Zwischen zwei Welten

Speed Commander VI: Dateiverwaltung mit zahlreichen Archivfunktionen

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Immer noch gilt der Norton Commander als Paradebeispiel für einen gelungenen Datei-Manager, doch Windows bringt deutlich weitreichendere Funktionen mit, von denen die Entwickler des Zweifensterklassikers seinerzeit nicht einmal zu träumen wagten. Der SpeedCommander versucht, sowohl GUI-Enthusiasten als auch NC-Fans zufriedenzustellen.

Wenn sich alte DOS-Hasen bei der Sehnenscheidenentzündungs-Physiotherapie treffen, kommt immer wieder der alte Streit auf: 'Und die Version Drei-Null war doch die beste.' Dabei geht es natürlich um 'den alten Norton', der mit dem Aufkommen der langen Dateinamen ein unrühmliches Ende im selten benutzten Verzeichnis 'DOSSOFT' gefunden hat.

Dabei gibt es unter Windows 95 inzwischen zahlreiche 32-Bit-Werkzeuge zur Dateiverwaltung, die die Funktionsweise des Veteranen bei weitem übertreffen und dabei auch noch konform zu den Windows-Gestaltungsempfehlungen laufen; doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und so ist ein Aussterben der NC-Klone nicht abzusehen.

Der SpeedCommander gibt sich sichtlich Mühe, sowohl das Zweifenster-Erbe als auch die Vorteile der modernen Windows-Oberfläche auszunutzen. Die Menüleiste enthält neben den üblichen Befehlen (Datei, Bearbeiten, Ansicht ...) auch Einträge für das Startmenü und den Desktop, und neben einer Detail- und Listenansicht kann das Verzeichnis auch, wie im Explorer, mit 32 × 32 Pixel großen Symbolen angezeigt werden.

Andererseits enthält der SpeedCommander 6 endlich auch wieder eine DOS-Kommandozeile, die bei den letzten beiden Versionen fehlte. Leider ist sie komplett vom Programm abgekoppelt: Ein 'cd\windows\system' in der Kommandozeile führt also nicht etwa dazu, daß auch das aktive Fenster in dieses Verzeichnis wechselt.

Der integrierte ftp-Client ist ausgereift und unterstützt erstmals auch passive Dateiübertragung. Beim Up- und Download legt die Software auch ganze Verzeichnisstrukturen an; das Löschen nicht leerer Verzeichnisse bereitete auch auf exotischen Servern im Test keine Probleme. Auch der Dateiaustausch zwischen zwei ftp-Servern funktionierte.

Im Bereich Kompressionssoftware hängt der SpeedCommander die Konkurrenz deutlich ab. Er unterstützt acht Archivformate zum Packen und Entpacken: ZIP (auch GZIP), ARJ, LZH, CAB (sowohl die MSZIP-Variante als auch LZX), RAR (Versionen 1.5 und 2.0), UUE und TAR. Die Original-Packer werden dazu nicht benötigt: Die Programmierer des SpeedCommanders haben die Kompressionsalgorithmen von Grund auf nachprogrammiert. Daher stellen selbstentpackende Archive (ZIP, ARJ, LZH und RAR) ebensowenig ein Problem dar wie Paßwortverschlüsselung (ZIP und RAR) und lange Dateinamen.

Die einzige Einschränkung der Shareware-Version sind Dialogfelder bei Programmstart und -ende. Neben einer ANSI-Version für Windows 95/98/NT gibt es auch zwei spezielle Unicode-Versionen für NT auf Intel- und DEC-Alpha-Rechnern. (ghi)


SpeedCommander VI (SCVI_Trial_Full.exe, Shareware, 79 DM) steht auf http://www.speedproject.com/ sowie in der c't-Mailbox zum Download bereit.

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