Wow

@ctmagazin | Editorial

Wow,

unser Netzwerk-Admin ist gerade mit überwältigender Mehrheit zum "verdienten Helden der Arbeit des Monats" gewählt worden, mit besten Aussichten für eine Wiederwahl im nächsten Monat. Er hat nämlich dafür gesorgt, daß jetzt alle Kollegen einen PC mit Pentium III haben. Erstklassige Arbeit ist halt nur mit einem ebensolchen Werkzeug möglich.

Intel hat die Zeichen der Zeit klar erkannt. MMX und Spiele, das war gestern; heute geht es wieder um den Ernst des Lebens. Der Pentium III hat den Busineß-Markt im Visier - und Intel einen Volltreffer gelandet. Die Kollegen sind motiviert wie noch nie, die depressive Stimmung nach der letzten Lohnrunde ist wie weggewischt.

Hanni, die bisher morgens die letzte und abends die erste war, schiebt neuerdings Überstunden. Seit sie ihre schlechte Laune an Monstern und Nazis in Castle-Wolfenstein-3D abreagieren kann, ist sie die freundlichste Kundenbetreuerin im ganzen Laden.

Sabine kann sich endlich die kräftezehrenden Shopping-Touren sparen. Seit sie einen PC hat, der die Designerfummel dreidimensional in Echtzeit über den Schirm wirbelt, erledigt sie ihre Schnäppchenjagd nur noch online. Trotz anstehender CeBIT mußte noch kein Kollege unter ihrer berüchtigten Ich-hab-noch-kein-Messe-Outfit-Panik leiden.

Unser Fahrer Klaus trainiert täglich "Messenger City Racing" in 3D-Multiplayer-Technik übers Netz. In seiner Gruppe sind noch 20 Fahrer anderer Firmen, und zur Zeit liegt Klaus auf Rang 3. Mittlerweile schafft er seine reale Lieferrunde in 3/4 der Zeit bei 70 Prozent weniger Knöllchen.

Hans-Harald aus der Buchhaltung entpuppt sich als begnadeter Entertainer und Programmierer gleichermaßen. Wurden seine Inventur-Formulare bisher kollektiv gehaßt, stürzen sich jetzt alle Kollegen mit wahrer Begeisterung auf die neuen, elektronischen Varianten. Es gibt eine Adventure- und eine Jump&Run-Version, jede mit vier Leveln. Animierte Diagramme, umherhüpfende ok-Buttons, Sequenzen aus seinen Urlaubsvideos - doch, Hans-Harald hat sich selbst übertroffen.

Mit einem "Marketing-Blitzkrieg" (news.com) für läppische 300 Millionen US-Dollar macht Intel seine neue Dimension des Busineß-Computing zum Standard und hat auch unseren Netzwerk-Admin überzeugt. Pentium II und Windows 95 sind out, produktive Büroarbeit braucht Pentium-III-Maschinen mit Windows 98 oder NT.

Die Händler sind begeistert: Endlich lassen sich wieder Spitzenmodelle zu Spitzenpreisen verkaufen. Unser Chef fand sie erst zwar etwas teuer, aber auch er weiß, daß der Kaufpreis völlig nebensächlich ist - die Total Cost of Ownership zählt.

Peter Siering

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