Whatsapp auf PC und Tablet, Backup und Alternativen Update

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WhatsApp informiert sehr ausführlich über seine Dienste, doch manche Fragen bleiben offen – zum Teil mit Absicht. Wir beantworten die häufigsten Fragen, unter anderem zur Nutzung auf dem PC und Tablet, sowie zu Backups, Preisen und Alternativen.

Der 2009 gegründete Instant Messenger WhatsApp hat eine Erfolgsstory mit inzwischen über einer Milliarde Nutzer weltweit hinter sich. Doch mit den steigenden Nutzerzahlen hat WhatsApp den Besitzer gewechselt – der Dienst gehört jetzt zu Facebook –, und dabei immer wieder seine Preispolitik, die Funktionsweise und Feature-Liste verändert.

An sich gibt sich der Dienst auf seiner Webseite zu diesen Änderungen offen, doch einige wichtige Informationen sind versteckt oder gar nicht dokumentiert. Wir haben die wichtigsten Fragen unserer Leser zusammengetragen und beantwortet. Falls Sie weitere Fragen haben, kommentieren Sie diesen Artikel – und wir versuchen, ihn entsprechend zu ergänzen.

Bis vor kurzem hatte WhatsApp ein kompliziertes Bezahlmodell: Ursprünglich kostete die App gar nichts, später einen einmaligen Betrag von knapp einem Euro. Schließlich mussten Nutzer 89 Cent jährlich zahlen, nur die Anwender der ersten Stunde durften den Messenger mit einem "Abo" auf Lebenszeit weiterhin kostenlos nutzen. Seit Anfang 2016 ist mit dem Hin und Her Schluss und WhatsApp ist für alle kostenlos – die jährliche Gebühr entfällt.

Der Grund für das Umdenken liegt in einem Strategie-Wechsel, der mit dem Verkauf des Dienstes an Facebook einhergeht. Seit 2014 gehört WhatsApp zu Facebook, für etwa 19 Milliarden US-Dollar verkaufte Gründer Jan Koum den populären Instant Messengers an Marc Zuckerberg und sein Social Network. Jan Koum bleibt auch nach dem Verkauf Chef von WhatsApp.

Statt vom Nutzer Geld zu verlangen, will WhatsApp nun künftig mit Zusatzdiensten Geld verdienen, die Firmen in WhatsApp anbieten können. Werbe-Einblendungen, Pop-ups und ähnliche Werbung hat Gründer Jan Koum dabei ausgeschlossen, vielmehr sollen Firmen Geld bezahlen, wenn sie in WhatsApp mit ihren Diensten "präsent" sein wollen. Als Beispiel für solche Dienste nannte WhatsApp in einem Blog-Post die Möglichkeit, einen Chat mit der eigenen Bank zu starten, oder dass eine Fluglinie WhatsApp-Nachrichten bei einem verspäteten Flug verschicken darf. Das ist aber derzeit alles noch Zukunftsmusik.

Ob WhatsApp wirklich immer werbefrei bleiben wird, ist fraglich: genauso wie bei der Werbung hatte Jan Koum früher beteuert, auf keinen Fall zu verkaufen – um dann doch bei Facebook zu unterschreiben. Einen Kontakte-Austausch zwischen Facebook und WhatsApp sollte es ursprünglich auch nicht geben, inzwischen wird er jedoch betrieben. In kürzlich erschienenen Nutzungsbedingungen finden sich jedenfalls Hinweise darauf, dass Whatsapp künftig personalisierte Werbung ausliefern könnte.

Für Android: WhatsApp speichert jeden Tag ein lokales Backup auf dem Smartphone. Wenn man also Chatnachrichten oder gleich die ganze App aus Versehen löscht, kann man sehr leicht einen älteren Zustand wiederherstellen; WhatsApp behält die Backups der vergangenen sieben Tage auf dem Smartphone.

Um dieses Backup auf einem Android-Telefon wiederherzustellen, sucht man am besten mit einem Datei-Manager wie dem ES File Explorer den Ordner ".../WhatsApp/databases", der sich in der Regel im Ordner /sdcard/ befindet. Die Datei msgstore.db.crypt9 oder msgstore.db.crypt8 ist die aktuelle Datenbank, die Backups enthalten darüber hinaus das Backup-Datum im Namen. Löscht man nun die aktive Datenbank und benennt eine der Dateien mit Datum entsprechend um, braucht man WhatsApp nur vom Gerät zu entfernen und dann wieder zu installieren – schon ist der alte Zustand wiederhergestellt.

Man kann auch Backups in der Cloud speichern, über Google Drive. Dazu nutzt WhatsApp das Google-Konto, mit dem man auf dem Smartphone angemeldet ist. Im Menü (virtuelle Taste mit den drei Buttons oben rechts in WhatsApp) geht man auf "Einstellungen / Chats / Chat-Backup". Dort lässt sich einstellen, ob man seine Backups regelmäßig auf Google Drive ablegen möchte und es lassen sich manuelle Backups initiieren; die Backups sind verschlüsselt. Beim Wiederherstellen sucht WhatsApp automatisch über das verbundene Google-Konto nach bestehenden Backups in Google Drive.

Für iOS / iPhone: WhatsApp speichert auf dem iPhone Backups über die iCloud oder iTunes ab. Ein iCloud-Backup kann man manuell erstellen, oder aber regelmäßige Backups vornehmen. Die entsprechende Funktion findet man unter "WhatsApp / Chats / Chat-Backup".

Komplett löschen lässt sich der WhatsApp-Account unter "Einstellungen / Account". Dabei löscht WhatsApp das Konto, den Chat-Verlauf und die Backups. Man sollte danach in der Cloud und auf allen Geräten, auf denen man WhatsApp betrieben hat, überprüfen, ob irgendwo noch lokale Backups im WhatsApp-Ordner gespeichert sind.

Das Vorgehen löscht auch auf den Servern von WhatsApp die Daten. Das ist wichtig, damit bei einer Neuvergabe der Handy-Nummer ein neuer Besitzer nicht auf einmal die Chat-Nachrichten zu sehen bekommt, die früher mit der Nummer verknüpft waren. Ob WhatsApp die Daten wirklich überall auf seinen Servern komplett entfernt, ist damit freilich nicht sichergestellt – das ist letztlich Vertrauenssache.

Die Backups können auch dazu genutzt werden, um mit den vorhandenen Daten auf ein neues Smartphone umzuziehen.

Für IOS / iPhone: Beim iPhone ist es relativ einfach, seine Daten aufs neue Smartphone umzuziehen. Im Komplett-Backup das Smartphones in der iCloud oder bei iTunes sind in der Regel die WhatsApp-Daten enthalten, sofern man das nicht explizit deaktiviert hat. Überprüfen kann man das unter "Einstellungen / iCloud / iCloud Drive", wo die grünen Schalter bei Apps signalisieren, dass sie Teil des iCloud-Backups sind. Beim Einrichten des neuen Smartphones fragt WhatsApp dann, ob man den Chat-Verlauf über iCloud wiederherstellen möchte.

Für Android: Wie beim iPhone kann man auch beim Android-Gerät sehr einfach auf ein neues Gerät umziehen, wenn man die Backup-Funktion über die Cloud nutzt – also bei Android mit Google Drive. Installiert man WhatsApp auf einem neuen Telefon mit der gleichen Nummer und dem gleichen Google-Account wie zuvor, findet WhatsApp das Google-Drive-Backup automatisch.

Wer den Cloud-Speicher nicht nutzt, kann bei Android auch mit den lokal gespeicherten Dateien umziehen. Dazu muss man den Ordner ".../WhatsApp/databases" des alten Geräts aufs neue übertragen. Haben beide Smartphones einen microSD-Karten-Slot, nimmt man die Daten einfach per SD-Karte mit. Ansonsten lassen sich die Dateien per Micro-USB über den PC verschieben. Steckt im neuen Gerät eine microSD-Karte, sucht Whatsapp in der Regel dort nach der Datenbank, ansonsten im internen Speicher.

Von iPhone auf Android: Der Umzug zwischen unterschiedlichen Betriebssystemen ist nicht vorgesehen, die Datenbanken sind nicht kompatibel. Es gibt aber zumindest eine kostenpflichtige App (2,99 Euro), die beim Umzug vom iPhone auf Android hilft: Der Wazzap Migrator. Da dieser nicht von WhatsApp selbst entwickelt wird, besteht immer die Gefahr, das es bei Übertragungen zu Fehlern kommt und bei späteren WhatsApp-Updates der Migrator gar nicht mehr richtig funktioniert. Wir haben mit der Anwendung aber bisher gute Erfahrungen gemacht.

WhatsApp ist im Prinzip mit der Telefonnummer des Nutzers verknüpft. Trotzdem kann man den Dienst auch dann nutzen, wenn man im Urlaub oder auf einer Dienstreise eine Prepaid-Karte für ein anderes Land verwendet. Steckt man die Auslands-SIM mit neuer Telefonnummer ins alte Smartphone, fragt WhatsApp in der Regel, ob man mit der neuen SIM-Karte einen neuen Nutzer registrieren möchte. Das sollte man in diesem Fall verneinen: Danach kann man WhatsApp weiterhin mit dem alten Konto benutzen, obwohl eine andere SIM-Karte im Smartphone steckt. Sobald man wieder zuhause ist, wechselt man die SIM-Karten wieder.

Wichtig ist dabei, dass man WhatsApp mit der alten SIM auf einem anderen Smartphone registriert. Dann geht der Account nämlich auf das andere Smartphone über. In diesem Fall lässt sich der Account auf dem alten Smartphone erst dann wieder aktivieren, wenn man die alte SIM erneut ins alte Smartphone steckt.

Will man WhatsApp langfristig mit der neuen SIM und neuen Telefonnummer verwenden, kann man mit dem Account auch auf eine neue Telefonnummer umziehen. Dazu legt man die SIM mit der neuen Nummer in das Telefon ein, mit dem man WhatsApp bisher benutzt. Danach kann man den Account über "Einstellungen - Account - Nummer ändern" auf die neue Telefonnummer registrieren. Das geht jedoch nicht beliebig häufig und man sollte diesen Weg nur dann wählen, wenn man nicht mehr zur alten Telefonnummer zurückkehren will.

WhatsApp ist an eine feste Telefonnummer gebunden und ein WhatsApp-Konto darf nur auf einem Gerät aktiviert sein. Allerdings gibt es inzwischen die Möglichkeit, mit "WhatsApp Web" Chat-Nachrichten am PC zu schreiben – dazu muss man das Web-Interface per QR-Code mit dem WhatsApp-Konto auf dem Smartphone verknüpfen.

Auf Tablets geht das eigentlich nicht: WhatsApp möchte nicht, dass man den Dienst über das Web-Interface auf mehreren Mobilgeräten gleichzeitig nutzt. Deshalb leitet WhatsApp den Nutzer gleich auf die "Herunterladen"-Seite um, sobald sich der Browser über den "User Agent" als Smartphone- oder Tablet-App ausgibt. Über einen Trick lässt sich WhatsApp aber trotzdem auf Tablets nutzen, indem man diesen User-Agent "fälscht".

Für Android: Diverse Android-Browser erlauben es, den User Agent umzustellen, zum Beispiel der beliebte Dolphin Browser. Im Chrome-Browser fordert man die Desktop-Version über das EInstelllungsmenü (drei Punkte oben rechts) an. Es gibt aber auch eine App, die sich darauf spezialisiert hat, WhatsApp Web auf Android-Tablets anzuzeigen: Den "Messenger Tablet für WhatsApp" vom deutschen Entwickler Jonas Becker. Die App macht eigentlich nichts anderes, als eine Browser-Engine zu starten, die sich gegenüber WhatsApp als Desktop-Browser zu erkennen gibt.

Für iOS / iPhone: Im Safari-Browser stellt man den User Agent einfach um, indem man auf das "Teilen"-Symbol oben rechts tippt und dann in der untersten Zeile die Icons so weit nach links schiebt, bis das Icon "Desktop-Site anfordern" erscheint. Ein Tipp darauf, und schon kann man WhatsApp Web öffnen.

In beiden Fällen muss das Smartphone mit der Telefonnummer, die man für WhatsApp benutzt, mit einem WLAN oder per Mobilfunk mit dem Netz verbunden sein.

WhatsApp hatte schon vor einiger Zeit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingeführt. Damit sind Nachrichten auf dem kompletten Weg zwischen Sender und Empfänger verschlüsselt, die Nachrichten sind also weder für WhatsApp-Mitarbeiter, noch für andere lesbar, die auf die WhatsApp-Server Zugriff haben. Diese Verschlüsselung war anfangs nur zwischen Android-Geräten aktiv, doch nun hat WhatsApp sie auf fast alle Geräte ausgeweitet. Außerdem bekommt man jetzt mit, ob ein Gespräch oder ein Gruppenchat verschlüsselt wird oder nicht.

Die neue Verschlüsselung ist ein großer Schritt, denn mit einem Schlag chatten Millionen von Menschen miteinander verschlüsselt. In den Tests von heise Security war die Kommunikation zwischen zwei Clients für alle Stationen zwischen Sender und Empfänger nicht mehr lesbar. Doch ein Restrisiko bleibt, denn WhatsApp ist "Closed Source": Man kann in die Anwendung nicht hineinschauen und deshalb nicht absolut ausschließen, dass Hintertüren eingebaut sind oder mit späteren Updates eingebaut werden. Außerdem bleiben sogenannte Meta-Daten lesbar: Wer mit wem wann gechattet hat, lässt sich für WhatsApp weiterhin auf seinen Servern nachvollziehen. In puncto Datenschutz ist darüber hinaus problematisch, dass beim Abgleich des Adressbuchs sämtliche Telefonnummern aus dem Adressbuch an WhatsApp übertragen werden. Mehr zum Pro und Contra der neuen WhatsApp-Verschlüsselung haben wir in einer ausführlichen FAQ (siehe Kasten) aufgeführt.

Sind jetzt WhatsApp-Alternativen mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sinnlos geworden? Nein, denn Apps wie Telegram, Signal und Threema haben weiterhin Vorteile. Bei Telegram kann man beispielsweise Nachrichten optional so verschicken, dass sie nach dem Lesen aus dem Chatverlauf gelöscht werden. Signal ist Open Source und deshalb kann man dort überprüfen, was die App wirklich tut. Threema ist ein Schweizer Unternehmen: Die verschlüsselten Nachrichten sowie Metadaten wie Telefonnummern oder Adressen gehen über Schweizer Server und nicht wie bei WhatsApp über amerikanische; damit sind sie nicht in Reichweite amerikanischer Behörden. Wer bisher Threema oder Signal benutzt, hat deshalb auch keinen Grund, auf WhatsApp (zurück-)zuwechseln.

Schwerer haben es jetzt aber Instant Messenger wie kik oder WeChat, die nicht verschlüsseln. Sie haben jetzt auch unter den großen populären Messengern einen Konkurrenten, der ordentlich verschlüsselt. Wer sie benutzt, riskiert (weiterhin), dass Nachrichten von Mitarbeitern der Unternehmen mitgelesen werden können, bei Daten-Lecks an die Öffentlichkeit gelangen können und im Zweifelsfall vom Unternehmen an Behörden herausgegeben werden. (acb)

Diesen Artikel aktualisieren wir regelmäßig, wenn neue Informationen bekannt werden.

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