ läuft, haben wir bereits vor vier Jahren in der c't vorgestellt [#lit1 [1]]. Bevor man mit MacCRO Klängen auf den Grund geht, empfiehlt es sich, nach dem ersten Programmstart das Oszilloskop zu kalibrieren. Dazu wählt man zuerst bei den ‘Input Settings’ eine geeignete Eingabequelle aus - etwa den Mikrofon-Eingang oder die RCA-Eingänge. Letztere sind bei den PowerMacs für die Einspeisung von Stereosignalen ausgelegt und können so auch dem Oszilloskop zwei getrennte Kanäle liefern. Der nächste Schritt besteht darin, die ausgewählte Eingabequelle zu kalibrieren. Bei den ‘Input Settings’ befindet sich zusätzlich noch ein Regler für die optimale Aussteuerung. Die nicht registrierte Programmversion weist gegenüber der Vollversion neben den üblichen Hinweisbildschirmen die Einschränkung auf, dass die Kalibrierfunktion für den Signaleingang deaktiviert ist.

Alle weiteren Bedienelemente befinden sich im Hauptfenster, das je nach Auswahl die entsprechenden Optionen für ein Oszilloskop oder einen Frequenzmesser zur Verfügung stellt. Regler bestimmen beim Oszilloskop das Achsen-Raster. Je einer ist für die Grob- und einer für die Feineinstellung zuständig. Auf der Zeitachse lassen sich Einteilungen zwischen 0,1 und 20 ms realisieren, auf der Spannungsachse liegen die möglichen Werte zwischen 1 und 200 mV. Beide Kanäle sind, was die Spannung betrifft, nicht an dieselbe Rastergröße gebunden, diese lässt sich vielmehr für jeden Kanal separat einstellen. Wie jedes anständige Oszilloskop unterstützt auch MacCRO das ‘Triggern’ von Signalen. In diesem Modus lösen erst Signale ab einem bestimmten Wert die Aufnahme aus. Zur Auswahl stehen fallende und steigende Flanken - auch hier sind für beide Kanäle unterschiedliche Vorgaben möglich. Der Frequenzmesser-Modus bietet für die Einstellung der Rastergröße statt Reglern Eingabefelder, die Raster-Einteilungen ab 0,1 Hz und 0,1 mV erlauben. Je nach Wunsch trägt MacCRO die Werte linear oder logarithmisch auf. Über ein Popup-Menü bestimmt der Benutzer die Abtastrate. Je höher diese ausfällt, desto mehr Prozessor-Power ist vonnöten - Besitzer etwas langsamerer PowerMacs müssen sich hier also eventuell in Bescheidenheit üben.

Damit die schmucken Wellen nicht ungenutzt wieder im Spannungsnirwana verschwinden, erlaubt es MacCRO, sie als Bilder im PICT-Format abzuspeichern. Dafür genügt jeweils ein Mausklick ins Display. Wer die Kurvenpunkte lieber zur Weiterverarbeitung in eine Textdatei sichern möchte, der muss bei gedrückter Wahltaste in die Darstellung klicken.

Auch wenn MacCRO in der vorliegenden Form hauptsächlich für den Audio-Einsatz geeignet erscheint, wird es sicherlich viele Freunde finden. Nicht zuletzt der Preis wird dafür sorgen, dass mancher Anwender sich dieses Shareware-Programm leistet - und wenn es nur für Spiel- oder Experimentierzwecke ist. Registrierten Nutzern will der Entwickler auf seiner Website in Kürze den Bauplan für einen externen Adapter zur Verfügung stellen, der auch den Anschluss von Quellen erlaubt, deren Output über einige Hundert mV hinausgeht. (psz)

[1] Tobias Engler, Wellenreiter, c't 7/95, S. 88


MacCRO 1.6: Shareware für MacOS, 20 US-$ (für Studenten und Schulen 10 US-$), Download unter http://www.ozemail.com.au/~narge/philip/maccro.html

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