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XCOM: Das Brettspiel, die Tabletop-Adaption des Strategieklassikers

Test & Kaufberatung | Spielekritik

Bei XCOM: Das Brettspiel muss man die Erde gegen Aliens am Tisch verteidigen – mit bis zu vier Spielern, Würfeln, Spielkarten, Teamwork und einer App.

Timer piepen, UFOs erscheinen auf der Weltkarte, Krisen treffen die Bevölkerung, Soldaten wehren Außerirdische ab. Was seit den 90ern in den XCOM-Videospielen auf dem Bildschirm passiert, geschieht bei XCOM: Das Brettspiel auf dem Spielbrett und dem Display des Satelliten-Uplinks. Vier Spieler müssen unter Zeitdruck und Finanznot die Welt retten.

Spiele-Review: XCOM: Das Brettspiel, die Tabletop-Adaption des Strategieklassikers
Das Spielmaterial ist beim Aufbau schnell zugeordnet. Commander, Forschungsleiter, Einsatzleiter und Central Officer haben ihre entsprechend markierten Karten. Fast alles andere findet auf dem Spielbrett Platz.

Hübsche, kleine Plastikfiguren stellen UFOs, Soldaten und Abfangjäger dar. Andere Spielelemente wie Aliens, Technologien, Satelliten und Wissenschaftler kommen in Karten- oder Marker-Form daher. Hinzu kommen die Spielbrett-Weltkarte sowie spezielle sechs- und achtseitige Würfel.

Das Game ist auf genau vier Mitspieler ausgelegt, die kooperativ gegen das Spiel antreten, das eine App für Android, iOS, Windows und Mac steuert. Die Spieler übernehmen vier verschiedenen Rollen: Commander, Forschungsleiter, Einsatzleiter und Central Officer. Spielen weniger Spieler mit, müssen einige mehrere Rollen übernehmen.

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Vor dem Spiel lachten sie noch. Rapide ablaufende Timer und der knackige Schwierigkeitsgrad, den auch schon die Videospielreihe mitbrachte, erforderten schnell Konzentration und Frustresistenz. (Bild: Liane M. Dubowy)

Der Commander verwaltet das Budget von XCOM und muss den Überblick behalten, um Finanzdefizite zu vermeiden. Außerdem entsendet er Abfangjäger, um UFOs auf der Weltkarte abzuschießen. Der Forschungsleiter kümmert sich um die Entwicklung neuer Technologien, mit denen die anderen Spieler besser gegen die Invasoren kämpfen können. Dazu stellt er Forscher in Labore ab. Außerdem erhält er vom Einsatzleiter erledigte Gegner zum Sezieren. Die bleiben übrig, wenn der Einsatzleiter seinen Job gut macht: Soldaten abstellen, um die XCOM-Basis zu verteidigen und in Kampfeinsätzen auf der Welt die Alien-Bedrohung zu vermindern.

Überblick zur globalen Lage hat der Central Officer. MIt Satelliten im Orbit fängt er UFOs vorzeitig ab. Auf Smartphone, Tablet oder Laptop bedient er außerdem die kostenlose App zum Brettspiel.

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Die App ist sowohl Helfer als auch Gegenspieler der XCOM-Truppe. In der Echtzeitphase einer Spielrunde sagt die App an, was welcher Spieler tun darf oder muss. Erscheinen UFOs über Afrika? Der Central Officer muss entsprechend viele Plastik-UFOs auf der Weltkarte parken. Stehen Abfangjäger zum Abflug bereit? Der Commander gibt Befehl, wohin sie fliegen und legt Plastik-Jets auf die Weltkarte. Gibt's neue Technologien? Der Forschungsleiter gibt eine Forschungskarte in ein Labor und teilt Wissenschaftler zu. Sind Aliens in die Basis eingedrungen? Der Einsatzleiter stellt Soldaten zur Verteidigung ab. Für alle Aktionen haben die Spieler nur wenige Sekunden Zeit. Brauchen sie zu lange, gibts Zeitstrafen für folgende Aktionen. Zugeteilte Einheiten – Soldaten, Jets, Wissenschaftler und Satelliten – kosten Geld.

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In wenigen Sekunden entscheiden Spieler, wie sie Ressourcen einsetzen. Der Umgangston wird militärisch knapp, es kommt zu Meinungsverschiedenheiten. Das letzte Wort hat immer der jeweilige Abteilungsleiter. (Bild: Liane M. Dubowy)

Nach der Echtzeitphase folgt die Auswertungsphase. Zuerst muss das Budget ausbalanciert werden. Wurde zu viel ausgegeben, quittiert das die Weltbevölkerung mit Panik. Ist noch was übrig, können Soldaten und Jets nachgekauft werden. Danach geht es an die Würfel. Durch Glück, Risikomanagement und gegenseitige Unterstützung werden UFOs abgeschossen, Aliens abgeknallt und Technologien erforscht. Krisen und andere Gemeinheiten erschweren das Ganze.

Wenn danach die XCOM-Basis noch steht und keine zwei Kontinente in Panik verfallen sind, geht es in die nächste Spielrunde. Gewonnen haben die Spieler erst, wenn sie den finalen Einsatz abgeschlossen haben. Den schaltet die App aber erst nach einiger Zeit frei – so lange heißt es: überleben.

XCOM: Das Brettspiel ist ein harter Brocken. Wie bei seinen Videospiel-Vorvätern braucht man eiserne Nerven und einen ebenso stabilen Geduldsfaden. Schon ein kleiner Fehler kann spätere Spielrunden massiv erschweren. Das kann man aber natürlich mögen – das anspruchsvolle Gameplay belohnt Spieler, die bei der Sache bleiben und durchhalten.

Eines der größten Mankos – und einer der größten Unterschiede zum digitalen Vorbild – sind die Kampfeinsätze. Während sie in den Videospielen umfangreiche taktische Gefechte darstellen, bei denen man jeden Soldaten steuert, werden sie auf dem Spieltisch mit einigen Würfelwürfen abgehandelt. Das funktioniert und ist selten langweilig, lässt jedoch oft taktische Tiefe vermissen.

Davon abgesehen macht XCOM: Das Brettspiel aber Riesenspaß. Auch und gerade wegen der App. Die Timer sorgen für Hektik und Spannung, die einer Alien-Invasion angemessen scheint. Außerdem übernimmt die App das Tutorial und die Regelvermittlung sowie viele Spielmechaniken, die analog nur umständlich zu realisieren wären. So muss nicht ein einzelner Spieler den Bösewicht spielen und alle Mitspieler können zusammen gegen die App zocken. Für XCOM-Veteranen, die mal vom Bildschirm wegkommen wollen, ist das Brettspiel allemal einen Blick wert. Alle anderen Brettspielfreunde, die Kooperation, geschmeidige Spielmechaniken und SciFi mögen, dürften ohnehin viel Freude haben. (jube [3])

Aufzeichnung des c't-zockt-Live-Streams vom 19. Juli 2018: XCOM: Das Brettspiel.

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[3] mailto:jube@heise.de