Zukunftssicher?

@ctmagazin | Editorial

Zukunftssicher?

In der Vorweihnachtszeit häufen sich bei uns die Anfragen mit akribisch ausgearbeiteten Listen aller PC-Bestandteile. Zu jeder Komponente stehen drei oder vier Typen zur Auswahl, damit wir eine Empfehlung aussprechen - wegen der Zukunftssicherheit.

Zukunftssicherheit - wie hat sich dieses Wort nur in die PC-Branche gemogelt? Gab es sie denn in der Vergangenheit tatsächlich? Vor fünf Jahren kostete eine IDE-Festplatte mit 1 GByte Kapazität 400, ein Pentium 133 (noch ohne MMX) rund 900 Mark. Für 4 MByte RAM waren 220 Mark zu entrichten, für die ersten 2X-CD-Brenner rund 2000. Es gab noch 14"-Monitore und mit "Grafikbeschleuniger" meinte man "Windows-Beschleuniger" für 2D.

Mit Blick zurück aus der Zukunft sagt mir das: Nichts davon ist mehr im Handel, und das meiste auch längst aus dem Sinn. Einiges verdrängt man ja auch durchaus gern, etwa die schmerzhaften "großen Schnitte" wie den Wechsel von VESA-Local-Bus zu PCI (fast alles neu) oder den Übergang zu ATX (vieles neu) - da endete die Zukunftssicherheit recht abrupt.

Und so ist auch der noble 7000-Marks-PC von 1995 heute nur noch Plunder - seine Zukunft passé, sein Wert nahe null. Die erwähnte 1-GByte-Platte wäre im direkten Vergleich mit einer aktuellen 10-GByte-Harddisk für 200 Mark folglich noch 20 Mark wert - wenn sie neu wäre!

Ein bisschen zukunftssicher, das mag klappen. Zurzeit gehen wir bei c't davon aus, dass man maximal auf zwei Jahre voraus planen kann - und das ist schon ziemlich gewagt. Ich stecke mit meinem 1,5 Jahre alten PC selbst in diesem Dilemma. Zwar ist mir die frühzeitige "Verrentung" des Systems erspart geblieben, die ich durch die Einführung des Rambus erwartet hatte. Aber nun ist seine Zukunft halt auf subtilere Art bedroht - eigentlich besiegelt.

Meine Überlegung im März 1999 lautete: Mit einem Prozessor für 400 Mark (damals ein Celeron 366) komme ich aus. Aufgerüstet wird erst wieder, wenn man doppelte Leistung für denselben Preis bekommt. Statt Celeron solls nun ein Pentium III mit 700 MHz sein. Oberhalb von 600 MHz erfordert der Pentium III aber eine Kernspannung, die mein Mainboard nicht bereitstellt - per Sockeladapter sollte sich dieses Problem noch relativ leicht lösen lassen.

Wenn ich aber bedenke, dass bei meinem Mainboard mit 850 MHz eh Schluss ist (mehr Prozessortakt gibts nur mit 133 MHz FSB - also nicht mit meinem Board), dann käme ich natürlich mit einer 850-MHz-CPU noch am längsten hin. Die kostet allerdings noch 1000 Mark. Aber womöglich fliegt die aus Intels Sortiment, bevor sie bei 400 Mark ankommt? Vielleicht jetzt doch 500 Mark für 700 MHz hinlegen, und im halben Jahr für ein paar Prozent mehr Leistung dasselbe noch mal? Sind aber auch 1000 Mark. Und ist irgendwas davon zukunftssicher?

Nun, sicher für die Zukunft bin ich nur in einem Punkt: Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird es wieder einen "härteren Schnitt" geben - ganz egal, ob ich mein jetziges Dilemma aussitze oder zwischendurch nachrüste.

Detlef Grell

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