Wissenscocktail

Edutainment-CD-ROMs für Klein und Groß

Test & Kaufberatung | Marktübersicht

Auf der einen Seite laufen Spiele wie geschmiert, auf der anderen Telefonbücher. Dazwischen kämpfen anspruchsvollere Sachthemen um Aufmerksamkeit. Auch wenn sie noch so bunt und spannend daherkommen - Edutainment aus deutschen Landen hat es schwer am Markt. Das liegt nicht nur am Käufer. Rar sind die Perlen, aber es gibt sie.

Die Multimedia-Szene schrumpft. Konzerne ziehen sich zurück, Verlage fusionieren oder melden gleich Bankrott an. Im Fachjargon bezeichnen sie dies immer gern als 'Konzentration auf die Kernkompetenzen'. Und jene Manager, die noch vor kurzem von der 'längst fälligen Konsolidierung' sprachen, sind mittlerweile auf der längst fälligen Suche nach einem neuen Job.

Nicht einmal fünfzehn ernstzunehmende Multimedia-Verlage gibt es in Deutschland. Noch nie war die Situation so desolat. Das über weite Strecken langweilige und uninteressante Angebot offenbart die ganze Misere - von wenigen Titeln wie dem Ernst-Jandl-Spaß Ottos Mops (c't 12/96) oder der philosophischen Einstiegsdroge Sofies Welt (c't 7/97) einmal abgesehen. Für Innovationen, die das schon jetzt stagnierende neue Medium voranbringen würden, fehlen Macher und Mittel.

Seitdem sich alle Publisher vorgenommen haben, endlich einmal Geld zu verdienen, schustern sie 'kundengerechte' CD-ROMs zusammen: jährlich neu erscheinende Telefonbücher, Steuerratgeber, Hotelführer und Satellitenbilder. Damit wäre Multimedia wieder zu dem degradiert, was schon zu Diskettenzeiten an Sinnesreizen möglich war.

Auf der Suche nach dem Massengeschmack versäumen es die Verlagshäuser, ein eigenes Profil aufzubauen, an dem sich die künftige Klientel orientieren könnte. Was der Szene fehlt, sind Verleger-Persönlichkeiten. Hätte sich damals die Buchbranche dem Publikum in ähnlicher Weise angebiedert, gäbe es heute wohl kaum den Suhrkamp-Verlag.

Dennoch erscheinen weiterhin große Mengen an CD-ROMs für Kinder und Jugendliche, obwohl die Verkaufszahlen keinen Grund zum Jubeln bieten. Dieses Genre bietet noch die eine oder andere Insel der Innovation, die über die große Zahl der Schrottscheiben hinwegtröstet.

Die Zukunft für Multimedia-Anwendungen liegt vor allem bei den Sachthemen. Denn die neuen Medien eignen sich glänzend, um komplexe Vorgänge plausibel und anschaulich zu erklären. Im Erwachsenenbereich hat gerade die in Belgien produzierte Holocaust-CD-ROM Gegen das Vergessen (c't 4/97) Maßstäbe gesetzt. Aber wer hat es gemerkt? Ravensburger verschenkte eine Riesenchance, weil nach der Aufklärungs-CD-ROM Bitte nicht stören kein Nachfolger herauskam, der ähnlich aufgebaut eine andere Thematik transportiert.

Ansätze jenseits des US-Mainstreams nimmt die deutsche Edutainment-Industrie kaum zur Kenntnis - nach wie vor werden die meisten Produkte aus den USA übernommen und übersetzt.

Ein Blick in die verschiedenen Kategorien macht deutlich, daß wir noch weit entfernt sind von einer Auswahl, wie sie der Buchmarkt zeigt. Das Angebot wirkt willkürlich, und nach drei Jahren Multimedia ist dies eine verdammt magere Bilanz.

Als Voyager vor zwei Jahren die Werke des Art Institute of Chicago auf der CD-ROM With Open Eyes herausbrachte, zeigten sich die New Yorker auf der Höhe ihres Schaffens. Systhema brachte die Produktion unter dem Titel Kuck mal Kunst (c't 2/97) heraus, nahm aber dabei einige geschmacklose Veränderungen an den Buttons vor. Voyager, damals noch schlau, verscherbelte das Interface an die französische Firma Gallimard Jeunesse. Diese Tochter des angesehenen Gallimard-Verlags tauschte die Chicago-Inhalte gegen 150 ausgewählte Werke aus der Sammlung des Louvre aus. Als Louvre für Kinder macht Ravensburger dies jetzt auch uns zugänglich.


Louvre für Kinder: Kunst ist, wenn man's selber macht.

Zu den sehr unterschiedlichen Exponaten führen Erzähler jeden Alters. Die gelungenen Illustrationen unterstützen die witzige und gleichzeitig einfache Benutzerführung. Um sich zum Beispiel die Maße eines Werks vorstellen zu können, stehen wechselnde Besucher an einer imaginären Ausstellungswand direkt vor dem Objekt. Durch Heranzoomen und Drehen kommen sie den Kunstwerken näher. Im Gegensatz zum Museumsbesuch ist die Reihenfolge jedoch nicht vorgegeben: Zeittafel und Weltkarte ermöglichen einen individuellen Zugang zur Sammlung.

Die Opera Fatal dürfen zwar schon Zehnjährige besuchen; dieses lehrreiche Adventure fasziniert aber auch Erwachsene. Es geht um einen Dirigenten, dem in der Nacht vor dem großen Konzert die Partitur geklaut wird. Löst der Maestro alle Rätsel, erhält er seine Noten vom unbekannten Dieb zurück. Daraufhin durchstreift der Spieler das feudale Opernhaus mit seinen Gängen und Räumen. Überall hat der Konkurrent Zettel mit Fragen versteckt.

Es bleibt allerdings nicht bei den spielerischen Elementen; auch handfesten Lernstoff enthält die Scheibe. Das zentrale Steuerpult speichert nicht nur den Spielstand, sondern bietet viel Material zum Nachschlagen und -hören. In einem kleinen Regal liegen die Werke von Altmeistern wie Vivaldi und Berlioz fein säuberlich nach Epoche sortiert bereit; auf Klick offenbart sich die Biographie des Komponisten und eine Erläuterung des Werkes. Auch die Musiktheorie ist berücksichtigt, und mit Animationen geizt Opera Fatal dabei nicht. Ein erstaunliches Werk, über das sich nur zwei schlechte Dinge sagen lassen: Das ganze Ambiente wirkt kühl und leer, und der Spieler muß zuviel klicken, um vorwärts zu kommen.

Selber musizieren ist bei Guitar Hits 2 angesagt. Wie schon der Vorgänger setzt auch dieses Lernprogramm erste Gitarrenkenntnisse voraus und konzentriert sich auf Beatles-Material. Das Programm ist wahnsinnig einfach zu bedienen. Etwa sechzig Lerneinheiten erklären alles haarklein und führen es auch vor: Barrégriffe, Hammer- und Slide-Effekte, Vibrato, Stoppen und so weiter. Zu jedem Song läßt sich die Partitur anzeigen. Auf Wunsch sieht man die Steggriffe, Noten und das entsprechende Video. Bei fast allen Übungen steht ein digitales Metronom zur Verfügung.

Und für Jüngere? Ohne jegliche Vorkenntnisse kommt Kinderlieder aus. Doch nur weil das Werk gerade mal fünfzehn Mark kostet, müssen wir uns nicht mit diesem Niveau zufriedengeben: Auf dem Bildschirm erscheint ein Notenblatt mit Text, dann orgelt ein fürchterliches MIDI-File los. Nichts für sensible Ohren.

Professioneller geht wieder einmal Voyager vor. Kinderlieder der Welt läßt sich zwar einfach und elegant bedienen, leidet aber an einem Mangel an Esprit. Dabei sind die Funktionen durchaus überzeugend. Auf einer Erdkugel wählen die Kinder Songs aus verschiedenen Ländern aus, von 'Oh Tannenbaum' über 'Old MacDonald has a Farm' bis zu 'Funiculi, Funicula' von wunderbar lockeren Sängern vorgetragen.

Zu jedem Lied gibt es einen kleinen, stimmungsvollen Zeichentrickfilm sowie Hintergrundinformationen über das Herkunftsland. Dennoch mangelt es für Voyager-Verhältnisse an Ideen. Außerdem lassen sich die Lieder nicht auf einem normalen Audio-CD-Player anhören.

Nach wie vor hat der Tivola-Verlag die besten Ideen in Deutschland, wenn es um multimediale Programme für Kinder geht: Der kleine Oscar aus der Serie Oscar, der Ballonfahrer besucht die Tiere im Wald und auf dem Bauernhof. Das gab's schon öfter? Stimmt, aber hier reicht ein kleiner Mausklick, um jedes Tier zu den verschiedenen Jahreszeiten zu besuchen. Wer weiß schon, was Eichhörnchen oder Ameisen im Winter treiben. Kleine Spiele sind natürlich auch dabei. Trotz des Erklärungsbedarfes kommen die Oskar-Titel ohne Text zum Lesen aus.

In dem als Betaversion vorliegenden Bauernhof-Titel erfahren die Kleinen alles über Nutztiere und Ernährungsfragen. Warum wohnt der Bulle nicht bei den Kühen und Kälbern? Wie trickst ein Bauer einen Storch aus, damit er sein Nest auf dem Dach des Bauern baut? Witzig sind vor allem die Dialoge und kuriosen Fragen, die nicht bloß rasch die Eckpunkte für den Biologie-Unterricht abhaken.

Anspruchsvoll im Ansatz kommt auch Ein kleines Stück Strand von Virgin daher. Die CD zeigt die Küste als ein Stück Torte im Querschnitt, bereit zur Inspektion per Mausklick. Tiere liegen als Zeichnungen vor, manchmal darf ein unscharfes Video laufen oder eine Zeichnung wandelt sich in eine bescheidene Animation. Mit dem Fotoapparat knipsen die Kids Fische, Muscheln und Strandkrabben, füllen ein Notizbuch oder machen recht langweilige Experimente. Ein kleines Stück Garten ist ganz ähnlich. Warum muß der Bildschirm bloß immer wie eine Schaltzentrale aussehen? Viele Erklärungen hinterlassen Unmut - elend lange Texte, ohne daß sich ein Bild zeigt. Nach ein paar Sekunden hört keiner mehr zu.

Der französische Spiele-Multi Infogrames konnte bisher mit seinen Programmen für Kinder keine rechten Erfolge feiern. Dabei dachte die Firma global. So laufen die CD-ROMs ihrer Virtual-Book-Reihe (Der Bär, Der Elefant und Der Löwe) auf Mac und PC sprechen sieben Sprachen und kosten knapp 50 Mark. Sie glänzen nicht durch ein multimediales Feuerwerk, können aber als reine Nachschlagewerke nützlich sein, wobei sie allerdings auf Querverweise verzichten. In erster Linie überzeugt das hervorragende Bildmaterial.

Neben dem Lesetext finden sich auf den Seiten Knöpfe, die zu Vorträgen, größeren Fotos oder kurzen Videos in einfachster Qualität führen. Per Hebel stellt man auf Landkarten bestimmte Epochen im Wandel der Zeit dar. Leider haben sich in die deutsche Bearbeitung kleine Fehler eingeschlichen.

Voll auf pubertierende Mädchen zielt Neues vom Süderhof. In dieser einfachen Produktion geht es mit dem Hufeisen-Cursor auf den Reiterhof, wobei die Zeichnungen ein bißchen statisch und langweilig sind. Überall lauern Filmausschnitte aus der Serie, im Stall warten allerlei Aufgaben und schwierige Fragen. Wo steckt der Widerrist, wo die Schweifrübe, und was ist ein Fesselkopf? Die Scheibe ist ein multimediales Fanzine, ein Filmbilderbogen, ein kleines Pferdelexikon, Sammelalbum und Spiel in einem.

Apropos Fernsehserie: Mehr Spaß macht da Löwenzahn, die uns als Betaversion aus dem neuen Terzio-Verlag vorlag. Die CD-ROM nimmt sich auf behutsame, liebevolle Weise der Kinderfernseh-Ikone Peter Lustig an. Auf Klick geht es vom Bauwagen aus zu verschiedenen Ebenen. Mal dreht sich alles um Kartoffeln, dann kommen ein Quiz und eine Geschichte dazu. An einer anderen Stelle warten Basteltips und vorgeführte Experimente. Oder es geht ums Holz: vom Baumkindergarten zur Baumschule oder gleich zum Fällen. Toll.

Eine Wiedergeburt soll wohl Abenteuer Dinosaurier von Knowledge Adventure sein. Vor Jahren verbreitete Klett eine DOS-Version, die aber nicht unter Win 95 lief. Jetzt also das frisch restaurierte Werk - leider inhaltlich auch nicht viel besser als die DOS-Ausgabe. Mangels echter Dinosaurier greift das Programm hauptsächlich auf ordentlich animierte Zeichentricksequenzen zurück, aber wie oft kann man sich das ansehen? Oder einzelne Körperteile dem entsprechenden Saurier zuordnen? Auch die beigelegte 3-D-Brille reißt diese Scheibe nicht raus. Schon bald soll auch Abenteuer Mensch 3-D in einer überarbeiteten Version kommen - wir können es kaum erwarten.

Obwohl Vulkane: Leben mit der Bedrohung nicht speziell für Jugendliche gemacht ist, dürften auch sie ihre Freude daran haben. Die Scheibe greift hauptsächlich auf die Bilder und Erinnerungen des Fotografen Roger Ressmeyer aus der Zeitschrift 'National Geographic' zurück. Vierzehn Monate reiste er zum Mount St. Helens, Pinatubo und anderen Vulkanen. Es hat sich gelohnt, denn dabei kam mehr heraus als die üblichen Fotografien glühender Lavazungen. Der Anwender lernt dabei die Sichtweise des Amerikaners kennen und genießt die geschlossene Dokumentation, die auf reißerische Elemente verzichtet. Leider wurde der Text nur übersetzt und nicht bearbeitet. Viele Sätze beziehen sich nur auf die eigene, amerikanische Nasenspitze. Dennoch beeindruckend.

Auch nicht auf Kids-Format getrimmt, aber dennoch für Jugendliche sehr spannend ist Das Wetter, eine wunderbare Einführung in die Meteorologie. Schritt für Schritt erfahren wir, was es mit Thermo-, Meso-, Strato- und Troposphäre auf sich hat. Wir erfahren, wie Wind entsteht, welche Stärken und Arten es gibt. Tornados und Wirbelstürme fehlen ebensowenig wie die verschiedenen Klimazonen. Wer selbst mit einem virtuellen Heißluftballon herumexperimentiert, versteht manches schneller.

Noch mehr in die Tiefe geht Wide World Of Animals. Das Handbuch ist als Führer in die Wildnis mit 700 Tierarten jedoch unerläßlich, um die verschiedenen Zugänge kennenzulernen. Gibt man den Suchbegriff eines Tieres ein, zeigt das Programm auf einer großen Satellitenaufnahme den Verbreitungsraum. Ein Klick auf die Fotografie des Tieres führt automatisch zu seinem Steckbrief mit Bildern und weiteren Informationen. Ein anderer Zugang konzentriert sich auf die diversen Lebensräume der Tiere. Zudem ist noch ein politischer, geographischer und taxonomischer Teil vorhanden. Die Tierstatistik gibt unter anderem über Länge, Gewicht, Schwanzlänge, Geschwindigkeit und Anzahl der Jungen Auskunft. Obwohl für Kinder konzipiert, scheint diese Scheibe doch eher für pantoffeltragende Privatgelehrte gemacht zu sein. Sehr speziell, stellenweise unübersichtlich und verwirrend.

Selma arbeitet nur mir Video. Wir begleiten das Mädchen mit der Kamera überall hin. Selma wird von ihrem Vater begrapscht. Die mit dem Mädchenprojekt Rostock entwickelte Scheibe ist erfreulich realitätsnah. Es gibt eben nicht immer auf jede Frage ein Antwort, und wenn doch, ist sie manchmal zum Kotzen. Vieles in der Thematik bleibt hoffnungslos und schwierig. Um sich mit dem Thema 'sexueller Mißbrauch' zu beschäftigen, ist Selma hervorragend geeignet. In einer gesonderten Datei befindet sich ein Adressenverzeichnis mit Anlaufstellen.

Wem die Ravensburger-Aufklärung Bitte nicht stören nicht weit genug ging, der wird an Love Line seine helle Freude haben. Was möchten sich die Kids wohl gerne zuerst ansehen? Genau: einen nackten Körper. Über Pfeiltasten drehen sie ihn oder fahren rauf und runter. Zu vielen Körperteilen folgen Erklärungen und Animationen. Die Laiensprecher geben der CD einen persönlichen Touch. Über eine Online-Anbindung holen sich die Kids die aktuellsten Informationen direkt von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Darüber hinaus verfügt das aufklärerische Werk über ein exzellentes Sachverzeichnis, das keine Tabus kennt. Die CD ist nicht im Handel erhältlich, sondern wird von der Bundeszentrale an Schulen und Organisationen kostenlos abgegeben.

Die Kichererbsenbande auf Weltreise zeigt das bewährte Team diesmal um Tiger Rapu erweitert. Mexiko, Norwegen, Peru, Ghana, Ägypten und andere Länder stehen auf dem Programm. Rapu erzählt zu jedem eine spannende Geschichte, und mit dem Waschbären läßt sich wunderbar 'Sachensuchen' spielen. In Indien erweitert ein kleiner Hindu-Sprachkurs das Spiel. Mit dem Frosch geht es zum Reisfest: einfach die Tiere mit Reis füttern und sie von zwei indischen Kindern festlich schmücken lassen - die Ergebnisse sind verblüffend. Das Schwein Wilma stellt unsere Leichtgläubigkeit auf die Probe, indem es Geschichten erzählt, die wahr oder gelogen oder doch wahr sind. Arbeiten in Indien Ärzte auf der Straße und behandeln sie dort auch ihre Patienten? Faszinierende Collagen aus Fotografie und Computergrafik, kinderleichte Bedienung. Und die Songs machen einfach großen Spaß.


Die Kichererbsenbande auf Weltreise: Mit Frosch zum Reisfest

Meine erste Reise um die Welt scheint zunächst ein ähnlich hochwertiges Produkt wie Mein erstes Lexikon zu sein, erreicht die Qualität des Klassikers aber nicht ganz. Zudem bietet es keine Enzyklopädie, sondern nur die ganze Welt, die man per U-Boot, Auto, Schiff oder Flugzeug bereist. Bekannte Pflanzen und Gebäude landen auf Wunsch als Sticker in einem Album.

Ausgangspunkt ist ein Kinderzimmer mit Weltkarte. Aber wo ist Deutschland auf dieser schön gemachten Karte? Erst die 'Blitzsuche' liefert das nicht besonders wichtige Land. Wir erfahren, daß es sich in 14 Stunden durchfahren läßt. Die Stadt Berlin kommt mit knappen Sätzen über Mauer & Co weg, die kein Kind so verstehen kann. Wer aber nicht unbedingt sein Heimatland bereisen will, wird viel Interessantes finden.

Und noch ein Geographie-Programm: Mit Alex auf Reisen: Deutschland. Zuerst die gute Nachricht: Diese CD-ROM ist eine hervorragende Einführung in die Kartenkunde. Spannend sind etwa die Versuche, herauszufinden, wie Karten und Luftaufnahmen übereinstimmen. Auch schärft die Scheibe den kindlichen Sinn für Symbole in Karten und die Bedeutung des Maßstabs, alles auf spielerische Weise. Ein informatives Lexikon rundet das Programm ab. Die schlechte Nachricht: Der Sprecher des Jungen hat nicht nur einen störenden Akzent, sondern betont auch falsch. Schade drum.

1944 - Operation Teddybär: Die Story beginnt in der französischen Stadt Caen während des zweiten Weltkriegs. Einem Widerstandskämpfer gelingt es kurz vor seiner Verhaftung, gestohlene Geheimdokumente in einem Teddybären zu verstecken. Der Bär gehört Paul, einem zwölfjährigen Jungen. Paul wurde in einem Kloster untergebracht und flieht mit seinem Bären. Bei einer Schießerei zwischen Deutschen und Amerikanern versteckt er sich im Beiwagen eines Motorrads. Der Soldat Joachim rettet sich verwundet auf eben dieses Motorrad und flieht.


1944 - Operation Teddybär: Comic mit Tiefgang

Mehr verraten wir hier nicht. Aber was ist das Besondere? Die Geschichte basiert auf historischen Ereignissen und bietet hier eine unglaubliche Fülle an Details. Von jeder Seite führen Schilder, Plakate, Zettel und anklickbare Gegenstände in den Dokumentationsteil mit vielen Fotografien, Texten, Landkarten und anderen Materialien. Wichtige Themen lassen sich auch gezielt aufsuchen. Großartig.

Erlebnis Geschichte: Deutschland seit 1945 heißt die CD-ROM, die sich mit dem Bonner Nationalmuseum 'Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland' beschäftigt. Sie sieht toll aus und bietet multimedial alles, was wir von einer Silberscheibe erwarten. Nur inhaltlich überzeugt sie weniger: Schreibfehler sind ja zu verschmerzen, aber hier wird ständig die politische Flagge gehißt. Haben die Herren noch nicht mitbekommen, daß der Kalte Krieg vorbei ist? Viele Texte erinnern an vergangene Propaganda. Die DDR, sicherlich kein Ruhmesblatt deutscher Geschichte, wird bis ins kleinste Detail negativ dargestellt. Schlimmer noch: Ein Klick auf 'Opfer' beim Thema 'Drittes Reich' führt nur zur Wiedergutmachung.

Die Macher bedienen sich filmischer Gegenüberstellungen, die einem Erwachsenen die Sprache verschlagen. Ein unbefangener jugendlicher Konsument hält nach dem Genuß wahrscheinlich die CDU für zu links. Apropos Links: Sie führen oft ins Leere. Und es mangelt allerorten an Bildunterschriften und Erklärungen.

Historica stammt ursprünglich aus Italien. Die CD-ROM bietet fast fünfzig Szenarien, die zunächst aus einem gesprochenen, einleitenden Essay bestehen und es danach ermöglichen, per Mausklick weiter in die Tiefe zu gehen. Zahlreiche Texte, Biographien, Bilder, Karten, Filme sowie eine Zeitleiste stehen zur Verfügung, vom ersten Menschen bis zum letzten Atemzug der DDR. Viele Themen laufen als Vortrag ab und lassen ausreichendes Bildmaterial vermissen. Nach dem Ende der Monologe darf man Symbole auf einer Karte anwählen, die sich dann aber kaum auf die Rede beziehen.

Angehängte Filme allein machen noch kein Multimedia: Unter dem Titel 'Der arabisch-israelische Friedensprozeß' läuft ein stummer Schwarzweißfilm. Irgend jemand unterschreibt irgendwas, irgend jemand umarmt jemand anderen, Soldaten laufen auf einer Straße herum. Alles ohne Kommentar. Bei der Lektüre des 'Experiments Allende' sträuben sich sogar die Nackenhaare.

Das Geheimnis der Burg ist dagegen ein echter Knüller, obwohl er als Nachfolger des lahmen Das Flaggschiff des Königs läuft. Wir schreiben das Mittelalter: Der König mißtraut Baron Mortimer und beauftragt uns, wahlweise als Ritter oder Magd verkleidet herumzuspionieren. Unsere Aufgabe ist es, so viele Informationen über den Baron wie möglich zu sammeln, aber auch andere Fragen zu beantworten - wie viele Mitarbeiter der Armbrustmacher beschäftigt, in welchem Teil der Burg die Bauern ihre Abgaben entrichten oder welches Kraut als Mittel bei gereiztem Magen gilt.

Außerdem soll der Spion die fünf Teile einer Karte finden, die der Burg versteckt sind. Zunächst blickt er aus der Vogelperspektive auf die Burg. Nähert er sich, so kommt es zu aufregenden 3-D-Kamerafahrten, wenn er die verschiedenen Burgeingänge benutzt. Toll gemacht.

Interfact heißt eine neue Reihe des Patmos-Verlags. Neben Elektrizität und Magnetismus, Der Regenwald und Ozeane erschienen auch Die Wikinger als Spiralbuch und CD-ROM, die sich ergänzen sollen. Mehr als Diskettenniveau kommt dabei aber nicht rüber, und tatsächlich gibt es die Programme auch auf drei Disketten. Ein bißchen Sound, ansonsten Totenstille und viele Sprechblasen.

Spannend geht es zu auf Titanic: eine interaktive Reise, die uns zu Testzwecken noch in der französischen Originalausgabe vorlag und bei Tessloff erscheinen wird. Den eindrucksvollen Höhepunkt bilden die gruseligen Videoaufzeichnungen. Leicht zur Seite gekippt liegt das Wrack seit 1912 in einer Tiefe von 3600 Metern auf Grund. Schritt für Schritt nähern wir uns dem auseinandergebrochenen Koloß. Immer wieder sehen wir Fotos oder Filme mit Details vom Bug, von der Schiffsschraube und von den Räumen des Kapitäns. Eine Übersichtstafel bietet mehr als zwanzig Standorte, um von allen Seiten einen Eindruck zu bekommen. Empfehlenswert.

Während Wellen, Wracks und Wassermänner (c't 9/96) ins feuchte Element zielt, steht nun bei Tivola Fliegen, Flattern, Flugmaschinen im Mittelpunkt. Charly und Nick lassen in der Nähe eines Flugplatzes einen Drachen steigen, der prompt abstürzt. Auf der Suche geraten sie in einen Hangar, der sich als wahre Fundgrube für Fans des Fliegens erweist. Hier finden die Kids Fotoalben mit Bildern von den ersten Flugversuchen über den Zeppelin bis zu den heutigen Verkehrsmaschinen. Wir erfahren, was Gewitter anrichten können und warum Flugzeuge enteist werden. Der Titel hat im Unterschied zum Wassermann-Vorgänger mehr spielerischen Charakter. Von Anfang an sammelt man mit den beiden Kids Flügel, Propeller, Rumpf oder sogar eine Badewanne. Alle Teile lassen sich kombinieren und ausprobieren. Wer geschickt bastelt, bringt es zu einer Flugmaschine, die tatsächlich abhebt.

Eine echte Bruchlandung legt dagegen Kalle surft im Internet hin. Das Buch mit CD-ROM möchte wohl einen mühelosen Einstieg in die Welt des Internet bieten, scheitert aber an zahlreichen Mängeln: 'Im Internet wird übrigens das englische Alphabet benutzt. Deswegen darf in deiner E-Mail-Adresse kein ä, ö, ü oder ß vorkommen', heißt es. Sehr richtig, aber was dann? In allen abgebildeten EMails stehen diese Umlaute fröhlich herum. Außerdem sind die Bilder auf der CD-ROM unscharf, und es fehlen Erklärungen der mitgelieferten Dateien. Weg damit.

Tessloff bringt nun auch seine klassische Sachbuchreihe 'Was ist was' auf den PC - mit wechselndem Geschick. Was ist was: Das Auto ist eine Frechheit - ein Haufen steriler Industriefilme, die nicht in der Lage sind, einen Sachverhalt verständlich darzustellen. Beim 'Autofahr-Spiel' beschränkt sich die Aktivität darauf, Licht und Scheibenwischer einzuschalten. Schwach.

Was ist was: Die internationale Raumstation - 3-D Space Station Simulator ist dagegen sorgfältiger gestaltet. Es sieht zwar wie ein Alptraum aus und läßt sich nicht einfach bedienen, kann aber fesseln. Von 1997 bis zum Jahre 2002 bauen nämlich 14 Staaten an einer gemeinsamen Raumstation. Astronauten werden Experimente mit Flüssigkeiten, Metallen Legierungen und unter Schwerelosigkeit durchführen. Für eine Erdumdrehung wird die 400 Tonnen schwere Station knapp 90 Minuten benötigen. Im ersten Jahr fliegt ein Prototyp ins All, dann kommen nach und nach weitere Module.

Schon jetzt können wir mit dieser CD die internationale Raumstation virtuell besuchen, die Räume einzeln abklappern und uns die Details an Bord erklären lassen. Auch ein Spaziergang außerhalb der Station ist erlaubt. Aber nicht nur das: Eine eigene Station läßt sich aus realistischen Komponenten zusammenbauen, die einzeln erläutert werden.

Weiter geht es im Weltraum, den auch Microsoft für die Kleinen erobern will. Bisher fielen die Redmonder durch ausgezeichnete Multimediascheiben auf, die zum deutschen Markt passen. Auf die Zauberschul-Bus-Reihe trifft das nicht zu. Der Bus kann ins Weltall (Sonnensystem) fliegen oder in die Tiefen des Ozeans (Meereswelt) abtauchen. Mit von der Partie ist die Klassenlehrerin Miss Fissel nebst einer Handvoll Schüler. Der Sonnensystemtitel ist ein oberflächlich angelegtes Programm mit ein bißchen Information, Animation und Spiel.

Vier Kinder stehen auf einem Planeten. Auf Klick sprudelt ein nicht immer nachvollziehbarer Text über seine Besonderheiten hervor. Der ganze Weg also nur, um ein paar unmotivierte Infos lustlos runterzurattern. Die müden Jump-and-Run-Spielchen können es auch nicht rausreißen. Danke, Miss Fissel, Sie können gehen.

Fred und das Flaschenfahrrad läßt sich zweimal durchlaufen. Zunächst folgt man dem Pinguin Fred als Fußgänger, der in jedem Bild einen Teil eines Fahrrades sucht. Danach gurkt er mit dem Fahrrad durch die Stadt und erfährt die Regeln für Radfahrer. Anschließend legt er eine Verkehrsprüfung ab; ein Fahrradführerschein läßt sich ausdrucken. Theo Kerps wunderbar schräge Stadt- und Straßenansichten bilden eine großartige Kulisse.

Gegen Pinguine haben es Bären besonders schwer. Auch Westermanns Schlaubär im Straßenverkehr ist trotz (oder wegen) der Mitarbeit des Deutschen Verkehrssicherheitsrates kein Vergnügen. Nach Art eines Buches wählt man ein Thema aus, sieht ein Bild und hört, wie der Bär den Text vorträgt - kein Eingreifen möglich. Die Spiele sind nicht der Rede wert. Wer den roten Weg (Fahrradweg?) anwählt, erfährt vom Bär: 'Das ist ein Fußgängerüberweg. Wegen der weißen und schwarzen Streifen nennt man einen solchen Überweg auch Zebrastreifen'. Welche Streifen? Weiß und schwarz? Nichts davon zu sehen. (ts)

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CD-Titel Hersteller Distributor Preis in DM Alters-
empfehlung
Plattform Sprache Inhalt Umsetzung
Kunst
Kuck mal Kunst Voyager Systhema, München 69,- ab 4 Windows, Mac deutsch ++ +
Louvre für Kinder Gallimard Jeunesse Ravensburger, Ravensburg ca. 69,- ab 8 Windows, Mac deutsch ++ ++
Musik
Opera fatal Ruske & Pühretmeier Heureka Klett, Stuttgart 98,- ab 10 Windows, Mac deutsch ++ ++
Guitar Hits 2 Ubi Soft Ubi Soft, Düsseldorf 69,95 ab 10 Windows deutsch, englisch ++ ++
Kinderlieder Hemming Hemming, Speyer 14,95 ab 4 Windows deutsch ± --
Kinderlieder der Welt Voyager Ravensburger, Ravensburg ca. 45,- ab 4 Windows, Mac deutsch ± ±
Natur
Oscar, der Ballonfahrer und die Geheimnisse des Waldes Tivola Tivola, Berlin 68,- ab 4 Windows, Mac deutsch, englisch ++ ++
Oscar der Ballonfahrer entdeckt den Bauernhof Tivola Tivola, Berlin 68,- ab 4 Windows, Mac deutsch, englisch ++ ++
Ein kleines Stück Strand TerraGlyph Funsoft, Kaarst 69,95 ab 6 Windows deutsch ± ±
Ein kleines Stück Garten TerraGlyph Funsoft, Kaarst 69,95 ab 6 Windows deutsch ± ±
Virtual Book: Der Bär Infogrames Bomico, Kelsterbach 49,90 ab 7 Windows, Mac deutsch, englisch, französisch, spanisch, italienisch, portugiesisch, holländisch ± ±
Virtual Book: Der Elefant Infogrames Bomico, Kelsterbach 49,90 ab 7 Windows, Mac deutsch, englisch, französisch, spanisch, italienisch, portugiesisch, holländisch ± ±
Virtual Book: Der Löwe Infogrames Bomico, Kelsterbach 49,90 ab 7 Windows, Mac deutsch, englisch, französisch, spanisch, italienisch, portugiesisch, holländisch ± ±
Neues vom Süderhof Dock Media DTP Neue Medien, Hamburg 49,95 ab 8 Windows, Mac deutsch ± ±
Löwenzahn Dock Media/Bavaria Int. Terzio, München 29,90 ab 5 Windows, Mac deutsch + ++
Abenteuer Dinosaurier Knowledge Adventure CUC/Sierra, Kelsterbach ca. 70,- ab 8 Windows, Mac deutsch - -
Vulkane Corbis Bomico, Kelsterbach ca. 90,- ab 12 Windows deutsch + +
Das Wetter Meteo Consult Systhema, München 69,- ab 12 Windows, Mac deutsch + +
Wide World Of Animals Creative Wonders Electronic Arts, Aachen ca. 50,- ab 13 Windows deutsch ± ±
Sexualität
Selma Donna Vita Donna Vita, Ruhnmark 39,90 ab 10 Windows, Mac deutsch ++ ++
Love Line Vis Art/ Fox Light Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln - (s. Text) ab 12 Windows, Mac deutsch ++ +
Geographie
Die Kichererbsenbande auf Weltreise Headbone Interactive Ravensburger, Ravensburg ca. 59,- ab 4 Windows, Mac deutsch + +
Meine erste Reise um die Welt Dorling Kindersley Bibliographisches Institut, Mannheim 98,- ab 4 Windows, Mac deutsch ± +
Mit Alex auf Reisen: Deutschland Heureka Klett Heureka Klett, Stuttgart 98,- ab 10 Windows, Mac deutsch + +
Geschichte
1944 - Operation Teddybär Flammarion Systhema, München 79,90 ab 14 Windows, Mac deutsch ++ ++
Erlebnis Geschichte: Deutschland seit 1945 Heureka Klett Heureka Klett, Stuttgart 128,- ab 14 Windows deutsch -- ±
Historica Si.Lab Cornelsen, Berlin 98,- ab 12 Windows deutsch + -
Das Geheimnis der Burg Dorling Kindersley Bibliographisches Institut, Mannheim ca.100,- ab 10 Windows, Mac deutsch ++ ++
Die Wikinger Two-Can Patmos, Düsseldorf 39,80 ab 6 Windows deutsch ± --
Titanic: eine interaktive Reise Havas Edition Tessloff, Nürnberg 79,- ab 12 Windows deutsch + +
Wissenschaft und Technik
Fliegen, Flattern, Flugmaschinen Tivola Tivola, Berlin ca. 90,- ab 8 Windows, Mac deutsch ++ ++
Kalle surft im Internet Norstedts Ravensburger, Ravensburg 29,80 ab 9 Windows, Mac deutsch - --
Was ist was: Das Auto Bavaria Film Tessloff, Nürnberg 69,- ab 8 Windows deutsch - --
Was ist was: Die internationale Raumstation Maris Tessloff, Nürnberg 79,- ab 10 Windows 95 deutsch + ±
Zauberschulbus: Im Sonnensystem Microsoft Microsoft, Unterschleißheim 69,- ab 8 Windows deutsch - ±
Zauberschulbus: In der Meereswelt Microsoft Microsoft, Unterschleißheim 69,- ab 8 Windows deutsch - ±
Verkehrserziehung
Fred und das Flaschenfahrrad Tivola Tivola, Berlin 78,- ab 4 Windows, Mac deutsch ++ ++
Schlaubär im Straßenverkehr soft.art Westermann, Braunschweig 49,- ab 5 Windows deutsch ± ±

++ sehr gut + gut ± zufriedenstellend - schlecht -- sehr schlecht - nicht vorhanden

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