"Wir holen auf": Steve Rabuchin über Amazons App-Shop

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Amazons App-Shop kann bisher nur ansatzweise mit Googles Play Store mithalten. Um zu wachsen, müssen außer den Nutzern auch die App-Entwickler überzeugt werden. Wie Amazon das machen will, erklärt Steve Rabuchin, Vizepräsident beim Amazon App-Shop.

Steve Rabuchin ist Vizepräsident beim Amazon App-Shop. (Bild: Amazon)

Der App-Shop von Amazon kann bisher nur ansatzweise mit dem Google Play Store mithalten. Um weiter zu wachsen, wollen nicht nur die Nutzer, sondern auch die App-Entwickler überzeugt werden. Wir haben mit Steve Rabuchin, Vizepräsident beim Amazon App-Shop, über mangelnde Auswahl, Gratis-Apps und Zukunftspläne gesprochen.

c't: Amazons App-Shop gibt es nicht nur auf Kindle-Geräten, sondern auch für Android. Welche Vorteile bietet der Shop etwa im Vergleich zu Google Play?

Steve Rabuchin: Wir tun einiges, um uns von der Konkurrenz zu unterscheiden: Eine Sache etwa ist die "Gratis-App des Tages". Jeden Tag gibt es eine hochwertige App, die normalerweise Geld kostet, für einen Tag kostenlos. Seit Programmstart hat es mehr als 1600 verschiedene Gratis-Apps gegeben, die zusammen zirka 3600 US-Dollar gekostet hätten.

Eine andere Sache, die wir letztes Jahr gestartet haben, sind die Amazon Coins. Das ist ein kundenorientiertes Programm, das eine alternative Möglichkeit bietet, um im Amazon App-Shop für Apps und In-App-Käufe zu bezahlen. Zu jedem Kindle Fire erhalten Käufer 500 Gratis-Coins als Startguthaben. Das hilft, Inhalte im App-Shop zu entdecken. Wir arbeiten außerdem mit Entwicklern zusammen, um interessante Möglichkeiten für die Coins zu finden. Das Programm erstreckt sich nun auch auf den Android-App-Shop und es gibt viele Aktionen, um Coins zu bekommen und zu nutzen.

Die beiden Programme sind gut für die Kunden, weil durch sie die Preise fallen und helfen, neue Apps im App-Shop zu entdecken. Noch haben wir zwar nicht so viele Apps wie manche andere Appstores. Aber wir konzentrieren uns darauf, die wichtigsten Apps und Spiele anbieten zu können.

Den App-Shop von Amazon gibt es für Kindle Fire und auch für Android.

c't: Derzeit fehlen einige populäre Apps wie WhatsApp oder Instagram im App-Shop. Was tut Amazon, um das Angebot zu erweitern?

Rabuchin: Wir greifen auf externe Analysten wie App Annie und Distimo zurück, um herauszufinden, welche Apps und Spiele gerade gefragt sind. Ich kann Ihnen sagen, dass wir versuchen, jede einzelne Top-App in unseren Shop zu bekommen. Aus den Top 100 bei Google Play hat Amazon derzeit zwischen 70 und 75 Apps im Angebot. Was wir nicht haben, sind die Google-Apps.

Bei den Apps, die wir nicht haben, arbeiten wir mit deren Entwicklern zusammen, um mehr Apps anbieten zu können; da machen wir große Fortschritte. Amazon ist allerdings auch noch nicht so lange dabei, wie die anderen Anbieter, aber wir holen auf. Im letzten Jahr haben wir unser Angebot an Apps mehr als verdoppelt.

c't: Was bietet Amazon App-Entwicklern?

Rabuchin: Wir wollen Entwicklern die beste Plattform bieten, um Apps zu bauen, zu monetisieren, zu optimieren und sie zu verbreiten. Letztes Jahr hat Amazon beispielsweise "Appstore Developer Select" gestartet. Das Programm hilft Entwicklern dabei, im App-Shop von Kunden entdeckt zu werden. Gedacht ist es besonders für kleinere und Indie-Entwickler, die noch keine großen Erfolge erzielt haben, aber gute Apps anbieten. Dazu müssen sie einige Voraussetzungen erfüllen, etwa ihre Apps für den Amazon App-Shop zu optimieren und die relevanten Amazon APIs zu verwenden. Wenn sie das tun, erhalten sie zusätzliche Aufmerksamkeit im Shop und andere Vorteile.

Wenn die Entwickler ihre Apps im App-Shop haben, bieten wir ihnen weitere Services an, wie zum Beispiel A/B Tests und Analytics. Wenn etwa bei "Candy Crush" viele Nutzer bei Level 35 hängen bleiben, können Entwickler vier oder fünf Szenarios ausprobieren, um es mit einer kleinen Gruppe zu testen, bevor große Änderungen vorgenommen werden. Das ist ein recht neuer Service.

Zudem bieten wir den Entwicklern Analysetools, dazu erfassen wir diverse Daten bei der App-Nutzung.

c't: Welche Daten sammelt Amazon, während ich eine App nutze?

Rabuchin: Das sind ziemlich allgemeine Daten darüber, wie viele Kunden die App am Tag und im Monat genutzt haben, wie lange die einzelnen Sitzungen dauerten und wo In-App-Käufe getätigt worden sind. Ein visuelles Dashboard fasst die Daten zusammen, was nur die Entwickler einsehen können. Die Daten, die wir ihnen zur Verfügung stellt, gehen nicht auf das persönliche Level der Nutzer runter. Amazon nimmt die Privatsphäre seiner Kunden sehr ernst, wir teilen keine Kundeninformationen ohne deren Wissen.

c't: Um Amazons App-Shop auf einem Android-Gerät installieren zu können, muss ich Apps aus unbekannten Quellen zulassen. Stellt das nicht ein Sicherheitsrisiko dar?

Rabuchin: Wir glauben nicht, dass es ein großes Risiko darstellt. Außerdem werden alle Apps im App-Shop geprüft, bevor sie verfügbar sind. Unsere Kunden würden wir nicht ermutigen, die Option zu aktivieren, wenn es nicht sicher wäre.

c't: Gibt es irgendeine andere Möglichkeit?

Rabuchin: Die beste Alternative dazu sind momentan die Preload-Deals, die wir etwa mit der Deutschen Telekom abgeschlossen haben. Ausgewählte Smartphones kommen mit vorinstalliertem App-Shop, sodass die Kunden keine Apps aus unbekannten Quellen erlauben müssen. Wir arbeiten daran, weitere Deals weltweit abzuschließen.

c't: Haben Android-Nutzer den Amazon App-Shop denn gut angenommen?

Rabuchin: Ich denke, dass er erfolgreich ist, aber Amazon veröffentlicht dazu keine Zahlen. Wir verbringen viel Zeit mit der Vermarktung und ich kann sagen, dass der App-Shop wächst. Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen. Und je mehr Preload-Deals wir abschließen, desto mehr Kunden haben Zugang zu unserem App-Shop.

Wenn wir dann im Rahmen der "Gratis-App des Tages" beispielsweise ein Bundle mit Musik-Apps im Wert von 45 Euro kostenlos anbieten, dann laden sich die Kunden den App-Shop herunter. Gute Gratis-Apps locken neue Nutzer in den Amazon App-Shop.

c't: Ist es denn für Entwickler sinnvoll, eine App über das "Gratis-App des Tages"-Programm anzubieten? Immerhin verdienen sie an dem Tag kein Geld mit ihrem Produkt.

Rabuchin: Wir haben enormes Feedback erhalten, insbesondere von kleineren Entwicklern. Auf unserem Entwickler-Portal haben wir auch eine Fallstudie über Entwickler, die fast unbekannt waren, und durch "Gratis-App des Tages" tausende Installationen bekamen. Für die hat sich das gelohnt.

Als wir das Programm gestartet haben, mussten wir noch nachhelfen – jetzt fragen uns die Entwickler, ob sie Teil von der "Gratis-App des Tages" sein können. Sie sehen es als gute Marketing-Möglichkeit, um neue Kunden und ordentliche PR zu bekommen. Außerdem können Entwickler dann den Amazon-Nachrichtenservice nutzen, um die Nutzer auf andere Apps hinzuweisen.

Amazons App-Entwickler-Plattform.

c't: Amazon gilt als seriöse Quelle für Apps. Wie werden neue Apps geprüft, bevor sie in den App-Shop kommen?

Rabuchin: Wenn Entwickler eine App über das Developer-Portal einreichen, erhalten sie zunächst eine Bestätigung. Ein Team stellt dann mit automatisierten Tests sicher, dass sich unter den Apps keine Malware befindet und dass die App dem Gerät nicht schadet. Dann ist da ein ziemlich großes Team, welches all die Apps durchguckt und auch sicherstellt, dass sie auf dem Kindle Fire gut funktionieren.

c't: Sollte sich Amazon statt auf Android stärker auf die eigenen Geräte konzentrieren?

Rabuchin: Die klassische Amazon-Antwort lautet: Wir machen beides. Wir haben nämlich ein gutes Angebot für unsere Kunden und wir haben gute Verbreitungskanäle für Entwickler. Aber wir haben nicht vergessen, dass wir auf unseren eigenen Geräten einen tollen App-Shop anbieten wollen. Wenn Entwickler Apps und Spiele einreichen, ermutigen wir sie, ihre Programme für Android und für Kindle Fire anzubieten – das ist nicht viel Aufwand. Wir fördern beides.

c't: Was kommt als Nächstes, was steht auf der Roadmap?

Rabuchin: Gute Frage (lacht), aber ich kann dazu jetzt nichts sagen, denn ich verrate nichts, was Amazon nicht bereits angekündigt hat.

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